Gwent - Das Witcher-Sammelkartenspiel

Ein Blick in die geschlossene Beta

doom-o-matic / 12. November 2016 - 10:30 — vor 10 Wochen aktualisiert
Steckbrief
PCPS4Xbox One
Strategie
Sammelkartenspiel
nicht vorhanden
nicht vorhanden
CD Projekt RED
CD Projekt
25.10.2016
Link
Die schönste Nebensache in der Welt des Hexers Geralt ist natürlich das Kartenspielen. Wer mehr Zeit mit dem Sammeln der Karten verbracht hat, als mit dem Abschlachten von Monstern und Bösewichtern, der wird sich in diesem Spin-Off sofort wie zu Hause fühlen.
In Andrzej Sapkowskis Büchern über Hexer Geralt wird das Kartenspiel Gwent nur kurz erwähnt, heißt im polnischen Original eigentlich Gwint, wird nur von Zwergen gespielt und ähnelt eher Mau-Mau. Nichtsdestoweniger hatte CD Project RED (CDPR) die Eingebung, Gwent als neu interpretiertes Sammelkartenspiel in ihrem Rollenspiel-Epos The Witcher 3 - Wild Hunt einzubauen, um dass sich eine große Fangemeinde entwickelt hat. Dies führte dazu, dass ein eigenes Team von CDPR abgestellt wurde und nun eine alleinstehende Free-To-Play-Variante von Gwent entwickelt wird. Am 25. Oktober ist eine fortgeschrittene Version des Spiels in eine geschlossene Beta für Xbox One und Windows-PCs übergegangen. Nachfolgend stelle ich euch meine ersten Eindrücke aus der Beta vor.
Gwent Hauptmenü
Das Hauptmenü ist schick und übersichtlich, und lässt auch eine zukünftige Touchscreenoberfläche mutmaßen.
Die Witcher-typische Fantasy-Ästhetik zieht sich durch alle Menüs.

Auf in den rundenbasierten Kampf!

Nach einem rund zwei Gigabyte großen Download via GOG Galaxy ist die Beta von Gwent - The Witcher Card Game auf der Festplatte und kann gestartet werden. Erstes Auffälligkeit ist, dass man keinen Spielernamen wählen kann, sondern die GOG-Benutzerkennung verwendet wird. Dies ist besonders ärgerlich für Spieler, die ihren Echtweltnamen verwenden. Hier wird hoffentlich schnell nachgebessert.

Nach kurzer Ladezeit präsentiert sich das Menü, welches offensichtlich auf kombinierte Maus und Gamepad-Steuerung ausgelegt ist. Alle Auswahlmöglichkeiten scheinen logisch angeordnet und man findet sich sofort zurecht. Für den schnellen Spielstart ist auch gesorgt, da ihr sofort mit einem zufälligen Internetpartner in das Geschehen geworfen werdet. Als Alternativmöglichkeiten bieten sich das Spiel gegen eine Freund aus der GOG-Galaxy-Freundesliste oder ein Spiel gegen die Künstliche Intelligenz an. Die Spieler werden übrigens plattformübergreifend aufeinander angesetzt, sodass ihr auch via Xbox gegen einen Windows-PC-Besitzer spielen könnt. In der aktuellen Version der Beta ist die Künstliche Intelligenz aber noch nicht aktiviert. Doch zuerst wird ein zweiteiliges Tutorial gestartet, das euch durch die Grundprinzipien der Mechaniken und die Benutzeroberfläche führt. Gwent-Kenner aus Witcher 3 können das Tutorial übrigens jederzeit abbrechen.

Das Spielprinzip ist einfach: Zwei Spieler bekämpfen sich mit einer Auswahl an Karten, die diverse Charaktere, Monster und andere Kreaturen aus dem Witcher-Universum darstellen. Die Karten werden grob in Nahkampf, Fernkampf, Artillerie und Spezialfähigkeiten unterteilt und verteilen diverse Schadenspunkte. Diese Punkte werden entweder auf eine Gesamtpunkteanzahl pro Runde aufsummiert, oder auf eine bestimmte Karte am Spielfeld ausgespielt. Der Sieger ist derjenige der am Ende einer Runde den Gegner durch die Gesamtpunktezahl seiner Karten übertrifft. Wer zwei Runden gewonnen hat, entscheidet dann die ganze Partie für sich. Die Komplexität ergibt sich aus den vielfältigen Möglichkeiten der Kartenzusammenstellung, der Kartenfähigkeiten sowie aus den Rassenfähigkeiten.
Die schicke Ästhetik wurde mehr in den Vordergrund gerückt. Das Gwent-Minispiel in Witcher 3 sah bei weitem nicht so gut aus.
Sogar Nebensächlickeiten wie die Deckauswahl überzeugen durch die wunderschön animierten Bilder.

Proletarische Kampfeslust gegen künstlerische Ästhetik

Im Gegensatz zu Witcher 3 wurde die Grafiklatte von Gwent noch ein Stückchen nach oben geschraubt. Die Benutzerführung ist stimmig, die Animationseffekte betonen die einzelnen Spielaktionen, aber das absolute Highlight sind die wunderschönen Sammelkarten. Diese sind nämlich nicht nur animiert, sondern haben auch eigene Kameraführungen, so dass es eher aussieht als würde man mit der Karte wie durch einen Rahmen in ein Diorama blicken.

Für die Beta gibt es vorgefertigte Decks für die Monster, die Nordreiche, die Scoia‘tel und die Inseln von Skellige. Mit dem beigefügten Deckbuilder könnt ihr euch aber schnell neue und eigene Kartendecks zusammenstellen, und auch das Bildmaterial der Karten in einer Vollbildvorschau begutachten. Am Ende einer Partie gewinnt ihr Ore oder Scraps (engl., Erze oder Überreste), und könnt dem Gegenspieler durch Zurufen eines „Good Game!“ (engl., „Gut gespielt!“) noch Boni zukommen lassen. 100 Erze lassen sich in ein Fass umwandeln, das dann geöffnet werden kann, um neue Karten für seine Decks freizuschalten. Alternativ könnt ihr diese Fässer auch In-Game kaufen, wobei die Preise jedoch eher hoch gehalten sind. Jedes Fass bietet dazu garantierte Karten einer bestimmten Rangwertigkeit und bietet dem Spieler auch die Möglichkeit, aus mehreren potentiellen Karten auszuwählen, sodass ihr mit jedem Fass fünf Karten dazubekommt. Potentielle doppelte Karten, die ihr nicht benötigt, könnt ihr auch in der Kartensammlung wieder in Erze einschmelzen lassen.

Für das voraussichtliche Erscheinungsdatum im März wird auch eine Einzelspielerkampagne versprochen. Ob diese in der Beta anspielbar sein wird, ist noch unbekannt. CDPR behält sich übrigens vor, das Spiel zu resetten und verspricht in diesem Fall, die Spieler für bereits gekaufte Fässer zu entlohnen. Ob und wie das stattfindet ist noch nicht geklärt. Derzeit könnt ihr euch hier noch für die Beta anmelden, die voraussichtlich bis Februar 2017 laufen wird. Ob die Testphase auch für die PS4 kommt ist bis jetzt unbekannt, aber wahrscheinlich.

Zusammengefasst macht bereits die geschlossene Beta einen rundum soliden Eindruck. Es gab keine Abstürze, keine ewigen Ladezeiten und auch keine Server-Verbindungsabbrüche. Das eigentliche Spiel ist auch komplex genug, um alte Hasen für längere Zeit zu fesseln. Wer Gwent in The Witcher 3 nicht angefasst hat, aber trotzdem wehmütig auf seine Zeit mit Hexer Geralt zurückblickt, der erhält mit Gwent - The Witcher Card Game die Chance, noch einmal seine Erinnerungen aufleben lassen.
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Die Preise für die einzelnen Fässer sind erstaunlich hoch angesetzt. Ob das kaufanregend oder -abschreckend wirkt, wird sich sehr wahrscheinlich an der Ausschüttungsmenge der Erze widerspiegeln.
doom-o-matic 12. November 2016 - 10:30 — vor 10 Wochen aktualisiert
Sciron 19 Megatalent - P - 16107 - 10. November 2016 - 16:59 #

"Wer am Ende einer Runde dem Gegner durch seine Karten mehr Schaden zufügt gewinnt,..."

Naja, darauf kommt's aber nicht primär an, oder? Eigentlich braucht man nur in der Summe höhere Einheitenwerte als der Gegner. Im Gegensatz zu z.B. Hearthstone ist dessen Vernichtung (gibt ja auch kein "Face", dass man angreifen könnte) nicht das Hauptziel.

Hab die Beta ein paar Runden gespielt, hat mich aber nicht wirklich gepackt. Das ganze System gefällt mir nicht so recht. Bin aber auch generell nicht der größte Freund solcher "Kartenspiele". Schon HS konnte mich nicht bei der Stange halten.

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 10. November 2016 - 17:05 #

Stimmt, der "Schaden" den man zufuegt ist die Summe der Kartenwerte, die ja fuer ihre Angriffkraft steht. Ist letzendlich Auslegungssache wie man die Kartenwerte interpretiert, oder? Aber stimmt schon, den Gegner "direkt" attackieren anstatt eine bestimmte Karte geht nicht.

Hearthstone: ja, den Vergleich hab ich mir explizit gespart da ich Hearthstone nie gespielt habe. Vielleicht koennen ja ein paar Hearthstone-Spieler ihre Meinung dazu abgeben?

Sciron 19 Megatalent - P - 16107 - 10. November 2016 - 17:24 #

Also nur damit es nicht falsch verstanden wird (oder vielleicht interpretiere ich dich auch falsch): Geralt hat z.B. einen Stärkewert von 12. Damit kann ich aber keine andere Karte des Gegners angreifen und 12 Schaden austeilen, sondern der Wert wird dem eigenen Gesamtstärkewert hinzugefügt. Karten kann man nur zum direkten Angriff nutzen, wenn sie eine Spezialfähigkeit besitzen, die das ermöglichen. Es wird also "indirekter" gekämpft als eben z.B. bei HS.

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 10. November 2016 - 17:26 #

Genau, es ist ein indirektes System. Ein paar Karten haben so Faehigkeiten wie "Teile 3 Punkte Schaden an alle Nicht-Bronze Karten aus", oder noch viel trickreicher z.b. "Wenn dein Gegner mehr Punkte hat als du, dann nehmen alle seine Kreaturen 2 Punkte Schaden".

So, jetzt hast du mich aber neugierig gemacht... muss echt mal Hearthstone installieren ;-)

CK 14 Komm-Experte - 2279 - 10. November 2016 - 18:10 #

Richtig guter Userartikel, gute Arbeit! :)

Mir persönlich hat die Beta vor allem wegen den neuen Karteneffekten super Spaß gemacht, ich habe ein super starkes Skellige Deck :D

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 10. November 2016 - 19:18 #

Danke :-)

Ich bin ja ein Monster-Fan... immer fuer Ueberraschungen gut :-)

Sturmrabe85 13 Koop-Gamer - 1322 - 10. November 2016 - 20:57 #

Ich spiele die Beta seit gestern und habe während den ersten Partie gemerkt, dass man noch mehr als in ähnlichen Spielen auf Synergieeffekte und Combos achten muss. Der Eindruck ist aber positiv. Die Entwickler sollten vielleicht aber nen Abbruch-Button einführen, falls sich das Spiel bei der Spielersuche mal wieder nun Wolf sucht.

Und dann möchte ich noch anmerken, dass die Kämpfe gegen die KI, zumindest bei mir, mittlerweile möglich sind.

andreas1806 16 Übertalent - 4828 - 10. November 2016 - 21:18 #

Ich bin noch recht am Anfang von Witcher 3 Goty, Das Kartenspiel finde ich interessant... gewinnen tu ich aber irgendwie nicht... Hat es was mit können zu tun oder ist das "Zufall"/Glück?

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 10. November 2016 - 23:11 #

Braucht ne Zeit bis es "klickt". Im Endeffekt muss den Gegner dazu zwingen Karten sinnlos zu verspielen, das geht z.b. so: als erstes eine hohe Karte ausspielen (z.b. eine 10). Das zwingt den Gegner dazu entweder auch eine hohe Karte zu spielen oder 2-3 kleinere Karten zu verpulvern damit er mithalten kann. Der Trick dabei ist, einfach mal ne Runde gezielt zu verlieren, damit man dann ein leichtes Spiel hat die restlichen zwei Runden zu gewinnen.

Und mit jedem Mal gewinnen kommen natuerlich neue Karten dazu ;-D

andreas1806 16 Übertalent - 4828 - 16. November 2016 - 9:12 #

Vielen Dank für die Erklärung!

Toxe 21 Motivator - P - 26598 - 11. November 2016 - 11:40 #

Wie doom-o-matic schon schrieb ist es oftmals hilfreich, eine Runde taktisch zu verlieren.

Gwent hat so seinen eigenen kleinen Twist, aber wenn man sich einmal daran gewöhnt hat ist es schon ein sehr schönes Minigame.

Wobei ich persönlich das ganze Spiel über nur mit einem Deck gespielt hatte. Das was man von Anfang an hatte, das Nordland Deck oder wie das nochmal hiess. Damit hatte ich quasi alles gewonnen und quer durch's Spiel lag meine Siegesrate damit locker bei 95+ %.

Der Marian 19 Megatalent - P - 17465 - 10. November 2016 - 22:24 #

Schöner Einblick in die Beta für ein Spiel, mit dem ich mich noch gar nicht auseinander gesetzt habe. Aber ich bin auch nicht so der Kartenspieler... (auch real nicht).

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 10. November 2016 - 23:12 #

Fuer die Beta anmelden kostet ja nix ;-) Wobei mir grad auffaellt, dass der Link dazu gar nirgends im Artikel steht:

https://www.playgwent.com/de

Maik 20 Gold-Gamer - - 21573 - 11. November 2016 - 12:39 #

Ich warte auf den Release, aber dann wird Gwent gezockt. Konnte schon bei W3 nicht die Finger davon lassen. :)

Ganesh 16 Übertalent - 4905 - 12. November 2016 - 11:21 #

Ich hab meinen Key noch nicht... :(

Als HS-Spieler hätte mich vor allem interessiert, wie es mit anderen F2P-Kartenspielen vergleichbar ist. Mich schreckt bisher ein wenig der Look ab, das ging mir schon bei Elder Scrolls Legends so, sehr viel grau und braun und so...

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 33533 - 12. November 2016 - 21:37 #

Schönen Dank für deinen Einblick in die Beta.
Dank dem "Voting" ist auch schön zu sehen das es doch ein paar mehr Leute lesen als vorher. ;)

doom-o-matic 15 Kenner - P - 3620 - 13. November 2016 - 2:39 #

Sowas freut immer ;-D

Nokrahs 16 Übertalent - 5709 - 13. November 2016 - 11:52 #

Danke für den Artikel. Wird wohl das erste Kartenspiel am PC das ich zocke seit Samantha Fox Strip Poker.

Maik 20 Gold-Gamer - - 21573 - 13. November 2016 - 15:40 #

Na endlich noch jemand, der diesen Meilenstein der Spielhistorie agefasst hat.

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