User-Artikel: Brettspielreport

Age of Empires 3 - Das Zeitalter der Entdeckungen

floppi 8. September 2011 - 10:20 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Seit den Siebziger Jahren werden Computerspiele entwickelt. Abseits der elektronischen Unterhaltung gibt es jedoch schon seit Menschengedenken Spiele. Bereits Friedrich von Schiller wusste: "Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt."
Es gibt einige Spiele, die den Titel „weltweit erstes Brettspiel“ für sich beanspruchen. Der bekannteste Vertreter, der auch heute noch – vorwiegend im asiatischen Raum – gespielt wird, ist Go, ein abstraktes Strategiespiel für zwei Spieler. Wikipedia schätzt die Zahl der Go-Spieler auf 100 Millionen, ungefähr das Zehnfache der World of Warcraft-Abonnenten, eine wirklich beeindruckende Zahl. Seit es Computerspiele gibt, bestehen auch Bestrebungen, diese als Brettspiel umzusetzen – und umgekehrt. In dieser geplanten Serie möchte ich einige Umsetzungen von Computerspielen auf das Brett vorstellen, erläutern, inwiefern sie das Spielgefühl nachahmen und ob es sich lohnt, sie zu spielen. Ich beschränke mich dabei zunächst auf Spiele, die ich selbst besitze oder zumindest bereits spielen konnte.

Dieses Foto zeigt euch das komplette Spielmaterial im Überblick.


Auf ins Abenteuer

Die Aktionsfelder
  • Initiative
  • Die Häfen Europas
  • Handelswaren
  • Handelsschifffahrt
  • Große Bauten
  • Entdeckungen
  • Spezialisten
  • Krieg
Age of Empires 3 - Das Zeitalter der Entdeckungen erschien bereits 2008 im Pro Ludo Verlag und wurde von Glen Dover entwickelt. Es ist für zwei bis fünf Spieler ab zehn Jahren geeignet und dauert circa zwei Stunden. Das Spielmaterial ist sehr zahlreich, hübsch und strotzt vor kleinen Plastik-Miniatur Figuren. Der Untertitel „Zeitalter der Entdeckungen“ deutet bereits an, welche Thematik dieses Spiel behandelt – die Entdeckung der Neuen Welt, heutzutage besser bekannt unter dem eingängigen Namen Amerika. Letzteres zeigt der durchaus sehr große und schön gestaltete Spielplan auf der linken Seite, unterteilt in neun Gebiete. Die rechte Seite des Spielplans wird von den Aktionsfeldern beansprucht, die von euch als Spieler dazu benutzt werden, eure Aktionen zu planen.

Um dies zu tun, müsst ihr die Figuren reihum – je nach Funktion – auf die Aktionsfelder platzieren. Es stehen jedem Spieler in jeder der acht Spielrunden fünf seiner Figuren, anfangs nur Siedler, später dann eventuell auch Spezialisten, zur Verfügung. Und das ist bereits das erste große Dilemma, in dem ihr euch wiederfindet. Ihr könnt zwar fünf Aktionen verteilen, habt aber lediglich acht Aktionsfelder zur Verfügung, bei denen es teilweise sogar Sinn macht, mehrere Figuren zu platzieren. Darüber hinaus kann es vorkommen, dass ein oder mehrere Spieler auf einem Feld gar keinen Platz mehr finden, da sie bereits belegt sind. Das nächste Problem sind die Spezialisten. Um an einen Spezialisten zu kommen, müsst ihr einen Siedler abstellen, der zum Spezialisten ausgebildet wird. Hierzu gibt es für jede Sorte Spezialist nur ein einziges Feld. Somit fällt eine weitere wichtige Aktion pro Runde aus, nur damit ihr für die nächste Spielrunde einen Spezialisten zur Verfügung habt. Aber sie lohnen sich durchaus, bieten sie doch – je nach Einsatzzweck – hervorragende Boni.

Eine typische Spielszene. Das Bild zeigt die erste Planungsphase nach Spielstart. Auf der rechten Seite setzen die Spieler ihre Figuren abwechselnd ein um Aktionen auszuführen. Auf der linken Spielhälfte seht ihr die noch unentdeckten Kolonien mit ihren entsprechenden Handelswaren, die ihr ergattern könnt.


Es gibt viel zu tun

Über die bereits erwähnten Aktionsfelder werden die verschiedenen Aktionen ausgeführt. So werden zum Beispiel Siedler, Soldaten oder Missionare nach Amerika geschickt, um die dortigen Länder zu annektieren. Dazu allerdings müsst ihr zunächst die Einheimischen besiegen. Auf jedem der neun Länder Amerikas liegt ein verdecktes Plättchen, das bei einer Erstankunft eurer westlichen Siedler umgedreht wird. Nun überprüft ihr, wie stark der Widerstand der Ureinwohner ist. Wenn ihr ausreichend Personen geschickt habt, war euch das Glück hold und ihr erhaltet direkt eine Belohnung in Form von Gold und wichtigen Siegpunkten für die Schlussabrechnung. Hier sind nun auch eure zu Soldaten ausgebildeten Siedler sehr von Vorteil, denn zusätzlich zu dem ohnehin erhaltenen Gold für das Gebiet bekommt ihr nochmal einen besonderen Plünder-Bonus pro entsendetem Soldaten. Der Bonus ist nicht zu verachten, da er höher als der allgemeine Bonus ist. Zudem erhaltet ihr die Handelsware dieser Landschaft, solltet ihr der erste in einem neuen Gebiet sein, der dort drei Figuren stehen hat. Es empfiehlt sich, gleichartige Handelswaren zu sammeln, um das Einkommen zu maximieren. Handelsschiffe helfen hierbei, natürlich auf Kosten einer Aktion.

Ihr seht die wirklich schön gestalteten, noch nicht bemalten, Plastikminiaturen. Von Links nach Rechts: Handelsschiff, Siedler, Soldat, Missionar, Kaufmann und Kapitän.

Das Gold ist natürlich wichtig, um euch unter anderem große Bauten zu sichern, die ebenso wieder zahlreiche lohnenswerte Boni bieten. Alles ist wichtig. Ganz getreu dem Motto: „So viel zu tun und nur so wenig Zeit – ähhh Aktionen“. Siegreich könnt ihr nur sein, wenn ihr eine gute Strategie an den Tag legt und auf die Taten der Mitspieler taktisch klug reagiert. Es handelt sich hierbei also um ein sogenanntes Mangelspiel in Verbindung des „Worker Placement“-Mechanismus. Der Mangel an quasi allem ist ständig präsent und „Worker Placement“ bezeichnet im Brettspieljargon den Umstand, dass Arbeiter, beziehungsweise Spielfiguren, eingesetzt werden, um bestimmte Handlungen auszuführen. Ein populäres Beispiel für diese Art von Spielen ist die sogenannte Ernte-Trilogie des Spieleautors Uwe Rosenberg mit den Spielen Agricola, Le Havre und Vor den Toren von Loyang.

Der blaue Spieler ist auf Entdeckungsreise nach Florida gesegelt. Leider sind die Ureinwohner, mit ihrer Stärke von fünf, zu stark für den Spieler, der mit vier Spielfiguren auch nur eine Stärke von vier repräsentiert. Somit entgehen ihm 10 Goldstücke (zwei Allgemein und acht für seine beiden Soldaten) sowie sieben Siegpunkte. Außerdem verliert er seine vier Spielfiguren, die jedoch auch im siegreichen Falle verloren wären.


Fazit

Age of Empires 3 – Zeitalter der Entdeckungen ist ein sehr gutes und leicht zu erlernendes Brettspiel, das auch für Gelegenheitsbrettspieler oder Neulinge ideal geeignet und durch den Mangelmechanismus dazu in der Lage ist, jeden Mitspieler sofort in seinen Bann zu ziehen. Die angegebene Spieldauer von circa zwei Stunden ist für drei Spieler ziemlich korrekt angegeben, zu zweit geht es etwas schneller. Bei vier und fünf Spielern, oder auch allgemein bei Spielern, die zum langen Grübeln über den eigenen Spielzug neigen, dauert eine Partie auch schon mal länger. Mit dem Computerspiel Age of Empires 3 hat das hier vorliegende Brettspiel – außer dem Namen – allerdings nicht viel gemeinsam, um nicht zu sagen gar nichts. Age of Empires 3 - Das Zeitalter der Entdeckungen ist momentan für äußerst günstige 29 Euro bei Amazon zu erwerben. Ein tolles Angebot, das ich nur empfehlen kann.

Welche Portierungen kennt ihr noch, welche gefallen euch besonders gut und über welches Spiel würdet ihr hier gerne auch etwas lesen? Schreibt uns in den Kommentaren. Auch falls ihr im Rahmen der Recherche mitspielen möchtet (Raum Würzburg), könnt ihr euch gerne an den Autor wenden.
floppi 8. September 2011 - 10:20 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Mr. Tchijf 14 Komm-Experte - P - 2031 - 8. September 2011 - 10:35 #

Sehr schöner Artikel! Wenn du näher an Köln wohnen würdest, hättest du deinen ersten Mitspieler gefunden ;-)

Tarak 10 Kommunikator - 416 - 8. September 2011 - 11:49 #

Also ich hab Anno 1701 als Kartenspiel, das orientiert sich ja ein wenig am Catan Kartenspiel. Hat mich aber eher wenig vom Hocker gehauen. Ich könnte mir aber hier vorstellen durchauchs auch einige Brettspiele vorzustellen. Dachte z.B. an Pandemie oder Imperial 2030. Wer sagt denn das sich Gamersglobal nur auf elektronische Spiele beschränken muss. Bei 4Players gibts auch immer mal wieder Brettspieltest. Was haltet ihr von der Idee?

floppi 22 AAA-Gamer - - 32775 - 8. September 2011 - 14:05 #

Prinzipiell nicht schlecht. Aber es gibt zahlreiche spezialisierte Seiten für Brettspiele, die sich weitaus besser für Brettspielliebhaber eignen. Von daher denke ich sollte man sich auf GamersGlobal auf Brettspiele beschränken die auch etwas mit Computerspielen zu tun haben.

Ich weiß nun allerdings nicht, wie die Redaktion dazu steht.

Mr. Tchijf 14 Komm-Experte - P - 2031 - 8. September 2011 - 12:02 #

Da wir alle Spieler-Typen sind, würde ich das begrüßen und bin der Meinung, dass es hier den ein oder anderen gibt, der auch noch Interesse hat :-)

Habe vor Kurzem Battlestar Galactica das Brettspiel bekommen. Auch super interessant und richtig schön designt.

Christoph Vent Redakteur - P - 123931 - 8. September 2011 - 13:19 #

Fände ich auch super und ich würde auch gerne meinen Teil in Form von Spielvorstellungen dazu beisteuern.
Neben Videospielen, die als Brettspiel umgesetzt wurden (Doom, Civilization, Anno, ..., demnächst auch Gears of War und Plants vs. Zombies), gibt es auch noch genügend Brettspiele, die sich zumindest vom Spielprinzip an unser Lieblingshobby anlehnen. Spontan fallen mir da Frag (Deathmatch) und das recht neue Korsaren der Karibik ein. Letzteres bedient sich nicht zu knapp an Pirates und landet bei uns in letzter Zeit immer wieder gerne auf dem Tisch. Das von dir angesprochene Battlestar Galactica soll ja selbst für Nicht-Fans der Serie ein sehr gutes Spiel sein, aber wie viele meiner Lieblingsspiele viel Zeit fressen (3 Stunden aufwärts). Meine Gruppe besteht zwar aus 4-5 Spielern, die alle gleichzeitig zu versammeln, gelingt aber leider nur selten.
Bei Interesse kannst du dich gerne mal per PN melden. Wir kommen auch aus dem Raum Köln und Mitspieler können wir wie gesagt immer brauchen.

Snackeater 16 Übertalent - P - 5931 - 8. September 2011 - 12:03 #

Klasse Arrtikel! Freud mich das auch mal ne Brettspiel getestet wird, da ich keiner Art von Spielen abgeneigt bin. Würde mich über mehr solche Tests freunen.

Zockeredwin 15 Kenner - 3002 - 8. September 2011 - 12:07 #

Schön hier so ausführlich über mein Zweitlieblingshobby lesen zu können :)

Machiavelli 13 Koop-Gamer - 1470 - 8. September 2011 - 12:58 #

Gibts da irgendwelche Zufallsfaktoren ,denn das liest sich ein bisschen so als ob es einen optimalen Spielweg gäbe den man nur konsequent durchführen müsste

floppi 22 AAA-Gamer - - 32775 - 8. September 2011 - 14:01 #

Ja, gibt es. Zum Einen ist die Stärke der Ureinwohner in Amerika unbekannt und zum Anderen gibt es da ja noch die Aktionen der Mitspieler, auf die man agieren bzw. reagieren muss.

Tarak 10 Kommunikator - 416 - 8. September 2011 - 13:48 #

Da es hier ja doch einige Zustimmung gibt werde ich mir mal die Schreiberkarriere freischalten und dann mal versuchen in meinem ersten Userartikel Imperial 2030 vorzustellen. Hilfe wird gerne angenommen.

floppi 22 AAA-Gamer - - 32775 - 8. September 2011 - 14:02 #

Ich liebe Gerdt´s Rondellspiele. ;)

Tarak 10 Kommunikator - 416 - 8. September 2011 - 14:12 #

Können uns ja für den Artikel zusammen tun. Ich hab Imperial 2030 spiele es nur sehr selten weil die Partien ewig laufen und meine bessere Hälfte erst richtig aufdreht wenn ich mit der Konzentration am Ende bin und mich dann leider meist ziemlich auszieht. Aber ich finde das Spielprinzip genial. Ein weiterer Kandidat den man mal vorstellen könnte wäre Pandemie. Als KOOP-Brettspiel wird das von uns gerne gespielt.

floppi 22 AAA-Gamer - - 32775 - 8. September 2011 - 16:08 #

Alle Gerdt´s Spiele sind es Wert gespielt zu werden. Imperial ist jedoch das Stärkste von allen. Doch auch sein neuestes Werk, Navegador, hat seinen ganz eigenen Reiz. Am schwächsten finde ich noch Die Prinzen von Machu Picchu.

Pandemie ist ein sehr schönes kooperatives Brettspiel für Einsteiger. Es ist leicht erklärt, schnell gespielt und je nach Schwierigkeitsgrad schwer gemeistert.

Bezüglich Artikel: Ich habe nicht allzu viel Zeit dazu momentan. Zumal ich schon den nächsten Brettspielumsetzungsartikel plane. Der dürfte meine ganze Zeit, die ich dafür in Anspruch nehmen möchte, brauchen.

Tarak 10 Kommunikator - 416 - 8. September 2011 - 16:37 #

Dann denke ich, ich werd mich mal um Pandemie kümmern. Hoffe mal das GG auch solche Artikel akzeptiert. Aber an sich ist das hier ja ein Spiele Magazin. Welche Spiele gemeint sind ist ja offen.

Christoph Hofmann Redakteur - 55130 - 9. September 2011 - 9:12 #

Tut mir leid, wenn ich euch einen Dämpfer versetzen muss: Aber Brettspiele, Filme & Bücher wirklich nur wenn es einen Videospielebezug gibt. Und bevor jemand den Hörspiel-Artikel anführt: Hätten wir es früher bemerkt, hätten wir ihn auch nicht zur Veröffentlichung zugelassen.

Christoph Vent Redakteur - P - 123931 - 8. September 2011 - 14:01 #

Schöne Spielvorstellung! Aus der Lizenz hätte man aber wohl mehr rausholen können. Schlecht scheint das Spiel ja trotzdem nicht zu sein. Wäre meine Wunschliste nicht so lang, würde ich es mir sicher mal genauer ansehen.

Avrii (unregistriert) 8. September 2011 - 17:41 #

Grafik scheint echt besser zu sein als bei Age of Empires Online ^^

canaphia 10 Kommunikator - 426 - 8. September 2011 - 19:47 #

Aber die Farbgebung ist total daneben ;)

Beckikaze 04 Talent - 23 - 8. September 2011 - 17:49 #

Mittlerweile ist auch die englische Version des Gears of war Brettspiels bei hiesigen Händlern zu finden.

Brettspielfans sollten sich unbedingt den Trailer anschauen:
http://www.youtube.com/watch?v=T11RWBUht70

Beckikaze 04 Talent - 23 - 8. September 2011 - 17:52 #

Weitere, aber eben nur bedingt PC-nahe KOOP-Brettspiele, nämlich die Dungeons & Dragons Brettspiele Castle Ravenloft und Wrath of Ashardalon, sind ebenfalls empfehlenswert. Auch hier ein durchaus gutes Video, um sie euch schmackhaft zu machen.

http://www.youtube.com/watch?v=nklPsAr5_Ps

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 73397 - 8. September 2011 - 23:44 #

Kleiner Hinweis, du kannst deine Kommentare auch editieren ;).

Beckikaze 04 Talent - 23 - 9. September 2011 - 17:43 #

Korrekt. Habe ich auch gerade gesehen. :)

RedAngel333 (unregistriert) 12. September 2011 - 9:44 #

Auf jeden Fall Wünsche ich mir mehr Brettspiel Artikel, und habe auch diesen gerne gelesen. :)

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