To The Moon

Das beste Spiel der Welt

q 21. Februar 2013 - 17:50 — vor 4 Jahren zuletzt aktualisiert
To The Moon des kleinen Entwicklers Freebird Games wurde von der Presse und den Spielern mit Lob überschüttet. Für unseren User q ist es sogar das beste Spiel der Welt. Warum er mit der Resonanz zum Spiel aber dennoch irgendwie unzufrieden ist und warum genau er es nun so gut findet, soll der folgende Einblick klären.
Werte Leser und Leserinnen,

gleich zu Beginn dieses Artikels möchte ich mich kurz erklären. Normalerweise schreibe ich nicht gerne aus der Ich-Perspektive, da ich meine Meinung nicht über andere stellen oder mich selbst irgendwie in den Mittelpunkt rücken möchte. Das möchte ich auch an dieser Stelle nicht, auch wenn es für manche vielleicht so wirken mag. Aber auch nach langem Überlegen ist mir keine bessere Möglichkeit eingefallen, um diesen Artikel zu verfassen, ohne mich selbst in einer bestimmten Form zu integrieren.

In diesem Artikel soll es um das Spiel To The Moon von Kan Gao gehen. Ich möchte darin über das Spiel, seinen Kern, meine Wahrnehmung und einige Empfindungen und Eindrücke schreiben, die sich für mich auch nach dem Ende des Titels offenbart haben. Und auch wenn ein Teil dessen als boshafte Unterstellung oder in irgendeiner Form herablassend aufgefasst werden könnte, möchte ich eindeutig klarstellen, dass dies nicht meine Intention ist. Ich hoffe, dass das auch verstanden wird.

Die Reise zum Mond

Nach vielen Empfehlungen habe ich vor kurzem endlich To The Moon gespielt und war von der Geschichte sehr tief berührt und habe nicht nur einmal diverse Tränen vergossen. Sicherlich lässt es sich diskutieren, ob To The Moon ähnlich wie The Walking Dead überhaupt als Spiel deklariert werden kann, da es nicht viel zum Spielen gibt und der Fokus viel mehr auf der Story liegt. Und es ist eine tolle Geschichte voller Humor und Tragik, die auf herausragende Weise erzählt wird. Wer popkulturell recht stark bewandert ist, wird im Verlauf der Handlung auch sehr viele Verweise auf andere Werke bemerken, bei denen sich Gao bedient hat. Die Grundprämisse mit dem Eintauchen in die Erinnerungen und deren Manipulation erinnert beispielsweise frappierend an den Film Vergiss mein nicht! (im Original: Eternal Sunshine of the Spotless Mind) von Michel Gondry aus dem Jahr 2004. Dazu kommen Anspielungen auf Christopher Nolans Film Memento, TV-Serien wie How I Met Your Mother und Dragon Ball Z oder auch Spiele und Comics wie Street Fighter oder Hulk, die bei mir immer wieder für ein Schmunzeln gesorgt haben.

Nach dem Spiel habe ich auch noch diverse Reviews gelesen und verschiedene Podcasts gehört, um herauszufinden, wie andere Menschen dieses Spiel finden. Es hat mich dabei auch sehr gefreut, dass quasi jeder von der Geschichte um John und River begeistert war und den Titel weiterempfohlen hat. Irgendwie ist es auch merkwürdig, dass Spiele so selten solche Gefühle vermitteln können. Dabei ist To The Moon so primitiv und bietet keine moderne Grafik oder megarealistische Gesichtsanimationen, sondern verlässt sich auf gut geschriebene Charaktere und Dialoge. Mit der Zeit fand ich die Erfahrungen und Meinungen von anderen Spielern jedoch relativ ernüchternd und sie machten mich auf eine gewisse Weise sogar sehr traurig. Das liegt nicht daran, dass ihr Empfinden vom Spiel irgendwie "falsch" war, sondern daran, dass sie den Kern des Spiels meiner Ansicht nach kaum verstanden haben. To The Moon ist in meinen Augen aber auch genau deswegen ein absolutes Meisterwerk, weil es den Kern sehr subtil und gleichzeitig fast mit dem Holzhammer vermittelt. Die Begründung dafür möchte ich später erläutern, da erst einmal der Kern der ganzen Geschichte erklärt werden muss.



Rivers Zustand

In To The Moon wird sehr früh im Spiel klar, dass Johns Ehefrau River nicht ganz "normal" ist. Was mit ihr nicht stimmt, wird im Verlauf der Handlung kein einziges Mal konkret benannt, sondern immer mit sehr viel Feingefühl relativ deutlich und vor allem absolut realitätsnah erklärt. Dabei ist die Antwort auf die Frage nach ihrem Zustand sehr einfach zu beantworten: River ist unverkennbar eine Asperger-Autistin.

Asperger-Autismus wird allgemein betrachtet als Entwicklungsstörung bezeichnet, bei der sich das menschliche Gehirn genau genommen nicht falsch, sondern anders entwickelt und darum auch oft auf eine andere Art und Weise funktioniert. Und dies hat sehr weitreichende Konsequenzen für das Leben eines Betroffenen, was im Spiel hervorragend mit vielen Merkmalen transportiert wird. Diese möchte ich mit Verweisen auf das Spiel ein wenig erläutern.

Der erste extrem deutliche Hinweise auf Rivers Autismus ist ein Gespräch zwischen John und Isabelle, einer Freundin von River. Im Spiel wird erklärt, dass Isabelle am selben Syndrom leidet und bezeichnet John als "neurotypisch", was so gesehen einfach nur bedeutet, dass er nicht autistisch ist. "Normale" Menschen werden daher oft einfach als NTs und Asperger-Autisten einfach als Aspies bezeichnet. In diesem Gespräch zwischen John und Isabelle betont Isabelle auch deutlich, dass John River wegen den Geldproblemen keinesfalls anlügen sollte. Aspies sind generell sehr wahrheitsversessen, schlecht im Lügen und nicht unbedingt zimperlich, wenn es ums Belogen werden geht, da dies ein enormer Vertrauensbruch ist, während es NTs wohl leichter fällt, so etwas zu verzeihen – selbst wenn die Lüge gut gemeint war, um zum Beispiel auf die Gefühle des anderen zu achten.

Autisten neigen ebenfalls zu einer repetetiven Handlung, die recht obsessiv werden kann und einer Zwangsstörung gleichkommt. Bei River macht sich dies an den Origamihasen bemerkbar, die sie ständig gebastelt hat. Das ist nicht bei allen Betroffenen so deutlich erkennbar, jedoch beruhigen solche Aktivitäten den eigenen Geist und helfen dabei auch durch gewisse Rituale, einen Rhythmus zu finden.

Nichts als Lärm in der Schulcafeteria.
Ein weiteres Merkmal ist die hohe Sensibilität bei Autisten. Natürlich muss man nicht selbst betroffen sein, um von einer tickenden Uhr genervt zu sein – NTs haben jedoch bestimmte Filterfunktionen im Kopf, die zum Beispiel Geräuschquellen automatisch einordnen und ihnen eine Priorität im Hirn zuweisen. Wenn sich aber in einem Raum mehrere Personen gleichzeitig unterhalten – dargestellt im Spiel durch die Schulcafeteria – wird dies zur Belastung, da alles ungefiltert und gleichzeitig auf das Hirn einschlägt. Einem Gespräch zu folgen, wird zur reinen Anstrengung. Abgeschottet sein und abseits von allen anderen zu sein, vielleicht mit Kopfhörern und Musik, erleichtert das Leben.

Ebenfalls wichtig sind konkrete Informationen. Als John River in der Schulpause um ein Date ins Kino bittet, kann River ihm nicht antworten, da er ihr weder Zeit noch Ort genannt hat. Es gibt also keinen Anhaltspunkt für River, wodurch die Aufgabe in ihrem Kopf unlösbar ist. Dabei denkt sie nur logisch und recht pragmatisch. Dieses Denkverhalten ist auch beim angestrebten Date im Kino klar ersichtlich, als John sich wundert, warum sich River im Kino nicht neben ihn gesetzt hat. Er hat sie genau genommen nur ins Kino eingeladen und sie haben in diesem Moment faktisch beide gleichzeitig den selben Film im selben Kinosaal gesehen. Sie waren zusammen dort. Dass John aber gerne auch physisch dort mit ihr zusammen gewesen wäre, hat er ihr nicht erklärt. Solche gesellschaftlichen Normen sind für die meisten Menschen der einfache Alltag und in gewisser Weise einfach intuitiv. Autisten müssen so etwas über lange Zeit lernen und sich das auch antrainieren, da so etwas wie Intuition und Verständnis für soziale Interaktionen fehlen.

Das könnte alles auch noch ein wenig weitergeführt werden, worauf es nun aber auch nicht unbedingt ankommt. Einen weiteren ganz wichtigen Punkt gab es dennoch, der gleich einzeln beschrieben wird, da er maßgeblich dafür ist, dass ich von den Reaktionen auf das Spiel zum Teil traurig wurde. Wichtig ist in dem Zusammenhang zunächst jedoch River.

War River glücklich?

Als Asperger-Autist hat man im Leben in erster Linie nur zwei Möglichkeiten. Entweder man passt sich an die "normale" Welt an oder lebt abseits dessen und lebt damit sein wahres Ich aus. Relativ wichtig ist dafür eine frühzeitige Diagnose, damit der Umgang mit der Welt erleichtert wird. Im Spiel erklärt Isabelle John, dass sie, obwohl sie ebenfalls Autistin ist, weitaus "normaler" als River wirkt, weil sie ihre Diagnose in einem viel jüngeren Alter erhalten habe, was den Schaden an ihrer Psyche in Grenzen hielt.

Isabelle betont dabei, dass ihr ganzes Leben daraus bestand, zu schauspielern und sie River deswegen bemitleidet und gleichzeitig beneidet. Das Mitleid kommt daher, dass River ein einsamer Außenseiter ist – und sie ist neidisch, weil River niemandem etwas vormachen muss. So zu tun, als ob man "normal" sei, ist eine wahnsinnig schwierige Aufgabe, an der man immer wieder zerbrechen kann.

Ob River mit diesem Zustand überhaupt glücklich ist, wird in der lauten Cafeteria inmitten der, von Autisten stark gemiedenen, Menschenmenge hinterfragt. So unterhalten sich John und Nicolas über River. Während John von River fast magisch angezogen wird, weil sie so "anders" ist, ist Nicolas darüber sehr verwundert, weil River so wirkt, als käme sie von einem fremden Planeten. Asperger-Autismus wird manchmal auch als Wrong-Planet-Syndrome bezeichnet, da sich Autisten auf der Erde fremd fühlen können und im übertragenen Sinn von einem anderen Planeten stammen könnten. Nicolas fragt John dabei ebenfalls, ob River überhaupt gerne so ist, wie sie ist und ob sie nicht vielleicht viel lieber wie alle anderen Kinder wäre.

Dass River mit ihrer Störung nicht vollkommen glücklich ist, enthüllt sie in der ältesten Rückblende, in der sie und John zum ersten Mal aufeinandertreffen und die Sterne beobachten. John kritisiert hier seinen Namen, da er langweilig sei und viel zu viele Menschen den selben Namen tragen würden. River entgegnet ihm hier mit der Frage, was daran so schlimm sei. Es würde sie nicht stören, wenigstens nur einmal den selben Namen wie alle anderen zu tragen. Damit drückt sie ihre Sehnsucht aus, dass sie auch gerne einmal "normal" wäre. Sie vergleicht an dieser Stelle die Sterne mit den Menschen. Von ihrer Stelle aus sehen die Sterne zwar alle gleich aus – deswegen sind sie aber keineswegs weniger schön.
Nur einmal wie alle anderen sein...

Als John River fragt, was sie dachte, was die Sterne denn wären, meinte sie, es wären Milliarden von Leuchttürmen. John entgegnet, dass dann dort oben ja ziemlich viel los sein müsste. River verneint dies. So könnten sich alle Leuchttürme zwar sehen, aber sie könnten nicht miteinander reden, womit River ausdrücken möchte, dass sie zwar alle Menschen sehen könne – sie sich aber nicht mit ihnen austauschen kann, weil es für sie extrem schwer ist. Normale Menschen zu verstehen und sich wirklich mit ihnen verständigen zu können, fällt Asperger-Autisten oft schwer und diese Probleme sorgen dafür, dass sie oft recht einsam sind, obwohl sie sich wirklich nach Kontakt zu anderen Menschen sehnen.
Labrador Nelson 27 Spiele-Experte - - 94175 - 21. Februar 2013 - 18:22 #

Respekt! Ein sehr schöner, notwendiger und engangierter Artikel zum Game! Würde gerne öfter soetwas hier lesen. Nebenbei ein tolles Plädoyer für To The Moon, was mich womöglich endgültig überzeugt, das Spiel zu kaufen. Gespielt hatte ichs bereits mal kurz, und warum die Autismusthematik nicht erkennbar ist, ist mir schleierhaft. Ist doch eigentlich mehr als offensichtlich. Vielleicht setzt es aber ein wenig Sachkenntnis voraus, keine Ahnung. Mir war die Sache bald klar.

Jedenfalls was das Umdenken und das Verständnis in der Gesellschaft gegenüber allen Formen des Autismus angeht, hatte ich in meinem Umfeld glücklicherweise das Gefühl, dass sich in den letzten Jahren doch was getan hat. Mag an der häufigeren Bericherstattung und Informierung liegen und wahrscheinlich auch an den spektakulären Leistungen, die "Aspies" vollbringen können, was ich sicherlich medial gut vermarkten lässt, wie auch immer. Wie dem auch sei, toller Artikel, danke dafür = Kudos! :)

Freylis 20 Gold-Gamer - 21369 - 21. Februar 2013 - 18:59 #

Schoener Artikel, q. Danke. Das ist genau der Grund, weshalb ich Indi-Titel liebe. Sie sagen das, was sie sagen wollen und transportieren die Gehalte, die eine tiefgruendige Story ausmachen, bei der die cutscenes NICHT nerven. PS: Der Disclaimer am Anfang ist m.E. unnoetig - in User-Artikeln geht es gerade darum, die persoenlichen Emotionen und Gedanken auszudruecken - und das hast du mutig, eloquent und mit viel Hingabe getan. PPS: Ich denke, dass am Ende jeder Mensch ein einsamer Leuchtturm ist, Autisten genau wie Neural-Standarts, wir reichen einander die Hand, koennen jedoch unsere ureigenen Gedanken und Gefuehle niemals ausreichend mit Umstehenden teilen oder 100%ig begreiflich machen. Manchmal ist es die Kunst, die uns mehr verbindet als blosse Worte - und es klingt so, als ob dieses Spiel/Kunstwerk es fertigbringt. Das allein macht es zu einem ausgezeichneten Spiel. --- Liebe Gruesse, Freylis (PPPS: der Artikel sollte schnellstmoeglich zur Top-News erhoben werden!)

Krusk 14 Komm-Experte - 2677 - 21. Februar 2013 - 19:14 #

Wahre Worte, dennoch ist River mit ihrem Problem nur ein Teil des Spiels. Vor allem die beiden 'Spielercharaktere' stehen eben auch für einige Probleme und besonders der Spassvogel der beiden hat tiefersitzendes.
Das besondere an To the Moon ist nicht nur die sehr gut erzählte Geschichte und die von dir angesprochene subtile Arbeit mit dme Thema Autismus, sondern eben die Komplexität so ziemlicher aller Charaktere.
Allerdings diente dieser Artikel ja dazu eben die river-problematik zu erläutern, insofern ist dieser Kommentar hier nicht als Kritik sondenr Ergänzung zu verstehen.

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:39 #

Was mit Neil los ist, wird man ja hoffentlich in Teil 2 etwas ergründen. Bei To The Moon hat man ja nur an der Oberfläche gekratzt :>

Pomme 17 Shapeshifter - P - 6050 - 21. Februar 2013 - 19:17 #

Danke für den Text! Zum Spiel möchte ich aber sage: Ich wollte es wirklich mögen, aber es hat nicht funktioniert. Ich hatte kein Problem mit Grafik oder Spielinhalten - aber die Dialoge haben mich überhaupt nicht angsprochen, das war mir schlichtweg nicht schön genug erzählt. Meine Freundin saß ein paar Minuten beim Spielen neben mir und brummelte etwas von "Soap-Niveau". Vielleicht habe ich einfach Pech, dass es bei mir nicht gefunkt hat... schade.

ElliotYouIdiot (unregistriert) 21. Februar 2013 - 21:08 #

Ich habe To The Moon schon vor einiger Zeit gespielt. Ich erinnere mich daran, dass ich mich gewundert habe, warum Isabelle so krampfhaft bemüht um das Thema "Asperger Syndrom" herumredet und hab es mir damit erklärt, dass River eine ganz spezielle, noch tiefgreifendere Form des Autismus haben muss. Wenn es so ist, dass der Autor nur die Begriffe Asperger/Autismus vermeiden wollte, dann... ja, dann hab ich das Spiel wohl auch nicht verstanden. ^^

Was ich übrigens seltsam finde:
In Artikeln zu dem Spiel werden jede Menge Referenzen zu Memento und vielen anderen Filmen, Serien, Spielen hergestellt, doch nie -in keinem Kommentar- finde ich die alleroffensichtlichste Bezugnahme zu "Guess how much I love you" ("Weisst Du wie lieb ich Dich habe?") von Sam McBratney.

*SPOILER!!*
Diese Origami-Häschen, die River die ganze Zeit faltet... Der Hase, den John und River als Kinder am Himmel sehen... für mich eine klare Referenz auf das Kinderbuch. Wo der kleine Hase dem großen Hasen sagt: "To the Moon - and back! That's how much I love you!".

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:40 #

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich das Buch nie gelesen habe. Daher dank ich dir für das Feedback.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9888 - 21. Februar 2013 - 21:37 #

Spitzen Artikel, danke dafür!

Pfarra2k 13 Koop-Gamer - 1223 - 22. Februar 2013 - 0:15 #

Ich muss ja sagen, dass To the Moon für mich inzwischen durch Katawa shoujo als emotionalstes Spiel abgelöst wurde. Hat das schon jemand gespielt?

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24228 - 22. Februar 2013 - 0:49 #

Fand es auch merkwürdig, dass das Thema Autismus, das einen großen Teil der Story ausmacht, in vielen Reviews nicht erwähnt wurde. Vielleicht wollte man den Leser nicht spoilern?

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:43 #

Was ich "komisch" fand, war, dass es in manchen Reviews sogar ganz kurz erwähnt wurde, ohne sich damit irgendwie zu befassen. Ich glaub, im Text von GameSpot stand etwas von "irgendwas auf dem autistischen Spektrum" und das wirkte für mich etwas merkwürdig.

Ich hatte auch einen Podcast über das Spiel gehört, wo spoilerhaltig darüber gesprochen wurde. Als es um die Kino-Szene ging, meinte einer der Podcaster, dass Rivers Verhalten dort ja sogar autistisch wirkte. Und diese Aussage wurde vom selben Herren direkt wieder abgelehnt, weil Autismus ja etwas ganz anderes sei und damit wurde es nie wieder zum Thema gemacht.

Aber wie ich den Kommentaren entnehmen kann, war da mein Eindruck ja nicht unbedingt repräsentativ. Freut mich :)

Namen (unregistriert) 22. Februar 2013 - 19:13 #

Vermutlich ist dein Eindruck nicht repräsentativ, weil man sehr mit der Thematik vertraut sein muss, oder noch besser, davon betroffen sein muss (direkt oder indirekt) um es wirklich zu verstehen.
Eventuell gibt es entsprechende Menschen im Entwicklerteam oder im näheren Umfeld.

Etwas dran vorbei aber im selben Grundsinn
Wat de Buer nich kennt, dat frett he nich ;)

Sören der Tierfreund (unregistriert) 22. Februar 2013 - 1:49 #

Im Gegensatz zu deinen sonstigen Artikeln (die von der Thematik für mich meist uninteressant sind ^^) empfand ich diesen hier als richtig interessant und echt gut geschrieben.

Photon 07 Dual-Talent - 147 - 22. Februar 2013 - 3:41 #

Sehr schöner Text. Und für mich auch ein ganz besonderes Spiel, denn ich bin durch das Spiel erst auf den Asperger-Autismus aufmerksam geworden - und habe mich selbst darin wiedererkannt. Es hat auf jeden Fall bei mir eine Reihe Dinge erklärt.

Ich habe mir schon viele ähnliche Gedanken zu dem Spiel gemacht. Und der Autismus steht für mich klar im Zentrum. Und natürlich Johns Story. Ich habe jetzt zwar nicht so eine große Anzahl an Meinungen über das Spiel gelesen, aber irgendwie kommt es mir wirklich vor, als würden gerade diese beiden Dinge so sehr in den Hintergrund treten.

Ein letztes:
Summer Glau hat eindeutige Borderline-Tendenzen (wird in der Serie/im Film auch einmal erwähnt). Das lässt sich durchaus mit Asperger verwechseln, ist aber etwas grundsätzlich anderes.

Edit: Mir ist gerade noch etwas sehr interessantes eingefallen, worüber ich bei dem Spiel schon länger nachgedacht habe. John verhält sich für einen NT sehr rücksichtsvoll - aber meiner Meinung geht er ziemlich falsch mit River um. Gerade das große Wahrheitsverschweigen ist sehr schlimm für sie. Und eine Sache finde ich sehr arrogant: Dass er ablehnt, das Buch über ihre Kondition zu lesen. Gerade das würde doch einiges im Umgang helfen. Aber er sclägt das aus - warum, weiß ich nicht. Will er nichts mit "der Krankheit" zu tun haben oder was? Dabei handelt es sich nicht einmal um eine Krankheit ...

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 16:44 #

Dass John sich weigert, fand ich auch etwas arschig von ihm. Ich glaub, das hat aber auch irgendwie mit seiner persönlichen Geschichte zu tun, weswegen er sich nicht mit der Realität beschäftigen wollte.

Blackiris (unregistriert) 24. Februar 2013 - 21:44 #

Ich glaube, John hatte Angst davor, ein anderes Bild von River zu bekommen, wenn er die ganzen Hintergründe kennenlernt. Sicherlich wäre es nur vernünftig und erwachsen und richtig gewesen, sich möglichst viel wissen über ihren Zustand anzueignen, aber ursprünglich hat sich Johnny zu River hingezogen gefühlt, weil sie „anders“ war, und dabei wollte er es vermutlich belassen. (Ob er sich dessen bewusst war, ist eine andere Sache.)

Das ist sicherlich egoistisch von ihm. Aber vielleicht war es wirklich nur die Angst, sein Bild von River verändern zu lassen.

Thomas_de_Ville 13 Koop-Gamer - 1661 - 22. Februar 2013 - 3:38 #

Danke, ein sehr guter Artikel!

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 4811 - 22. Februar 2013 - 9:26 #

Sehr schöner Artikel!
Die ganzen Serienreferenzen habe ich nicht erkennen können, weil ich keine der Serien kenne. Und an viele Details, die du zu einem Gesamtbild zusammenpuzzelst, kann ich mich schon gar nicht mehr erinnern.

Dass es um Autismus geht, war ja schon klar, als ich den Soundtrack gekauft habe (direkt mit dem Spiel zusammen). Und ich meine ich hatte auch gegoogelt bei dem Buch, ob das jetzt Asperger ist (das ich ja wenigstens vom Namen her kenne) oder was anderes und wo die Unterschiede liegen.

Dass die Mehrheit dieses ganze Feld nicht mitbekommen hat, möchte ich auch mal bestreiten - für mich war es ein Aspekt des Gesamtbildes. Würde mich jemand fragen, worum es in TtM geht, ich würde die Rahmenhandlung erklären, aber sicher nicht Autismus erwähnen. Wenn allerdings jemand behauptet, es würde keine Spiele mit dem Thema Autismus geben, ich würde ihn auf TtM verweisen. Insofern denke ich, dass die starke Geschichte einfach den Aspekt Autismus überlagert, auch wenn das persönliche Empfinden natürlich anders sein kann.

Edit: Noch ein Nachtrag: "Die Tragik der Geschichte ist einerseits natürlich die Geschichte von John, der im Grunde sein Happy End findet, was wohl alle Spieler zu Tränen gerührt hat." Johnnys Happy End hat zu Tränen gerührt? Weniger. Am intensivsten war für mich die im Text schon beschriebene früheste Erinnerungsszene und die Auflösungen/Erklärungen, die sich dadurch ergeben.

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 13:38 #

"Dass die Mehrheit dieses ganze Feld nicht mitbekommen hat, möchte ich auch mal bestreiten - für mich war es ein Aspekt des Gesamtbildes."

Was mich freuen würde, da irre ich mich auch mal wirklich gern :)

everardt 17 Shapeshifter - P - 8221 - 22. Februar 2013 - 9:08 #

Hut ab vor diesem Artikel. Sehr persönlich und auch mutig und außerdem sehr schön geschrieben.

Allerdings glaube ich, dass das Thema Autismus in den Reviews nur deshalb nicht erwähnt wird, weil es im Spiel auch nicht explizit benannt wird. Man wollte wahrscheinlich nicht spoilern.

Kirkegard 19 Megatalent - 15635 - 22. Februar 2013 - 11:04 #

Sehr schöner Artikel. Und gut isser auch, weil ich dadurch Lust aufs Game bekommen habe ^^

Viktor Lustig 15 Kenner - P - 2912 - 23. Februar 2013 - 21:04 #

Dem kann ich mir nur anschließen... ich habe es mir gerade eben alleine wegen diesem Artikel geholt!

Bin gespannt!

Kainchen 13 Koop-Gamer - 1376 - 22. Februar 2013 - 12:04 #

Na ja ein Spiel mit dem RPG-Maker XP erstellt, ich empfinde es als überbewertet(vor allem wenn man sich in der RPG Maker Szene bewegt - es gibt weitaus bessere Titel). Philosophisch sicherlich sehr wundervoll gezeichnet - allerdings hat der Autor bereits davor einen besseren Titel veröffentlicht und das gratis. Ich freue mich trotzdem für ihn das er den Sprung vom Hobbyentwickler geschafft hat.

Ultrabonz 14 Komm-Experte - 2316 - 22. Februar 2013 - 15:00 #

Wow! Der beste Beweis für interaktive Literatur.

Asderan 14 Komm-Experte - 2423 - 22. Februar 2013 - 17:00 #

Alter Falter. Eine Besprechung, die einen genauso überraschend emotional aus den Stiefeln haut und beeindruckt wie dieses ungewöhnliche und überragende "Spiel" selbst. Stark!

Asderan 14 Komm-Experte - 2423 - 22. Februar 2013 - 17:05 #

... ich hab Tony Attwood damals übrigens gegooglet. Und der Mensch der mir das Spiel empfohlen hat sehr wahrscheinlich auch.
Will heißen: Ich glaube, ein bisschen optimistisch darf man wohl sein in Bezug auf die Leute, die sowas spielen.

Schade ist es trotzdem, wenn die anderen Besprechungen am Thema vorbeigehen...

q 17 Shapeshifter - 6711 - 22. Februar 2013 - 17:10 #

Weswegen ich das nochmal betonen möchte: Das freut mich und da lieg ich wirklich gerne falsch :>

Asderan 14 Komm-Experte - 2423 - 23. Februar 2013 - 15:18 #

Ist vielleicht auch manchmal wirklich der Grund, dass die Rezensenten nicht Spoilern wollen, was mit River los ist. Das ist ja der Maintwist der Geschichte.

Es ist ja irgendwie auch eine große Leistung der Geschichte selbst, dass das ganze nicht so einfach beim Namen genannt wird.
Das wird auch dem wirklichen Leben gerecht: Sobald man jemanden in die Schublade "Asperger" packen kann, ist irgendwie alles erklärbar. Erst das Label schafft Verständnis.
Für viele Menschen wird der Aspie aber, wenn Sie ihn nicht banal in diese Schublade packen und einordnen können, als seltsam und schwierig erscheinen. Das ist ja die große Schwäche der meisten Menschen, dass sie mit Ungewohntem eben nicht gut klar kommen, bis es Ihnen einer erklärt.Ich wüsste selbst nicht, ob ich einen Aspie als solchen erkennen würde, trotz meiner vorhandenen Vorsensibilisierung.
Insofern ist es auch eine große Leistung von To the Moon, dass es den Spieler die unbedingte Zuneigung zu einem Menschen, der "irgendwie anders" ist, bewundern lässt.

Kotfur (unregistriert) 23. Februar 2013 - 14:16 #

Ich habe die Demo gespielt und auf Youtube noch ein bisschen Gameplay angeschaut und obwohl das SPiel vielversprechend anfängt, geht mir der zu häufig verwendete Comic-Relief gehörig auf die Nerven.
Die Unkreativität, die sich durch Querverweise auf alle möglichen Medien sichtbar zeigt, macht den Humor keineswegs besonders gut. Ein paar Sachen sind witzig, wie zum Beispiel die Sternenfrage, mit Verweis auf König der Löwen, aber größtenteils schmeißt es mich raus.

Die Grafik ist absolut ausreichend und die Liebesbeziehung ist wirklich sehr schön, größtenteils Verdienst der Musik, denn betrachtet man die Dialoge alleinstehend, liesse sich damit kein Blumentopf gewinnen.
Hinzu kommt, dass die Geschichte viel zu melodramatisch rüberkommt, da nur die Schlüsselmomente gezeigt werden, welche manchmal kaum verknüpfbar wirken, da der letzte Eindruck der Beziehung des Liebespaars noch ein ganz anderer war.

Sieht für mich nicht nach dem besten Spiel der Welt, sondern eher nach dem träumerischten Spiel aus. Durchaus positiv gemeint.

Aber dein Artikel ist auf jeden Fall sehr toll, q :*

EinFan (unregistriert) 24. Februar 2013 - 13:04 #

Danke, dein Artikel hat ausgedrückt, was ich sagen wollte! Ich fand das Spiel unglaublich bewegend und emotional und auch, wenn ich während des Spielens nicht genau wusste, was mit River los war. Das erste, was ich gemacht hatte, nachdem ich das Spiel um halb drei Uhr in der Früh durchgespielt hatte, war Tony Attwood zu googlen, weil der Name mir unglaublich bekannt vorkam (und weil ich mehr über River wissen wollte).
Rivers Tragik und die Tatsache, dass John einfach nicht verstanden hat, hat das Spiel für mich so traurig gemacht - und die ganzen Kommentare von Leuten, die nicht verstanden haben, was zwischen den beiden war, machen mich traurig... Aber keine Sorge, da draußen sind Leute, die die Hinweise verstanden haben. :)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 24. Februar 2013 - 13:22 #

:)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 24. Februar 2013 - 13:24 #

An der Stelle möchte ich mich auch mal für die vielen positiven Kommentare bedanken, damit hab ich wahrlich nicht gerechnet.

Blackiris (unregistriert) 24. Februar 2013 - 22:02 #

Toller Artikel, sehr ehrlich und aufrichtig geschrieben!
Auch wenn ich mich selbst ein bisschen mit dem Thema auseinandergesetzt habe und vor allen Dingen To The Moon schon durch die vielen Alpha- und Beta-Tests vor dem Release auf Detailebene kenne, und auch nach dem Release auch noch sehr intensiv damit beschäftigt habe, habe ich durch deinen Artikel noch einige neue Verbindungen zum Autismus entdeckt.
Zum Beispiel war mir die Bedeutung von „Des Kaisers neue Kleider“ in dem Kontext gar nicht klar (möglicherweise, weil ich den Inhalt des Märchens gar nicht kannte^^).

Der Artikel verdient auf jeden Fall Anerkennung. Es ist in der Tat traurig, dass viele Leute gar kein konkretes Bild von Rivers „Zustand“ haben. Dass das Wort Autismus nicht direkt fällt, liegt daran, dass Kan nicht zu direkt mit dem Begriff umgehen wollte, für den Fall, dass die Darstellung nicht ganz der Realität entspricht. Wenn man über ein schwieriges und komplexes Thema erzählt, sollte man sehr vorsichtig sein, wenn man sich der eigenen Sachkenntnis nicht zu hundert Prozent sicher ist. Es haben sich aber schon mehrere Asperger-Autisten und Menschen, die sehr nah damit zu tun haben, zu Wort gemeldet und angemerkt, dass die Darstellung ausgesprochen feinfühlig und realitätsnah ist. In dieser Hinsicht hätte sich Kan also nicht zu sorgen brauchen. ;)

Noch ein Hinweis zur Verwendung Ich-Perspektive: Meiner Auffassung nach klingt es gerade _nicht_ arrogant, wenn man aus dieser Perspektive schreibt, weil man damit ja betont, dass es sich um eine eigene Meinung handelt. Schlimmer finde ich, wenn Menschen ihre persönliche Ansicht als objektive Tatsache darstzustellen versuchen oder ihre Meinung als die Meinung aller anderen dastehen lassen wollen. Von daher war die Wahl absolut richtig - besonders, weil es sich um einen so persönlichen Artikel handelt.

Vielen Dank für den ausführlichen, informativen und auch bewegenden Bericht! :)

q 17 Shapeshifter - 6711 - 25. Februar 2013 - 14:27 #

Kan hat mir gestern auch noch eine Antwort geschrieben, weil ich ihn gefragt hab, wie sein Verhältnis zu dem Thema ist:

"Thank you very much for the kind words; I'm really got you enjoyed the game and was able to relate to it. I don't have Asperger's myself, but I did know someone who did -- I also involved myself in some autistic communities while I was working on the game to try to make things accurate.

Cheers and take care,
Kan"

Endamon 15 Kenner - 3900 - 26. April 2013 - 0:11 #

Gut geschrieben und aufklärend. Ich habe das Spiel noch nicht gespielt, aber alleine durch diesen Artikel hier macht mich das Ganze sehr gespannt auf To The Moon.

Tsabotavoc (unregistriert) 9. Mai 2013 - 18:23 #

Ein sehr guter Artikel zu dem Thema.

Ich habe bei dem Spiel auch geweint als mir klar wurde das River (ein wunderschöner Name übrigens) John mit den Origamihasen an Ihr Treffen am Jahrmarkt erinnern wollte.

Ich kann mir gar nicht vorstellen wie hart es für River gewesen sein muss als John ihr offenbarte das er sich an das - für sie offensichtlich irrsinnig prägende und wichtige - erste Treffen am Jahrmarkt nicht erinnern konnte.

Auch das so sorgfältig bewahrte Schnabeltierstofftier zeigte mir das deutlich: River hat John irrsinnig geliebt. Es muss furchtbar sein so etwas nicht zeigen zu können.

Das Ende des Spiels hat mich dann nochmal zum Heulen gebracht. John hatte seine Erinnerung die er bestellt hatte. Aber erstens ging es Ihm ja nie um den Mond sondern nur um River - und zweitens: Ich hätte mir ein Happy End für River gewünscht.

Wobei ich das Spiel nicht als Spiel bezeichnen möchte. Ich sehe es mehr als digitales interaktives Kunstwerk.

yukeki 04 Talent - 23 - 1. Juni 2013 - 18:06 #

Ich fand das war ein so wunderbares spiel..nur schade dass es so traurig ist :/

Irgendwie (unregistriert) 13. Dezember 2016 - 1:20 #

eigentlich wollte ich die Ganze Zeit wissen wer River ist...

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