User-Test

Hive: Die digitale Umsetzung des strategischen Legespiels

Der Marian 6. September 2014 - 9:12
Ameisen, Spinnen, Käfer, Grashüpfer und eine Bienenkönigin – hierbei handelt es sich nicht etwa um eine Auflistung spätsommerlicher Gartenfunde, sondern um die "Charaktere" des Strategie-Legespiels Hive. Wie schlägt sich die digitale Version für Xbox 360 und PC im Vergleich zum physischen Vorbild?
Hive wurde 2001 von John Yianni als schlicht gehaltenes, strategisches Legespiel für zwei Spieler veröffentlicht. Mit einer Platzierung in den Top Ten der abstrakten Spiele auf der englischsprachigen Spieleseite Boardgamegeek gehört es durchaus zu den erwähnenswerten Vertretern seines Genres. Die Blue Line Game Studios sorgten 2013 für eine Umsetzung zunächst für Xbox 360 und anschließend 2014 für den PC. Hierfür wurde auf eine regelgetreue und auch optisch ähnliche Adaption des ursprünglichen Spiels wert gelegt.

Spielregeln und KI
Der weiße Grashüpfer mit der gelben Markierung kann das Spiel entscheiden und die Bienenkönigin einkesseln. Der grün-transparente Spielstein zeigt den Zug an.
Die grundsätzlichen Spielregeln von The Hive sind sehr einfach zu erlernen, allerdings liegt das Spiel nur in englischer Sprache vor. Jeder der fünf Spielsteine - Ameise, Spinne, Grashüpfer, Käfer, Bienenkönigin - hat eine eigene Art zu ziehen, so dass sich zunächst ein Vergleich zu Schach aufdrängt. Der größte Unterschied zum Klassiker sind jedoch das Fehlen eines Spielbretts – die Spielsteine werden aus dem Vorrat ausgelegt – sowie das fehlende Schlagen der gegnerischen Figuren.

Spielziel bei Hive ist es, die gegnerische Bienenkönigin mit Spielsteinen zu umschließen. Ob das mit fremden oder eigenen Steinen geschieht, spielt keine Rolle. Neue Insekten legt ihr an schon vorhandene eigene an, sie dürfen dabei jedoch keinen Kontakt zu einem Gegner haben. Alternativ zieht ihr einen schon ausliegenden Stein entsprechend seiner Zugregeln. Diese sind einfach und eindeutig gehalten. So kann sich beispielsweise der Grashüpfer in gerader Linie über alle Steine hinweg bis zum nächsten freien Platz bewegen. Der Käfer kann sich jeweils um eine Position bewegen und darf sogar auf andere Spielsteine gesetzt werden und dort liegen bleiben, um diese zu blockieren und mit der eigenen Spielfarbe zu versehen. Trotz einfacher Regeln erlaubt euch Hive eine große strategische Tiefe – um das Spiel mit all seinen Taktiken zu beherrschen, müsst ihr durchaus etwas Zeit investieren.


Online nichts los
Hive bietet sowohl das Spiel gegen einen Computergegner als auch gegen menschliche Spieler via Hot-Seat an einem Rechner oder über das Internet. Der Computergegner lässt sich in fünf Schwierigkeitsgraden skalieren und stellt schon auf der mittleren Stufe einen herausfordernden Gegner dar, der sich trotzdem noch den ein oder anderen Fehler erlaubt.

Für Online-Partien enthält das Spiel eine Matchmaking-Funktion. Jedoch ist es nahezu unmöglich, überhaupt Mitspieler zu finden. Bei diversen Versuchen zu unterschiedlichen Tageszeiten und an allen Wochentagen war höchstens mal ein vereinzelter Spieler auf Gegnersuche.

Umsetzung und DLC
Das optionale bedruckte Spielstein-Design unterscheidet sich kaum noch vom Original.
Die visuelle Umsetzung ist ansprechend gelungen, und ist durch eine Aufsicht auf das Spielfeld von schräg oben dicht an der Brettspielvorlage. Die auf den Spielsteinen sitzenden 3D-Insekten drehen sich automatisch Richtung gegnerischer Königin. Wer es schlichter mag, kann aber auch zur 2D-Variante in bunt oder schwarz-weiß greifen. Erwähnenswert ist auch die unauffällige Geräuschkulisse, die im Spielmenü passenderweise aus dezenten Insektengeräuschen und leisen Trommeln besteht. Im Spiel selbst gibt es nur einen instrumentalen Song, der sich aber schnell wiederholt.
 
Als Erweiterung für das eigentliche Spiel gibt es noch drei DLC, die identisch auch für das physische Original als Erweiterungen erschienen sind. Die drei neuen Spielsteine – Marienkäfer, Moskito, Rollassel – verfügen über ihre eigenen Bewegungsregeln und ermöglichen dadurch neue Strategien. Die Erweiterungen lassen sich vor einer Partie beliebig hinzu oder abschalten.

Fazit
Hive bietet euch eine gut gemachte Umsetzung des gleichnamigen Legespiels, in dem eine Runde teilweise nur wenige Minuten dauert, sich aber auch mal in die Länge ziehen kann. Die Bedienung ist intuitiv, alle möglichen Bewegungen bei gewähltem Spielstein werden euch auf dem Spielfeld angezeigt. Die KI ist in fünf Stufen skalierbar und lässt sich dadurch ideal dem eigenen Können anpassen. Der Einzespieler-Modus stellt damit eine gelungene Alternative zum Multiplayer-Part dar, dem es online zudem an Mitspielern mangelt. Und bevor ihr eine lokale Partie startet, würden wir euch fast schon das Original empfehlen – echte Spielsteine auszulegen, ist dann doch noch mal etwas anderes.
Der Marian 6. September 2014 - 9:12
BlueKondor 09 Triple-Talent - 270 - 6. September 2014 - 9:52 #

Die Graphik ist ja sowas von hässlich und das bei so einem Spiel wo es nicht einmal viel Aufwand wäre diese 3D Sprites für die Insekten ansehnlicher zu machen.

Nachtfischer 16 Übertalent - 5482 - 6. September 2014 - 13:03 #

Ich finde die 3D-Ansicht sogar eher hinderlich. In 2D wäre das alles noch viel klarer umsetzbar gewesen.

Man muss sehen, dass es sich hier um ein absolut abstraktes Spiel handelt. Das Insekten-Thema ist nicht viel stärker als der Bezug zum realen "Krieg" in Schach. Was hier zählt, ist die Schönheit des Regelwerks!

Der Marian 19 Megatalent - P - 17289 - 6. September 2014 - 13:19 #

Die 3D-Insekten sind wirklich nur Spielerei. Da die Spielmechanik aber auch das Stapeln der Steine durch den Käfer beinhaltet, ist die schräge Draufsicht auf das Spielfeld gar nicht so unnütz.
Das Verwenden von Spielcharakteren, in diesem Fall Insekten, hat ja auch eine assoziativ-unterstützende Komponente, um die Regeln schneller zu verinnerlichen. Die Bewegungsregeln lassen sich hierbei schnell assoziieren: Der Grashüpfer hüpft über alle, die Ameise legt die weitesten Wege zurück, etc.

Nachtfischer 16 Übertalent - 5482 - 6. September 2014 - 13:29 #

Stimmt, beim Hinaufklettern ist es ganz sinnvoll. Dafür hätte man aber sicher auch klare Lösungen in einer Draufsicht gefunden.

Genau, DAZU ist das Thema geeignet und nicht, um die Spannung zu erhöhten. Die entspringt hier ganz allein dem Gameplay.

Übrigens kann ich mich der Empfehlung nur anschließen. Die KI ist auf den höheren Leveln sehr ordentlich und dürfte den Spieler eine ganze Weile lang die Tiefen des Spielsystems ausloten lassen.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33799 - 8. September 2014 - 14:58 #

So von den Screenshots ehr finde ich die 3D-Version auf jeden Fall hübscher als die "bedruckte" Variante. Ist halt nicht gerade CryEngine, aber stilistisch hässlich finde ich sie überhaupt nicht.
Apropos, dank des letzten Screenshots im Artikel weiß ich jetzt auch, unter welchem Namen ich dich früher kannte. Der Avatar kam mir noch bekannt vor, aber der neue Name nicht. ;-)

bsinned 17 Shapeshifter - 6830 - 6. September 2014 - 10:12 #

Achtung, Flachwitz!
"If I wanna see bugs, I´ll play Rome 2"

volcatius (unregistriert) 6. September 2014 - 11:26 #

Or join the Mobile Infantry.

CBR 20 Gold-Gamer - P - 20288 - 6. September 2014 - 12:08 #

Sehr schöner Kurztest. Ich kannte das Brettspiel noch gar nicht und werde wohl zu dem greifen. Vielen Dank für den Tipp!

Der Marian 19 Megatalent - P - 17289 - 6. September 2014 - 17:40 #

Kann ich auch empfehlen. Nicht teuer und haptisch sehr angenehm mit großen, schweren Kunststoffspielsteinen und Stoffbeutel zum Transport. Gibt bzw. gab auch ein Version mit schwarz-weiß Bedruckung statt farbigen Insekten. Finde das bunte aber schneller überblickbar.

Scando 22 AAA-Gamer - P - 31265 - 23. September 2014 - 14:14 #

Ich habe mir mittlerweile die Steamversion und auch die Reiseversion mit Beutel zugelegt und nicht bereut. Danke für den Test!

Der Marian 19 Megatalent - P - 17289 - 23. September 2014 - 14:16 #

Freut mich, gerne.

Sciron 19 Megatalent - P - 15780 - 6. September 2014 - 13:37 #

Danke für den Test. Ging bisher komplett an mir vorbei, aber sieht ziemlich interessant aus. Werde ich mir auf der 360 bald mal genauer ansehen.

Der Marian 19 Megatalent - P - 17289 - 6. September 2014 - 14:29 #

Habe es jetzt nur auf PC getestet. Ich gehe aber davon aus, dass die Versionen ziemlich identisch sind.

Vampiro 21 Motivator - P - 30538 - 6. September 2014 - 23:02 #

Das liest sich durchaus sehr interessant. Vielen Dank für den schönen Test!

Der Marian 19 Megatalent - P - 17289 - 12. Dezember 2014 - 21:44 #

Falls hier noch mal wer vorbeischaut und interessierte Freunde hat, die kein Deutsch aber Englisch können - Jetzt auch auf Englisch, dieser User-Artikel: http://www.rustybotgames.net/blog/?p=314
:D

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