Freakshow #14

Die Rache der kuriosen Flashspiele

Daeif 14. Februar 2013 - 10:53 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Hereinspaziert, hereinspaziert! Hier seht ihr die merkwürdigsten Computerspiele der Welt. Ob seltsame Genres, kuriose Szenarien oder einfach nur bodenlos schlechte Machwerke: In dieser Show kommt ihr aus dem Staunen nicht heraus!
Heute, Freunde friemeliger Flash-Frickeleien, ist es mal wieder an der Zeit, den Browser anzuschmeißen und die verworrene, belustigende und verstörende Welt der Flashspiele zu betreten.Wobei ich mich wirklich frage, wie ich sinnfreie Kunstorgien und auf Vaginas schießende Penisse noch übertreffen soll. Und an wem wollen sich die Flashspiele überhaupt rächen?

Time Fcuk

Kniffelig: Die Rätsel werden von Stufe zu Stufe schwieriger. Wie zum Geier soll ich an den Schlüssel kommen?
Tja, sieht wohl so aus als wird Edmund McMillen zu einem Stammgast in dieser Reihe. Er ist aber auch ein Designer, der wie kein Zweiter für die Freakshow geeignet ist. Schaut euch doch nur mal den Titel dieses Spiels hier an, das um ein Haar verhindert, an dieser Stelle das dritte anzügliche englische Wort auf GamersGlobal zu veröffentlichen (neben „Cunt“ und „Clusterfuck“).

Irritierenderweise hat das Spiel, anders als der Titel aussagt, nicht wirklich etwas mit Zeitreisen zu tun. Vielleicht reist unser Held ja durch zwei verschiedene Zeitebenen, aber das könnten auch zwei Paralleluniversen sein. Egal, denn das Gameplay macht die Musik: Ihr übernehmt ein Männchen mit großen Kopf, das mit Hilfe zweier Ebenen (wie bereits angesprochen) Level für Level neue Rätsel löst. Diese zwei Ebenen unterscheiden sich je nach Level massiv. Blockiert in der ersten eine Mauer euren Weg, verschwindet die in der zweiten, dafür dann auch gleich mit dem Boden, auf dem ihr steht. Weitere Elemente wie Portale, Blöcke und Propeller bringen Würze ins Spiel.

Time Fcuk hat mich mal wieder für Stunden an den Browser gefesselt. Lernt ihr zunächst den Umgang mit den zwei Ebenen, wird das Spiel in einer angenehmen Lernkurve immer fordernder, bis ihr euch schließlich mit richtigen Kopfnüssen auseinander setzt. Wenn es mal hakt, könnt ihr einen Level auch überspringen. Doch eine Sache überrascht mit dann doch: Kein Fäkalhumor oder übertriebene Gewalt in einem Edmund-McMillen-Spiel? Wir werden doch wohl nicht nachlassen, oder, Edmund?

Spectromancer

Vor kurzem hab ich mich gefragt, was eigentlich Magic - The Gathering-Schöpfer Richard Garfield so macht. Siehe da: Er hat ein weiteres Kartenspiel entwickelt! Allerdings nur ein virtuelles, dafür genau so süchtig machend.

Magic-Kenner finden sich sofort zurecht: Jeder Spieler hat 60 Hitpoints. Die Karten sind in fünf Elemente unterteilt. Statt allerdings ein Deck zu haben, bekommt ihr zwanzig zufällige Karten. Die Karten sind zudem in Kreaturen oder Zaubersprüche unterteilt. Erstere teilen aus oder blocken andere Kreaturen, Letztere können verschiedene Auswirkungen wie Schädigung des Gegners bis hin zur Stärkung von Kreaturen haben. Der Einsatz der Karten ist durch Mana begrenzt, das für jedes Element einzeln gezählt wird und sich pro Runde um einen Punkt auflädt. Die Kosten der Karten variieren, eine mächtige Hydra ist logischerweise teurer als ein mickriger Goblin. Karten können pro Partie immer wieder eingesetzt werden, so lange ihr sie bezahlen könnt. Gewinner ist, wer zuerst die Hitpoints seines Gegners auf null gebracht hat.  

Spectromancer ist der „Sozialist“ unter den Sammelkartenspielen, weil der Begriff „Sammeln“ gestrichen ist. Das hat seine Vor- und Nachteile. Einsteiger können sich sofort ins Getümmel stürzen und müssen nicht fürchten, wegen eines Luschendecks zu verlieren. Andererseits fehlt damit auch der Anreiz, sich ein „perfektes“ Deck zu basteln, womit ihr keine individuelle Taktik entwickeln und euch immer neu einstellen müsst. Für ein kostenloses Vergnügen reicht Spectromancer aber allemal, auch, wenn die Bots ziemlich schwach auf der Brust sind. Dennoch: Wer schon immer mal ein Sammelkartenspiel spielen wollte, aber Angst vor den Kosten hatte, ist hier gut aufgehoben.

The Room Tribute

Manchmal kann einem das Spiel gar nicht verpixelt genug sein...
Euch interessieren Sammelkarten deutlich weniger als prächtige Leinwandschinken? Wunderbar, denn ich habe diesmal auch eine waschechte Filmumsetzung im Gepäck. The Room basiert auf dem gleichnamigen Streifen von Tommy Wiseau. Warum gerade dieser Film? Weil er zu den schlechtesten Machwerken aller Zeiten gehört. Vergesst Batman & Robin, Catwoman oder Jack & Jill: Dieses „Epos“ übertrifft alles. Zu den Schnitzern gehören etwa schlechtes Schauspiel, schlechte Kameraarbeit, schlechte Synchro (bei Originalsprache!), schlechte Musik, schlechte Story und so schlechte Dialoge, dass daneben sogar Ed Wood wie ein Quentin Tarantino wirken würde. Kein Wunder, dass der Film Kultstatus genießt und dieser Kult dann auch ein Spiel gebar.

Umgesetzt wurde der Film als klassisches Point-and-Klick-Adventure. Das Spiel ist in Tagen aufgeteilt, beginnend mit der morgendlichen Dusche (mit expliziter Darstellung!) und endend mit dem zu Bett gehen. Johnny, euer Protagonist, muss pro Tag einige Aufgaben erfüllen, etwa eurer Liebsten Rosen besorgen, einen neuen Anzug kaufen oder Football mit Freuden spielen. Dabei wird hauptsächlich der „Plot“ des Films nacherzählt.

Spieler, die die Vorlage kennen, werden The Room sicherlich zu schätzen wissen. Das Spiel parodiert gekonnt verschiedene Plotlöcher oder bizarre Ereignisse (Löffel!). Nur spielerisch ist der Titel etwas schwach auf der Brust. Die Rätsel sind ziemlich einfach, sporadische Quick-Time-Events peppen das Geschehen auch nicht wirklich auf. Dazu halten sich einige Dialoge etwas zu genau am Film, wodurch diese teilweise ausufern. Doch gerade wegen dem Ende, das euch „erklärt“, warum Tommy Wiseau eigentlich so seltsam daher kommt, solltet ihr dem Spiel eine Chance geben.  

Monster Milktruck

Für unser letztes Spiel verlassen wir mal wieder den Sektor der auf Flash basierten Spiele und wenden uns mit Google Earth einer anderen Engine zu. An sich ist dieses Karten-Tool ganz nett, aber mit Spielen hat das erst einmal nichts zu tun. Bis findige Entwickler sich dachten: „Hey, wir könnten doch ein Auto basteln, das durch die Szenerie fährt!“ Warum es aber ausgerechnet ein Milchwagen sein musste?

In Monster Milktruck fahrt ihr mit besagtem Lastwagen durch die Welt von Google Earth und erkundet auf eigene Faust die Karte. Klingt langweilig? Ist es auch, zumindest für 95 Prozent der Welt, denn dort ist quasi nix los. Ihr saust mit locker 600 Sachen (so einen Milchlaster muss ich mir auch besorgen!) durch eine fast komplett leere Karte ohne aufregende Ereignisse. Durch deutschsprachige Gegenden zu fahren, ist ein Graus: Selbst Großstädte sind kaum komplett als 3D-Modell aufgestellt, womit das Sightseeing zum Flickenteppich verkommt. Dazu gesellen sich eine fehlende Kollisionsabfrage (ihr fahrt einfach durch alle Gebäude hindurch) und, je nach Fahrtgeschwindigkeit, fiese Ruckelorgien.

Schade, denn dieses Experiment hätte durchaus Spaß machen können. So aber ist Monster Milktruck nichts weiter als eine verkorkste Spielerei, die die Engine kaum spannender macht. Für fünf Minuten Ausprobieren ganz nett, aber sicherlich nicht wert, die Engine zu installieren.

Damit schließt die Show für heute. Kommt auch das nächste Mal wieder vorbei, wenn ihr die kuriosesten und merkwürdigsten Titel der Spielwelt erblicken wollt. Ich bin euer Gastgeber Däif und sage euch: Löffel!

Und jetzt selber spielen!
Bock auf Fantasy-Karten-Gefechte? Oder komplizierte Rätsel auf zwei Ebenen? Kein Problem, wie üblich sind alle hier vorgestellten Titel kostenlos spielbar. Folgt einfach den unten stehenden Links:

Time Fcuk
Spectromancer
The Room Tribute
Monster Milktruck (erfordert Google Earth)

Spectromancer kann übrigens auch als Vollversion gekauft werden, etwa bei GamersGate für 9,95 Euro. Dann erhaltet ihr eine verbreiterte Auswahl an Klassen und habt die Möglichkeit, ungebrenzt viele Multiplayer-Matches an einem Tag auszutragen.
Daeif 14. Februar 2013 - 10:53 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
Freylis 20 Gold-Gamer - 20960 - 14. Februar 2013 - 15:22 #

Lieber Daeif,

Wieder mal eine Freakshow, goldig! :-)
Ich hatte ja keine Ahnung, was sich auf der Flash-Wiese nicht so alles tummelt. Danke fuer den witzigen und unterhaltsamen Beitrag!

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 15. Februar 2013 - 16:45 #

Immer wieder gerne :)

In der nächsten Ausgabe geht es übrigens mal wieder um eine Gurke, diesmal zeitnah mit dem Release eines bestimmten Spiels...

ThePilgrim 12 Trollwächter - P - 1107 - 14. Februar 2013 - 15:25 #

U TEARIN ME APPART LISAAA!!

Herrlich, werd ich heut abend mal spielen. Den besten Review von "The Room" gibts beim Nostalgia Critic :)

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 15. Februar 2013 - 16:46 #

Verdammt, DAS hätte ich als Rausschmeißer nehmen sollen :)

natural_killer_cell 11 Forenversteher - 601 - 14. Februar 2013 - 20:45 #

Die Hintergrund Musik von The Room ist so dermaßen catchy! :D

Lyhawk 15 Kenner - P - 2979 - 15. Februar 2013 - 21:24 #

Zwei Dinge:
- Irre ich mich, oder heißt es nicht: Und an WEM wollen sie sich rächen"?
- "das vierte anzügliche englische Wort auf GamersGlobal zu veröffentlichen (neben „Cunt“ und „Clusterfuck“)." // Da zähle ich aber 3.

Ansonsten eine wunderbare Freakshow.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33715 - 24. Juli 2013 - 15:09 #

Also dass Spectromancer bisher an mir vorbei gegangen ist... Muss ich dringend mal ausprobieren.

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