User-Test

Heavy Rain

HeadMunk 30. Mai 2010 - 10:55 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Für PlayStation 3-Besitzer wird es regnerisch! Denn wenn es nach Quantic Dreams geht, kommt mit ihrem neuesten Spiel Heavy Rain ein in mitgreifende Story und reinste Grafikpracht verpackter interaktiver Thriller in die Verkaufsregale, der im gleichen Atemzug auch das "Medium Videospiel" neu definieren soll.
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Erinnert ihr euch noch an den Videospiel-Sonderling Fahrenheit für PlayStation 2, Xbox und PC? Mit dieser Kreation hatte sich die damals noch relativ unbekannte Firma Quantic Dreams angeschickt, ein Spiel zu erschaffen, das alle Elemente eines Kinofilms und eines Videogames in sich vereinen sollte. Herauskam eine Art Adventure, das cineastisch inszeniert, sonderbar zu bedienen und in seinem Ausgang beeinflussbar war. Wenn auch die Pressestimmen durchweg recht positiv ausgefallen waren, so verhinderte doch die schwache Grafik und die etwas zu konfuse Storyline den Eintritt in den Spieleolymp.
 
Doch David Cage, der Kopf hinter Quantic Dreams und Fahrenheit, hatte mit diesem Produkt Blut geleckt. Die Gerüchte brodelten währenddessen um einen möglichen Nachfolger. Doch statt Fahrenheit 2 in Angriff zu nehmen, sollte es ein neues Projekt werden: Ein "Film-Noir-Thriller" der sich "erwachsene Themen" zur Brust nimmt - Heavy Rain. Und dieses mal schien auf den ersten Blick alles zu stimmen. Nicht nur die Story schien bodenständiger und damit realitätsnäher geworden zu sein, nein, auch die Grafik sorgte bei den ersten Trailern für Erstaunen (z.B. der "The Casting-Teaser"). Ein Hype wurde geboren. Doch wie man in der Vergangenheit gelernt hat, bedeutet ein Hype nicht immer, dass am Ende auch ein entsprechendes Endprodukt dabei herauskommt.
 
 
Quo vadis Heavy Rain?
 
Heavy Rain ist in vielerlei Hinischt ein echtes Unikat
Fangen wir erst einmal von "Vorne" an, denn auch starker Regen fängt einmal klein an. So eröffnet Heavy Rain eher mit einem leichten Nieselschauer statt einem echten Donnerwetter: Der Spieler wird in den ersten Spielszenen langsam an die Geschichte und Charaktere dieser schön inszenierten Thriller- / Drama-Geschichte herangeführt und mit der besonderen Art der Bedienung vertraut gemacht. Wohingegen euch in Spielen wie God of War ein kleines Tutorial zur Einführung in die Hand gegeben wird und ihr nach gefühlten 3 Sekunden bereits dem ersten Widersacher den Kopf vom Hals trennt, geht in Heavy Rain alles ein wenig gediegener zur Sache. Ihr lenkt Ethan Mars, den ersten von insgesamt vier spielbaren Protagonisten, durch einen ganz normalen Wochentag, was bedeutet, dass Tätigkeiten wie Zähne putzen, Kleidung anziehen und und frühstücken auf euch als Spieler zurückfallen. Klingt wahrlich recht uninteressant, hilft jedoch dabei die ungewöhnliche Steuerung zu verinnerlichen und mit dem ersten Hauptcharakter der sich bald entfaltenden Geschichte warm zu werden.
 
Als allererstes ist hier die besondere Art der Interaktion mit der Spielumgebung zu nennen. So ist es zum Beispiel an euch, Ethan aus dem Bett aufstehen zu lassen indem ihr seine Bewegung mit dem rechten Analogstick nachahmt. Diese wird euch durch eine kleine Grafik aufgezeigt. So drückt Ihr anhand der Anzeige den Stick nach oben und Ethan richtet sich in seinem Bett auf. Wenn Ihr zum Beispiel seinen Kleiderschrank öffnen wollt, macht ihr das mit einer Bewegung nach oben (Ethan greift zur Tür) und zeichnet dann mit dem Stick einen Halbkreis nach unten nach (die Türen werden aufgezogen). Diese Art der Interaktion führt euch auch durch das komplette Spiel. Man kann es vielleicht am ehesten mit dem Grundgedanken eines klassischen Adventures vergleichen, in denen ihr ebenfalls mit Gegenständen per Mausklick operieren könnt. Quantic Dreams möchte allerdings durch diese Bewegungsabläufe ein wenig die Passivität dieser Spielegattung entschärfen. Kommt ihr mit eurem Charakter zum Beispiel an interessanten Gegenständen oder Stellen vorbei, wird euch eine Grafik eingeblendet, wie ihr mit dem Wunschziel interagieren könnt. Auch gleich zu Beginn werdet ihr dazu animiert, diese eingeblendeten Bewegungsabläufe langsam auszuführen, damit ihr seht, wie die Spielfigur auf eure Eingaben reagiert. Somit möchte man ein wenig vorgaukeln, dass der Spieler totalen Einfluss auf die Geschehnisse auf dem Bildschirm hat, obwohl dies doch mehr oder weniger selbstablaufende Sequenzen sind. Stimmig ist die Inszenierung aber allemal. Neben der Funktion des rechten Sticks kommen jedoch auch noch die anderen Tasten des Playstation 3 Controllers zum Einsatz: So dürft ihr an einer Stelle im Spiel zum Beispiel Origami Figuren nachbasteln. Dazu werden euch 2 Tasten eingeblendet, die ihr drücken und festhalten müsst, z.B. X und O. Sobald ihr die zweite Taste runterdrückt, wird eine weitere ein- und die erste ausgeblendet, die dann ebenfalls gedrückt und gehalten werden muss. So bekommt man ein Gefühl für die Handakrobatik, die euer Protagonist auf dem Bildschirm gerade vollführt. Diese Methode wird öfter im Spiel angewandt, meist mit 3-4 Tasten, die ihr gleichzeitig drücken müsst.
 
Die zweite Eigenart des Handlings ist, dass ihr euren Charakter nicht mit dem linken Stick in die jeweilige Richtung lenkt, sondern ihr ihn, wie bei Rennspielen üblich, durch drücken der R2-Taste vorwärts bewegt . Das bedeutet ihr müsst den linken Stick in die gewünschte Richtung drücken und zusätzlich die Schultertaste bedienen. Diese Entscheidung ist in sofern nachvollziehbar, da das Spiel cineastisch erzählt und auch während des Spielens aus verschiedenen Kamera-Perspektiven gezeigt wird. Wenn das Bild also plötzlich vor die Spielfigur schwenkt, läuft euer Charakter weiterhin durch drücken von R2 geradeaus. Ein weiterer Aspekt der Steuerung, den man, ebenso wie die Interaktion mit dem rechten Stick, bereits aus dem vorangegangenen Quantic Dreams-Titel Fahrenheit kennt, sind die Quick-Time-Events, die regelmäßig als kleine Geschicklichkeits-Einlagen eingestreut werden. So könnt ihr zum Beispiel in der ersten Szene mit Ethan ins Zimmer seiner Kinder gehen und euch dort drei Bälle aus dem Regal nehmen (per eingeblendeter Bewegung des rechten Sticks). Ethan beginnt dann mit diesen zu jonglieren und ihr müsst rechtzeitig die eingeblendeten Tasten drücken, damit er die Bälle fängt und wieder in die Luft wirft. Dieses Stilmittel wird zum Beispiel dann eingesetzt, wenn es zu Handfesten Auseinandersetzungen innerhalb des Handlungsverlaufes kommt oder ihr aus brenzligen Situationen entkommen müsst. 
 
Als letzt zu erwähnendes Novum sei hier noch die Funktion der L2-Taste erwähnt. Drückt ihr diese, könnt ihr euch die Gedankengänge eures Charakters anhören. Manchmal kommt ihr so an wichtige Informationen, die euch in der jeweiligen Situation helfen können, oder es werden interessante Einzelheiten über die Gefühlslage des jeweiligen Protagonisten preisgegeben. Diese Gedanken werden als kurze Stichworte, die um den Kopf des Protagonisten kreisen, angezeigt, die ihr dann per Tastendruck auswählen könnt. Ähnlich läuft so auch die Auswahl von Gesprächsthemen in Konversationen ab. Je nach Gefühlslage des Charakters kann es sogar sein, dass die Auswahlmöglichkeiten vor eurem Auge hektisch wackeln und verschwimmen, um euch zum Beispiel einen gestressten Zustand zu simulieren.
 
Übrigens lässt sich per jederzeit änderbarem Schwierigkeitsgrad einstellen, wie komplex die Stick-Bewegungen und Tastenkommandos zur Interaktion oder der Quick-Time-Events ausfallen.

 
Die Story: Bedeckt mit starken Schauern
 
So steuert ihr also Ethan durch die ersten 10 - 15 Minuten Spielzeit. Bereits jetzt fällt die sehr schöne grafische Inszenierung und das ungewöhnliche Gameplay auf. Trotzalledem spielt es sich bis hierhin zwar nett, aber recht unspektakulär: Mit den beiden Kindern im Garten herumalbern, den Tisch fürs Essen decken oder ein wenig mit Ethans Frau schäkern ... nicht unbedingt der Stoff aus dem Videospiele gemacht sind. Doch Heavy Rain wäre nicht Heavy Rain, wenn es dem Spieler nicht gleich innerhalb dieser Zeit mit einem heftigen Schlag in die Magengrube in einen leichten Gefühls-Schauer versetzt. Denn während die Mars-Familie in einem Kaufhaus ein wenig shoppen geht und Ethan auf seinen Sohn Jason aufpassen soll, verliert dieser ihn aus den Augen. Erst Minuten später findet er ihn wieder, doch leider überquert Jason auf dem Weg zu seinem Vater ungeachtet eine belebte Straße und wird trotz eines beherzten Rettungsversuchs von einem Auto erfasst und stirbt noch am Unfallort.
 
Das Intro startet, und spätestens jetzt wird einem klar, wie die Atmosphäre das restliche Spiel über gesetzt ist. Ihr seht einige schlecht beleuchtete Wohnblocks unter starkem Regen, Trostlosigkeit und Kälte herrschen vor. Noch verstärkt wird dieser Eindruck durch einige Nahaufnahmen von Passanten denen Regenwasser über das Gesicht läuft. Auch jetzt merkt ihr, dass die Grafik-Engine bei den dunklen, leicht depressiven Szenen die anfängliche Schüchternheit fallen, die Muskeln spielen lässt und euch durch einen Sog aus Dramaturgie, Spannung und Präsentations-Kunst tief in die Geschehnisse auf dem Bildschirm zieht.

 
Ethan Mars hat sich nach dem Tod seines Sohnes von seiner Frau getrennt, leidet unter Depressionen und Selbstvorwürfen und fühlt sich seiner Rolle als Vater für seinen mittlerweile einzigen Sohn Shaun nicht mehr gewachsen. An einem Besuchswochenende (sein Sohn lebt mittlerweile bei der Ex-Frau) werdet ihr Zeuge des desaströsen Verhältnisses zwischen Vater und Kind. Shaun ist nicht dazu in der Lage ein wirkliches Gespräch zu führen und flüchtet sich lieber in die Monotonie des Fernsehens.
Am folgenden Tag geht Ethan mit Shaun in einen Park, versucht die Bindung zu seinem Kind wieder ein wenig zu kitten, doch genau hier setzt der nächste Schlag in die Magengrube von Quantic Dreams Meisterwerk an. Während Shaun in einem Karussell sitzt, scheint Ethan in Wahnvorstellungen das Bewusstsein zu verlieren, kommt erst am Abend, auf einer Straße, mit Origami-Figur in der Hand, wieder zu sich und kann seinen Sohn nicht mehr auffinden. Durch die ungewöhnlichen Umstände um das Verschwinden seines Sohnes fällt schnell die Aufmerksamkeit der Polizei auf Ethan selbst. Dieser folgt jedoch seiner eigenen Investigation: Denn anscheinend ist das Verschwinden seines Sohnes eine weitere Tat des sogenannten Origami-Killers, der bereits seit einiger Zeit die Nachrichten mit Schlagzeilen dominiert und den geplagten Vater per Brief vor diverse Aufgaben stellt. Mit der Erfüllung der Selbigen wird ihm die Option eröffnet, seinen Sohn doch noch lebend wiederzusehen.
 
Ab hier entfaltet sich die Geschichte kontinuierlich und hält noch viele Überraschungen und emotionale Tiefschläge für den Spieler parat. Es sollte jedoch möglichst wenig im Vorfeld erwähnt werden, da sonst ein großer Teil des Reizes von Heavy Rain verloren geht. Nur so viel: Neben Ethan Mars steuert man noch die Geschicke des sympathischen Privatdetektivs Scott Shelby, der im Auftrag der Eltern von Opfern des Origami Killers ermittelt, Norman Jayden, der für das FBI arbeitet und die örtliche Polizei bei der Suche nach dem Origami-Killer unterstützen soll und Madison Paige, eine Fotojournalistin, die Ethan zufällig begegnet und ihm hilft wo sie nur kann.
 
Jörg Langer Chefredakteur - P - 323797 - 30. Mai 2010 - 10:28 #

Hallo HeadMunk, zur Info: Es darf keine in Zahlen gefasste Wertung unter einem User-Artikel stehen.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 30. Mai 2010 - 12:36 #

Alles klar, kommt beim nächsten Artikel nicht mehr vor!

Darf man rein interessehalber fragen, warum eine Wertung bei einem User-Test nicht erlaubt ist? Vielen Dank!

Makariel 19 Megatalent - P - 13438 - 30. Mai 2010 - 15:57 #

Ich glaube das würde Seiten wie Metacritic verwirren, wenn auf einer Website 5 verschiedene Wertungen zu finden sind ;-)

estevan2 14 Komm-Experte - 1936 - 30. Mai 2010 - 17:03 #

Ich fänd eine Zahl, welche die User Meinung wiederspiegelt eigentlich nicht schlecht. Natürlich getrennt von der redaktionellen Wertung.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 30. Mai 2010 - 17:29 #

Dito! ;)

Find eine in Zahlen gefasste Wertung immer etwas "greifbarer" als nur ein textliches Fazit...

syL 13 Koop-Gamer - 1629 - 31. Mai 2010 - 18:25 #

Eine User-Wertung gibt es ja bereits im Steckbrief.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 1. Juni 2010 - 6:11 #

Okay, aber dann wäre es schön wenn man seine eigene "Steckbrief-Bewertung" im User-Test implementieren könnte. Wäre bestimmt möglich und würde die Aussagekraft des Artikels gegenüber anderen Lesern steigern.

Anonymous (unregistriert) 30. Mai 2010 - 19:30 #

Fragen darf man offensichtlich, aber eine Antwort darf man nicht erwarten... Ich tippe mal drauf, dass das was mit den potentiellen Werbekunden zu tun hat :D

Rechen 19 Megatalent - 16014 - 30. Mai 2010 - 22:04 #

Na, wurde es dir beim Nehrim-Artikel zu langweilig?

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 6525 - 30. Mai 2010 - 13:25 #

HR ist aktuell mein Spiel des Jahres 2010. Auch wenn es kein "richtiges" Spiel ist, so macht mir dieser spielbare Thriller doch einen Heidenspaß und ich habe oftmals mitgelitten - zum Glück habe ich das glückliche Ende erwischt, war aber bei der Identität des Killers mehr als überrascht. Kein Spiel, von denen ich jedes Jahr eines brauche, aber doch mein Favorit dieses Jahr, an den auch SC 2 und WoW-Cata nicht rankommen werden.

Punisher 19 Megatalent - P - 13366 - 30. Mai 2010 - 13:57 #

Die Story ist - oberflächlich betrachtet - zwar spannend erzählt, allerdings empfinde ich die Logiklöcher und vor allem die selbstgemachten Stilbrüche in der Geschichte, insbesondere ob der Auflösung, das ich es nicht geschafft habe, das Spiel beim zweiten Mal komplett zu spielen.

Die Identität des Killers wird teilweise durch "anlügen" des Spielers/Zuschauers verschleiert - für mich ein ziemliches Armutszeugnis für den Autor.

Der gesamte Madison-Part ist - vorsichtig formuliert - so wie er ist, für die Story vollkommen überflüssig, da gings doch nur darum, noch ein bisserl Erotik aufkommen zu lassen. Unser Freund vom FBI ist so ein bischen das Alien, das mit seinem Cyberwear-Equipment mMn weite Teile der sonst so düster-realistischen Stimmung (die wirklich super geglückt ist) ruiniert.

Die Handlungen der restlichen Personen sind bis in die kleinste Nebenrolle so haarsträubend unlogisch dass sogar 80er Jahre Slasher-Filme auf einmal wie ein Ausbund an Logik erscheinen...

Mit den ganzen Logikbrüchen und Beispielen von schlechtem Storytelling könnte man glaube ich 2-3 Seiten Artikel füllen.

Trotzdem habe ich das Spiel beim ersten Mal spielen verschlungen, weil ich einfach nicht soooo arg drauf geachtet bzw. über die offensichtlichsten Gaps in der Spannung hinweggesehen habe; ich persönlich kann nur jedem raten, es beim ersten Durchlauf zu belassen.

malcolmY 09 Triple-Talent - 292 - 30. Mai 2010 - 15:04 #

Ganz, aber wirklich GANZ genauso geht es mir auch.

Beim ersten mal schon sehr angetan gewesen, aber aufgrund von 2-3 wirklich riesigen Logikbrüchen, die einfach nur das Prädikat "schlechter Erzählstil" verdient haben, absolut keine Lust auf das zweite Mal.

Das Ende von LOST hat mich im Übrigen von der fiesen Art der Zuschauertäuschung unangenehm an das Ende von HR erinnert. :D

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 30. Mai 2010 - 15:34 #

Eure Einstellung kann ich im Großen und Ganzen nachvollziehen. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Heavy Rain sich Erzähl-technisch wirklich ein paar Schnitzer erlaubt. Trotz alledem finde ich, dass HR beim ersten Durchspielen ein atemberaubendes Ereignis ist und auch mit dem Ending nicht enttäuscht. Gerade weil es so ein ungewöhnliches Spiel ist und es mal Sachen anders anpackt verzeihe ich diese kleinen Macken gern.

Punisher 19 Megatalent - P - 13366 - 31. Mai 2010 - 20:54 #

Naja, das Ende ist mir beim ersten Mal auch schon negativ aufgestoßen, einfach weils nicht wirklich zum vorher erlebten gepasst hat - die ganze Tiefe des erzählerischen Missbrauchs, dessen Opfer ich da wurde, wurde mir allerdings erst später bewusst. Insofern war es für mich persönlich wirklich das am meisten überbewertete Spiel in der letzten Zeit - gut und beim ersten Mal spannend, aber alles in allem für ein Spiel, dessen Alleinstellungsmerkmal v.a. die Story sein sollte trotzdem ungenügend. Ein Film mit diesen Lücken wäre von allen Kritikern einfach nur in der Luft zerrissen worden.

Fast schlimmer als die Logiklücken fand ich allerdings die Stilbrüche, allen voran Mr. FBI's Cybertechnik, wie schon erwähnt. Da sass ich schon bei seinem ersten Erscheinen mit einem ungläubigen "ne, oder?" auf der Couch...

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 1. Juni 2010 - 9:19 #

Deine negative Meinung gegenüber Heavy Rain würde ich hierbei aber eher auf den im Vorfeld kursierenden Hype schieben. Denn hier finde ich darf man sich im Klaren sein, dass Heavy Rain zumindest erzähltechnisch nicht mit den Vorschusslorbeeren mithalten kann. Doch während sich ein Film solcherlei Patzer nicht erlauben darf, da außer einer gut erzählten Geschichte nicht mehr viel bleibt, so sehe ich das bei HR ein bißchen anders. Die starke Involvierung des Spielers durch das ungewöhnliche Gameplay das einen "in die Geschehnisse zieht" und die dichte Atmosphäre haben mich beim ersten mal Durchspielen die kleinen Logiklücken fast nicht merken lassen.

Und zu guter letzt sehe ich diese Art von Spiel, die Quantic Dreams hervorzaubert, noch in den Kinderschuhen stecken. Perfekt ist es ganz gewiss nicht, aber ich bin unheimlich froh, dass ein Spiele-Entwickler mal wieder einen anderen Weg geht und hoffe, dass durch den Erfolg Heavy Rains bald auch noch mehr außergewöhnliche Titel folgen werden!

Punisher 19 Megatalent - P - 13366 - 2. Juni 2010 - 13:28 #

Sicherlich hast du da zum Teil nicht ganz unrecht, der Hype wird wahrscheinlich nicht unschuldig sein, wobei ich eigentlich glaube nicht mit sehr hohen Erwartungen an den Titel herangegangen zu sein, eben WEGEN dem Hype.
Wie geschrieben tu ich mir halt etwas schwer, wenn ein Spiel gerade bei DEM herausragenden Alleinstellungsmerkmal (= Story) dann so patzt. Das wäre wie... naja, wie Crysis in 640x480 ohne Effekte rauszubringen, nachdem man vorher die Grafik gehyped hat oder bei Starcraft 2 auf einmal einen total bescheidenen Multiplayer-Mode mit miesem Balancing einzuführen. Klar sind Videospiele mit gut geschriebener Story noch nicht extrem verbreitet, das Erfinden von guten Geschichten ist allerdings so alt wie die Menschheit selbst... und das "Belügen" des Lesers/Zusehers/Spielers wie es in Heavy Rain passiert ist in keinem Medium ein schöner Stil.

Punisher 19 Megatalent - P - 13366 - 2. Juni 2010 - 13:29 #

Den Artikel fand ich übrigen trotzdem schön zu lesen, auch wenn wir bzgl. des Games nicht 100% einer Meinung sind. ;-)

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 2. Juni 2010 - 22:15 #

Hehe, Danke Dir! :-)

Also ich kann deine Kritik, wie gesagt, auch trotz meiner positiveren Meinung zum Spiel durchaus nachvollziehen. Mich hat das Gameplay einfach über die ein oder anderen Macken hinwegsehen lassen. Und wenn ich es zugeben darf: Ich hielt damals auch Fahrenheit für Gott - und das obwohl dessen Geschichte das Wort "hanebüchen" komplett neu definiert hat.

Gott sei Dank gibt es unterschiedliche Meinungen, sonst wär's ja auch zu langweilig! ^^

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 9163 - 1. Juni 2010 - 5:49 #

Gut geschrieben. Mir hat Heavy Rain auch sehr gut gefallen, auch wenn ich die Logikschnitzer gar nicht bemerkt habe. Vielleicht kann mich jemand in einer PM darauf aufmerksam machen?

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 9163 - 2. Juni 2010 - 9:31 #

Danke für die Mail.

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 2. Juni 2010 - 12:37 #

Gern geschehen! ;-)

Heidi 11 Forenversteher - 690 - 28. Oktober 2010 - 8:30 #

Tolles Spiel, ich wurde so von mitgerissen :'(

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