Der Turm, Teil 1 User-Artikel

Eine GG-Weihnachtsgeschichte

malkovic / 24. Dezember 2016 - 9:00
Diese Weihnachtsgeschichte stammt von einem User. Sie erscheint in drei Teilen am 24., 25. und 26.12. Viel Spaß!
Dies ist der GamersGlobal-Turm.

Er steht ziemlich am Rand der Stadt. Mitten in einer Plattenbauwüste. Umgeben von suburbaner Trostlosigkeit, einer Dönerbude, einem Pizza-Inder und einer Tankstelle.

Zu seinen Maßen: Er ist fünf Stockwerke hoch und ungefähr vier schmale Büro-Besenkammern plus Aufzug breit. Von einer Tiefe, die über den 3DS-Effekt hinausgeht, lässt sich kaum sprechen. Könnten so in etwa zweieinhalb Bürobreiten sein. Insgesamt also Höchstnote Sieben out of GG-Ten. Eher schon eine Sechs ohne Anglizismen. Falls es also jemals einen Bauleiter für den Turm gegeben hatte, dürfte er sich in einem seltenen nüchternen Moment zusammen mit dem Architekten erhängt haben.

Zentral im GamersGlobal-Turm hangelt sich eine Einpersonenkabine aus der Kreidezeit mehr oder weniger flott durch ihren modrigen Aufzugsschacht von Ebene zu Ebene. Sie achtet dabei nicht auf Dinge wie Verschleiß, Korrosion oder Gravitation. Jedenfalls bisher. Die Insassen des Turmes nennen sie liebevoll Puppenkiste, was nicht nur mit ihrem Alter zu tun hat, sondern weit mehr mit einer Aufzugs-KI knapp an der Dyskalkulie.

Achtung Spoiler: In der folgenden, mit ofenwarmen Sentimentalitäten überfrachteten Weihnachtsgeschichte wird der Aufzug, dessen beiläufige nebenquestmäßige Erwähnung genauso wie dieser Schachtelsatz allein der Streckung der Textmenge dient, für die Hauptstory praktisch keine Rolle spielen.

Was uns zu dieser Weihnachtsgeschichte bringt. Beziehungsweise zu ihrer weitgehend unblutigen FSK-16-Fassung. Oder noch genauer: Zu einem total echten redaktionellen Drama in drei Teilen, das sich ziemlich genau in dieser Form alljährlich am 24. Dezember in dem kleinwüchsigen GamersGlobal-Turm abspielt.

Beteiligt daran sind (größtenteils) drei Redakteure, von denen jeder eines der fünf Stockwerke des Turms bewohnt.

Natürlich wäre es praktischer und kostensparender, wenn sich alle drei Redakteure ein Stockwerk teilen würden, Büro an Büro, mit gemeinsam genutzten Räumen. Das wurde auch schon versucht. Und zwar mehrmals. Unter anderem mit Hilfe von drei verschiedenen Paartherapeuten, einem Mediator, einer Neurobiologen-Gruppe und einer Seherin des Lichts. Mit dem Ergebnis, dass jeder dieser Experten seinen Beruf an den Nagel gehängt hatte. Und mit der Erkenntnis, dass sich unsere drei Redakteure in freier Wildbahn vermutlich vertragen, in Gefangenschaft aber besser voneinander getrennt gehalten werden sollten.

Denn so groß die Harmonie auch scheint, die sie alle drei während ihrer gemeinsamen gamers-globalen Auftritte vorschützen: in Wahrheit gönnen sie sich gegenseitig nicht die kleinste Rosine im Christstollen.

Ganz besonders am Weihnachtstag nicht.

Womit diese Weihnachtsgeschichte beginnen soll. Mit der klassischen Formel ... es war einmal.

Ben Brown, der Professor
Es war einmal am verdammten heiligen Morgen eines alljährlichen Heiligen Abends im GamersGlobal-Turm. Muss auch diesmal etwa acht Uhr gewesen sein, als Ben Brown mit einem Pappkaffee in Händen und einer eiskalten Morgenzigarette zwischen den Lippen mitten im Schnee stand. Neben seinem Calibra, dessen 90er-Jahre-Engine letzte Reste Feinstaub auf den eingeschneiten Parklatz hustete.

Ben tat einen Zug und betrachtete den neonroten GamersGlobal-Schriftzug hoch oben auf dem Dach des Turms. Das zweite G flackerte immer noch. Rechts neben der Weltkugel. Kurz-Kurz-Kurz, Lang-Lang-Lang, Kurz-Kurz-Kurz. SOS im Dreivierteltakt, Wiener-Walzer, rötlich flackernd im Schnee.

Ben – genannt: Der Professor - ließ die Kippe in den leeren Becher fallen. Auch jetzt, am verdammten Weihnachtstag, war er der Erste.
Musste der Erste sein.

Denn ihm oblag das Newscenter. Zentrum einer Welt, für die die Vergangenheit tot war und die Gegenwart bereits im Sterben lag. Natürlich geschah am Weihnachtstag nichts. Rein gar nichts. Natürlich gab es genau keine News im Center. Doch trotzdem musste alles geprüft werden.

Und so trottete Ben ins Foyer, drückte den Lichtschalter, trat einen weiteren Becher braune Plörre aus dem Kaffeeautomaten und goss das lauwarme kaffeeartige Altöl in seinen Rachen.

Dazu betrachtete Ben routinemäßig die Beschilderung unweit des Aufzugs.
Denn im Turm befanden sich so einige Publisher-Botschaften, die hier ausgeschildert waren. UBISOFTSCHE VOLKSFRONT, VOLKSFRONT VON SEGA, die EA-KOOPERATIVE, die SQUARE-ENIX-TANZGARDE, die BLIZZARD-INTERNATIONALE, THE-DAEDALIC-DIVISION oder auch AGENTUR-CRYSTAL-DYNAMICS.
Jedes Schild war an seinem vorgesehenen Platz.

In allen anderen Fällen konnte es geschehen, dass Fanpost, also Briefbomben, oder Besucher, also Attentäter, das falsche Büro, also Bens, in die Luft jagten. Erst letzten Monat war es knapp gewesen, als die leerstehenden Büros der beiden Uli-Hoeneß-Briefkastenfirmen STEUER-ZU-TEUER und KAYMANS-ZU-WEIT im ersten Stock wegen vertauschter Schilder hochgegangen waren, weil ein Gamer namens Krankh den Nude-Patch für Cities:Skylines nicht zum Laufen gebracht hatte.

Bens Zunge wurde pelzig. Automatenkaffee-pelzig, um genau zu sein.
Er warf einen letzten Blick auf die Beschilderung, dann rief er die Puppenkiste. Metallisches Kreischen hallte durch den Aufzugschacht, wie es ein Ringgeister-Chor bei Carl Orffs Oh-Fortuna nicht besser gekonnt hätte. Doch wer mit Zweitnamen Hotline-Miami hieß, hatte seine Nackenhaare unter Kontrolle, und so sträubte sich bei Ben lediglich der Geduldsfaden.

Der überaus dünne Geduldsfaden, um genau zu sein.

Mausgraue Schiebetüren glitten beiseite und offenbarten das trostlose Innere der Puppenkiste. Klar, für einen Sarg war die Kabine zu klein und zu billig ausgestattet. Das Gefühl aber, jeder Zustieg würde einer verdammten Selbstbestattung gleichen, war Ben trotzdem über die Jahre nicht losgeworden.

Er drückte den Knopf für den dritten Stock.

Zumeist fand die Aufzugs-KI den dritten Stock beim dritten Versuch. Diesmal hatte Ben Glück. Er erreichte sein Ziel sofort. Trat in den schmalen Gang, huschte an seinem Besenkammer-Büro vorbei ins News-Center und sah nach Meldungen im Ticker (den er liebevoll Denis nannte).

Natürlich war da nichts.

Rein gar nichts.

Außer der Einladung zur alljährlichen GamersGlobal-Weihnachtsfeier am späten Nachtmittag, die neben Newsticker Denis auf dem Tisch lag. Ein total verziertes Weihnachtskärtchen in einem maximal verzierten Umschlag unter einem bis zur Unkenntlichkeit verzierten Schokoweihnachtsmann. Wie jedes Jahr der einzige verdammte Grund, weshalb Ben am Weihnachtstag im GamersGlobal-Turm antanzte.

Ben seufzte. Sah noch einmal nach Denis. Und verließ das Center in Richtung Kaffee No4...
 
Maestro X
Etwa zu diesem Zeitpunkt erwachte der zweite Redakteur auf einer versteckten Couch im Foyer des GamersGlobal-Turms.
Das hatte mehrere Gründe.

Erstens hatte sein üblicher 4K-Urlaubstraum, der hauptsächlich von Drinks, Whirlpools und Bikinis handelte, das eine scheiß-paradiesische Fast-Kein-Bikini-Stadium erreicht, aus welchem er andauernd aufwachte. Zweitens hatte ein Horst im Foyer Licht gemacht und dem Kaffeeautomaten einen scheppernden Kick versetzt. Drittens roch die Luft erbärmlich nach Zigarettenqualm.

Christoph – auch manchmal X-OF, oder, kurz, X genannt – richtete sich also auf. Betrachtete das schlecht texturierte Foyer. Sah nach dem 20p-Lichterkranz am Südfenster, der pixelig vor sich hinblinkte wie ein scheiß Weihnachtspulsar.

Und rekapitulierte.

Ja, tatsächlich die gähnige Realität. Noch dazu am arschkalten 24. Dezember. Die alljährliche Twenty-Four-Situation. Nur ohne Jack Bauer. Also niemand weit und breit, der ihn, X, vor abgenutzten Weihnachtskugeln an toten Bäumen retten konnte. Oder vor glimmenden Kerzen an Engelskreiseln. Oder vor flanierenden Konsumzombies in abgrundtiefer Adventsseintracht und überzuckerter Festtagsstimmung knapp an der Typ-II-Diabetes.

Warum X überhaupt hier gepennt hatte? Mitten auf der altersschwachen Couch im Foyer? Der Grund lag neben ihm. Die scheiß-hochdekorierte Einladung zur Weihnachtsfeier am späten Nachmittag.

Oben, im fünften Stock.

X stand auf, trottete zum Kaffeeautomaten und trat einen Becher braune Röstbohnensuppe heraus. Der erste Schluck schmeckte nach Left-4-Dead, der zweite nach Fallout-4, der dritte nach Last-of-Us. X stürzte den Rest Bitterbrühe hinab, ohne mit der Wimper zu zucken, wankte zum Fahrstuhl und rief die Puppenkiste aus dem dritten Stock.

Ben, der Streber, war natürlich schon hier. Und bereits am Rödeln. Immer auf der Jagd nach Neuigkeiten.

Nicht zu beneiden, der Kerl.

Aber, na ja, hätte halt mal Zocken lernen sollen. Geht mit dem Controller um wie ein Lieferando-Junkie mit einem Stabmixer. Kapiert halt mal nicht, dass Maus und Tastatur sowas sind wie scheiß-Dirigentenstöcke, mit denen man das scheiß-Orchester aus Skills und Moves zu einem kathedralen Refrain nach dem anderen leitet. Mal ganz unmusikalisch ausgedrückt. Mal ganz ungefiltert für die Spaßvögel, Minusgamer und Grobmotoriker da draußen, die ihrer Gelenkarthritis immer noch ein weiteres Button-Mashing abringen, statt sich einfach ein neues Hobby zu suchen.

Häkeln, stricken, kochen, gäbe so vieles.
Ach ja, natürlich bei aller Bescheidenheit.
Die ja nötig ist wegen der scheiß-Etiketten und so.

Auch für ihn, X, den Maestro. Dessen Kunst nach wie vor das Zocken war. Nicht um zu testen. Nicht um Dutzi-Mimimi-Lets-Play-Videos zu machen. Sondern um zu herrschen.

Klare Ansage für die ganzen Schnellspeicher-Nullinger da draußen.
Klare Ansage.

Was indes X' Job im GamersGlobal-Turm betraf: Der lief auf's Videoschneiden raus. Also kaschieren, retouchieren, weichzeichnen, damit die werten Kollegen gut dastanden. Profi-Auto-Aiming auf einhundert sauberen Prozent für so ziemlich jede Zocker-Talentdetonation, die irgendwann mal irgendwie im Turm auftaucht, um bei Testvideos oder der SdK mitzuwirken.

Während X seine Weihnachtsaggressionen mit einiger Mühe kontrollierte, gondelte die Puppenkiste herab und öffnete ihre Schiebetür. X trat in den Sarg, Schiebetür zu, zweiter Stock.

Eine Ebene unter Professor-ich-bin-so-gepflegt-rhetorisch Ben.

X machte weitere Entspannungsübungen, als er bemerkte, dass die Puppenkiste schon beim ersten Versuch im richtigen Stockwerk stoppte. Die Schiebetür öffnete sich. X spähte in den Gang. Prüfte noch einmal die Vorkriegs-Diode neben Ziffer Zwei. Zuckte mit den Schultern und trat hinaus.

Während sich die Puppenkiste schloss und nach unten verzog, blickte X in den Spiegel zu seiner Linken. Er sah (natürlich) sich: Einen Zocker von Format und Klasse. Einen Zocker, der durch unglücklichste Umstände in diesen Turm voller Noobs geraten war. Er sah (natürlich) sich, und sah dabei wieder mal ein, wie wichtig es war, die andere, bescheidene Visage aufzusetzen. Bescheidenheit, jeden Morgen musste X sie anlegen wie einen scheiß-Dinnerjacket.

X prüfte sein Spiegelbild, während er sich in Demut übte. Wenige Momente, und er war bereit. Aus dem Herrscher, dem Maestro, dem Highscore-Lord X war von jetzt an, vor einer beliebigen scheiß-Kamera, per Knopfdruck, der zutiefst bescheidene Redakteur Christoph geworden.

X trat ins Büro, setzte sich und öffnete die Einladung zur Weihnachtsfeier. Er betrachtete die güldenen Lettern nur einen Moment lang, schon war wieder seine Besinnlichkeitsgrenze erreicht. Unterkante Oberlippenbart. Oder so. Obwohl die todlangweilige Mitarbeiteransprache da oben im fünften Stock ganz sicher nichts mit Weihnachten zu tun hatte .

Warum X überhaupt teilnahm? Na ja, es gab da anschließend diese Bescherung. Entschädigung konnte man es auch nennen.

X seufzte, stand auf und verließ das Büro in Richtung SdK-Schneideraum...

Father Jay
Etwa einen Kilometer entfernt war der dritte Redakteur derzeit ebenfalls auf dem Weg zum GamersGlobal-Turm. Er saß in seinem Porsche Cayenne vor einer roten Ampel. Halt, nein, er saß dahinter, in einem BMW. Irrtum, noch ein Fahrzeug weiter, in einem VW-Passat. Auch das stimmt nicht, es handelt sich um den neuen Opel-Adam am Heck des Passats ...

Lesern, die schlecht getarnte Werbung in dieser Weihnachtsgeschichte ausblenden möchten, sei angeraten, ein GG-Abonnement abzuschließen. Dazu ist nichts weiter nötig, als im GamersGlobal-Turm, an der Kasse oder dem Ticketautomaten, den Status einer Premium-Ente zu erwerben.

Premium-Enten genießen ziemlich viele Vorteile.

Besonders an Weihnachten.

Denn ähnlich wie Bioenten sind Premium-Enten dem Bundesdurchschittsbürger nicht billig und gammlig genug für den Weihnachtsbraten. Was insgesamt nach einem strammen Evolutionsvorteil aussieht.

So nebenbei.

Zurück zum dritten Redakteur, der in seiner funkelnden Premium-Ente saß. Am Ende der langen Kette vor der roten Ampel. Zur Erinnerung für Adblocker: Porsche, BMW, VW, Opel, Nissan, Honda, Audi, Mitsubishi, Fiat, Renault, Peugeot.

Dieser Redakteur ist durchaus von einer gewissen Berühmtheit in der Branche. Lange genug im Geschäft, um sich Verspätungen besonders am Weihnachtstag leisten zu können. Lange genug im Geschäft, um sich gelegentlich etwas Weisheit, Pathos und Sarkasmus zu gönnen. Sagen wir es ganz unbescheiden, er ist ein Star in Wort, Schrift und Video, von Groupies überhäuft und ganz knapp, wirklich ganz knapp, vor seinem Handabdruck am WALK-OF-GAMES.

Die Rede ist von JL. Alias Father Jay alias Ultima-Pope alias Läster-Uncle. Hier, in dieser Weihnachtsgeschichte, der Kürze und der angestrebten Jugendlichkeit wegen, einfach Jay genannt.

Jay also saß in seiner Premium-Ente, etwa einen verschneiten Kilometer vor dem GamersGlobal-Turm. Er stürzte den dritten Espresso für die zweite Herzkammer runter und trat aufs Gas, als die Ampel grün war. Fünf Minuten dauerte es, dann war besagte zweite Herzkammer auf Betriebsfrequenz, gerade rechtzeitig zu Jays Ankunft am Turm. Und alle zwei Kerne wurden durchaus gebraucht.

Das wusste Jay.

Denn dort, vor dem Holztor der Mauer, welche den Turm samt Parkplatz umgab, warteten sie schon. Selbst heute, an Weihnachten, verkühlten sie sich alle brav die Blase unter ihren Transparenten, allein, um von Jay gehört zu werden. Die Rede ist von den GG-Usern (in homöopathischen Mengen auch GG-Userinnen). Sie alle gehörten zu Jays Job, auch das wusste er. Für sie galt er als Star, nicht selten als Messias. Doch manchmal musste er auch Therapeut sein oder Herbergsvater, manchmal Krankenpfleger, Seelsorger oder Dompteur.

Denn Jay oblag die Öffentlichkeitsarbeit, also insbesondere die Userpflege. Und dafür galt seit eh und je der eine Grundsatz des Kummerkastens: Der gemeine User brauchte nichts dringender als Aufmerksamkeit.

Auch heute, an Weihnachten, ging der Trubel los, als die Meute Jays Premium-Ente sah. Das Blitzlichtgewitter begann, Hände und Fäuste hoben sich, der Kanon aus Geschrei, Jubel und vereinzelten Buh-Rufen setzte ein.

Und die Schilder tanzten dazu auf und ab.

Die Roten der Hater: „Note 9 für AI!“ - „Viel zu gute Bewertungen bei euch!“ - „Zu blöd zum Zocken!“ - „GTA 5 langweilt!“ - „Petition! Petition! Witcher-3 besser als Fallout-4!“ - „GG = Kein Geschäftsmodell!“ - „Alles umsonst haben ich!“ - „Ich auch!“

Dann, schunkelnd, die blauen Schilder der militanten Fangruppen.

„Kinderkacke Nintendo!“ - „I7-980er-Crossfire-32Gig-Superschwanz-sucht-Vergleich!“ - „Asoziales Zwei-Klassen-Sony!“ - „Big-Brother-Xone!“

Dazu, kreiselnd, die schwarzen Schilder der Trollfraktion mitsamt ihrer Gegentrollfraktion.

„Du bist ein Troll!“ - „Nein, du!“ - „Nix da, du, weil du die Trollkeule schwingst!“ - „Hör auf mich zu duzen!“ - „Hör du auf mich zu diskreditieren!“ - „Unterstes Niveau!“ - „Ja, aber von dir!“ - „Du sollst mich nicht duzen!“ - „Blödsinn!“ - „Moderatoren! Moderatoren!“ - „Ja, Moderatoren her!“

Jay winkte. Lächelte da und strafte dort mit Blicken. Hob den Daumen da und senkte ihn dort. Und fuhr im Schritttempo durch den Schilderwald der Fanboys, der Hater, der Flamer, der Abwiegler, der Deutschverweigerer, der Hobbyphilosophen, der Küchenpsychologen, der Zahlenfetischisten und so weiter. Jeder Einzelne natürlich im alleinigen Besitz allgemeiner Deutungshoheit.

Jubel und Buh-Rufe, Applaus und Pfiffe, wurden leiser, als Jay das Tor per Fernsteuerung öffnete. Sie wurden noch leiser, als er hindurchfuhr. Und sie rissen augenblicklich ab, als er das Tor wieder schloss. Noch bevor er seine Ente geparkt hatte, war die Demonstration aufgelöst.

Allein und erleichtert stand Jay vor dem GamersGobal-Turm. Betrachtete den neonroten GamersGlobal-Schriftzug hoch oben. Das zweite G zuckelte immer noch. Neben dem Globus. Kurz-Kurz-Kurz, Lang-Lang-Lang, Kurz-Kurz-Kurz. SOS. Doch der adipöse Klempner mit Prinzessinnen-Komplex, der als einziger dort hoch kam, verstand nichts von Elektrik.
Und war sowieso mitten im Switch-Training.

Jay hastete ins Foyer und rief den Aufzug.

Puppenkiste, sagenhafte KI, vierter Stock. Doch auch Jay hatte Glück. Beim ersten Mal kam er im richtigen Stockwerk an. Vermutlich hatte die Aufzugs-KI endlich ihren Day-Z-Patch erhalten.

Jay trat hinaus. Und überlegte, wieso zum Teufel er überhaupt hier war. Griff in seine Innentasche. Fischte die Einladung zur lausigen Weihnachtsfeier im fünften Stock raus. Sah güldene Lettern mit allem Pipapo. Zweimal zweihundert Quadratzentimeter Pappe voller Klebesterne, -tannen, -engel und -kerzen.

Und seufzte.

Es war jedes Jahr derselbe Weg. Alle Jahre wieder. Eine stramm senkrechte Fahrt mit der Puppenkiste in die höchsten Höhen der Hochebene des erlauchten fünften Stocks des GamersGlobal-Turms. Und dann, über ein schweres Portal, rein ins oberste Büro.

Ins Büro des Echten&Einzigen-Big-Boss' von GamersGlobal.

Der total überraschende Cliffhanger

Mit diesem total überraschenden Echten&Einzigen-Big-Boss'-Cliffhanger beschließt Jay, natürlich unwissentlich, den ersten Teil dieser Weihnachtsgeschichte.

Zeit für eine kleine Pause. Besinnlichkeit und so. Heiligabend steht an. Salbungsvolle Weihe und Festtagsstimmung. Hier jedenfalls fällt der Vorhang, liebe Leute. Zeit für den Weihnachtsbraten. Kartoffeln, Knödel, Nudeln, Rotkohl, Fettaugen in Saucen, und alles andere, was das Herz und sämtliche Bypässe begehren.

Feiert schön, der zweite Teil erscheint Morgen, am 25. 12.2016
malkovic 24. Dezember 2016 - 9:00
doom-o-matic 16 Übertalent - P - 4502 - 24. Dezember 2016 - 9:45 #

Ich hab keine Ahnung was ich gerade gelesen hab, aber es war geil ;-D

Slaytanic 23 Langzeituser - P - 40759 - 24. Dezember 2016 - 22:15 #

He, he, so einen Gedankengang hatte ich auch gerade. ;)

COFzDeep 19 Megatalent - P - 17633 - 25. Dezember 2016 - 0:11 #

Aber Hallo, sowas von! Super Cliffhanger, und alles davor war herrlichste Unterhaltung! Ich liebe lange Sätze mit neuen Wortkreationen! Bin jetzt sehr gespannt auf morgen!

Schonmal vielen lieben Dank und ein großes Lob an den Autor für Teil 1!

Hendrik -ZG- 26 Spiele-Kenner - P - 67765 - 24. Dezember 2016 - 10:03 #

Brainfuck...aber cool.

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1944 - 25. Dezember 2016 - 19:51 #

Dank dir für dein Feedback. Mir würde es sehr helfen, wenn du mir, falls du Zeit hast, "brainfuck" bissle ausführen könntest. Ist die Geschichte für dich lustig, mäßig witzig, oder nen kapitaler Rohrkrepierer? Oder hält sie vom Unterhaltungsgrad wenigstens mit der Helene-Fischer-Weihnachtsschow mit? ;)

guapo 18 Doppel-Voter - 11039 - 24. Dezember 2016 - 10:07 #

kleiner typo: Bundesdurchschittsbürger oder sic!?

zfpru 16 Übertalent - P - 4344 - 24. Dezember 2016 - 11:04 #

Muss hier jetzt noch jemand an MAD TV denken?

Oranje 13 Koop-Gamer - 1430 - 24. Dezember 2016 - 12:28 #

Ja sofort :)

Slaytanic 23 Langzeituser - P - 40759 - 24. Dezember 2016 - 22:14 #

Ja, ich auch. ;)

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 144825 - 24. Dezember 2016 - 11:51 #

Klasse geschriebene Geschichte mit vielen herrlichen Formulierungen ... und es ist auch mal etwas ganz anderes. Dankeschön! :)

Sebastian -ZG- 27 Spiele-Experte - P - 78745 - 24. Dezember 2016 - 12:12 #

Starkes Bild! XD

immerwütend 22 AAA-Gamer - P - 31845 - 24. Dezember 2016 - 13:17 #

Bis jetzt wirklich gut! :-)

Drapondur 27 Spiele-Experte - - 78521 - 24. Dezember 2016 - 17:24 #

Abgefahren, hat aber was. :)

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1944 - 24. Dezember 2016 - 18:06 #

Bin grad unterwegs, vielen Dank bis hier her für euer Feedback! Und ja, da könnte bisschen MadTV hinter stecken ;)

Slaytanic 23 Langzeituser - P - 40759 - 24. Dezember 2016 - 22:17 #

Glückwünsche zu deinem 1. User-Artikel. Hat mir durchaus gefallen.

Maulwurfn Community-Moderator - P - 15793 - 25. Dezember 2016 - 0:13 #

OK, egal was es ist, es ist gut.

Noodles 23 Langzeituser - P - 38573 - 25. Dezember 2016 - 1:41 #

Sehr unterhaltsam, freu mich auf die Fortsetzung. ;)

Welat 15 Kenner - P - 3230 - 25. Dezember 2016 - 11:18 #

Habe gerade angefangen zu lesen, gefällt mir schonmal gut. Später mehr von meinem Feedback ;)
Edit: Kurzweilig und mit vielen Anekdoten geschrieben. Besten Dank!

Sisko 22 AAA-Gamer - 35659 - 25. Dezember 2016 - 10:11 #

Sehr nice, bin gespannt auf die weiteren Teile!

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1944 - 25. Dezember 2016 - 19:48 #

So, jetzt wieder am Rechner. Mein HTC saugt mir jedes Mal den Akku weg wie sonstwas, wenn ich unterwegs, hier beim Weihnachtsbesuch, online bin.

Vielen Dank für euer Feedback. Schön, dass der Text in etwa so satirisch/komödiantisch ankam, wie er gedacht war.

Ich war sehr gespannt, wie das Ding aufgenommen wird und hatte, ehrlich gesagt, auch mit einer Portion mehr kritischer Stimmen gerechnet. Humor ist ja immer ne zweischneidige Schwert-Sache. Ob Gags zünden oder lahm sind, damit steht und fällt so ein Ding. Dann sind da die Karikaturen, die für die einen überzeichnet genug, für die anderen eher missverständlich, für die nächsten albern und blöd wirken.

Alles immer ne Geschmackfrage.

Also, falls es auch kritischere Stimmen gibt, bitte melden. Jedes Feedback hilft mir weiter :)

Freylis 20 Gold-Gamer - 22127 - 26. Dezember 2016 - 5:40 #

Alter, ernsthaft??!! Ernsthaft so einen megakranken Artikel, der selbst meine gewagtesten Ergüsse im Regen stehen lässt?! Alle Achtung! Während der Plot an eine Mischung aus Danger 5 und Funky Forest erinnert, gleichzeitig jedoch derart minimalistisch angelegt ist, dass er schon fast wieder Aussagekraft universaler Tragweite hat, sind Vokabular und Stil nur mit der Wirkung eines pangalaktischen Donnergurglers vergleichbar. Und das beste: Mir ist nicht einmal die inhärente, wenn auch dezent kaschierte Sozialkritik an der gegenwärtigen Hyperpolitisierung des Reizthemas südhessischer Krötenwanderwege entgangen. - Ich kann nicht dafür garantieren, dass ich dem Artikel noch so wohlgesonnen entgegensehen werde, sobald das Hasch nachlässt, aber momentan bin ich der Ansicht, dass er sich locker neben Goethe, Kafka und Dieter Bohlen im Bücherregal einreihen könnte und sollte. Bitte weiter so! Und nächstesmal sag gefälligst Bescheid und wir probieren die Pilze zusammen.

malkovic 14 Komm-Experte - P - 1944 - 26. Dezember 2016 - 10:21 #

Wenn dann das Hasch nachlässt und der Artikel im Bücherregal zwischen Rosamunde Pilchers "Die total verliebte Dorfkuh" und Uli Hoeneß' Lebensratgeber "Wie man als verurteilter Steuerhinterzieher nochmal Präsident des FCB wird, ihr Pfeifen!" landet, wäre ich auch zufrieden :) Dank dir fürs feedback :)

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