User-Kommentar Baphomets Fluch 5

Charles, was hast du getan?

TheVerne 12. Oktober 2014 - 20:45
Als am 4. Dezember 2013 Baphomets Fluch - Der Sündenfall erschien, habe ich einen Freudensprung gemacht. Charles Cecil (Chef des Entwicklerstudios Revolution Software) hatte offenbar Wort gehalten: Endlich wieder 2D-Grafik, Point-and-Click-Steuerung und eine spannende Story. Und doch beendete ich das Spiel mit einem komischen Gefühl.
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Bei aller folgenden, selbstverständlich subjektiven Kritik an Baphomets Fluch - Der Sündenfall stütze ich mich auf Baphomets Fluch 1 und 2 als Referenz. Diese beiden Titel machten es aus meiner Sicht komplett richtig: Sie bieten eine atmosphärische Story, einen schöner Spannungsbogen, interessante Charaktere, gute Dialoge, fantastische Soundregie - es passt einfach alles gut zusammen. Sicher, beide Teile hatten auch ihre Schwächen. Aber vom Gefühl her waren es einfach gute Adventures. Beide schafften es, den Spieler in ihre Welt hinein zu ziehen. Und in beiden Fällen wollte ich wissen: Wie geht’s denn jetzt weiter? Was erwartet mich noch? Was steckt hinter all den Vorgängen? Und: Kriegen sich George und Nico endlich?
 
All diese Hoffnungen legte ich auch wieder in den fünften Serienteil. Als Charles Cecil Baphomets Fluch - Der Sündenfall ankündigte, wollte ich aus den Schuhen hüpfen vor Begeisterung. Denn endlich schien er (Charles) es kapiert zu haben: 3D gehört den Shootern. In einem Adventure will ich mit der Maus rätseln. Ich will bequem an eine Stelle klicken und dem Charakter dabei zusehen, wie er sich auf den Weg macht. Die Screenshots versprachen das gewohnte 2D-Umfeld. Und das Rätseldesign hatte Revolution Software schon immer im Blut.

Von Holzköpfen und sportlichen Rentnern
Als ich die Screenshots dann vergrößerte, musste ich erst mal schlucken. Jungs, was habt ihr mit George gemacht? Steif steht er da, als hätte er eine deutsche Eiche im Rücken. Kein Vergleich mit der animierten Lässigkeit des zweiten Teils. Früher konnte er keine fünf Sekunden still stehen, verlagerte das Standbein, prüfte seine Frisur, stocherte in seinen Taschen herum, und so weiter. Das hauchte ihm Leben ein. In Teil 5 steht er da, als wäre er ausgestopft. Erst nach fast zwanzig Sekunden Stillstehen kratzt er sich endlich mal am Handgelenk. Ach, zum Glück. Er lebt noch.

Ähnlich geht es mir mit den anderen NPCs. Ich habe immer wieder den Eindruck, dass das Spiel unbedingt veröffentlicht werden musste - ob es nun fertig ist, oder nicht. Dass die Langeweile den Besitzer eines Straßenstandes dazu bringt, einfach nur in die Gegend zu gaffen, na okay. Das verstehe ich noch. Aber so ein alter Mann wie Ramon, der es mit einer Vorkriegsflinte fertig bringt, stundenlang am Fenster zu stehen, ohne einmal abzusetzen oder sich den Schweiß von der Stirn zu wischen - da wären ein paar mehr Animationen angebracht gewesen. Ich denke, man kann im 21. Jahrhundert verlangen, das die Umgebung etwas lebhafter wirken kann - wenn schon nicht besonders spannend.

Charles hatte es eilig

Das größte Manko an der Grafik ist aber das Design selbst. Hier wurden eindeutig polygonarme 3D-Modelle auf Zwang in den Comic-Stil übertragen. Das führt dazu, dass die Charaktere aussehen wie aus Holz geschnitzt. Die Gesichtszüge der einzelnen Figuren wirken dadurch sehr plan. Der Mimik und er Gestik fehlt die Echtheit des ersten und zweiten Teils. Natürlich, dort wurde die Mimik etwas überspitzt dargestellt. Aber so bekamen die Charaktere einen eigenen Charme, eine eigene Identität.

Jaja, ich weiß schon: Echtes 2D ist langwierig zu erstellen. Und teuer ist es obendrein. Jede einzelne Animation müsste von Hand gezeichnet werden, und wehe, es wird etwas am Rätsel geändert. Dann müsste dümmstenfalls ein komplett neuer Bewegungsablauf gezeichnet werden. Aber echtes 2D ist zeitlos. Baphomets Fluch war stets eine Mischung aus Comic und Echtwelt. Das alles zu zeichnen, dauert natürlich seine Zeit. Aber was hatte Cecil und sein Team denn zu verlieren? Es hatte die Kickstarter-Community hinter sich. Charles, du hattest Zeit! Niemand wäre dir böse gewesen, wenn du gesagt hättest: "Leute, wir brauchen noch ein bisschen, das Spiel soll schließlich gut aussehen!". So ist die Grafik nur Mittel zum Zweck und kein gestalterisches Element.

Der Charme echter 2D-Grafik will sich für manchen bei Baphomet 5 nicht einstellen.
Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11383 - 12. Oktober 2014 - 21:31 #

Ich glaube, ein Problem vieler Adventure (-Remakes) bzw Spiele von alten Hasen. Sie sind in erster Linie Fanservice aber eben letztlich nur ein weiterer Aufguss und der Zauber der Vergangenheit, nun, der kommt eben nicht wieder. Gerade bei Adventures merke ich es extrem, die waren früher halt "top notch" was Technik / Sprecher / Story anbelangte, heute hinken sie aktuellen Adventure-Produktionen (insbesondere deutschen bzw. europäischen) oft um Lichtjahre hinterher, egal ob Tim Schafer, Jane Jensen oder hier Charles Cecil (obwohl der sogar Engländer ist aber England ist halt eng mit USA verbandelt).

euph 23 Langzeituser - P - 41276 - 13. Oktober 2014 - 6:31 #

Das ist wie mit einer sehr guten Party. Du kannst die gleichen Leute einladen, die selben Getränke bereit stellen und die gleiche Musik auflegen. Trotzdem wird die nächste wahrscheinlich nicht so toll, wie du die letzte in Erinnerung behalten hast.

Seraph_87 (unregistriert) 12. Oktober 2014 - 22:13 #

Schön geschriebener Artikel, aber bei dem Absatz mit dem "Charles, hättest du dir halt einfach Zeit gelassen!" machst du es dir glaub ich etwas leicht. Bei Revolution sitzt das Geld seit vielen Jahren nur noch sehr knapp, in Baphomet 5 ist vor dem Kickstarter bereits ein großer Betrag aus dem eigenen Vermögen geflossen und die Entwicklung hat sich eh schon stark zur ursprünglichen Planung verzögert.

Dass das Spiel dann im Dezember veröffentlicht wurde, auch noch völlig unerwartet zweigeteilt (wo sich Charles zurecht einiges anhören konnte, das kam völlig aus dem Nichts mit der Ankündigung ein paar Wochen davor), lag wohl schlicht daran, dass sie das Geld gebraucht haben, um das Spiel fertigzustellen. Charles meinte ja immer nur, dass sie es so gemacht haben, weil sie den Fans 2013 das Spiel versprochen haben, aber abgenommen habe ich ihm das nie, vor allem weil es auch offensichtlich völlig überhastet rausgehauen wurde, ohne Full HD-Hintergründe und mit einigen anderen ärgerlichen Fehlern. Die im Artikel angesprochenen Detailsachen bei der Grafik gehören da natürlich auch dazu.

Name (unregistriert) 13. Oktober 2014 - 0:47 #

Die Figuren von Hand zu zeichnen ist absolut unrealistisch. Die alten Teile hatten 800x600px, der Neue 1920x1200. Das ist das Fünfache und erfordert viel feinere, pixelgenaue Zwischenstufen der Animation, weil es sonst zu sprunghaft wirkt. Und dann muss es auch noch anatomisch korrekt aussehen, und das für jeden einzelnen Charakter. Der Zeichenaufwand ist viel zu hoch. Es hat durchaus seinen Grund, warum selbst Disney-Filme heute Computer animiert sind.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 10823 - 13. Oktober 2014 - 2:58 #

im gegensatz zu den ganz frühen adventures anfang der neunziger hat man später und heute schon gar nicht mehr das ganze pixel für pixel gezeichnet. das ist hier schließlich kein pixelart. da ist die auflösung für den aufwand relativ unerheblich, da sich für die arbeit des grafiker nichts ändert.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24259 - 13. Oktober 2014 - 19:43 #

Leider geht das zu Lasten der Qualität der Filme. Aktuelle Disney-Filme sehen längst nicht so schön aus wie beispielsweise "Der König der Löwen". Animationsfilme gefallen mir eigentlich nur von Pixar, die haben trotz Computeranimation ihren ganz eigenen Charme.

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11383 - 13. Oktober 2014 - 22:39 #

Ja, das ist mir bei den Trailern zu Die Eiskönigin ziemlich aufgefallen. Da dachte ich, dass sieht teilweise wirklich etwas "lahm" bzw. vor allem detailarm aus.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24259 - 12. Oktober 2014 - 22:12 #

So hart würde ich mit dem Spiel nicht ins Gericht gehen. Es erreicht nicht das Niveau der ersten drei Teile, aber ist trotzdem ein schönes Adventure geworden.

scienceguydetl 12 Trollwächter - 1025 - 17. Dezember 2014 - 1:03 #

Man muss auch sagen, dass man im wesentlichen das bekommt was man wollte. Das macht der neue teil gut.

Mike H. 14 Komm-Experte - 2291 - 12. Oktober 2014 - 22:21 #

Ich stimme nicht einem einzigen der kritisierten Punkte zu. Für mich ist das Spiel graphisch wunderbar, die Story nachvollziehbar und auch das Gameplay absolut auf dem Niveau der beiden ersten Teile. Ich glaube, da geht lediglich mit jemandem die Nostalgieverklärung durch...

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11383 - 12. Oktober 2014 - 23:07 #

Die ersten Teile hatten eine niedrigere Auflösung aber gerade bei den Animationen waren sie Teil 5 meiner Meinung nach auch weit voraus. Vielleicht hast du aber auch einfach in den 2000ern keine moderneren Adventures mehr gespielt?

Stefan 12 Trollwächter - P - 1010 - 12. Oktober 2014 - 22:27 #

Ich fand das banale Finale und das uninspirierte Ende schon sehr enttäuschend. Das hat mir nachträglich das ganze Spiel verhagelt.

M3rciless 11 Forenversteher - 709 - 12. Oktober 2014 - 23:05 #

Fand das Ende auch eher bescheiden und irgendwie kam nicht so das Flair wie vom ersten Teil auf, mag aber auch daran liegen das ich damals ca. 14 war als ich den ersten Teil auf der Playstation gespielt hatte.

interceptor 12 Trollwächter - 1060 - 13. Oktober 2014 - 0:19 #

Das Ende war schwach, aber das war es in den ersten Teilen auch schon. Zwischendrin kam auch im 5. Teil immer wieder gute Atmosphäre auf. Was aber fast komplett gefehlt hat, sind die großartigen Musikstücke, wenn man gerade entscheidend weiterkommt.

Jürgen -ZG- 22 AAA-Gamer - P - 31467 - 13. Oktober 2014 - 11:57 #

Ich bin momentan irgendwo nahe der Hälfte der zweiten Episode, kann also noch kein abschließendes Urteil fällen.
Was ich aber sagen kann: der Grafikstil gefällt mir sehr gut. Klar könnten es im Ruhezustand noch ein paar Animationen mehr sein. Den Ruhezustand erreichen die Figuren aber normalerweise doch nur, wenn ich gerade über ein Rätsel nachdenke. Ergo sind solche Animationen zwar witzig, aber das erste, was ich als Verantwortlicher bei einer solchen Produktion über Bord werfen würde.
Vieles an diesem Titel finde ich sehr liebevoll gemacht und den ersten beiden Teilen ebenbürdig: die Verkleidungsorgie im ersten Teil, das Aufeinandertreffen mit einer Ziege und so weiter.
Ich hätte mein Geld definitiv schlecher anlegen können - aber ich habe in den letzten Jahren auch tatsächlich kaum ein "neues" Adventure angefasst, bin also mit alten Standards immer noch glücklich. Mein aktuellster Titel dürfte Deponia gewesen sein. Ich hab's gerade wirklich nicht mehr im Kopf: waren da die Ruheanimationen besser?

marpieters84 12 Trollwächter - P - 1124 - 13. Oktober 2014 - 17:46 #

Ich fand den fünften teil ebenfalls klasse und fühlte mich sofort zu Hause. Kann die Kritikpunkte auch nicht ganz nachvollziehen.

scienceguydetl 12 Trollwächter - 1025 - 17. Dezember 2014 - 1:06 #

Man hat ja nicht das Rad neu erfinden wollen. Nur eine spannende und schlüssige weitere Geschichte im Broken Sword Gewand.

Und was hat Cecil wieder hervorragend hinbekommen. Und George und Nico sind toll geschrieben wie immer.

Ich hab das bekommen wofür ich bezahlt hatte und bin zufrieden.

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