Vom Casualspieler zum Gamer:

Half-Life

ChrisL 9. Oktober 2009 - 9:51 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Bevor Half-Life erschien, hatte ich bereits einige Spiele hinter mich gebracht, aber nie war das Spielen so intensiv wie mit Gordon Freeman. Mit Half-Life begann etwas Neues. Ich machte eine Erfahrung, über die ich noch heute froh bin: Zum ersten Mal wurde mir bewusst, dass gute Spiele eine Story auf fesselnde Weise erzählen können.
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Der Ego-Shooter Half-Life wurde von Valve Software (aktuell Left 4 Dead 2) entwickelt und Ende Oktober 1998 veröffentlicht. Seit diesem Zeitpunkt wurden im Einzelhandel ca. 9.3 Millionen Exemplare verkauft. Von Spielemagazinen erhielt das Spiel weltweit hohe Wertungen, der Metascore liegt bei 96 Punkten. Über 50 Mal wurde Half-Life zum Spiel des Jahres gekürt. Der Nachfolger erschien im November 2004 und wurde um die 6.5 Millionen Mal offiziell verkauft.

Die Bezeichnung Half-Life ("Halbwertszeit") ist eine Anspielung auf den Fachausdruck Halbwertszeit aus der Kernphysik. Das bekannte Symbol des Spieles ist ein Lambda (λ), jenes Zeichen für die Zerfallskonstante in Physik und Mathematik.

Synonym für Half-Life und erste "Waffe" im Spiel: Die Brechstange

Grandioser Einstieg

Schon der Beginn des Spieles faszinierte mich über die Maßen: Man wurde nicht einfach in den Kampf geschickt, sondern begann -- als Hauptprotagonist Gordon Freeman -- einen ganz normalen Arbeitstag: Nachdem man mit der Bahn durch die Forschungseinrichtung Black Mesa gefahren war und auf diese Weise erste Eindrücke von der Umgebung erhielt, wurde man von Kollegen begrüßt, erhielt erste spärliche Informationen und begab sich immer tiefer in den Forschungskomplex bzw. zu seinem Arbeitsplatz.
Allein diese Variante des Erzählens, die ein langsames Eintauchen in die Geschichte ermöglichte, hatte ich damals so noch nicht erlebt. Ich war gefesselt von den verschiedenen Ansichten, die sich mir beim langsamen Fahren mit dem Zug boten. Da waren große Spinnenroboter, Wissenschafler und Wachleute zu sehen, die alle ihrer Arbeit nachgingen -- also fast so wie im "richtigen Leben".

Nach einem kurzen Gespräch mit einem der Wissenschaftler streifte sich der Spielcharakter einen Schutzanzug über und begann, in einer Testkammer ein Experiment durchzuführen. Die dann folgenden, teils gescripteten Ereignisse zogen mich weiter in den Bann des Spieles. Gerade auch, dass man anfangs nichts unternehmen konnte und nur hilflos mit ansehen musste, wie das Experiment immer weiter ausser Kontrolle lief, hatte damals etwas unheimlich Spannendes an sich.

Zu Beginn des Spieles wurde man von seinen Kollegen begrüßt. Es sollte ein Arbeitstag wie jeder andere werden ...

Viel mehr als nur ein Ego-Shooter

Half-Life schaffte es, dass ich als Spieler nicht irgendetwas zu bekämpfen hatte und mal eben das Böse besiegte. Mein Ziel, mein Anliegen war es, aus dem riesigen Komplex zu entkommen. Ich musste mein eigenes Leben beschützen -- gegen etwas, was nicht in diese Welt gehörte. Etwas Außerirdisches, etwas sehr Bedrohliches. Und dann war da noch der Konflikt, auf die eigenen Leute -- die Spezialeinheiten, die niemanden aus Black Mesa herauslassen durften -- zu feuern. Dabei hatte ich doch gar nichts getan ... Zum ersten Mal vermittelte mir das Spiel auch hier, dass die menschlichen Gegner nur ihrem Auftrag nachgingen und nicht einfach nur Kanonenfutter waren.

Bei Half-Life hatte ich erstmals das Gefühl, Teil einer großen Geschichte und vor allen Dingen mittendrin zu sein. Nicht wie beispielsweise in Doom, wo es fast ausschließlich darum ging, Level um Level Horden von Monstern zu beseitigen (was natürlich auch einen gewissen Reiz hat). In der Forschungseinrichtung ging es um mehr: War das Ganze eine Verschwörung -- Stichwort mysteriöser G-Man -- oder doch nur ein Unfall?

Nach dem fehlgeschlagenen Experiment gab es einige Überlebende ... aber auch die ersten Headcrabs (Kopfkrebse).

Die ersten spannenden Mehrspieler-Gefechte

Auch die Mehrspieler-Variante bedeutete eine Premiere für mich: Verfolgte ich vor Half-Life meinen Gegner ab und zu stundenlang in einem U-Boot (irgendeiner der ersten Silent-Hunter-Teile), so waren mit Half-Life plötzlich rasante 1vs1-Gefechte oder Spiele zu viert möglich. Irgendwann kannte ich viele Karten in- und auswendig, hauptsächlich die offiziell verfügbaren, aber auch viele der grandiosen Maps aus der Community. Immer wieder probierten wir neues Material aus und hatten monatelang Spaß damit. Und auch Jahre später -- Half-Life schlummerte nach wie vor auf der Festplatte -- wurde immer wieder mal eine schnelle Multiplayer-Partie gespielt. Und wenn das Spiel doch mal abhanden gekommen war, wurde es eben neu installiert.

Half-Life ... und dann?

Nach Half-Life war ich einige Jahre ständig auf der Suche nach neuen, ähnlichen Spielerfahrungen und wurde auf diese Weise vom Gelegenheitsspieler zum Darin-investiere-ich-mehr-Zeit-Spieler.
Für lange Zeit schaffte es jedoch kein Spiel, mich erneut so exzessiv zu fesseln, wie es Gordon Freeman und seine Erlebnisse in Black Mesa getan hatte (von den beiden offiziellen Nachfolgern "Opposing Force" und "Blue Shift" vielleicht mal abgesehen). Das mag einerseits damit zusammenhängen, dass PC- und Videospiele im Laufe der Jahre für mich einen anderen Stellenwert bekamen. Andererseits aber auch mit der Tatsache, dass (für mich persönlich) lange kein anderes Spiel an Half-Life herankam.

Bis schließlich sechs Jahre nach dem ersten Teil der Nachfolger des Klassikers angekündigt wurde. Die Berichterstattung hatte ich damals weitestgehend gar nicht mitbekommen ... und mir das Spiel dennoch -- ohne auch nur einen Moment zu zögern -- gekauft. Und ich bin überzeugt, dass ich es mit jedem weiteren eventuell erscheinenden Half-Life-Titel genauso machen würde ...

Sicher habe ich damals viele andere tolle Titel verpasst oder gar nicht erst mitbekommen. Half-Life ist jedoch mein ganz persönlicher Meilenstein und mit vielen prägenden Erinnerungen verknüpft.

Zum Abschluss ein YouTube-Video, in dem die ersten Spielminuten zu sehen sind: Gordon Freeman kommt an seinem Arbeitsplatz an, zieht sich seinen Schutzanzug über und begibt sich zur Durchführung eines Experimentes in die Testkammer. Eben ein ganz normaler Arbeitstag ...



Anmerkung: Leider sind nach mehreren gewechselten Festplatten beim Autor keine Screenshots mehr aufzufinden, weshalb GamersGlobal.de-Screenshots genutzt wurden.
ChrisL 9. Oktober 2009 - 9:51 — vor 7 Jahren zuletzt aktualisiert
Dennis Ziesecke Freier Redakteur - 29503 - 10. Oktober 2009 - 12:25 #

Ich wollte mir aufgrund von Grafikproblemen mit meiner Voodoo-Banshee sogar einen neuen PC kaufen für HL1. Hab dann auf nen Patch gewartet und das Spiel hat trotzdem Spaß gemacht :D . Klasse Titel, hat seine Geschichte für die damalige Zeit sehr gut erzählt und muss sich in einigen Punkten nicht einmal vor modernen Titeln verstecken.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 137398 - 11. Oktober 2009 - 8:30 #

Dass sich HL1 auch heute nicht verstecken muss, sehe ich genauso.
Gerade, dass man eben kein "Superkämpfer", sondern ein Wissenschaftler war, der eher zufällig in diese Sache geraten ist, fand ich damals klasse rübergebracht. Und mich hat es zu keiner Sekunde gestört, dass Freeman alles stumm hingenommen hat. :)

Olipool 15 Kenner - 3742 - 12. Oktober 2009 - 8:20 #

Meiner Meinung nach hat auch der Sound extrem zur Atmosphäre beigetragen. Bei mir hat die Musik nicht funktioniert aber das war auch gut so, Stille, Schritte auf Metal im Lüftungsschacht, Ventilatoren, die Funksprüche der Soldaten, Alarmsirenen und natürlich diese aufladbare, geleb Kanone, weiß nicht mehr wie die heißt, aber das Geräusch hab ich noch im Ohr.
Zudem haben sich die Waffen real angefühlt, das Maschinengewehr fühlte sich einfach echt und schwer an und verursachte nachvollziehbaren Schaden (oh und das *fump* beim secondary fire war auch cool...). Das finde ich in vielen Shootern schlecht gelöst.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 137398 - 12. Oktober 2009 - 8:48 #

Beim Sound gebe ich dir absolut Recht - das hätte auch noch gut in den Artikel gepasst. Unvergessen viele Geräusche wie das Aufladen des Schutzanzuges oder auch dieser kurze Sound bei verschlossenen Türen.
Und stimmt, dieses *fump* war auch klasse. :)

Bad_Jay 11 Forenversteher - 667 - 13. Oktober 2009 - 20:53 #

Ein wirklich toll geschriebener Artikel, der so manche Erinnerung wach werden lässt :) Was mir gerade wieder einfällt ist das ich "Opposing Force" vor dem eigentlichen Hauptprogramm gespielt habe, als es die beiden zusammen in einer Box erschienen sind, warum weiß ich selbst nicht mehr :D

Und für eines wird mir Half-Life auch immer Erinnerung bleiben, für die genialsten Änderungen in der deutschen Version. Ich sag nur: Wissenschaftler, Peng Peng, er macht artig Sitz und wackelt mit dem Kopf, zeitlos genial :D

mik 12 Trollwächter - 938 - 15. Oktober 2009 - 7:46 #

Tolles Spiel, hab ich ueber Jahre im LAN gespielt.
Es war unser meistgespieltes Game fuer Multiplayer zu 6t, .... ich sag nur Crossfire Map oder Rats!

Der 2te Teil konnte mich aber nicht so begeistern, war zwar gut aber das aha Erlebnis wie bei ersten Teil ist leider nicht so vorhanden gewesen!

Fuer mich eines der, wenn nicht sogar der beste FirstPerson-Shooter den es gibt!
Schade nur das HL1 + Op4 + Blueshift nicht mir neuer Grafik (in der Liga einer Cry-Engine) neu aufgelegt werden :( (die HL-Source Version war grottig)

Fazit: Das innovativste FPS-Game aller Zeiten!

bersi (unregistriert) 18. Oktober 2009 - 23:07 #

jaja, das gute alte Half-Life. Hach, es war eine schöne Zeit^^

Wer Half-Life mal auf eine etwas andere, erfrischende Art erleben möchte, sollte sich mal Freemans Mind an sehen:

http://www.youtube.com/watch?v=7J80KD4BG7M

SayWhatTF 15 Kenner - 3351 - 28. Oktober 2009 - 19:39 #

Also wenn man schon ein Video zu HL postet, dann wohl "HALF LIFE IN 60 SECONDS" ;)
http://www.youtube.com/watch?v=slRsexrhbG8

Loco 17 Shapeshifter - 8092 - 20. Oktober 2009 - 11:26 #

Ich finde Half life ist das beste Spiel ever... also von den Shootern. Half Life 2 kann mit Teil 1 nicht mithalten klar es ist wieder klasse und und und aber Teil 1 war einfach der Wahnsinn vom Leveldesign von der Story von der Art und weise... einfach genial

Loco 17 Shapeshifter - 8092 - 20. Oktober 2009 - 11:28 #

Möchte nur noch anfügen, das ich auch die Idee der Addons genial fand. Man erlebte das gleiche nochmal aus einer anderen Sicht erst als Regierungssoldat (die es ja so in der dt. Version nicht gab :() und dann als Wachmann. Das hätte ich mir auch für Teil 2 gewünscht aber da hätte es auch irgendwie nicht so gut gepasst.

Grinzerator (unregistriert) 9. Dezember 2009 - 2:03 #

Für mich trifft vieles, was du hier gesagt hast auf den zweiten Teil zu. Erst seit Half-Life 2 interessiere ich mich überhaupt für das Egoshooter-Genre. Den ersten Teil habe ich damals nur bei einem Kumpel gesehen, mich aber nicht näher dafür interessiert. Aber Half-Life 2 hat mich als erstes Spiel überhaupt einen Flow erleben lassen, der es mir nicht erlaubte vom Rechner aufzustehen, bevor ich es nicht durchgezockt hatte.

DigiDragon 06 Bewerter - 92 - 9. Dezember 2009 - 21:20 #

Half Life ist gut aber Half-Life mitm den ganzen Mods ist viel besser

DigiDragon 06 Bewerter - 92 - 1. Mai 2010 - 18:13 #

Mein favo. Spiel

Fabes 14 Komm-Experte - 2418 - 10. April 2011 - 11:13 #

Eines der wichtigsten Spiele aller Zeiten. Gerade durch seine hervorragende Modifizierbarkeit hat es ein ganzes Universum an Mods ermöglicht. Singleplayer und Multiplayer ganz klar 10/10

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