Geschichte einer Spieleserie

Assassin's Creed

Keksus 13. Oktober 2011 - 18:41 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Im November erscheint der mittlerweile vierte Teil der berühmten Assassin's Creed-Serie, Handheld-Spinoffs nicht eingerechnet. Seit den Anfängen hat sich so einiges getan. Doch wie fing die Serie an, die zu einem Phänomen der Spielewelt werden sollte, und wie hat sie sich entwickelt?
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Wir schreiben das Jahr 2005. Im Forum von Ubisoft erwarten viele Fans den nächsten Teil der Prince of Persia-Serie, Prince of Persia - The Two Thrones. Mitten im Trubel um das nächste Abenteuer des Prinzen taucht ein abgefilmtes Video auf. Sehr viel ist nicht zu sehen. Ein steriler Gang, ein Kreuzritter, ein weiß gekleideter Mann. Abgeschlossen wird der Teaser mit dem Titel des Projekts: Project Assassin's.

Beginn mit großen Versprechen

Was damals noch niemanden hinterm Ofen hervorlockte, sollte der Beginn einer der bekanntesten Serien unserer heutigen Zeit werden. Nach diesem Teaser wurde es jedoch eine ganze Zeit lang still um das Projekt, bis Ubisoft eines Tages plötzlich ein neues Forum eröffnete, das den Titel Assassin's Creed trug. Nach und nach kamen dann auch die ersten Informationen: Ein Action-Adventure zu Zeiten der Kreuzzüge. Exklusiv für die Playstation 3. Besonderheit sollte das sogenannte Social-Stealth-System werden, das es ermöglicht, sich vor seinen Verfolgern in einer Menschenmenge zu verstecken. Dazu kam die Möglichkeit, dass der Hauptcharakter sich an jedem Vorsprung festhalten kann, der zwei Zentimeter aus der Wand ragt. Ein Segen für den Parcour-Aspekt des Spiels. Nach und nach zog das Spiel mehr und mehr Fans an. Schließlich entschied sich Ubisoft dazu, das Spiel auch für die Xbox 360 zu veröffentlichen. PC-Spieler mussten bangen. Diese Version wurde zuletzt bestätigt. Die Zeit verging und immer neue Informationen kamen ans Licht. Patrice Désilets, damals noch Creative Director des Spiels bei Ubisoft, erzählte davon, wie man versuchen will, ein eigenes Franchise auf die Beine zu stellen, das nicht einfach ein "Grand Theft Horse" ist. Dass man kein Sandbox-Spiel machen will, sondern ein "Flowerbox"-Spiel, in dem die Spieler sich an bestimmten Strängen entlanghangeln und nicht komplett auf sich allein gestellt sind. Es wurden große Ankündigungen gemacht, wie ihr zum Beispiel den Tagesablauf eurer Ziele beobachten könnt, um den perfekten Zeitpunkt zum Zuschlagen zu finden. Ein Attentäterspiel aus dem Bilderbuch. Das Zukunftsszenario des Spiels blieb bis zum Release ein Geheimnis. Zurecht wie sich herausstellte: Viele Spielern stören sich daran und hätten lieber ein reines Kreuzzugsspiel gehabt, ohne futuristische Anleihen. Wer die News jedoch aufmerksam verfolgte, konnte bereits Andeutungen in einigen der Trailer sehen. Ein Mann im Doktorkittel passt nicht so wirklich in die Zeit der Kreuzzüge. Nur wenigen bekannt ist, dass die Entwickler bereits für diesen Teil einen Multiplayermodus und Downloadinhalte planten. Bei den Überlegungen zum Multiplayer soll gar das Wort "Coop" gefallen sein. Der Prototyp wurde jedoch wieder verworfen. Auf einen Coop-Modus warten die Spieler bis heute.

Release mit großer Enttäuschung

Als das Spiel letztendlich erschien, waren viele vom großen Hype enttäuscht: Die Kämpfe waren zu einfach, der Spielablauf zu monoton, das angepriesene Social-Stealth-System beschränkte sich auf in der Stadt verteilte Versteckpunkte und Bürger, die man retten konnte, damit diese die eigenen Verfolger aufhalten. Die Geschichte in der Zukunft wurde von vielen Spielern als nervig empfunden, da es dort nicht viel zu tun gab. Nur durch die Gegend zu laufen, Lesen von E-Mails und Belauschen von Gespräche war möglich. Auch die sechs Monate später erschienene PC-Version des Spiels, die vier neue Nebenmissionsarten einführte, konnte daran nichts mehr ändern. Dennoch wurde das Spiel ein Erfolg. Hauptgrund dafür dürfte nicht nur der große Hype, sondern auch das unverbrauchte Setting gewesen sein. Ein Spiel während der Kreuzzüge? Das sah man nicht allzuhäufig. Viele Spieler kauften sich das Spiel deshalb auch blind. Eine für die Xbox-360-Version angekündigte Demo ist nie erschienen. Im Artbook zum Spiel konnte man bereits lesen, was die Entwickler noch alles einbauen wollten: Neben der Möglichkeit zu schwimmen war da auch von Interaktion mit Seilen die Rede. Dass eine Armbrust geplant war, war mit einem der früheren Trailer bereits offensichtlich. Und Gerüchte, wie man diese freischaltet, halten sich bis heute hartnäckig. Von allen Flaggen sammeln bis hin zu allen Achievements ist jede Theorie vertreten. Fakt ist aber: Es gibt sie schlicht und einfach nicht. Zumindest nicht vor Brotherhood. Eine Zeit lang hielt sich auch das Gerücht, dass Assassin's Creed 1 noch einen Trophypatch erhalten würde. Diese gab es zum Zeitpunkt des Releases nämlich noch nicht auf der PS3. Erschienen ist so ein Patch nie. Die Xbox-360-Version bleibt die einzige Version des Spiels mit Achievements.

Die Änderung zum Erfolg
Desmond in Aktion. (Bild von der PS3-Version)

Es dauerte einige Zeit, bis ein Nachfolger, Assassin's Creed 2, angekündigt wurde. Dieser erschien im Jahre 2009, zwei Jahre nach dem Vorgänger, und es hatte sich einiges geändert. Nun ging es nicht mehr im Mittleren Osten zur Sache, sondern im Italien der Renaissance. Die Entwickler hatten das größte Problem der Serie, die Monotonität, durch mehr Missionstypen abgeschafft. Dazu kam, dass die Missionen stärker in den Storyverlauf integriert wurden. So wurden die Spieler mit immer weiteren Storyhappen bei der Stange gehalten. Die Zukunftsabschnitte wurden ebenso überarbeitet: Desmond durfte nun zum ersten Mal seine im Animus erlernten Akrobatikkünste demonstrieren und auch kämpfen.

Das Social-Stealth-System wurde ebenfalls aufpoliert. Nun war es möglich, dass man sich in jeder beliebigen Menschengruppe verstecken kann. Zusätzlich musste man nun seine Bekanntheit reduzieren, indem man zum Beispiel Suchplakate entfernte. Sonst war Ezio, der neue Held des Spiels, der es auch noch für zwei weitere Titel bleiben sollte, für die Wachen so auffällig wie ein Weihnachtsbaum im Sommer. Dazu kamen noch ein ganzer Haufen Nebenmissionen und reine Jump-and-Run-Passagen, die an Prince of Persia erinnern sollten. Kurzzeitig gab es auch bei diesem Teil Gerüchte über einen Multiplayermodus, die jedoch schnell wieder in den Weiten des Internets verschwanden. Vom Spiel war die Presse begeistert. Doch dafür musste das Spiel seine Grundidee opfern: Statt Attentäter zu spielen, wurde das Spiel mehr und mehr zu dem, was man bei Teil 1 noch vermeiden wollte: Ein GTA im Mittelalter. Die besonderen Gameplaymechanismen rückten in den Hintergrund, um das Spiel massentauglicher zu gestalten. Social-Stealth-Passagen waren noch marginal vorhanden, beschränkten sich aber primär auf das Verstecken in praktisch vorgegebenen Menschengruppen bei Verfolgungsmissionen.

Ein Problem konnte man jedoch nicht beseitigen: Den zu einfachen Schwierigkeitsgrad. Auch machte die Story einen gewagten Schritt, indem sie eine alte Zivilisation mit weit fortgeschrittener Technik einführte. Die PC-Version hingegen machte primär nur mit einer Sache Schlagzeilen: Dem neuen Kopierschutzsystem von Ubisoft, das eine permanente Internetverbindung voraussetzt, um das Spiel spielen zu können. Dem Erfolg tat das jedoch keinen Abbruch: Auch Assassin's Creed 2 wurde ein Kassenschlager. Ein derartig großer, dass Ubisoft bereits ein Jahr danach einen Nachfolger hinterherschob: Assassin's Creed - Brotherhood.

Auch Altair hatte seinen Auftritt im zweiten Teil. (Bild von der PS3-Version)

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 140399 - 13. Oktober 2011 - 19:12 #

Lesenswerter Artikel, der mir als Assassin's-Creed-Laien einige interessante Hintergrundinfos lieferte. Hatte mir mal irgendeinen Teil ausgeliehen (glaube, es war Teil 2) und war ziemlich angetan.

Keksus 21 Motivator - 25101 - 13. Oktober 2011 - 19:20 #

Danke. :)

Dann gehörst du zu der Gruppe die die Änderungen begrüßt. :D Für mich persönlich geht die Serie seit Teil 2 bergab, und ich hätte gerne Attentate wie in einem Hitman. Also frei planbar. Man munkelt, dass es in Revelations entsprechende Missionen geben soll. Ich bin gespannt.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 140399 - 13. Oktober 2011 - 19:24 #

Da ich nur einen Teil kenne, weiß ich ja gar nicht, ob es in den anderen Spielen der Reihe besser oder schlechter war. :) Vor allem war ich sehr angetan vom "Über die Dächer"-Rennen und -Klettern -- das war schon ein ziemlicher Spaß.

Keksus 21 Motivator - 25101 - 13. Oktober 2011 - 19:32 #

In Teil 1 gab es zumindest einige frei planbare Attentate. Dort gab es aber den Nachteil, dass man noch nicht sehr viel Ausrüstung hatte. Aber man konnte entscheiden: Schleichen oder durchstürmen. Die Monotonität der Aufklärungsmissionen war dennoch ein Manko.

heat 09 Triple-Talent - 256 - 15. Oktober 2011 - 4:47 #

Für mich ein großes Manko. Ich fand es letztendlich so wie es im Artikel auch dargestellt wurde, ziemlich langweilig, wiederholend und monoton. Die Enttäuschung war so groß, dass ich selbst den besser bewerteten Nachfolgern nicht getraut habe und erst vor kurzem AC II eine Chance gab und nach dem Durchspielen sofort Brotherhood bestellte (die Preise machten die Entscheidung auch nicht so schwer ;)). Gameplay-Mechanik hin oder her, interessanter ist die Serie für mich auf jeden Fall mit den Nachfolgern geworden.

Keksus 21 Motivator - 25101 - 15. Oktober 2011 - 10:11 #

Ich bin der Meinung, dass sie das einfach in ein PoP hätten packen sollen. Für mich sind die Nachfolger die große Enttäuschung. ;)

Woldeus 14 Komm-Experte - P - 1906 - 13. Oktober 2011 - 21:49 #

ich mag AC1 und Ac2/brotherhood.sicher, frei planbare attentate wären noch ein nettes goodie(eigentlich, bei hitman gibt es meist auch nur eine handvoll lösungen, um das ziel auszuschalten. an sich ist es so gut, wie es ist. besser gut inszeniert als dass man einfach 3 tage auf dem dach vor einem hauseingang auf sein opfer wartet;) ), aber sollte revelations so werden wie brotherhood, mich störts nicht.
bei der ac reihe hatte ich eig. nie wirklich etwas zu kritisieren - nicht einmal beim ersten teil. sowas ist schon was besonderes für mich; die positiven aspekte legen sich einfach über die negativen^^

ansonsten, tolle zusammenfassung über die reihe. kann kaum erwarten, wies wohl weiter geht mit ezio. desmond wird wohl nicht all zu oft erscheinen,w as man so hört;)

Keksus 21 Motivator - 25101 - 14. Oktober 2011 - 2:34 #

Meiner Meinung nach hätten sie sich die Methode wie sie AC fortsetzen für ein neues Prince of Persia aufheben sollen. Dann wäre ich hellauf begeistert gewesen. Bei AC hatte ich immer meine Hoffnungen reingesteckt, dass sie da was innovatives draus machen.

Larnak 21 Motivator - P - 25870 - 13. Oktober 2011 - 23:42 #

Ich mag AC1 bisher am liebsten. Ich mag das Szenario lieber, außerdem gefällt mir das Menü-Design der anderen Teile überhaupt nicht.

Das sind eigentlich meine größten Kritikpunkte an dem Spiel momentan. Mehr Freiheit usw. wäre zwar auch alles nett, aber nicht notwendig für meinen Spielspaß :)

Keksus 21 Motivator - 25101 - 14. Oktober 2011 - 2:35 #

Find den ersten Teil auch am besten. Nicht nur wegen dem Setting (ich kann mit Italien einfach nix anfangen), auch halte ich Altair für einen besseren Charakter (Trolldouche Ezio kann ich nicht ab). Und der wichtigste Punkt ist bei AC1 für mich wirklich, dass es zumindest ein paar frei planbare Missionen gibt.

SirCartman 14 Komm-Experte - P - 2122 - 14. Oktober 2011 - 8:34 #

Respekt dafuer einen solch detailierten Text zu schreiben, die Meta-Ebene angemessen zu beruecksichtigen (!) und dabei nicht zu spoilern!
Da der erste Teil ja auch schon fuer einen Appel und ein halbes Ei zu haben ist, werde ich AC sicher irgendwann mal ausprobieren. Danke fuer den Bericht! :-)

Reaktorblock 11 Forenversteher - 769 - 14. Oktober 2011 - 13:06 #

Ich mag Assassins Creed wirklich gerne, insbesondere den zweiten Teil. Deswegen möchte ich mal auf eine Sache hinweisen, die im Artikel mal eben kurz mit dem Schlagwort 'unverbrauchtes Setting' abgehandelt wird: AC ist meiner Meinung nach die einzige ernst zu nehmende Spielserie, die sich die Mühe macht, den Spielern Geschichte & Kunstgeschichte nahe zu bringen. Man hätte mal drauf hin weisen können, dass die historischen Stadtkerne von (z.B.) Florenz, Venedig, Rom exakt nachgebaut wurden. Fahrt da bitte mal hin, die Gebäude stehen exakt am selben Platz wie im Spiel. Eventuell ist heute ein Kiosk (Rom) oder ein Modegeschäft (Florenz) im Erdgeschoss. Ezio klettert auf den grossartigsten Architektur-Leistungen Europas rum. (Ok, ein paar Extra-Griffpunkte wurden hinzu gefügt). Dazu existieren Datenbankeinträge mit den wichtigsten Fakten zu Gebäuden und Personen. Natürlich ist AC eine Fantasy Story. Aber ein Gute. Für mich seit langem die Beste. Die Ambition 'Geschichte spielbar' zu machen, ist bewundernswert. Und imho gelingt es in AC 1000 mal besser, als in den hysterischen (nicht historischen) Phönix Dokus.

Keksus 21 Motivator - 25101 - 14. Oktober 2011 - 13:15 #

In einem bestimmten Punkt muss ich dir wiedersprechen: Geschichte wird in AC nicht spielbar. Man lehnt es teilweise an reale Begebenheiten an, baut da aber noch die Assassinengeschichte rein. Und da nimmt man sich dann auch entsprechend Freiheiten.

Was womöglich historisch korrekt ist (ich habe es selbst nicht nachgeprüft) werden wohl die Datenbankeinträge zu den ganzen Gebäuden und Personen sein.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9883 - 15. Oktober 2011 - 16:50 #

Guter Artikel, danke dafür!

Von den Spielen hab ich nur Teil 1 mal angespielt, und das auch nur bei einem Freund. Aber schon da war mir das Spiel zu monoton und viel zu einfach - nachdem ich das Joypad in die Hand gedrückt bekam, habe ich jeden darauf folgenden Kampf (in ca. 30 Minuten) überstanden, ohne selbst getroffen zu werden. Danach hab ich keinen der anderen Teile mehr beachtet, obwohl ich das Setting sehr interessant finde. Da ich solche Spiele aber immer der Reihe nach angehe, schreckt es mich hier doch sehr ab, dass ich Teil 1 spielen müsste...

Keksus 21 Motivator - 25101 - 15. Oktober 2011 - 17:34 #

Die Kämpfe sind in den Nachfolgern sowieso noch einfacher. Mit jedem neuen Teil wurden sie leichter.

AlexCartman 14 Komm-Experte - P - 2612 - 16. August 2014 - 22:08 #

Ich habe aufgrund des Hypes um Unity jetzt mal den ersten Teil bei Ubisoft als Download gekauft, für 6 Euro auch kein großes Wagnis. Ich bin mal gespannt ...

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