User-Test

Borderlands

HeadMunk 27. Juni 2010 - 10:22 — vor 6 Jahren zuletzt aktualisiert
"There ain't no rest for the wicked!" Genau so wie euch das Titelstück schon im Intro entgegenschallt, so wird auch euch bald keine Verschnaufpause mehr vergönnt sein: RPG, Ego-Shooter, Coop-Multiplayer und Diablo-eske Itemflut sind die Zutaten dieses Spielspaß-Gebräus, dass dazu ansetzt, euch eurer kostbaren Zeit zu berauben!
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Die Firma Gearbox Software war bisher eher durch seine Portierungen und Add-ons zu Valves' Half-Life, als für seine eigenen Spielekreationen bekannt (derer nur Brothers in Arms zu nennen ist). Doch mit ihrer Ankündigung von Borderlands hat das texanische Entwicklerstudio schnell für Aufsehen gesorgt. Die Mischung aus typischem Ego-Shooter-Gameplay mit Rollenspiel-Elementen wirkte (trotz Fallout 3) noch sehr frisch und spannend. Seit Oktober letzten Jahres gibt es dieses Spiel auch in hiesigen Gefilden und ist mittlerweile für günstiges Geld zu haben. Zeit genug also für einen genaueren Blick in die Welt von Gearbox' Role-Playing-Shooter .

Eine Bemerkung noch vorweg: Bei der getesteten Version handelt es sich um das englische PlayStation 3-Spiel, eine Bewertung der deutschen Lokalisation ist mir leider nicht möglich!
 
 
Pandoras Büchs..., eh, Vault
 
Eröffnet wird Borderlands mit einem wuchtigen Intro, das wie eine Mischung aus Quentin-Tarantino-Film und Endzeit-Szenario à la Fallout im Kleid eines überspitzten Comics daherkommt. Passend untermalt wird das einleitende Filmchen mit eben jenem rotzig rockigen Titelstück, das ich schon zuvor zitiert habe (toller Song: Cage the Elephant - Ain't no rest for the Wicked).
 
Vier sonderbare Abenteurer befinden sich in einem klapprigen Bus auf dem Weg ins Nirgendwo, um den Geheimnissen der sagenumwobenen "Vault" des Planeten Pandora auf die Schliche zu kommen. Wie euch eine vorangegangene Sequenz erzählt, sollen sich in dieser Reichtümer unbekannten Ausmaßes 
Auf dem Weg ins Nirgendwo: Zu Beginn noch in einem klapprigen Bus unterwegs, wollen die vier Protagonisten schnellstmöglich an die mysteriöse Vault herankommen.
befinden, die nur darauf warten, vom nächst besten Abenteurer eingesackt zu werden. Diese vier Charaktere, in deren Haut ihr während der Schatzsuche schlüpfen könnt, sind der Soldat Roland, der Geschütztürme aufstellen und sich bestens mit großkalibrigen Gewehren und Schrotflinten zur Wehr setzen kann. Außerdem der dürre Jäger Mordecai, der eine Koryphäe im Umgang mit Scharfschützengewehren ist und gern seinen Vogel-Kompagnon auf unliebsame Kontrahenten hetzt. Die Sirene Lilith, die sich für kurze Zeit unsichtbar machen kann um ihre Feinde per Überraschungsangriff auf die Bretter zu schicken und ein gutes Händchen für Elementar-Waffen beweist. Und zu guter Letzt Brick, der Kampfkoloss, der bevorzugt mit bloßen Fäusten oder explosiven Geschossen Gegnerscharen deformiert und dabei gern "er selbst ist" ("Brick" = engl. für Ziegelstein).
 
Nach dieser kurzen Einführung und der Wahl eures Alter Egos werdet ihr auch sogleich ins kalte Wasser geworfen... oder vielmehr: in den heißen Sand der postapokalyptischen Ödnis auf Pandora. Flugs schlüpft ihr in die Ego-Ansicht eures Wahl-Protagonisten und werdet von einem Roboter namens CL4P-TP (genannt Clap-trap) begrüßt, der entfernte Ähnlichkeit mit einem gewissen R2D2 nicht von der Hand weisen kann. Dieser führt euch durch ein kleines Tutorial, in dem ihr lernt, wie ihr mit der Steuerung umzugehen habt, wie ihr euren Charakter optisch (per anpassbarer Farben) und namentlich individualisiert und wie ihr euch eurer Haut mit Hilfe blauer Bohnen erwehren könnt.
 
Habt ihr euch durch einen Ansturm von Banditen gekämpft, erreicht ihr das beschauliche Dörfchen Fyrestone. Beschaulich ist hier durchaus wörtlich zu nehmen, denn nur der etwas zwielichtig wirkende "Arzt" Dr. Zed, der seinem chirurgischen Tagewerk am liebsten mit einem Hackebeil nachgeht und einen blutverschmierten Kittel um die Hüften trägt, bewohnt dieses karge Kaff. Genau dieser sympathische Geselle hält als erster Questgeber her, der euch alsbald auf Skag-Jagd schickt (das ist eine Art mutierter Hund und ein typisches Lebewesen auf Pandora) oder euch als Handwerker für einen dysfunktionalen Verkaufs-Automaten missbraucht. Das Storytelling wird bei der von Beginn an einsetzenden Action leider schnell zur Nebensache, so dass die coolen Charaktere und die abgedrehte Szenerie des Wüstenplaneten eher blass bleiben und mehr der Zweckdienlichkeit als dem Unterhaltungswert dienen.
 
 
Von Skagzilla bis Bruce McClane
 
Das Ganze liest sich nicht nur wie die Beschreibung des täglich Brot eines jeden MMORPG-Spielers (z. B. World of WarCraft), es spielt sich auch sehr ähnlich. Eure nächste Aufgabe wird euch nicht in einer netten Sequenz oder per vertonter Konversation in den Schoß gelegt, sondern per trockenem Textblock um die Ohren gehauen, anhand dessen ihr euch dann von Questgeber zu Questgeber hangelt. Dies wirkt, gerade in euren ersten Minuten auf Pandora, doch sehr befremdlich. Zum Beispiel eure erste Begegnung mit Dr. Zed: Wird euch der Doc zu Beginn noch in einer kurzen aber gelungenen Sequenz vorgestellt, werdet ihr danach sofort wieder aus der coolen Atmosphäre gerissen und zum Lesen einer kargen Questbeschreibung genötigt. Abseits dieser Briefings haben euch die NPCs, bis auf ein paar ab und an mal vom Stapel gelassenen One-Linern oder kurze Gespräche via Intercom, nichts zu sagen.
 
Die Story plätschert so während des ganzen Spielverlaufs leise vor sich hin und zieht erst zum Ende wieder ein bisschen an. Absolut verschenktes Potenzial! Umso mehr wenn ihr euch die Bildschirmtexte aufmerksam durchlest. Diese sind nämlich mit Wortwitz und kleinen Eastereggs nur so gespickt. Ob ihr nun in einem Quest Skagzilla über den Jordan schicken (Godzilla, anyone?), einen gewissen Bruce McClane finden (Stirb Langsam lässt grüßen) oder ihr dem fiesen Banditen-Boss Mad Mel ans Leder müsst (Mad Max) - Kenner klopfen sich amüsiert auf die Schenkel. Und auch abseits dieser kleinen Hommagen bieten die Texte viel Humor. Warum hat man sich also nicht die Mühe gemacht, diese zu vertonen oder gar in eine kurzweilige Sequenz zu packen? Doch genauso wie das Ende des Plots, das überstürzt wirkt und dem Handlungsverlauf ein wenig die Bedeutung entreißt, deutet vieles darauf hin, dass hier zwingend Releasetermine und Budgetgrenzen eingehalten werden mussten und dadurch Teile des Spiels ein wenig zu kurz gekommen sind.

Okay, Skagzilla mag abseits des Namens nicht viele Ähnlichkeiten mit seinem japanischen Vorbild haben, unterhaltsam sind die kleinen Hommagen und Witzeleien am Wegesrand aber trotzdem allemal!
VisionGamer 10 Kommunikator - 418 - 27. Juni 2010 - 10:34 #

Also das nenn ich mal einen ausführlichen Test :thumbsup: Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, was ich in 4 Seiten Test verpacken sollte, weil das Spiel zwar eine Menge Fun bietet, aber eben Action-RPG-typisch sich nur auf seine Sammelwut verlässt. Das find ich schon schade, weil es so einen tollen Beginn hat und da viel Potential verschenkt, weil der Zauber nach einer halben Stunde schon wieder verflogen ist.

Benny (unregistriert) 27. Juni 2010 - 10:56 #

Interessanter Test und nette Metaphern. ;)

Leider ist der Mehrspielermodus noch immer nicht völlig fehlerfrei und irgendwie kann Borderlands im Einzelspieler nicht so stark fesseln, wie im intelligenten Teamspiel. Das wird meiner Meinung nach aber auch im höchsten Schwierigkeitsgrad zu wenig gefordert.

Sei es drum: Borderlands bleibt auf der Platte und wird immer dann rausgekramt, wenn sich mal wieder eine gehörige Portion Wut auf Zombies und postapokalyptische Banditen angestaut hat.

p.s. Ich bin so dreist und verweise hier in Ermangelung an Link-Erlaubnis auf meinen eigenen Borderlands-Test: Einfach bei google nach dargalin und borderlands suchen.

Atomsk 16 Übertalent - 4878 - 27. Juni 2010 - 11:27 #

Sehr schön geschriebener Test, vor allem die Screenshots mit den Unterschriften finde ich klasse :D

Wenn du magst, könntest du noch ein paar Zeilen zum DLC schreiben...

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 27. Juni 2010 - 19:28 #

Vielen Dank für's Lob! ;-)

Die DLCs nehm' ich mir vielleicht noch in einem weiteren Artikel vor, wollte den Rahmen hier nicht sprengen... Ich muss allerdings noch "The Secret Armory of General Knoxx" mit meinem Kollegen durchspielen, dauert also doch noch ein bissle.

uLu_MuLu 14 Komm-Experte - 1913 - 27. Juni 2010 - 11:28 #

Borderlands steht ganz oben auf meiner Wunschliste. Sobald Amazon den Preis für die Uncut Version senkt, ist es meins...

Anonymous (unregistriert) 27. Juni 2010 - 11:31 #

Im Singleplayer tatsächlich nicht wirklich motivierend. Im Coop aber m.M.n. ein super Spiel, wenn's mal nicht gerade Diablo2 sein soll :)

Fuzzymancer 12 Trollwächter - 918 - 27. Juni 2010 - 13:54 #

Schöner Test und gut geschrieben.

Mir gefällt Borderlands würde es aber auch in erster Linie nur im COOP empfehlen.

Ansonsten...Diablo mit Knarren :) was will man mehr

Ne0n 09 Triple-Talent - 271 - 27. Juni 2010 - 19:47 #

Bin ja schon eine weile am überlegen, ob ich mir das kaufen soll.

Im Moment ist ja bei Steam diese Woche, evtl. lässt sich da ja was sparen.

Allerdings ist die Version dort Gewalt gemindert...

Mathias Müller 17 Shapeshifter - 6655 - 27. Juni 2010 - 22:25 #

Ein wirklich toller, sehr ausführlicher Test zu einem Spiel, welches ich einfach grandios finde. Ich würde - trotz aller, definitiv vorhandenen, Macken - sogar behaupten, dass es für mich das Spiel des Jahres 2009 war. Gerade deshalb machte mir das Lesen des Tests eine Menge Spaß, der meine Meinung zum Großteil wiederspiegelt. *aupplaudier*

HeadMunk 14 Komm-Experte - 1849 - 29. Juni 2010 - 13:44 #

Vielen Dank für's Lob! Freut mich wenn's dir Spaß gemacht hat meine seltsamen Gedankengänge zu Borderlands zu verfolgen! ;-)

Finde das Spiel zwar auch wirklich überaus gelungen, das Spiel des Jahres 2009 ist es für mich allerdings nicht geworden, dafür ist es dann doch nicht ganz "perfekt" genug. Nichtsdestotrotz ist es aber wirklich super, vor allen Dingen im Multiplayer. Und das ist eine Sache die ich an Spielen sehr zu schätzen weiß: Coop-Play.

Reaktorblock 11 Forenversteher - 769 - 28. Juni 2010 - 11:56 #

Hm. Vorneweg: unsere Gaming-Gruppe (die planaren Exploratoren) hat Borderlands durchweg gut gefallen. Wir haben das Spiel durchgespielt, teilweise mehrmals auch Solo und Coop (PS3 und PC). Was Technik und Story angeht hat Head Munk sicher Recht. Wer das will ist mit Fallout, Bioshock etc... besser versorgt. Trotzdem gibt es für uns einen Grund der Borderlands zu einer echten Perle macht: das Gameplay. Das läuft nämlich schnell und fluffig. Und es passt sich durch die unterschiedlichen Skillungen und entsprechend verwendeten Items tatsächlich an den Spielstil an. Das geht weit über die RPG/MMO Standards hinaus, in denen ein neuer Skill meist nur bedeutet, dass man einen neuen Balken beobachten und einen neune Button drücken muss. Bei Borderlands ändert sich mit der Charakterklasse und ihrer Skill-Ausrichtung DEUTLICH die Art des Spiels. Spielarten wie Sniper, Tank, Assassin, Hit&Run sind durch die Klassen natürlich offensichtlich. Hinzu kommen aber diverse Feinheiten, die sich sehr auf Spielspass oder Balance auswirken. Z.B. kann man Brick (die Tank-Klasse) noch mit einer Granatwerfer-Skillung versehen, die dem eigentlichen Nahkampf-Stil der Klasse komplett widerspricht. Grundsätzlich würde ich sagen: jede Klasse hat mindestens 2 Skillungs-Wege, die ein komplett unterschiedliches Gameplay ermöglichen. Man hat also rund 8 Möglichkeiten, das Spiel anzugehen. Hinzu kommen diverse Möglichkeiten, das Gameplay durch Waffen und Items zu beeinflussen. Wobei Gameplay eben nicht nur Button-Klicken ist, sondern alle Facetten eines Shooter berücksichtigt: Zielen, Deckung, Bewegung, Reichweite... Die Kreuzung von Shooter und RPG ist bei dem Spiel echt gelungen.

Heidi 11 Forenversteher - 690 - 28. Oktober 2010 - 9:29 #

ja.. nein.. ja.. nein.. auf pc ists geil, aber ob es das auch für ps3 ist? :-/ ich traue mich nicht!

marshel87 16 Übertalent - 5653 - 24. Januar 2011 - 22:22 #

Grade durchgespielt das Spiel.. und ich kriege einfach nicht genug davon!!! Jetzt die AddOns noch durchspielen und dann an den 2. Durchlauf machen =) (wobei ich vom Ende etwas entäuscht war :( )

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