User-Test

Mirror's Edge

Green Yoshi 9. Februar 2010 - 12:14
Wenn von Jump'n Runs die Rede ist, denkt jeder sofort an Mario oder Sonic. Die Macher der Battlefield-Reihe versuchten anno 2008 dennoch ein erwachsenes Jump'n Run aus der Ego-Perspektive auf die Beine zu stellen. Ob es ihnen gelungen ist, lest ihr in diesem Test.
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Faith bedeutet Glauben, aber die gleichnamige Hauptprotagonistin in Mirror’s Edge glaubt nur noch an sich selbst. In einem totalitären Staat, in dem Orwells Überwachungsvisionen Wirklichkeit geworden sind, liefert sie geheime Information von einem Ende der Stadt zum Anderen. Dafür springt sie über Dächer, rutscht Stangen herunter und vollführt Aktionen, die auch alte Hasen wie Mario und Sonic neidisch werden lassen.
Faith ist ein Runner und Angestellte eines Botendienstes der Sendungen transportiert, von denen der Staat lieber nichts wissen sollte.

Story


Doch in Mirror’s Edge mimt ihr keinen postmodernen Briefträger; stattdessen versucht ihr eure Schwester Kate zu retten und deckt dabei eine weitreichende Verschwörung auf.  Faiths Schwester ist Polizistin und steht mit der Waffe neben dem toten Bürgermeisterschaftskandidaten, jemand der die Sachen in der Stadt anpacken und verändern wollte. Als Faith in diesem Moment den Raum betritt, kann ihr Kate nur noch den Rat geben, wegzurennen. Die Polizei auf den Fersen und mit einem Feind konfrontiert, von dem sie nichts weiß, hetzt sie durch die Stadt, um Licht ins Dunkel zu bringen. Einzige Hilfe dabei ist ihr Vorgesetzter Mercury, mit dem sie über Funk Kontakt hält und ein Polizeikollege von Kate. 

Schauplatz von Mirror’s Edge ist eine namenlose Stadt, die einerseits hell und freundlich aussieht, andererseits kalt und steril wirkt. Das sterile Design mag nicht jedermanns Geschmack sein, zum Science-Fiction Setting von Mirror’s Edge passt es perfekt. Die saubere, namenlose Stadt hat keine Seele und hinter den glänzenden Fenstern und weißen Dächern verbirgt sich die hässliche Fratze eines Polizeistaates, der seinen Bewohnern genauso wenig Individualität einräumt wie seiner Stadt. Faith stellt einen Gegenpart zu dieser scheinbar perfekten Welt dar, sie verkörpert den Freiheitsdrang und das Rebellische des menschlichen Geistes. Aber es ist nicht die Spielwelt oder die Story, die Mirror’s Edge zu etwas außergewöhnlichen machen, es ist das Gameplay.

Gameplay

Mirror’s Edge ist ein Jump’Run aus der Ego-Perspektive und damit ein Unikat. Wandsprünge, Purzelbäume oder das Hangeln an Vorwänden, alles geht leicht von der Hand und ist schnell erlernt. Faith kann auf nahezu alles klettern was die Levelumgebung so hergibt und so lassen sich viele Abkürzungen in den Umgebungen finden. Orientierungsprobleme gibt es dabei keine, ein kurzer Tastendruck genügt und Faith schaut in Richtung Ziel. Des Weiteren werden markante Punkte wie Sprungbretter und Stangen bei Näherkommen rot markiert, um euch den rechten Weg zu weisen. Ein Zeitlimit sitzt euch nie am Nacken, sehr wohl aber einige schießwütige Beamten, die aber zum Glück nicht die flottesten sind. Unangenehmer werden die Gegner wenn sie euch in den Weg stellen, Faith verträgt nicht viele Treffer und ein Kampf mit mehreren Gegnern sollte tunlichst vermieden werden. Darüber hinaus verfügt Faith über keinerlei Waffen, sie kann aber den Gegnern diese abnehmen. Dies geschieht dadurch, dass ihr im richtigen Moment auf die Y-Taste drückt. Um es sich dabei ein wenig einfacher zu machen könnt ihr für wenige Sekunden einen Zeitlupenmodus aktivieren. Dieser lädt sich automatisch wieder auf und kann auch bei kniffligen Sprungpassagen ganz nützlich sein.  Faith kann die Waffen leider nicht nachladen und ist bewaffnet stark eingeschränkt in ihrem Bewegungsrepertoire. Daher solltet ihr die Waffen schnell wieder fallenlassen, nachdem die Gegner erledigt sind. Es ist auch möglich an allen Gegnern vorbeizulaufen und komplett auf den Einsatz von Waffen zu verzichten, dafür winkt am Ende sogar ein Gamerscore Erfolg.  

Im Fokus des Spiels steht sowieso nicht der Kontakt mit den Gegnern, sondern der Jump’Run Part. Das Spielgefühl erinnert dabei grundsätzlich an einen Ego-Shooter, mit ein paar entscheidenden Änderungen. Faith hat wie jeder gesunde Mensch Hände und Beine und anders als in den meisten anderen Spielen aus der Ego-Perspektive könnt ihr diese auch sehen. Wenn Faith eine Rolle in der Luft macht, dreht sich die Kamera mit und ihr erlebt jede Aktion im Spiel aus der Ich-Perspektive . Das „Ego-Gefühl“ wurde bisher in kaum einen Spiel so glaubwürdig vermittelt. Mirror’s Edge ist trotz der Freiheit die ihr auf dem Weg zum Ziel habt ein streng lineares Spiel, optionale Aufgaben sind genauso Mangelware wie alternative Levelabzweigungen. Der Umfang fällt daher mit 8-10 Stunden auch eher knapp aus, wer die Level kennt braucht sogar nur die Hälfte der Zeit.  Ein zusätzlicher Spielmodus namens „Time Trial“ in dem ihr in verschiedenen kurzen Abschnitten auf Bestzeitenjagd geht, sorgt für Motivation nach dem Durchspielen. Die Zeiten können selbstverständlich mit Spielern auf der ganzen Welt verglichen werden. 

Mirror’s Edge ist als Trilogie ausgelegt, trotzdem braucht niemand Angst vor einem bösem Cliffhanger am Ende haben. Die Story wird zwischen den neun Kapiteln mit Hilfe von Comicsequenzen vorangetrieben. Das mag gewöhnungsbedürftig sein, stört aber nicht wirklich. Die Geschichte ist alles andere als Oscar-reif, hält aber dennoch einige Überraschungen parat und motiviert zum Weiterspielen. 

Technik


Ein paar Zeilen noch zur Technik von Mirror’s Edge. Das Spiel benutzt die Unreal Engine 3, das sieht man ihm aufgrund des individuellen Stils aber nicht an. Die Framerate ist jederzeit stabil, die Animationen flüssig und auch die Weitsicht weiß zu überzeugen. Nur an die Texturen solltet ihr keine hohen Erwartungen stellen, diese stellen die Spielwelt mit ihren knalligen Farben zwar plastisch dar, sind allerdings wenig detailliert.
Die Musik in Mirror’s Edge unterstreicht kongenial die grandiose Atmosphäre und die Soundeffekte klingen lebendig und authentisch. Die deutsche Synchronisation ist professionell, wer möchte kann das Spiel aber auch auf Englisch stellen.


Fazit

Wer gedacht hat, dass DICE nur Battlefield Titel entwickeln kann, sieht sich mit Mirror’s Edge eines Besseren belehrt. Das Studio knüpft mit einen Paukenschlag an seine Vergangenheit als kreatives Demo-Team an und zeigt eindrucksvoll, dass das Medium Videospiele immer noch genug Raum für neue Ideen und Konzepte bietet.  Das Trial&Error Prinzip, das vor allem in der zweiten Spielehälfte für Frust sorgen kann, ist allerdings nicht für Jedermann geeignet. Auch der geringe Umfang dürfte mit ein Grund sein, dass der Titel im Weihnachtsgeschäft 2008 nicht zu den großen Gewinnern gehörte. Allen, die von den ganzen Next-Gen Blendern, die beim Generationenwechsel nur technisch einen Quantensprung gemacht haben, gelangweilt sind, sei Mirror’s Edge aber wärmstens ans Herz gelegt, Mirror’s Edge sieht nicht nur aus wie ein „Next-Gen Spiel“, es fühlt sich auch so an.  Das Spielgefühl von Mirror’s Edge ist in Wörtern und Videos nur schwer vermittelbar, wer das Spiel einfach mal unverbindlich ausprobieren möchte, kann sich sowohl auf der XBOX 360 als auch auf der PS3 eine kurze Demo herunterladen.

Wer von Mirror's Edge nicht genug bekommt, kann sich im PSN Store oder auf dem XBOX Live Marktplatz ein kostenpflichtiges Time-Trials-Map-Pack runterladen, das sich mit seinem surrealen Grafikstil wohltuend vom Hauptspiel absetzt.
 
Green Yoshi 9. Februar 2010 - 12:14
Wunderheiler 20 Gold-Gamer - 20687 - 9. Februar 2010 - 12:28 #

Schöner Test! Man könnte vielleicht noch erwähnen, dass es für die PS3 exklusiven DLC gibt.

Auch wenn ich persönlich, da mir das Xbox Pad besser gefällt, die 360-Version bevorzuge.

Olphas 24 Trolljäger - - 47559 - 9. Februar 2010 - 12:29 #

Tolles Spiel! Hat mich wirklich begeistert.

Schöner Test dazu :)

Tr1nity 27 Spiele-Experte - P - 85163 - 9. Februar 2010 - 13:39 #

Ich liebe Mirror's Edge. Das war/ist ein völlig neues Spielgefühl. Für viele vielleicht zu neu und daher leider viel zu unterschätzt. Als Faith über die Dächer zu springen ist wirklich ein Erlebnis. Das Spiel hatte mich erst recht, als die 1. Mission mit den Credits los ging. Der Sound ist auch Spitze: Sich laufen, springen, atmen zu hören hat man so nicht oft in einem Spiel. Dazu noch ein super Soundtrack. Es ist leider wirklich etwas zu kurz geraten, aber mei, andere Spiele sind da noch kürzer. Wer will kann sich mit Gott und der Welt in Speedruns messen. Ich hoffe auf einen zweiten Teil, verdient hätte es das Spiel.

Porter 05 Spieler - 2981 - 9. Februar 2010 - 15:44 #

für mich das Typische Konsolen Spiel, auf der Couch hocken und aus der Entfernung die Protagonistin nen Parkour ablaufen lassen...

ich fands Öde, habs auch nicht besonders weit gespielt war mir zu sehr an Prince of Persia angelehnt

Florian Pfeffer Freier Redakteur - P - 25276 - 9. Februar 2010 - 17:06 #

Prima Artikel! Das Spiele war eines der Highlights der letzten Jahre. Ausgesprochen schade, dass es kommerziell nicht besonders erfolgreich war.

Grinzerator (unregistriert) 9. Februar 2010 - 17:06 #

Mirror's Edge ist wirklich ein wunderbares Spiel, ein bisher einzigartiges Erlebnis. Es hat durchaus seine Schwächen, aber die fühlt man im Spiel nicht. Ich hoffe wirklich, dass DICE nicht nur eine gelungene, konsequent weiterentwickelte Fortsetzung für Mirror's Edge macht, sondern auch in Zukunft noch einige neue Marken erschaffen darf, denn das haben sie scheinbar echt drauf.

ganga Community-Moderator - P - 16026 - 10. Februar 2010 - 1:15 #

Schönes Spiel auch wenn die Story doch arg flach ist und mich die Comicsequenzen ziemlich genervt haben. Netter Test noch dazu.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 10. Februar 2010 - 14:48 #

Schöner Beitrag. Aber der These, Mirrors Edge sein in puncto 3D-Jump and Run. ein Unikat möchte ich wiedersprechen Tomb Raider wäre für mich ein sehr populärer Vertreter der frühen 3D Jump and Runs. Weiterhin ist Jet Set Radio oder Tony Hawk spieltechnisch mit Sicherheit auch in diesem Bereich angesiedelt.
Oder hattest Du das gesondert auf die Ego-Perspektive bezogen? :)

Grinzerator (unregistriert) 10. Februar 2010 - 16:16 #

Er hat die Aussage doch ganz klar auf die Ego-Perspektive bezogen, 3D-Plattformer gibts ja wirklich wie Sand am Meer (z.B. Super Mario 64).

Jonas der Gamer 13 Koop-Gamer - 1550 - 10. Februar 2010 - 19:23 #

Cooler Artikel!
Aber der Kritik an den Texturen kann ich nicht (ganz) zustimmen.
Wer sich einmal auf maximalen Details die ohnehin hübschen Bilder näher angeschaut hat, der wird die unglaublich echt aussehenden Pinselstriche nicht mehr vergessen.
Technisch würde ich eher erwähnen, dass unter Windows 7 Waffen durch die Körper von Personen hindurch scheinen.

Das Spiel selber ist natürlich ein Hammer, auch wenn es sehr kurz ist!

Tr1nity 27 Spiele-Experte - P - 85163 - 10. Februar 2010 - 21:25 #

Nicht zu vergessen die PhysX-Technologie bei nVidia-Karten. Das gibt's auch noch zusätzlich kleine Eyecatcher, auch wenn sie eher nebensächlich sind. Trägt aber ein bißchen zur Atmosphäre bei.

Grinzerator (unregistriert) 11. Februar 2010 - 19:18 #

Also ich habs unter Win7 x64 gespielt und bei mir schienen nirgendwo Waffen durch Körper. Hab die Steam-Version des Spiels benutzt.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24251 - 11. Februar 2010 - 23:52 #

Ich hab die XBOX 360 Version gespielt, gut möglich, dass die PC-Version technisch besser ist. Die Physik-Effekte gibt es z.B. nur in der PC-Version.

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 10563 - 15. Februar 2010 - 8:35 #

Gut zu lesender Test. Ich mochte das Spiel auch sehr, bin aber leider in der Tiefgarage stecken geblieben und habe dadurch die Motivation verloren weiter zu spielen.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 19. Mai 2010 - 19:56 #

Mirror's Edge hat mich ab den ersten bewegten Bildern absolut fasziniert, nur leider haben die Entwickler ab der zweiten Hälfte ein wenig aus den Augen verloren, was dieses Spiel so besonders macht. Toller Test!

Killerratte 11 Forenversteher - 631 - 16. November 2011 - 18:17 #

Die Steuerung in dem Spiel ist zum Kotzen.

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