Der Turm, Teil 3 User-Artikel

Eine GG-Weihnachtsgeschichte

malkovic / 26. Dezember 2016 - 10:00
Noch ein Weihnachtsbraten weg, verdammt. Herzkranzgefäße und Fettleber gleichmäßig eingeölt, verdammt. Bauchspeicheldrüse-feat.-Insulinspritze pumpen gegen den Blutzucker an, was das Zeug hält, verdammt. Fehlt nur noch der dritte und letzte Teil dieser Weihnachtsgeschichte.
Der dritte und letzte Teil dieser Weihnachtsgeschichte findet hoch oben im fünften Stockwerk des GamersGlobal-Turms statt.

Also im Büro des Echten&Einzigen-Big-Boss'.

Ein Büro von ziemlich überraschenden Ausmaßen, betrachtet man Statur und Konstitution des Turms. Ein Büro, das man guten Gewissens als groß bezeichnen kann. Alssehr groß. Genauer: Der Länge, Breite und Höhe nach verhält es sich zu den redaktionellen Besenkammern in den unteren Ebenen ungefähr so wie Oil-Imperium zu Sim-Ant.

Was das Interieur des Big-Boss-Büros betrifft: Es besteht hauptsächlich aus Masse. Aus hölzerner Masse. Aus schwerer hölzerner Masse von der staubigen und repräsentativen Sorte.

Genauer: Ein mittelgroßes Eichenwäldchen, ein Hektoliter Klarlack und die Idee eines Raumausstatters aus der Honecker-Ära finden hier zu schweren Schränken, schweren Vitrinen, schweren Regalen, schweren Wandvertäfelungen, schwerem Parkett und schwer gerahmten Ölgemälden (hauptsächlich Spieldesigner) in wohliger spießbürgerlicher Eintracht zusammen.

Nahe der Nordwand thront ein massiver Schreibtisch vor dem obligatorischen speckigen Chefsessel, flankiert von zwei mittelschweren Wandteppichen. Und ja, auch die äußerst schwere Flügeltür mit Lederbezug fehlt nicht. Sie befindet sich dem Schreibtisch exakt gegenüber, an der Südwand des Beinahe-Thronsaales, verbunden über einen vornehm ergrauten Läufer, der direkt aus Mielkes STASI-Hauptquartier stammen musste.

Erwähnenswert sind drei weitere Sessel von eher mickriger, niederer Statur. Sie stehen etwa in der Mitte des Büros, dem majestätischen Chef-Schreibtisch in gebührendem Abstand untertänigst zugewandt. Erwähnenswert ist auch ein Schrank auf halber Höhe, der fiepende Geräusche von sich gibt und dabei zittert.

Achtung-Spoiler: Dieser Schrank wird im Gegensatz zur Puppenkiste eine sehr wichtige Rolle in der Hauptstory spielen.
 
Die GG-Weihnachtsfeier

Drei Redakteure waren nacheinander mit nur einem Wegfindungsversuch von der Puppenkiste in die höchsten Höhen der Hochebene des fünften Stocks des GamersGlobal-Turms transportiert worden.

Jetzt klopften sie an die Pforte.

Gemächlich glitt eine Bodenplatte nahe des Mielke-Läufers beiseite. Und offenbarte ein quadratisches Loch, aus dessen Schatten der diesjährige Gastmoderator für die GamersGlobal-Weihnachtsfeier entstieg:

LILA-TENTAKEL(TM).

Erhaben, wie man ihn kennt, nach wie vor von weltherrschaftlichen Ambitionen. Und erst letztens aufgefrischt und runderneuert.

Wie alle Tentakel vermag es auch LILA-TENTAKEL(TM), ungeachtet jeder Biologie, mit seinen Saugnäpfen sowohl zu sprechen als auch optisch wahrzunehmen (vermutlich auch zu schnuppern). Über seine wunderliche Fortbewegung lässt sich gewiss ähnliches sagen. Doch Weihnachtsgeschichten stehen über irdenen Dingen wie Plausibilität, weshalb dieser Gedankengang nun abgebrochen werden soll.

Mit einem beherzten Doppelsprung platzierte sich LILA-TENTAKEL(TM) vor dem majestätischen Chef-Schreibtisch, musterte die drei mickrigen Sessel und rief:

„Tretet ein, Herrschaften!“

Unsere drei Redakteure traten gemeinsam (GG-Koop-Modus) in das Big-Boss-Büro. Mehr aus Gewohnheit knurrten sie sich an, während sie über den schweren Läufer zu den drei untertänigsten Sesseln eilten.
Jay warf sich in den rechten Sessel. Ben sank in den mittleren Sessel. X kramte zwei Controller, drei Mäuse und eine Tastatur aus seinen Taschen und legte alle beiseite, bevor auch er sich fallen ließ - in den linken Sessel.

„Ich wünsche frohe Weihnachten!“, flötete LILA-TENTAKEL(TM).

„Ebenso“, erwiderte ein dreistimmiger Redakteurs-Chor in Moll.

LILA-TENTAKEL(TM) baute sich auf.  „Ja, ich bin es, Ihr neuer Gastmoderator, niemand geringerer als LILA-TENTAKEL! Engagiert als diesjähriger Abgesandter des Echten&Einzigen-Big-Boss' von GamersGlobal, der STENG-GEHEIMEN-PUBLISHER-KOOPERATIVE (SGPK)! Ich komme also direkt aus der Zentrale zu Ihnen, um gemeinsam mit Ihnen, in trauter Runde, das Weihnachtsfest zu begehen. Ist das nicht erstaunlich?!“

„So eine Prominenz in unsrer Helmut-Kohl-Gedenkhalle? Ich bin baff“, sagte Jay.

„Ne Oktopuspfote mit Helene-Fischer-Laune“, ließ sich X vernehmen, „die lassen sich nicht lumpen in der Zentrale.“

„Kommt der polnische Nudist vom letzten Jahr mal gar nicht ran“, sagte Ben, „Von Riga oder so. Stinkt aber mal ganz gewaltig ab gegen so ne Sabbermaschine.“

„Ja, Sie sollten auch begeistert sein, meine Herrschaften“, trällerte LILA-TENTAKEL(TM), „denn ein erfolgreiches und gutes Jahr neigt sich dem Ende zu! Es ist Weihnachten, das Fest der Besinnung und des Innehaltens. Zum Beispiel vor den verflucht guten Verkaufszahlen, die ganz zweifellos auch Ergebnis unserer Firmenphilosophie sind!“

Dreistimmiges Stöhnen fand zu einem Stoßseufzer zusammen.

„Na super.“

„Die gute alte Firmenphilosophie.“

„Schon ist die Stimmung dahin.“

Unter physikalisch fragwürdigen Bedingungen begann LILA-TENTAKEL(TM) vor dem Schreibtisch auf und ab zu gehen. Die klassische Point'n'Klick-Adventure-Animation, die ziemlich unweigerlich in einen längeren Monolog mündet.

„Unsere Firmenphilosophie, meine Herrschaften, besteht darin, den gemeinen User von GamersGlobal über die herausragenden Produkte der STENG-GEHEIMEN-PUBLISHER-KOOPERATIVE (SGPK) zu informieren. Es gilt, ihm all die herrlichen und einzigartigen Spiele unserer großen Publisher-Familie näher zu bringen, ihn dafür mit allen Mitteln zu begeistern, die Leidenschaft in ihm stets neu zu entfachen, und dabei möglichst glaubwürdig zu wirken. Das ist der tiefe Sinn unseres Handelns als Vermittler in der Schnittstelle zwischen Produzent und Kunde!“

LILA-TENTAKEL(TM) machte eine kurze Pause und hob den Blick. Weihevoll und präsidial, empor zur Decke. Jeder Bildhauer hätte an dieser Pose seine wahre Freude gehabt, wenn die Schleimspur auf dem Holzboden nicht gewesen wäre.

„Es geht darum, die Menschen wieder Kind sein zu lassen, mit all der Verzückung und Begeisterung und Arglosigkeit ihrer zum Teil lange vergessenen Kinderjahre. Es geht darum, dem spielenden Menschengeschlecht das Edle und Schöne ihres Tuns immer wieder von Neuem bewusst und klar zu machen, auf das jenes wärmende Feuer der Geborgenheit und Selbstliebe in ihnen niemals erlischt. Das ist der tiefe Sinn Ihres Daseins als Mitarbeiter von GamersGlobal, werte Herrschaften. Der allertiefste Sinn!“

LILA-TENTAKEL(TM) versteinerte zu einer weiteren erhabenen Pose. Sein Blick galt (vermutlich) dem Horizont. Für einen Moment. Dann wandte sich LILA-TENTAKEL(TM) den drei Redakteuren zu.

Und beäugte sie.

Beäugte sie näher.

Noch näher.

Tatsächlich: Ben, Jay und X waren in ihre Sessel gesunken. Sie schnarchten einen leisen Kanon, mutmaßlich bestehend aus der LeChuck-Melodie (Jay), dem Indiana-Jones-Jingle(X) und dem Walking-Dead-Grillenzirpen (Ben).

„Hallo?!“

Zunächst öffneten sich drei einzelne Augen und sondierten die Lage wie ein Periskop.

„Sie sind eingeschlafen, Herrschaften!?“

Drei weitere Lider hoben sich. Ben, Jay und X schmatzten und entließen, jeder für sich, einen herzhaften Gähner in die Umgebung.

„Nein, sind voll dabei“, sagte X.

„Konzentriert und fokussiert“, ergänzte Ben.

„Also mach weiter“, fügte Jay hinzu.

LILA-TENTAKEL(TM) tippte mit etwas auf den Boden, das man angesichts seiner Anatomie als Fußspitze interpretieren konnte.
„Haben die Herrschaften den tiefsten Sinn verstanden?“

„Klar doch, das Edle und Schöne und so - fahr fort“, sagte Jay.

„Wo war ich? Ach ja“, LILA-TENTAKEL(TM) holte Luft, „das ist der tiefste Sinn Ihres Daseins als Mitarbeiter von GamersGlobal.“ Er taxierte die drei Redakteure. „Haben die Herrschaften auch den allertiefsten, eigentlichsten Sinn verstanden?“

„Seit Jahren“, erwiderte Ben.

„Immer“, sagte Jay.

„Und wie“, sagte X.

LILA-TENTAKEL(TM) räusperte sich so laut, wie es seine nicht vorhandenen Bronchien erlaubten. Dann begann er erneut mit der pendelnden Monolog-Animation. Ein Metronom, welches den Takt seines Vortrags bestimmte.

„Der tiefste und eigentlichste Sinn Ihrer Arbeit ist es nämlich nicht, kritisch zu sein, mein Herrschaften! Der Spielejournalismus, wie man dieses fragwürdige Gewerbe einst nannte, hat ausgedient. Womöglich waren echte Kritiker früher mal in Einzelfällen ein notwendiges Übel, heute will und braucht sie keiner mehr. Kritiker sind auf unserer schönen glückseligen Spiele-Party die Miesmacher, die Schlechtelaune-Verbreiter, die Wasser-in-den-Weingießer, die Brunnenvergifter und Querulanten, die keiner, wirklich keiner, einladen will. Also gilt es, sich endgültig von diesem altbackenen, unsympathischen Berufsethos zu verabschieden und Teil dieser großartigen Party zu werden. Das kleine fiese hinterlistige Rumpelstilzchen ist nicht gefragt, es muss sich verpuppen, meine Herrschaften, und zu einem großen positiven Schmetterling werden!“

Es folgte eine rhetorische Pause, während derer LILA-TENTAKEL(TM) erneut in Feierlichkeit erstarrte. Eine zweite rhetorische Pause sollte die Feierlichkeit vermutlich noch unterstreichen, was nicht ganz gelang, weil LILA-TENTAKEL(TM) hinsichtlich der Stille misstrauisch wurde und entsprechende Blicke aussandte.
Doch die Redakteure waren diesmal wach.

Und Ben beendete die salbungsvolle Stille mit den Worten: „Das Bild am Schluss ist schief.“

LILA-TENTAKEL(TM) seufzte. „Welches Bild?“

„Rumpelstilzchen und Schmetterling.“

„Oh?“ LILA-TENTAKEL(TM) sinnierte: „Stimmt. Eine Märchenfigur in einer biologischen Metamorphose, das passt nicht. Kam mir gleich seltsam vor. Ich bitte um Entschuldigung.“

„Kein Ding“, ließ sich X vernehmen, „deine Gehirnwäsche punktet dafür inhaltlich.“

„Ja, die inneren Werte zählen, sag ich immer“, ergänzte Jay.

LILA-TENTAKEL(TM) hob etwas, das man als Mundwinkel interpretieren konnte. „Meine Message hat euch also erreicht?“

„Natürlich.“

„Hast echt Talent.“

„Könntest einen Beruf draus machen.“

LILA-TENTAKEL(TM) räusperte sich, warf sich erneut in seine statuettenhafte Pose und sprach: „Sie alle drei widerstehen also weiterhin dem Meckern und Nörgeln und bleiben Teil der großen Party, die das Spielen ist, Herrschaften?!“

„Klaro.“

„Jupp.“

„Mehr als das.“

LILA-TENTAKEL(TM) wiederholte, mit Nachdruck: „Sie alle drei widerstehen also weiterhin dem Meckern und Nörgeln und bleiben Teil der großen Party, die das Spielen ist, Herrschaften?!“

„Ja-ha, Alter!“

LILA-TENTAKEL(TM) wandte sich der unweiten Falltür zu, aus der er vor einer Weile selbst emporgestiegen war.
Und wiederholte mit besonders viel Nachdruck: „Sie! Alle! Drei! Widerstehen! Also! Weiterhin! Dem! Meckern! Und! Nörgeln! Und! Bleiben! Teil! Der! Großen! Party! Die! Das! Spielen! Ist! Herrschaften?!“

Der Test-O-Mat (TM)
Zögerlich glitt die Falltür beiseite. GRÜN-TENTAKEL(TM) erschien mitsamt eines Tischchens, auf dem ein kleiner Weihnachtsbaum von Einem-Haufen-Geld (LARGO-EMBARO) umringt wurde. GRÜN-TENTAKEL(TM) formte ein unsicheres Saugnapf-Lächeln, so etwas wie Bäckchen erröteten, Schweiß perlte dort, wo sich vermutlich die Stirn befand.

GRÜN-TENTAKEL(TM) flüsterte LILA-TENTAKEL(TM) zu: „Ich hab dir gesagt, dass das ein viel zu kompliziertes Losungswort ist.“ Sein Lächeln verkrampfte, als er sich den drei Redakteuren zuwandte. „Ach, und hallo Herrschaften.“

Ben, Jay und X nickten beiläufig. Ihre Blicke galten dem Haufen-Geld (LARGO-EMBARGO) auf dem Tisch.

LILA-TENTAKEL(TM) bedachte GRÜN-TENTAKEL(TM) mit einem strengen Blick, woraufhin GRÜN-TENTAKEL(TM) ein paar physikalisch widersinnige Hüpfer zu dem bereits oben erwähnten, verdammt wichtigen Schrank machte.
Die Türen des Schrankes öffneten sich automatisch und offenbarten eine zwitschernde, glucksende, binär fiepende Blechwand. Übersät von Dioden, Zeigern und leuchtenden Knöpfen, die eifrig Lichtorgel spielten. Auf halber Höhe befanden sich zwei Schlitze für DinA4-Endlospapier und ein 10-Zoll-Grünmonitorpärchen, das ein Gestrüpp giftgrüner Wellen stets wechselnder, unterschiedlicher Muster zeigte.

LILA-TENTAKEL(TM) warf sich wieder in grazile Hamlet-Pose, soweit das ohne Adduktoren möglich war, und präsentierte: „Ich darf vorstellen, der neue Test-O-Mat(TM)!“

„Habt ihr schön dekoriert, den Tisch“, sagte Ben.

„Keine Frage, das könnt ihr.“

„Womit wir zur Bescherung kommen.“

LILA-TENTAKEL(TM) wiederholte mit theatralischer Stimme: „Ich darf vorstellen, der brandneue Test-O-Mat(TM)!“

„Ja ja, taufrisch wie eh und je“, antwortete Jay.

„Direkt aus dem Leibnitz-Museum mitgebracht“, ergänzte Ben.

„Womit wir zur Bescherung kommen“, ließ sich X vernehmen.

LILA-TENTAKEL(TM) beäugte die drei Redakteure, nacheinander. Dann warf er GRÜN-TENTAKEL(TM) einen Blick von der erheblich missbilligenden Sorte zu, woraufhin dieser zu schmunzeln aufhörte und vor Kollege Wandschrank Haltung annahm.

„Ihr neuer Test-O-Mat(TM)“, trällerte LILA-TENTAKEL(TM), „stammt wieder direkt aus der Zentrale der STENG-GEHEIMEN-PUBLISHER-KOOPERATIVE (SGPK)! Das ist ein Zeichen großer Wertschätzung, meine Herrschaften! Alle anderen Zweigstellen der SGPK müssen ein weiteres halbes Jahr warten, selbst die besonders treu ergebene Gem-Star-Gruppe!“

LILA-TENTAKEL(TM) machte eine Pause und musterte die Anwesenden.

Als der erwartete Jubel ausblieb, fuhr LILA-TENTAKEL(TM) fort: „Auch der neue Test-O-Mat(TM) nimmt Ihnen die leidige Arbeit im Testlabor ab. Wie sein Vorgänger ermittelt er total objektive Testnoten, die nicht von individuellen Vorlieben und menschlichen Schwächen wie Spielspaß beeinflusst sind, sondern von den drei total objektiven Kriterien Hype-Koeffizient, Prämie-von-Publisher und Marketingstrategie abhängen. Allerdings kann der brandneue Test-O-Mat(TM) noch viel mehr!“

„Womit wir also langsam mal total objektiv zur Bescherung kommen“, stellte X fest.

„Wer hat an der Uhr gedreht?“, ließ sich Ben vernehmen.

„Ist es wirklich schon so spät?“, setzte Jay hinzu.

LILA-TENTAKEL(TM) lächelte, ein angefrösteltes Lächeln. „Allerdings kann der Test-O-Mat(TM) noch viel mehr! Denn er liefert Ihnen die komplettesten Spieletests, mit der sie je Ihre User manipuliert haben! Abhängig von den genannten objektiven Kriterien sind diese von ausgesucht hoher Bekömmlichkeit und Konformität, samt und sonders mit konfliktfreier Endnote, kleingedruckter Mängelliste und Gute-Laune-Kommentar versehen, zudem komplett gelayoutet. Das einzige, was Sie alle drei noch beizusteuern haben, ist Ihr menschliches Konterfei. Sie sind unsere Botschafter, Sie machen Ihrem wichtigen, manchmal zu überkritischen Publikum diese Komplett-Tests schmackhaft. Es ist Ihre Menschlichkeit und Ihr Charme, die aus unseren Tests freundliche, sympathische, nette, markt- und verkaufsfördernde Artikel formen!“

LILA-TENTAKEL(TM) machte eine erneute Pause, die vermutlich ursprünglich für Applaus vorgesehen war, allerdings in Stille erstickte.

Mit einem Seufzer fuhr er fort: „Wir verlangen von Ihnen also nichts weiter als Ihren Namen, Ihr Renommee und Ihre Glaubwürdigkeit, und dafür verdienen Sie eine Stange Geld. Ist das nicht ein komfortabler Deal?“

„Ja ja.“

„Ganz komfortabel.“

„Sicher.“

GRÜN-TENTAKEL(TM) warf ein: „Das finde ich auch.“

LILA-TENTAKEL(TM) nahm GRÜN-TENTAKEL(TM) ins Visier: „Dich hat aber niemand gefragt.“

„Ach so.“

LILA-TENTAKEL(TM) fuhr fort: „Es ist in der Tat ein komfortabler Deal, und unsere üppige, steuerfreie Bescherung dürfte Ihren moralischen Schluckauf auch zu Weihnachten lindern. Womit wir zum Ende unserer Weihnachtsfeier kommen, es sei denn, einer von Ihnen hätte noch eine Frage oder einen interessanten Gedanken beizusteuern.“

Ben, X und Jay überlegten. Drei Köpfe, drei Gedanken. Ben's Anliegen betraf, wir erinnern uns, Jays Rolle als Star der GG-User, doch Ben war müde. X hatte sich vor dem Spiegel in die Hand versprochen, endlich das Thema Zocker-Genius und drittes Stockwerk anzusprechen, doch X war scheiß-müde. Und Jay, tja, war es leid, ständig Bestechungskohle bei Publishern einsammeln zu müssen. Doch auch Jay war, man kann es erraten, müde. Weshalb die Antwort einstimmig ausfiel.

„Her mit der Kohle.“

LILA-TENTAKEL(TM) strapazierte noch einmal die kinematischen Gesetze und hüpfte neben seinen Kumpanen GRÜN-TENTAKEL(TM) auf die Plattform. „Die Gemeinschaft der STENG-GEHEIMEN-PUBLISHER-KOOPERATIVE (SGPK) ist mit Ihrer Arbeit und den Verkaufszahlen für dieses Jahr sehr zufrieden. Im Namen der SGPK wünschen wir, die Tentakeln, eine besinnliche, schöne und erholsame Weihnacht.“

„Ich bin ganz gerührt“, antwortete Jay.

„Und ich erst“, war Bens Antwort.

„Mehr als das“, sagte X.
 
Noch während sich die Falltür schloss, füllten Jay, Ben und X ihre Taschen mit Geldbündeln über Geldbündeln über Geldbündeln und verließen das Chefbüro im fünften Stockwerk. Zum Abschied tauschten sie untereinander noch ein letztes zärtliches Knurren, bevor sie ihrer Wege gingen.

Und sich, blöderweise, wieder beim Aufzug trafen.

Sie knurrten sich gegenseitig das Morsealphabet der Antipathie zu, bis die Puppenkiste jeden einzelnen in sein Stockwerk verfrachtet hatte. Doch bei aller gegenseitiger Ablehnung in der Gefangenschaft des Turmes, die drei Redakteure wussten, wie lukrativ ihr Job war.

Alle drei entschieden sich für einen langen und friedvollen Weihnachtsurlaub.
 
Und alle drei dachten sich: Hallo arglose Welt! Hallo gutgläubige Zielgruppe! Hallo Userschaft! Euch allen schöne durchzockte Feiertage! Und ein gutes Neues Jahr 2017 bei GamersGlobal!

Die Moral von der Geschicht'
Womit das Ende der Weihnachtsgeschichte erreicht ist. Deutlich zu erkennen an der Moral von der Geschicht', die natürlich auch hier nicht fehlen darf.
 
Räusper.

Diese Weihnachtsgeschichte beruht auf wahren Begebenheiten. Und zwar insofern, als sich der Künstler (hier: der rührselige Märchenerzähler) bekanntlich der Lüge bedient, um wahre Begebenheiten zu vermitteln.

Zur Wahrheit gehört, dass der Gamersglobal-Turm tatsächlich nur ein kleiner Turm ist. Gewissermaßen ein kleiner Leuchtturm inmitten des Eventgewitters und Konfettiregens einer nie enden wollenden Verkaufsshow. Überblendet von epileptischen Blitzen und pausenlos überschwemmt von ziemlich cholerischen Hype-Tsunamis. Alles Ergebnis des wohl durchchoreografierten Gezeitenspiels einer milliardenschweren Unterhaltungsbranche, die längst dabei ist, die sie begleitenden Kritiker nach und nach durch Lets-Play-Claqueure zu ersetzen.

Noch hält der Turm stand.

Noch wird er von echten Kritikern bewohnt.

Was zur Moral von der Geschicht führt, die da lautet: Traue niemandem, der kein Geld von dir will, denn er wird anderweitig bezahlt.
 
Und so geht der rührselige Märchenerzähler in ganz klassischer Manier mit dem Hut durch die Reihen seiner Zuhörer.

Und der Hut ist groß: Es passen jede Menge Scheine rein. Geldbündel für den GamersGlobal-Weihnachtsbaum, Geldbündel für ein GamersGlobal-Abo, Geldbündel für eine nette Sammlung Premium-Points.

Zuletzt bleiben die berühmten vier Buchstaben.


                                                                                         ENDE

 
malkovic 26. Dezember 2016 - 10:00
doom-o-matic 16 Übertalent - P - 4219 - 26. Dezember 2016 - 10:39 #

Jo, aeh, ich kenn mich zwar noch immer nicht aus, aber Kudos. War geil zu lesen!

Elfant 16 Übertalent - P - 4794 - 26. Dezember 2016 - 12:29 #

Ich danke für Deine Mühe, gestehe aber das es nicht meines war.

Loxley80 08 Versteher - 190 - 26. Dezember 2016 - 12:50 #

Dito, literarisch fragwürdig, ebenso wie die Moral der Geschichte am Ende..

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13404 - 26. Dezember 2016 - 13:07 #

Gerade die Moral fand ich gut. Interessant, dass man das so verschieden sehen kann. Was findest du daran fragwürdig?

Elfant 16 Übertalent - P - 4794 - 26. Dezember 2016 - 13:30 #

Hmm jenes halte ich für eine problematische Aussage. Von der literarischen Form her haben wir hier eindeutig eine Persiflage vor uns und so ist dann auch die Moral zu bewerten. Diese muss einem nicht gefallen, ist allerdings belegbar.

gamalala2017 (unregistriert) 26. Dezember 2016 - 12:30 #

Prinzipiell stimmt da die eine Aussage, aber wenn ich ein einfacher Arbeitnehmer bin (das Geld vom Chef bekommt) und ohne Leselust zum nächsten Händler fahre um mir vor Ort ein Game zu holen (welches ich dort auch anspielen durfte), dann fühle ich mich, als hätte ich als Spieler alles richtig gemacht.

Nach dem Lesen habe ich nun aber ein schlechtes Gewissen wegen den Redakteuren. In sehr vielen Jahren dann ein schlechtes Gewissen wegen Let´s Player.

Mit der folgenden These habe ich mir einmal ziemlich viele Probleme eingehandelt, weil ich Startups vernachlässigt bzw. ausgefiltert habe die ihrerseits aber gute Businesspläne bei ihren Banken usw. vorliegen gehabt (haben ^^).

""Was zur Moral von der Geschicht führt, die da lautet: Traue niemandem, der kein Geld von dir will, denn er wird anderweitig bezahlt.""

Man sollte schon aufpassen von woher man sein Geld und mit welcher Moral man sein Geld bekommt. Sonst wird man (no joke) als Nutte beschimpft.

Ich hoffe das möchten die Maintainer des Portals ihren User nicht wünschen :)

Crazycommander 14 Komm-Experte - P - 2037 - 26. Dezember 2016 - 13:05 #

Puh. in meiner Weihnachtslethargie bin ich nicht in der Lage derartig verscherbelte Satzkonstruktionen zu dechiffrieren.

Wenn mein Geist weniger des Weines und der Magen sich beruhigt werde ich dem Werk eine Chance geben.

Aber dicke dicke Kudos für das kreative Bemühen und den Dienst am GG-Leser ;)

Freu mich ehrlich drauf zu erfahren ob ich das durchhalten kann....

Gamaxy 19 Megatalent - P - 13404 - 26. Dezember 2016 - 13:08 #

Schöne Geschichte. Spannend und gut geschrieben.

Und das beste hast du dir für den Schluss aufgehoben. Die ersten zwei Teile waren etwas mit Beschreibungen und Metaphern überfrachtet, das hast du m.E. im dritten Teil sparsamer und zielgerichteter eingesetzt. Insgesamt aber alle drei Teile sehr unterhaltsam und auf hohem sprachlichen Niveau.

Schreibst du sonst noch was? Es liest sich ein bisschen wie Poetry Slam (nur länger ;-)

immerwütend 22 AAA-Gamer - P - 31586 - 26. Dezember 2016 - 13:13 #

Nach dem leichten Durchhänger gestern ein ganz hervorragendes Ende. Kompliment. Großes Kompliment!

Airmac 14 Komm-Experte - 1926 - 26. Dezember 2016 - 15:00 #

Was zur Hölle habe ich da gerade gelesen?

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1891 - 26. Dezember 2016 - 16:36 #

Vielen Dank auch hier für euer Feedback! Freut mich, wenn das Ding gefallen hat :)

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 35198 - 26. Dezember 2016 - 17:36 #

Schöne Geschichte, auch wenn mir der dritte Teil irgendwie am wenigsten gefallen hat.

xan 15 Kenner - P - 3479 - 26. Dezember 2016 - 18:12 #

Viel Arbeit und langer Text. Danke für die Mühe, auch wenn es nicht mein Fall ist. Gerne weiter so.

Drapondur 25 Platin-Gamer - - 60615 - 26. Dezember 2016 - 22:35 #

War mir teilweise etwas zu abgefahren aber ansonsten tolle Arbeit! :)

COFzDeep 19 Megatalent - P - 17194 - 27. Dezember 2016 - 0:52 #

Tentakel! Fehlten nur noch japanische Schulmädchen für eine sichere 10/10 (^_^;)
Aber Scherz beiseite: gute Story, sehr schön verschwurbelte Sätze und so einige mir unbekannte Wörter und Wortkonstrukte. Hat sehr viel Spaß gemacht beim Lesen :) falls es irgendwo mehr von Dir zu lesen gibt, in dieser Form oder anders, sag gerne Bescheid ;)

Und die Moral... joa, da ist schon was dran.

mihawk 19 Megatalent - P - 13154 - 28. Dezember 2016 - 9:38 #

Wow, was für eine schöne Weihnachtsgeschichte :) Hut ab, war toll zu lesen, gerne mal wieder mehr davon.

ganga Community-Moderator - P - 16285 - 28. Dezember 2016 - 13:06 #

Schöne Geschichte mit lauter netten Andeutungen an eines meiner Lieblingsspiele Mad TV.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 341783 - 28. Dezember 2016 - 19:00 #

Danke für die Mühe und den Einfallsreichtum, die du in die Texte gesteckt hast!

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1891 - 29. Dezember 2016 - 22:23 #

Vielen Dank euch nochmal für die Kommentare.

Größtenteils hat euch das Ding Spaß gemacht, freut mich, war auch Sinn der Sache. Mir hats beim Schreiben auch Spaß gemacht. Und, was wahrscheinlich bissle rauskam: Mad TV war für mich damals auch ein richtig geiles Game.

Ach so, eine Frage: Kann mir einer sagen, was Kudo ausgeschrieben bedeutet? Hüstel, ich hab mich bisher nie darum gekümmert :)

guapo 18 Doppel-Voter - 10403 - 30. Dezember 2016 - 0:03 #

Hmmm, ist schlicht dem Amerikanischen entlehnt: Lob, Anerkennung und Ruhm ;-)

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