Der kleine Notebooktest

Acer Aspire TimelineX 4830T vs. Asus X43SV

Spiritogre 2. Oktober 2011 - 0:41 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Als Käufer von Computerhardware hat König Kunde meist die Qual der Wahl. Der folgende Erfahrungsbericht möchte nach einer kleinen persönlichen Geschichtsstunde das Acer Aspire TimelineX 4830T mit dem Asus X43SV vergleichen.
Schon vor vielen, vielen Jahren, als ich neben dem Schreiben von Spieletests zu Adventures noch den Hardware-Corner für das monatlich im PDF-Format erscheinende, englischsprachige Online-Spielemagazin „The Inventory“ (Gott hab es selig) betreute, faszinierten mich diese kleinen, meist anthrazitfarbenen Plastikkistchen in denen neben einem kompletten PC auch noch ein Bildschirm eingebaut war. Die Rede ist selbstverständlich von Notebooks, im anglistischen Sprachraum meist Laptop genannt. 

Meinen ersten „Laptop“ habe ich als junger „Padawan“ auf einer kleinen Computermesse Ende der 80er Jahre erblickt. Eigentlich war der Bolide von Siemens-Nixdorf nichts anderes als ein typisches Desktopgehäuse mit einem winzigen Röhrenmonitor an der Front und einer Tastatur, die zur Abdeckung davor geklemmt wurde. Seither hat sich eine Menge getan.

Es sollten viele Jahre ins Land gehen, bis ich selbst Hand an meinen ersten eigenen Portablen legen durfte. Dabei handelte es sich um ein 12 Zoll Gerät der auch mir völlig unbekannten Marke Inex, den meine Freundin anschleppte. Das Gerät besaß einen 486er DX4 Prozessor mit wahnwitzigen 100 MHz Taktfrequenz, 8MB RAM, eine 3,5 Zoll Floppy, koreanisches Tastaturlayout und einen fetzigen Trackball als Mausersatz. Über einen PC Card Schacht (ehemals PCMCIA) ließen sich Erweiterungsgeräte anschließen, so kaufte ich mir später ein sündteures 16x Slimline CD ROM Laufwerk dafür. Als Betriebssystem kam Windows 95 zum Einsatz, was ganz gut lief. Aufgrund des lächerlichen RAM-Ausbaus war der Betrieb von mehreren Programmen gleichzeitig aber nicht zu empfehlen. Eine uralte Version von Winamp langte zum Abspielen der gerade aufkommenden MP3s, fing aber an zu stottern, sobald der Rechner noch anderweitig beschäftigt werden sollte. Ans Internet ist die Kiste aus Sicherheitsgründen selbstredend schon nicht mehr gegangen. Ich nutzte diesen  „ Schlepptop“   aber tatsächlich noch bis in die Mitte der 2000er, hauptsächlich, um gemütlich im Garten lümmelnd, ein wenig zu tippen. Aber auch hier erwies sich die Wahl der Software als Trickreich. Die Hardwareanforderungen der meisten Windows-Textverarbeitungen lagen zu der Zeit einfach über den ihnen angebotenen acht Megabyte. Selbst ein Winzling wie Abiword war unbedienbar. Einzig das im Verhältnis weitaus mächtigere Word 95, benötigt übrigens nur knapp über 20 MB Speicherplatz(!) auf der Platte, lief problemfrei und flüssig. 

Erst im März 2008 war es dann soweit, ich kaufte mir einen sündteuren Desktop-Replacement. Ein 17 Zoll Samsung R700 Deagan mit Core 2 Duo T9300 Prozessor (2,5 GHz), drei GB RAM, 250 GB Festplatte und GeForce m 8600GT Grafikkarte. Das Display hatte eine Auflösung von 1368x786 Bildpunkten im großflächigen 16:10 Format. Ich wählte ein Notebook mit jener Auflösung, weil mir das bei einem 17 Zoll Bildschirm ausreichend schien, immerhin hatten die alten 17 Zoll 4:3 TFTs auch nur 1280x1024 Pixel und die damalige Mittelklasse-Grafikkarte sollte Spiele ja auch nativ flüssig darstellen können. Mit knapp drei Kilo Fliegengewicht und einem extrem flachen Gehäuse sowie gefälligem Design bot das Notebook außerdem auch einiges fürs Auge. Das Gerät wäre selbst heute noch ein absolut alltagstauglicher Begleiter, wäre nicht nach ziemlich genau drei Jahren die Grafikkarte abgeraucht. Wie mir Recherchen im Internet bestätigten, handelte es sich um einen Produktionsfehler bei NVidia. Und leider lohnt sich eine Reparatur heutzutage gar nicht mehr.

Netbook oder Webpad - die Alternativen?

Nun hatte ich zufällig zwei Monate vor dem GAU ein hübsches kleines 10,1 Zoll Netbook angeschafft, ideal zum Couch-Surfen, und wollte eigentlich zunächst kein neues Notebook mehr kaufen. Das Netbook ist ein weißes, leicht aufgebohrtes Samsung Sens N145 plus mit 1,6 GHz N450 Atom Prozessor, Intel HD 3150 Grafikkarte, mattem Display mit 1024x600 Bildpunkten, 250 GB Festplatte und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Als Betriebssystem kommt Windows 7 Professional in der 32 Bit Version zum Einsatz. Leider fehlt dieser Geräteklasse ein HDMI- bzw. DVI-Ausgang, wer so ein Gerät als Mediencenter nutzen möchte, der muss mit VGA vorliebnehmen und den Ton über ein Extrakabel ausführen, auch kann man HD Filme eigentlich vergessen, dafür sind die Netbooks einfach zu leistungsschwach.

Ich persönlich finde Netbooks dennoch um einiges praktischer, als die derzeit so hippen Webpads. Zum einen haben sie ein „richtiges“ Betriebssystem, es laufen also vernünftige Anwendungsprogramme und nicht nur kleine Apps, zum anderen kann man auf der nicht virtuellen, da aus echten Plastiktasten bestehenden „Klaviatur“, wirklich weitaus(!) besser schreiben. Und ja, ich weiß wovon ich rede, in meinem Bekanntenkreis finden sich zwei Apple iPads und ein sieben Zoll Samsung Galaxy Tab. Webpads werden für mich dann interessant, wenn sie die Leistungsstärke von Notebooks erreichen und es Dockingstationen für den Anschluss von externen Geräten wie Monitor und Tastatur gibt und der Nutzer zwischen einem herkömmlichen, richtigen Desktop und der ikonisierten Touchoberfläche hin- und herschalten kann. Das kommende Windows 8 zielt ja bereits in diese Richtung. In dieser Hinsicht bin ich also schon sehr gespannt, was die Zukunft bringt.

Der Vergleichskampf beginnt!

An dieser Stelle möchte ich nun endlich mit meinem eigentlichen Vergleichstest beginnen. Dabei dreht sich alles um zwei 14 zöllige Geräte. Ein Format, das meiner Meinung nach für portable Notebooks einen idealen Kompromiss zwischen Portabilität und Bildschirmgröße bietet. Im Frühjahr bekam meine Frau ein Acer Aspire TimelineX 4830T von ihrer Firma gestellt. Das Gerät bietet einen Core i3 2310M Prozessor mit 2,1 GHz Taktfrequenz, vier GB RAM, eine Intel HD 3100 Grafikeinheit und eine 500 GB Festplatte. Das TimelineX kostet mit dieser Ausstattung derzeit etwa 650 bis 660 Euro. Dem Gegenüber möchte ich ein Asus X43SV stellen. Wie gesagt, eigentlich wollte ich erst einmal gar kein neues Notebook mehr kaufen, liebäugelte als alter Technikfreak aber natürlich trotzdem ständig mit einem „großen” tragbaren Begleiter und schlug dann vergangene Woche sehr spontan zu, als mir ein verlockendes Angebot ins Haus flatterte.

Anstelle von 600 Euro war das Asus bei einem großen Internet-Versandhändler für 450 Euro zu bekommen. Viel mehr wollte ich für ein weiteres Notebook auch nicht ausgeben. Mein abgerauchter 17 Zoller hatte damals weit über 1000 Euro gekostet. Im Fall, dass ein solches Gerät wieder nach nur drei Jahren, wenn es zu der Zeit dann überhaupt noch vernünftig mit moderner Software nutzbar ist und eh ausgetauscht werden muss, erneut das zeitliche segnet, ist eine solche Investition für ein Zweitgerät neben dem Desktop für mich privat absolut nicht mehr nötig. Zur Ausstattung meines neuen Asus zählen eine zum Aspire identische Core i3 CPU, ebenfalls vier GB RAM, nur eine 320 GB Festplatte aber dafür eine „vernünftige“ Grafikkarte: eine GeForce GT 540m. Auf beiden Geräten kommt Windows 7 Home Premium 64 Bit zum Einsatz.

Beginnen möchte ich mit den Äußerlichkeiten. Das Acer kommt in einem gefälligen aber etwas spröden Charme versprühenden metallicblauen Magnesiumgehäuse daher und wirkt äußerst stabil. Die Tasten sitzen bombenfest, besitzen einen ziemlich niedrigen Druckpunkt, dennoch lässt sich sehr angenehm darauf tippen. Das Asus hingegen ist ein Plastikbomber, wenn auch ein sehr schicker, einzig um die Tastatur findet sich eine Aluminiumabdeckung. Die Tastatur selbst ist einen Tick weicher gelagert und wenn man einen der Keys in der oberen Reihe drückt, dann biegt sie ein Stück nach unten. Generell empfand ich das Schreiben dennoch als ein wenig angenehmer, da sie nicht ganz so straff daherkam. Die Touchpads beider Computer sind schön groß und multitouch-, also gestenfähig, wer damit arbeiten mag oder muss wird also keine Probleme haben. Ottonormaluser stöpselt sowieso eine Maus an.

Bei den Anschlussmöglichkeiten bieten die zwei Probanden die übliche Standardkost. Je drei USB 2.0 Anschlüsse, LAN, W-LAN, DVI, VGA, Speicherkartenleser und Bluetooth gehören in dieser Kategorie zum guten Ton. Schade ist, dass noch kein USB 3.0 vorhanden ist. Eine kleine Besonderheit bietet das X43SV, neben der Webcam ist im Gehäuserahmen eine kleine Leuchtdiode zur Betriebsanzeige angebracht, was verhindert, dass die Kamera vom Nutzer unbemerkt läuft.

Im Betrieb bleibt das Acer 4830T angenehm kühl, selbst unter Volllast, und der Akku hält bis zu stolze acht Stunden durch. Kein Vergleich dazu das Asus X43SV. Dieses wird recht warm und der Akku belebt den tragbaren Weggefährten nur für knapp die Hälfte der Zeit, was beides sicherlich zum nicht unerheblichen Teil der Grafikkarte geschuldet ist.

Wo sich beide fast gar nichts tun ist unter anderem das Gewicht. Interessanterweise ist das Asus mit 2,4 Kilogramm ein klein wenig schwerer als das Acer mit 2,2 Kilo und seinem Metallgehäuse. Ebenfalls „identisch“ ist der spiegelnde TFT Bildschirm mit 1366x768 Bildpunkten im für Filme und Excel optimierten 16:9 Format. Im Innenraum bei idealen Lichtverhältnissen und dem richtigen Einblickwinkel sind die Farben knackig bunt und das Bild ist perfekt scharf. Sobald der Benutzer allerdings seine Position etwas verändert, flaut der Eindruck erheblich ab. Die Bildschirmhelligkeit beider Computer ist für den Außeneinsatz aber ausreichend, sofern es nicht zu sonnig wird. Schade, dass 99 Prozent der Notebookdisplays nicht ansatzweise mit normalen Desktopbildschirmen mithalten können. Aufgabenbereiche wie Bild- oder Videobearbeitung sollte man tunlichst am externen Schirm bewältigen.

Wo die zwei Winzlinge überraschen ist der Sound. Zwar bieten beide Laptops den obligaten Realtek Audiochip aber kommen mit guten Speakerleisten über dem Keyboard daher. Anders als das Gros der Notebooks punktet Acer mit seinem Dolby Home Theater Sound, einen besseren Klang habe ich bei tragbaren Computern und ihren eingebauten Lautsprechern noch nicht gehört. Auch das Asus offeriert mit seinen Altec Lansing Speakern Tonqualität, die weit über dem Durchschnitt liegt. Zu euphorisch sollte man jetzt aber nicht werden, von richtigen 2.0 Aktivboxen im Preisbereich 50 Euro aufwärts sind beide Geräte noch weit entfernt. Aber um einen Podcast oder einem Hörspiel zu lauschen oder das (Internet-) Radio im Hintergrund dudeln zu lassen, reicht es allemal. Audiophilere Menschen schließen eh vernünftige Kopfhörer an.

Bei allen bisherigen Punkten lag eindeutig das teurere Acer mal mehr, mal weniger weit vorne. Kommen wir also zum fast unfairen Grafikvergleich. Während der Intel HD Chip ausreicht, um Filme in voller HD Auflösung über HDMI flüssig an einen externen Fernseher oder Monitor auszugeben, sieht es im Bereich Spiele völlig anders aus. Für das sechs Jahre alte und sehr genügsame Guild Wars reicht es bei minimalen Einstellungen so gerade für ruckelfreie Darstellung. Moderne 3D Games kann man, gelinde gesagt, aber komplett vergessen. Wer auf dem TimelineX zocken möchte, der kramt am besten seine alten Klassiker aus den 90ern wieder hervor, sofern für diese Auflösungspatches verfügbar sind um nativ daddeln zu können, ansonsten muss mit schwarzen Rändern links und rechts vorlieb genommen werden. Ein völlig anderes Bild bietet das Asus X43SV. Dank der voll spieletauglichen GeForce GT 540m rennt etwa Guild Wars mit aktiviertem V-Sync (limitiert die Framerate auf die Monitorfrequenz) und maximalen Einstellungen bei konstanten 60 Frames per Second (FPS). Und auch der kleinste Prozessor aus der Core i Familie erweist sich als schnell genug für CPU-lastige Titel wie Anno 1404, das auf hohen Settings mit über 30 FPS laufen soll. Im Internet fand ich außerdem noch ein richtiges Benchmark-Ergebnis, ich war bisher zu faul, selbst einen Durchlauf zu unternehmen, wo das Asus beim 3DMark 06 auf stolze 8857 Punkte kam, was im Klartext bedeutet, dass selbst ein Crysis 2 auf sehr hohen Einstellungen die 30 Frames Hürde überwindet.

Spieler haben nur eine Wahl

Welches Gerät würde ich denn nun eher empfehlen? Die Antwort darauf fällt in diesem Fall leicht. Wer ein solides Office-Gerät mit langer Akkulaufzeit sucht, der greift in jedem Fall zum Acer Aspire TimelineX 4830T es sei denn, er möchte 60 Euro sparen, dann bietet das Asus X43SV durchaus eine Alternative, die sich allerdings nur dann wirklich bezahlbar macht, wenn man auch mal hin und wieder ein Spielchen wagen möchte und dabei auch immer eine Steckdose in der Nähe hat, ansonsten überwiegen die Nachteile des X43SV zu deutlich. Bei dem Schnäppchenpreis, zu dem ich das Asus ergattern konnte, sollte der potenzielle Käufer sich aber bei der Wahl dennoch nicht lange quälen und einfach zu letzterem greifen. Zocker, die mehr als Diablo 2 im Auge haben, kommen hingegen um ein Notebook mit „richtiger“ Grafikkarte sowieso nicht herum. Dabei erwies sich die GeForce GT 540m als erstaunlich potent und für alle aktuellen Titel mehr als ausreichend.
 
Spiritogre 2. Oktober 2011 - 0:41 — vor 5 Jahren zuletzt aktualisiert
Joker 12 Trollwächter - 1153 - 3. Oktober 2011 - 9:01 #

Sehr schön geschrieben, ich habe mich auch mit beiden Geräten auseinander gesetzt, nur muss ich sagen, dass es das Timelinex auch mit der gt 540 gibt und vor allem mit Nividia Optimus, wodurch dieses eine sehr hohe Akkulaufzeit hat!

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11042 - 3. Oktober 2011 - 14:39 #

Hallo, danke für den netten Kommentar. Mir ist klar, dass es von der TimelineX Serie jede Menge Modelle gibt. Mit entsprechender Ausstattung, was Grafikkarte und CPU angeht liegen die Preise dann auch schnell zwischen 900 und über 1000 Euro.

Ich dachte, der Vergleich bietet sich bei meinen beiden Modellen insbesondere an, da sie preislich eng beieinander liegen. Ein 500 Euro mit einem 1000 Euro Notebook zu vergleichen finde ich eher suboptimal. Außerdem musste ich natürlich die beiden Geräte vergleichen, die ich hier liegen habe.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)