Freakshow #17

Ikachan User-Artikel

Daeif 18. April 2013 - 16:24
Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier seht ihr die merkwürdigsten Computerspiele der Welt. Ob seltsame Genres, kuriose Szenarien oder einfach nur bodenlos schlechte Machwerke: In dieser Show kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus!
Heute, hochgeschätzte Leser, tauchen wir ein in die Untiefen des Meeres. Bis heute weiß die Menschheit nicht genau, was sich in den unendlichen Abgründen verbirgt. Ich hätte einen Vorschlag: Wie wäre es mit sprechenden Tintenfischen und diktatorischen Riesenschollen? Diese Welt lernt ihr zumindest in dem Spiel Ikachan kennen.

Außer dem skurrilen Szenario ist dieser Titel jedoch noch in anderer Hinsicht interessant, denn niemand geringeres als Studio Pixel steckt hinter diesem Werk. Genau, die Entwicklerschmiede, die hinter dem Indie-Kracher Cave Story steckt. Wie, kennt ihr nicht? Dann verlasst sofort die Seite, ladet den Titel runter und spielt, ansonsten verpasst ihr eines der besten 2D-Plattformer der 2000er. Von daher ist es wissenswert zu erfahren, wie dieses Studio (das eigentlich nur aus dem Programmierer Daisuke Amaya besteht) sich vor diesem Kracher schlug.

Old School

Vorsicht vor den Kugelfischen: Eine Berührung von denen saust ihr durch das Wasser wie ein Luftballon, in den eine Nadel gestochen wurde (Darstellung im Spiel kann abweichen).
Der Titel des Spiels ist zugleich der Name des Protagonisten, in den ihr schlüpft. Ikachan ist ein kleiner sprechender Tintenfisch, der den lieben langen Tag durch das Meer schwimmt und mit anderen Weichtieren plaudert. Doch der Verlust einer für das Paradies lebenswichtigen magischen Perle und ein darauf folgendes Erdbeben zerstören dieses Idyll. Abgetrennt von Rest des Meeres übernimmt nun der Riesenflosser Ironhead die Macht, der die Einwohner terrorisiert und eine „Ausweispflicht“ in Form einer kleinen Perle einführt. Dumm nur, dasss Ikachan seine verloren hat...

Wie schon Cave Story besitzt auch Ikachan den typischen 8-bit-Look. Das heißt: Klötzchenfiguren, geringe Farbtiefe, wenig Details. Kein Titel für Grafikhuren also. Beim Design aber hat sich Pixel wieder viel Mühe gegeben, auch, wenn eine Unterwasserlandschaft zwangsläufig nicht den Abwechslungsreichtum eines Cave Story erreichen kann. Das wäre für den Sound aber vermeidbar gewesen: Das eingespielte Stück passt zwar hervorragend zum Szenario, doch bleibt es auch das einzige, sodass ihr eine Dauerschleife serviert bekommt.

Bei der Steuerung hat sich Pixel etwas besonderes einfallen lassen, um euch keine ideenlose (aber funktionierende) Kontrolle a la Super Mario Bros. zu kredenzen. Ein Druck auf die linke und rechte Pfeiltaste lässt Ikachan lediglich in die jeweilige Richtung blicken. Erst mit der Z-Taste gibt unser Tentakelfreund Gas und treibt durchs Wasser. Aber Vorsicht: Ohne Antrieb sinkt Ikachan wieder. So müsst ihr ihn z. B. bei Stacheln am Boden ständig an Auftrieb gewinnen lassen, um ihn nicht zu verletzen.

Sicher ist diese Art der Kontrolle deutlich realistischer als eine normale Jump-and-Run-Steuerung, trotzdem fällt die Eingewöhnung bis zum Schluss schwer. Besonders in Kämpfen wird es krampfig: Um Gegner zu besiegen, muss Ikachan sie von unten anstoßen. Da sich die (lediglich drei) Gegnertypen aber sehr agil bewegen, kann so ein Kampf schon mal eine Minute in Anspruch nehmen.

Verpasste Gameplaychancen

Ansonsten spielt sich Ikachan weniger wie ein Plattformer denn wie ein Adventure. Wobei die Rätsel diesen Namen nicht verdient hätten. Euer Ziel: Ständig Sachen von A nach B schleppen. Nachdenken ist nicht weiter erforderlich. Hier hätte etwas mehr Kreativität nicht schaden können, als fünf Mal (!) zwischen zwei NPCs hier und her zu schwimmen.

Hm, was will mir dieses Schild bloß mitteilen...?
Ebenfalls mau fällt der Rollenspielaspekt aus. Richtig gelesen: Ikachan kann im Level aufsteigen. Erfahrungspunkte bekommt ihr für das Einsammeln von Fischen und durch das Besiegen von Feinden. Bringen tut euch das aber fast nichts. Ihr erhaltet pro Level lediglich mehr Hitpoints, außerdem könnt ihr ab Level 2 Krebse angreifen. Auch hier wäre so viel mehr möglich gewesen. Warum kann Ikachan pro Level nicht weitere Areale betreten wie in Legend of Zelda mit errungenen Gegenständen? Nein, stattdessen bekommt ihr nur per Script Zugang zu neuen Gebieten. Immerhin erhaltet ihr im Verlauf zwei Gegenstände, mit dem ihr Gegner bekämpfen und durch vorgegebene Wände brechen könnt.

Dazu kommen noch einige kleinere Mängel. Personen könnt ihr etwa durch Berührung ansprechen. Schön, aber wenn ihr euch nicht rechtzeitig wegbewegt oder aus Versehen wieder den NPC berührt (was bei der Steuerung vorkommen kann), wird noch mal ins selbe Gespräch verwickelt. Ein zusätzlicher Knopf zum Ansprechen wie in Cave Story hätte nicht geschadet. Außerdem lockt euch das Spiel an eine Stelle in eine Sackgasse, aus der ihr nur durch Selbstmord kommt, wenn ihr das entsprechende Item noch nicht habt. Na schön, ihr werdet mit einem kryptischen Schild zuvor gewarnt. Doch warum überhaupt so eine Falle ausstellen, die nur Frust verursacht, wenn ihr auf sie hereinfällt?

Fazit: Trocken... äh, Nassübung

Okay, der Artikel geht schon etwas hart mit dem Titel um, schließlich handelt es sich nicht um ein abendfüllendes Meisterwerk, sondern ein Spiel, das in ein bis zwei Stunden durch ist. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass Ikachan doch besser hätte sein können: Die Rätsel sind lahm, der Rollenspielaspekt wird nicht genutzt, die Steuerung ist erfrischend, aber hackelig. Ihr könnt Spaß mit dem Titel haben, aber geplättet werdet ihr danach wohl nicht sein. Doch zeigt uns dieses Beispiel immerhin, dass ihr auch kleine Indie-Designer, die augenscheinlich nur maue Titel abliefern, nie abschreiben solltet. Gerade mal vier Jahre später erschien Cave Story, welches 2010 über WiiWare sogar den Sprung auf eine Konsole schaffte. Wir sehen also: Jeder fängt mal klein an.

Damit schließt die Show für heute. Kommt auch das nächste Mal wieder vorbei, wenn ihr die kuriosesten und merkwürdigsten Titel der Spielwelt erblicken wollt. Ich bin euer Gastgeber Daeif und sage euch: Ironhead is still hungry!
Daeif 18. April 2013 - 16:24
Ganon 22 AAA-Gamer - P - 36813 - 24. Juli 2013 - 15:00 #

Huch, noch gar kein Kommentar. Ich fand's aber interessant. Cave Story hab ich in der kostenlosen Version gespielt und fand es echt gut. Aber dieses hier erspare ich mir wohl besser. ;-)

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