User-Test des DLC

Borderlands: The Zombie Island of Dr. Ned

HeadMunk 18. Juli 2010 - 17:45 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Braaaains! ... Braaaains! ... Brains!? Das war Zombie für: Im heutigen Kurztest, das DLC The Zombie Island of Dr. Ned für den "Role-Playing-Shooter" Borderlands. Braaaa...ucht man es wirklich oder zersetzt es euch vor Einfallslosigkeit eher den Braaaa... *räusper* Hirnschmelz!? Findet es heraus!
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Lasst mich überlegen: Wie könnte man Borderlands, den actionreichen Rollenspiel-Shooter-Mix für PC, Xbox 360 und PlayStation 3, noch besser machen? Mehr Handlung und Tiefgang? Verbesserte Multiplayerfunktionen? Ausmerzen einiger Bedienbarkeitsfehler? Abrundung der grafischen Darstellung? Sicher! Aber die Betonung liegt hierbei auf "könnte"! Getreu dem Motto "Schuster bleib bei deinen Leisten" sind auch die Damen und Herren von Gearbox ihrem Handwerk treu geblieben. Heißt, ihr werdet in The Zombie Island of Dr. Ned durch eine kongenial irrwitzige Spielwelt gejagt, voll mit allerlei satirischem Horror-Klientel, komplett durchgeknallten Charakteren und allerlei herumspritzendem Gedärm, passend verpackt in eine Präsentation, die jeder B-Movie-Monster-Mär den Rang abläuft. Markerschütternde Veränderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten wurden zwar geflissentlich ignoriert, doch ist dieses Addon mehr, als es im ersten Augenblick scheinen mag.

Verspürt auch jemand diesen starken Appetit?
Diesen … Heißhunger auf … Hirn!?


Braaaaains!

Hat das texanische Entwicklerstudio mit Borderlands noch versucht, einen möglichst runden und schmackhaften Videospiel-Cocktail zu kreieren, so scheinen sie sich jetzt der Groteske verschrieben zu haben. Stellt euch einen Besuch in eurer favorisierten Bar um die Ecke vor, nur dass der Barkeeper euch ein Mischgetränk vorsetzt, das von Optik und Geschmack eher einem zerplatzen Schädel als eurem lieb gewonnenen Mai Tai gleicht und ihr bekommt ein ungefähres Bild!

Gezielt eingegangen wurde bei diesem Downloadable Content (DLC) vor allen Dingen auf einen Kritikpunkt, und zwar der im Spielverlauf einsetzenden Monotonie und Abwechslungsarmut. Wenn ihr euch durch das Hauptspiel bis in die späteren Stunden geschlagen habt, werden euch wahrscheinlich genauso wie mir, die ewig gleichen Wüsten- und Canyon-Abschnitte zum Hals herausgehangen haben. Doch sobald ihr einen Fuß in den neuen Abschnitt dieses DLCs setzt, werdet ihr merken, dass es hier eher einem etwas klischeehaften Old-School-Horror-Blockbuster denn eurem altbekannten, staubtrockenen Wüstenplaneten gleicht. Überwiegende Grüntöne in der Präsentation, ein zu jeder Tageszeit hell am Firmament glühender Vollmond, allgegenwärtige Nacht und Heerscharen von halbverwesten Zombies die euch nach euren „delikatösen Hirnwindungen“ trachten. Ich weiß natürlich nicht wie es euch geht, aber ich habe mich hier sofort heimisch gefühlt! UND NEIN: Ich teile mir mein trautes Heim nicht mit nach Nahrung stöhnenden Untoten … Danke der Nachfrage!


Handlung mit Hirn?

Gezielter Schuss auf das Zentrum der Borderlands-Monotonie? Zwar überschlägt sich der erste DLC nicht gerade vor Neuerungen, Spaß macht er trotzdem!
Beweist das Storytelling hier ein kluges Köpfchen? Nicht unbedingt. Aber Hirn gibt es trotzdem zur Genüge! Bei The Zombie Island of Dr. Ned dreht sich alles um das mehr oder weniger mysteriöse Geheimnis von Jakobs Cove, dem neuen Gebiet des Addons. Während dessen Aufdeckung ihr auch mit dem Bruder des aus Borderlands bekannten Dr. Zed in Kontakt tretet - Dr. Ned. Abgesehen von einem Schnurbart, der auf dem Mundschutz des Docs zu wachsen scheint (und absolut keine Verkleidung ist!), gleichen sich die Beiden wie ein verrückter, blutüberströmter, Hackebeil-schwingender Chiropraktiker dem anderen. Im Borderlands-Universum also eigentlich ein ganz gewöhnlicher Umgang. Was das Ganze allerdings so speziell macht, ist, dass die Bewohner von Jakobs Cove allesamt in willenlose Zombies transformiert wurden und nicht unbedingt dafür sorgen, dass euer Aufenthalt hier ein angenehmer wird. Wobei das Wort willenlos vielleicht nicht ganz richtig gewählt ist, denn eines wollen sie ganz gewiss, und zwar eure Denkapparate anknabbern!

Nachdem ihr euch durch die ersten Horden kannibalistisch veranlagter, lebender Toter geschossen und / oder geprügelt habt, kommt ihr alsbald darauf, dass nicht alles so zu sein scheint wie anfangs vermutet. Im typischen Borderlands-Stil entfaltet sich hier eine kleine Geschichte, wie bekannt zumeist erzählt in Questbeschreibungen, die zwar nicht sonderlich originell, hübsch erzählt oder gar wahnsinnig durchdacht ist, aber einfach rundum wie die Faust aufs sprichwörtliche Zombieauge passt. Der Humor kommt gut zum Tragen, stilistisch ist's eh ein Volltreffer so lange man keine Abneigung gegen Horror-Persiflagen hegt, und auch wenn man den Storytwist 50 Meilen gegen den Wind riecht, so ist er doch eine perfekte Abrundung des ganzen Pakets. Und das Beste: ES GIBT ZOMBIES!


Postapokalyptisches Gruselkabinett hoch 4

Kommen wir zum Herzstück, bzw. passender, dem Kernhirn des Spiels: Dem Gameplay. Was hat sich hier groß getan? Eigentlich, wenn man es rein objektiv betrachtet, gar nichts! Die bekannten Mankos wurden nicht ausgebessert und der Spielablauf nicht großartig verändert, ist ja nun mal ein Addon und kein Update. Aber trotzdem verspüre ich beim Reduzieren der örtlichen Gruselkabinett-Population eine diebische Freude, die ich so vorher bei Borderlands nicht oder nur selten vernommen habe. Zombies mit meiner treuen Shotgun oder dem glänzend polierten Revolver den verrotteten Kopf ganz stilecht von den Schultern zu pusten ist einfach ungemein launiger als einem öden Skag-Hündchen Blei in den Rachen zu pusten. Außerdem macht der Wechsel des Szenarios einfach einen großen Pluspunkt aus, denn auf Dr. Neds Untoten-Insel erinnert nicht einmal die kleinste Faser mehr an die ewig-drögen Sandmeere Pandoras.

Auch die Schusswechsel mit bis zu vier Mitspielern können im neuen Universum dank ganz neuer Schemata überzeugen! Zum Beispiel die zur meisten Zeit anwesenden Zombies: Diese können euch durchaus panische Momente bereiten, da sie sich aus dem Boden graben und ihr so schnell unbemerkt umzingelt werdet. Oder die Defiler genannten Untoten, die euch bevorzugt ihren ätzenden Speichel ins Antlitz spucken, um euch für kurze Zeit zu lähmen und die Sicht zu rauben. Oder die Loot Goons genannten Ungetüme, die allein der Statur wegen schon imposant sind und eine Waffenkiste auf dem Rücken tragen, die ihr bei dessen Ableben plündern dürft.

Abseits der veränderten Kampf-Rhythmik bietet das Spiel aber auch den „nach-mehr-lechzenden“ Borderlands-Jüngern ersehnten Nachschub! Unmengen neuer Quests und abgefahrener Areale, die euch etwa fünf bis sechs weitere Spielstunden bescheren, coole Boss-Gegner, Upgrades für Munitionshaushalt und Inventar plus der zu erwartenden Unmenge an Loot. In letzterem Punkt könnte allerdings auch für Manchen unter euch ein Kritikpunkt begraben liegen, denn wirklich neuen Plunder sucht ihr hier vergebens. Alle Gegenstände, an die ihr Hand anlegt, würden so auch auf der Ursprungs-Spielwelt zu finden sein. Mich, für meinen Teil, hat dieser Punkt nicht wirklich gestört. Wenn man sich die Unmengen an Items vor Augen führt, mit denen man schon im Hauptspiel zugesch…, eh, geworfen wurde, bin ich eigentlich nur froh nicht noch in zusätzlichen Kreationen der Zombie-Welt ertränkt zu werden. Da bevorzuge ich doch lieber den Schwall an Gedärm und Blut, durch den ich hier waten darf!

Um auf die neuen Quests und damit wahrscheinlich den wichtigsten Punkt dieser Content-Erweiterung ein wenig genauer einzugehen: Die wenigsten der brandneuen Aufgaben unterscheiden sich wirklich frappierend vom Hauptspiel. Gerade in Bezug auf die Aufgabenstellung solltet ihr nicht allzu viel erwarten ... Töte "X", sammle "Y", aktiviere "Z", nicht nur für Borderlands-Spieler dürften diese Phrasen bereits ein alter Hut sein. Doch auch hier ist es die morbide Inszenierung, die für den Spaß beim Spielen sorgt. Hey, ihr dürft gegen schlecht gelaunte Frankensteins, bissige Werwölfe und blutdurstige Kürbiskopfritter in den Ring, wer braucht da noch Abwechslung? Na gut, ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen, aber ich denke ihr versteht ungefähr worauf ich hinaus will…

Da schwingt auch schon mal ein Frankenstein (augenscheinlich) das Tanzbein: Bei The Zombie Island of Dr. Ned wird so ziemlich jedes Horror-Klischee genüsslich durch den Kakao gezogen. Groovy!

Fazit: Karikatur einer Schauer-Mär

Ich muss es zugeben, ich bin infiziert! Infiziert von dieser tollen neuen Welt und dem Spielspaß, den ich beim Durchzocken empfunden habe. Infiziert von dieser noch etwas charmanteren, noch etwas irrsinnigeren Szenerie, die das Konzept eines Horror-Spiels komplett auf die Schippe nimmt. Infiziert von dem Stil dieses Monster-Slashers, der mich auch nach dem Lösen einer jedweder Quest Zombie-esk nach mehr stöhnen lässt.

Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass nicht jeder diese Sympathie gegenüber dem ersten Borderlands-Addon teilen kann, da sich hier im Grunde nicht viel getan hat und Spieler die einfach nur mehr von ihrem Spiel erwarten durch das Fehlen wirklich neuer Gegenstände enttäuscht sein könnten. Aber dennoch kann ich jedem, der das Hauptspiel erfolgreich durchlebt hat, nur wärmstens empfehlen, sich diesen zusätzlichen Content nicht entgehen zu lassen! Der Spielspaß lebt dank der neuen, absolut köstlichen Inszenierung wieder jungfräulich auf und hat in meinen Augen Höhen erreicht, die das Hauptspiel nur streifen konnte. Wer also in seinem Herzen ein klein wenig Platz für schlurfende, nach Hirn stöhnende Untote hat, darf sich The Zombie Island of Dr. Ned nicht entgehen lassen!

Ja, diesen DLC braaaa… ucht man wirklich!


HeadMunk 18. Juli 2010 - 17:45 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
Ciocco79 05 Spieler - 37 - 18. Juli 2010 - 17:50 #

Nett geschriebener Test :)

Mathias Müller 17 Shapeshifter - 6655 - 18. Juli 2010 - 18:39 #

Ich fand den DLC ebenfalls sehr gut, das Hauptspiel aber noch besser. Bei Zombie Island haben mich vor allem diese nervigen Gehirn-Sammel-Missionen etwas gestört, bei denen man immer wieder an den gleichen Stellen vorbei lief, um weitere Untote zu finden und deren Hirn aus dem Kopf zu ballern. Außerdem halte ich das Areal für zu groß, um bloß eine Teleportstation aufzustellen, aber das ist ja leider bei jedem der drei Borderlands-DLCs so...

Kraten85 (unregistriert) 19. Juli 2010 - 22:59 #

Ich fand alle Borderlands DLC´s wirklich gut und so 7 Euro pro DLC reicht der Content von Zombie Island sowie den anderen 2 DLC´s für den Preis meiner Meinung nach völlig aus, wenn man bedenkt, was z.B. Bioware bei ihren kurzen Mass Effect 2 oder Dragon Age Origins DLC´s so verlangen.

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 14. November 2010 - 23:41 #

Sehr lustig, mein Kumpel zockt auch Borderlands. Ich frag ihn mal ob er das Addon schon kennt. :)

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