Freakshow, Folge 1

Doom, the Roguelike

Daeif 31. Dezember 2010 - 19:11 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier seht ihr die merkwürdigsten Computerspiele der Welt. Ob seltsame Genres, kuriose Szenarien oder einfach nur bodenlos schlechte Machwerke: In dieser Show kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus!
Die Vielfalt der Computerspiele ist mit den Jahren und Jahrzehnten enorm gewachsen. Hatten Spieler der 70er-Jahre vor allem Spaß an Pong, wuchs die Anzahl der Genres in den 80er-Jahren rapide an. Jump’n’Runs, Beat’em’Ups, Shoot’em’Ups, Adventures, Rollen-, Strategie- und Sportspiele schossen wie Pilze aus dem Boden und variierten immer mehr. Mitte der 90er-Jahre kam dann noch die dritte Dimension dazu, was besonders Ego-Shootern zum Boom verhalf.

Eine Spielschmiede und ihr Meilenstein

Das von vielen als Ur-Ego-Shooter angesehene Doom galt quasi als Auslöser der Ego-Shooter-Welle. Obwohl technisch noch nicht einmal in komplettem 3D, begeisterte es 1993 Spieler auf der ganzen Welt (dank der BPjS mit Ausnahme Deutschlands). Eine neue Erfolgsmarke war geboren, die bisher zwei Sequels, mehrere Romane und einen Kinofilm hervorbringen konnte. Daneben wird Doom wohl einer der Titel sein, die bei der Anzahl der Umsetzungen ganz weit vorne mit dabei sind. Doom gibt es für bekannte wie unbekannte Plattformen wie PC, Super Nintendo, PlayStation, GameBoy Advance, Solaris, NeXTStep oder QNX.

Der Ego-Shooter Doom gilt bis heute als einer der ersten Meilensteine des Genres (hier in der von der USK ab 16 freigegebenen Game-Boy-Advance-Version).
Dann gibt es aber auch Konzepte, die Doom aus der Sphäre der Ego-Shooter in andere Genres bringen. Gänzlich ohne Strom läuft zum Beispiel das Doom-Brettspiel, das euch viel Strategie abverlangt. 2005 erschien mit Doom RPG für Handys der erste Versuch, das bekannte Doom-Setting mit einem Rollenspiel-Unterbau zu mixen. Wirklich der erste Versuch? Natürlich nicht. Am 8. September 2002 stellt der findige Programmierer Kornel Kisielewicz sein neuestes Projekt auf seine Internetseite: Doom, the Roguelike, oder kurz, DoomRL.

Roguelikes?

Etwa 80 Prozent der Leserschaft wird jetzt ein Fragezeichen über dem Kopf schweben. Was zum Cyberdämon ist ein Roguelike? Kleine Zeitreise zurück in die Geschichte der Rollenspiele: 1980 ersinnen die Programmierer Michael Toy, Glenn Wichman und Ken Arnold das Spiel Rogue. Im Gegensatz zu konventionellen Rollenspielen wird das Genre bei Rogue auf ein Kernkonzept heruntergebrochen: Das Überleben in Dungeons. Ausladende Oberwelten werdet ihr in Roguelikes vergeblich suchen. Auch die Optik ist stilgebend: Alles wird in ASCII-Schriftzeichen dargestellt, echte Grafik gibt es also nicht. Kein Wunder, dass Roguelikes Nischentitel für Computergeeks werden. Trotzdem gibt es Nachahmer, die das Spielprinzip am Leben erhalten, etwa Hack (1982) oder Moria (1983). Letzteres spielten die Jungs des kleinen kalifornischen Spielstudios Condor gerne. Sie entschlossen sich, inspiriert von dem Titel, ein eigenes Spiel zu entwickeln. Sechs Monate vor Release des Spiels wird Blizzard auf das Projekt aufmerksam, kauft Condor und benennt es in Blizzard North um. Ein cleverer Schritt: Das Projekt heißt Diablo, wird ein Riesenerfolg und begründet das Genre der Action-Rollenspiele, die von den Roguelikes abstammen.

Aber auch das Ursprungsgerne schafft schließlich den Sprung aus den IT-Räumen: Chunsoft, die Firma hinter den ersten Dragon-Quest-Titeln, veröffentlicht 1993 in Japan Torneko no Daiboken: Fushigi no Dungeon (auf deutsch etwa: Tornekos großes Abenteuer: Mysteriöser Dungeon) für das SNES, eines der ersten kommerziellen Roguelikes und Auftakt der Mystery-Dungeon-Reihe, diesmal auch mit Grafik. Die Mystery-Dungeon-Serie ist heute in Fernost eines der beliebtesten Rollenspiel-Franchises, von der auch andere Firmen ein Stück vom Erfolgskuchen abhaben wollen. So schlug sich zum Beispiel Squares Maskottchen Chocobo durch bisher vier Mystery Dungeons. Im Westen wird wohl die Pokémon-Mystery-Dungeon-Reihe, die auch hierzulande erschienen ist, am bekanntesten sein.

Niko 16 Übertalent - 5024 - 31. Dezember 2010 - 19:21 #

Schöner Artikel aber das ist absolut nichts für mich ^^ Dann doch eher das Doom-Brettspiel (Zusammenhang ist weit hergeholt aber egal)

rAmbAzAmbA 17 Shapeshifter - 7388 - 31. Dezember 2010 - 20:15 #

Schöner Artikel zum Jahresende :) IDKFA euch allen :D

pel.Z 16 Übertalent - 4852 - 31. Dezember 2010 - 21:41 #

Keine ausladenden Oberweiten in Roguelikes? Mist...

Bernd Wener 19 Megatalent - 13635 - 1. Januar 2011 - 14:53 #

Interessante Spielart. Höre das erste Mal davon. Aber für mich alten Sack wäre das nichts. Da bräuchte ich viel zu viele Herzpillen ;)

paulopinkel 03 Kontributor - 8 - 1. Januar 2011 - 16:11 #

Ich wünsche Dir: IDDQD!

Sleeper1982 14 Komm-Experte - 2485 - 2. Januar 2011 - 11:09 #

IDDQD und IDKFA, ach ja die cheats kenn ich auch noch, seltsam dass man sich sowas so lange merkt :)

Cubi 17 Shapeshifter - 6113 - 6. Januar 2011 - 0:57 #

Komisch daran hab ich auch grad gedacht, haben wir damals einfach zu oft eingetippt, wir bösen Cheater ^^

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 6. Januar 2011 - 13:57 #

Kurios! Aber sehr unterhaltsame Lektüre, vielen Dank & mehr davon! ;)

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 8. Januar 2011 - 15:37 #

Keine Sorge, es wird mehr geben. Ich sitze gerade an der zweiten Folge, unter anderem experimentiere ich noch mit einem Zusatz zum Artikel. So viel kann ich schon verraten: Es wird eine Miesmuschel werden ;)

Wiesel789 05 Spieler - 37 - 7. Januar 2011 - 23:17 #

aaaahhhjaaa....´n Klassiker...
Kinder, des waren no´ Zeidn´.... :3
:D

Mario Donick (unregistriert) 14. Januar 2011 - 13:57 #

Ein paar Ergänzungen:

Schöner kleiner Artikel, aber ob die Moria-Geschichte und Blizzard wirklich so stimmt, ist umstritten, und roguelikes haben eine größere und v.a. aktiviere Fangemeinde, als es hier aussieht. Das liegt nicht zuletzt daran, dass roguelikes gerade wegen der zufallsgenerierten Dungeons und wegen des "Permadeath" quasi endlosen Wiederspielwert haben.

Weitere Roguelikes:

Neben DoomRL sind noch Dutzende anderer Roguelikes zu nennen, die bekanntesten zur Zeit sind immer noch die Klassiker "Nethack" und "Angband", basierend auf "Hack" bzw. "Moria"), "Dungeon Crawl Stone Soup" und z.T. "Dwarf Fortress". Der Entwickler von "DoomRL" hat übrigens auch ein "DiabloRL" geschrieben, und ein anderer Entwickler hat den Klassiker "Castlevania" als "CastlevaniaRL" umgesetzt. Es gibt also viel zu entdecken.

Daneben gibt es viele viele kleinere, unbekanntere, aber deswegen nicht weniger interessante Projekte, etwa "Legerdemain", zu dem der der Autor sogar ein Lösungsbuch in Romanform geschrieben hat, "Incursion", oder auch mein eigenes Projekt "LambdaRogue: The Book of Stars", das für ein roguelike relativ storylastig ist und gleichzeitig versucht, möglichst zugänglich zu sein und sich daher in der Interfacegestaltung an MMOGs orientiert. Für sehr viele roguelikes gibt es übrigens grafische Interfaces.

Die Roguelike-Community:

Zentrale Anlaufstelle für roguelikes aller Art sind einerseits RogueBasin, ein Wiki, in dem auch die aktuellsten Neuerscheinungen und Updates gesammelt werden, sowie RogueTemple, ein Webforum. Jährlich findet außerdem die IRDC statt, ein Treffen von roguelike-Entwicklern aus der ganzen Welt.

RogueBasin: roguebasin.roguelikedevelopment.org

RogueTemple: roguetemple.com

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 3. Januar 2013 - 2:58 #

Nethack... Mein allererstes RPG. Mein erster Computer war ein 286er mit 5¼"-Diskettenlaufwerk - im Jahre 1992. Die großen Flatterfloppies waren da schon am Aussterben, und es war längst die Zeit der 386er. So konnte ich mich bzgl. Spielen vornehmlich nur an Budgettiteln auf dem Grabbeltisch (Sachen wie Iron Lord und Rings of Medusa) vergreifen und an dem, was die Shareware-/Freeware-/Public-Domain-Distributoren so feilboten. Einer von ihnen vertrieb Nethack. Ich weiß den Namen der Firma leider nicht mehr, aber was ich heute im Nachhinein sehr an der Version schätze, ist, dass sie als dickes Handbuch das komplette Guidebook dabei hatte - übersetzt und illustriert! Das waren mit die besten zehn Mark, die ich in meinem Leben je ausgab. :D
Die Farbdarstellung beschränkte sich in der Version auf einen blauen Hintergrund und braune Zeichen, und es gab noch die Klasse des Jedi-Ritters, komplett mit Lichtsäbel (völlig imba XD) und dazugehörigen Batterien. *g
Seit den Tagen dieses alten 286ers war Nethack stets auf der Platte. Zunächst unter DOS, später und bis heute unter Linux.

Anym 16 Übertalent - 4962 - 28. Juli 2011 - 19:09 #

Kisielewicz ist falsch geschrieben. Ansonsten ein schöner Artikel zu einem viel zu unbekannten Spiel aus einem viel zu unbekannten Genre, auch wenn er der unwerfenden Genialität des Titel nur teilweise gerecht wird. Unbedingt ausprobieren!

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