User-Interview

Mit Crowdfunding zum Nehrim-Hörspiel

ChrisL 7. Juli 2012 - 18:42 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
Mitte 2010 veröffentlichten die Hobby-Entwickler von SureAI mit Nehrim eine Komplettkonvertierung des Rollenspiels The Elder Scrolls 4 – Oblivion, die auch heute noch über zahlreiche Fans verfügt. Mittels des Hörspiels Nehrim – Kriegsdämmerung können alle Interessierten nun noch tiefer in die Welt der Modifikation eintauchen.
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Erstmals im Januar dieses Jahres berichtete GamersGlobal über das Hörspiel-Projekt von Benjamin Arlet, der in Berlin Game Design studiert und bereits in die Entwicklung der Oblivion-Totalkonvertierung Nehrim – Am Rande des Schicksals stark involviert war. Im folgenden Interview äußert sich Benjamin unter anderem ausführlich zur Entstehung des Hörspiels, zum Erfolg der Crowdfunding-Aktion (wir berichteten) und zu den Gründen, die für den Verzicht auf DRM-Maßnahmen ausschlaggebend waren. Darüber hinaus könnt ihr euch über die professionellen Sprecher und die Bestellmöglichkeiten informieren und erfahrt, ob auch Nicht-Spieler der Total Conversion mit Nehrim – Kriegsdämmerung auf ihre Kosten kommen und für welches Computerspiel „unbedingt“ ein Hörspiel produziert werden sollte.

Frage: Wie entstand die Idee, ein Hörspiel zur Oblivion-Mod Nehrim zu produzieren?

Benjamin Arlet: Wie alle Ideen: Dir schwirrt irgendetwas im Kopf herum, und dann plötzlich wird es greifbar. Das Hörspiel ist schon etwas älter, die Anfänge entstanden bereits kurz nach der Veröffentlichung des Spiels im Jahr 2010. Ich hatte sehr viel Text und Handlung zu Nehrim geschrieben und war sozusagen noch „drin“ in der Materie. Da ist mir einfach der Gedanke gekommen, wie es wohl wäre, ein Hörspiel in dieser Welt zu machen. Das war wohl der größte Antrieb: meine Neugier.

Frage: Was erwartet die Hörer?
Sprecher
Die Rollen des Hörspiels wurden mit bekannten Sprechern besetzt, die prominente Schauspieler synchronisieren:
  • Erzähler: Gordon Piedesack (Synchronsprecher und bekannte Stimme aus Werbespots von ARD oder BMW)
  • Aeternafrau Aila von Salenburg: Annina Braunmiller (unter anderem die deutsche Synchronstimme von Kristen Stewart in den Twilight-Filmen)
  • Hauptmann Merdock: Thomas Petruo (Radiomoderator und die dt. Stimme von Gary Oldman in „Leon – der Profi“)
  • Banditen-Anführerin Belana: Claudia Urbschat-Mingues (Synchronstimme von Angelina Jolie)
  • Spion Gunnar: Johannes Berenz (unter anderem die deutsche Stimme von Ben Affleck und Owen Wilson)
  • Offizier: Sven Hasper (dt. Stimme von Michael J. Fox, Christian Slater)
  • Kampfmagier: Lutz Mackensy (deutsche Stimme von Al Pacino und Alan Rickman)


Benjamin Arlet: Spannung und Hintergrundinfos. Das Hörspiel beschäftigt sich mit (fast) vollkommen neuen Charakteren und deren Schicksalen. Eine der Hauptpersonen ist die Aeternafrau Aila von Salenburg, die mit einigen anderen ihres Volkes in der aus dem Spiel bekannten Schattenrufmine arbeitet. Wir sind hier etwa 30 Jahre vor Beginn der Spielhandlung, also ist die Mine noch voll in Betrieb. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die Soldaten des Kanzlers damit, im Land die Hexenglocken aufzustellen, um das Volk der Aeterna weiter an den Rand der Gesellschaft zu drängen. Durch einen unglücklichen Umstand verliert Aila ihr Kind an einen Hauptmann der Soldaten, gerät dann an einen Spion und eine Widerstandskämpferin aus den Wäldern. Die Charaktere haben alle ihre eigenen Ziele, weshalb irgendjamend auf der Strecke bleiben wird. Wer das sein wird, steht jedoch erst ganz zum Ende fest.

Frage: Wie lange hat es von der ersten Überlegung bis zum fertigen Produkt gedauert?

Benjamin Arlet: Es hat ziemlich genau vom September 2010 bis zum Juli 2012 gedauert. Die Sache war einfach die, dass alles neben dem Studium gelaufen ist und ich noch keine Erfahrung mit der Produktion von Hörspielen hatte. Zum Glück hatte ich von Anfang an die Unterstützung des Tonstudios 2Day Productions, das auch schon beim Computerspiel mitgewirkt hatte. Die Jungs haben mir sehr geholfen und es letztlich möglich gemacht, aus dem Skript eine gut klingende Demo zu produzieren [siehe dazu Demo bei Soundcloud].

Die Demo haben wir ohne Budget realisiert – da dauert es manchmal ein bisschen, bis man Sprecher gefunden hat, die dazu bereit sind. Lange Zeit war ich der Meinung, dass ich einen Verlag finden müsste, was aber fruchtlos und im Nachhinein gesehen Zeitverschwendung war. Als die richtige Produktion begonnen hatte, gab es auch wieder ein paar Sachen, die den Zeitplan zurückgeworfen haben, wie beispielsweise einen Rohrbruch in einem der Tonstudios und eine kranke Sprecherin. Ich denke aber, dass so etwas der normale Lauf der Dinge ist. Und eventuelle Nachfolger werden dann bestimmt nicht ansatzweise so lange benötigen.

Frage: Wie muss man sich den typischen Arbeitsprozess vorstellen? Welche Schritte sind im Einzelnen für eine Szene notwendig?

Benjamin Arlet: Du schreibst das Skript für alle Szenen und lässt mehrere Leute drüberlesen, um Formulierungs- und Inhaltsfehler zu beseitigen. Die Texte werden mit Regieanweisungen versehen, damit die Sprecher sich besser vorbereiten können. Wenn die Texte dann aufgenommen werden, bist du am besten als Aufnahmeregisseur mit im Tonstudio, denn im Zweifelsfalle weißt nur du, wie genau ein bestimmter Satz ausgesprochen werden soll. Je kürzer der Satz, desto schwieriger ist es meist, den richtigen Ton zu finden. Manchmal mussten wir ein einzelnes Wort ein Dutzend Mal aufnehmen, bis es gestimmt hat. An der Stelle ist es auch wichtig, den Sprechern so viel Kontext wie möglich zu geben, denn im Normalfall werden Dialoge unabhängig voneinander, also in Einzelsitzungen, aufgenommen. Wenn man da nicht aufpasst, entstehen ganz schnell Anschlussfehler, was ich für sehr kritisch halte. 

Danach werden die Rohaufnahmen geschnitten. Meistens wird jeder Take mehrere Male in verschiedenen Versionen aufgenommen und man sucht sich das Beste heraus. Die geschnittenen Takes werden anschließend in einem passenden Programm zusammengeschnitten, wie etwa Steinberg Nuendo, in das auch die Sounds und die Musik eingefügt werden. Am Ende wird geprüft, ob die Lautstärken der einzelnen Aufnahmen und Sounds gut zueinander passen. An einer einzelnen Szene können also gut und gerne sieben, acht Leute beteiligt gewesen sein. Das ist schon ein ziemlich großer Aufwand.

Die Tonspuren der Demo im Programm Cubase.
Metalstryke 11 Forenversteher - P - 717 - 7. Juli 2012 - 20:31 #

Das Hörspiel ist echt genial wenn auch etwas kurz aber für den Preis verkraftbar =)

Ich kann auch bestätigen, das man das Spiel echt nicht gespielt haben muss um in die Welt von Nehrim einzutauchen. Wegen dem Hörspiel werd ich mir Nehrim sogar mal anschauen bzw die oben genannte Mod.

Die ist damals irgendwie total an mir vorbei gegangen Oo

Barkeeper 16 Übertalent - 4226 - 10. Juli 2012 - 23:46 #

Danke für das Interview. Ist wirklich interessant und gibt einen netten Eindruck von dem was die Jungs (Und Mädels?) von SureAI da so auf die Beine stellen :-)

EDIT: Omg es ist zu spät.. Ist ja schon draußen das Hörspiel.. Gekauft, habe ich wenigstens was zum für "Auf die Arbeit fahren"-Hören :-)

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