Ko-op mit dir selbst

Zeit² Test

Der Traum unzähliger Hobbyprogrammierer: Das eigene Game beginnt als Studentenprojekt, kommt bei diversen Wettbewerben ins Finale und wird schließlich von einem großen Publisher veröffentlicht. So geschehen beim Sidescroller Zeit², das es seit kurzem für PC und Xbox gibt. Wir haben uns das Spiel genauer angeschaut.
Jörg Langer 17. Januar 2011 - 23:18 — vor 5 Jahren aktualisiert
PC 360
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Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.

von Florian Pfeffer


Bei Spielen mit ungewöhnlichen Namen (wie spricht man Zeit² eigentlich aus – „Zeitquadrat“ oder „Zeit hoch zwei“ oder gar „Time Squared“?) stellt sich automatisch die Frage, wie die Entwickler eigentlich darauf gekommen sind. Bei Ubisofts neuem Sidescroller beantwortet sich diese Frage schon im Tutorial: Das für PC und Xbox 360 erschienene Ballerspiel bietet nämlich nicht nur klassische Seitwärtsscroller-Kost im Stil von Gradius oder R-Type, sondern kann auch mit ein paar ganz neuen Ideen aufwarten, die man so in diesem Genre noch nie gesehen hat. Als Hauptnovum haben die Entwickler ein Zeitreise-Feature eingebaut, mit dem ihr die Ballerei für euch jeweils ein paar Sekunden zurückdrehen und so die Gegner erledigen könnt, die einem beim ersten Mal durch die Lappen gegangen sind. Die bereits besiegten Gegner allerdings bleiben tot, somit erinnert die parzielle Zeitreise ein wenig an Braid.

Wir spielen den Lichtfleck mit blauem Heiligenschein. Letzterer zeigt uns den Ladezustand unserer Spezialwaffen an.
 
Zeitreisen leicht gemacht
 
„Wenn kein Gegner in der Nähe ist, verzichte darauf, wild um dich zu schießen“, ermahnt uns der Ladebildschirm, auf dem abwechselnd verschiedene Tipps eingeblendet werden. Offenbar ein Fall von Realsatire, denn der Zustand, keinen Gegner in der Nähe zu haben, kommt in Zeit² praktisch nie vor. Stattdessen nähern sich von Anfang an Unmengen an feindlichen – tja was eigentlich? – Raumschiffen, Fischen oder Mikroben vom rechten Bildschirmrand und wollen uns ans blaue Leder. Irgendwie ist über weite Strecken alles ziemlich blau in Zeit²: der von Matrix inspirierte Hintergrund, unser Kreis-Alter-Ego und natürlich die Gegnerwellen, die wie auf Schienen auf uns zukommen. Warum und wieso das alles so aussieht und passiert, erschließt sich uns mangels Hintergrundsstory nicht.
 
Behind the Scenes
Die erste Version von Zeit² entstand ursprünglich als Studentenprojekt während eines Programmierpraktikums an der TU Berlin. Der damalige Dozent Andy Nealen (Mitentwickler von Osmos) ermutigte die Studi-Entwickler (unter der Leitung von Thomas Bedenk), das Spiel bei Microsofts Programmierwettbewerb Dream Build Play 2008 einzureichen.

Dort kam es unter die Top 20 und nahm daraufhin an weitereren Wettbewerben teil, unter anderem auf dem Independent Games Festival 2009 und der Indie Game Challenge 2010, wo es als Finalist die Aufmerksamkeit von Ubisoft auf sich zog. Der Publisher lies das Game noch etwas aufpolieren und veröffentlichte es schließlich auf dem PC und auf Xbox Live Arcade.
Der Tipp auf dem Ladebildschirm ist aber ernst gemeint. Er bezieht sich auf eines der Features, in denen Zeit² von anderen typischen Vertretern seines Genres abweicht: Es wird nämlich kein Unterschied zwischen Lebensenergie und Munition gemacht. Von der hat man zwar unbegrenzt viel, doch beim Schießen geht ein winziger Teil der Lebensenergie verloren, weshalb man tatsächlich ab und zu die Frequenz reduzieren sollte, mit der man den Daumen auf den A-Button hämmert. Außerdem wird auch immer dann Lebensenergie abgezogen, wenn einer der blau leuchtenden Feinde (und das sind fast alle) es schafft, bis zum linken Bildschirmrand zu gelangen. Passiert dies, sollte man also tunlichst zurückspulen und diese Feinde quasi nachträglich ins Visier nehmen.
 
Damit wären wir auch schon beim namensgebenden Feature von Zeit², der Zeitreise: Per Knopfdruck könnt ihr ein paar Sekunden rückwärts in der Zeit reisen, was später im Spiel von einer netten Möglichkeit, ein paar Zusatzpunkte einzuheimsen, zu einer echten Notwendigkeit wird. Nach dem Zurückspulen taucht eure Kopie von vorhin in Form einer schwarzen Kugel gleichermaßen als Co-Op-Partner auf und ihr könnt euch auf die anderen Gegner konzentrieren. Schafft ihr es gar, euren „schwarzen Zwilling“ anzuschießen, resultiert dies in einem mächtigen Streufeuer, das sich fast über den gesamten Bildschirm erstreckt. Einige der Angreifer sind sogar nur während einer Zeitreise verletzbar, was teilweise eine taktische Vorgehensweise erfordert.

Unsere Kopie aus der Zukunft wird als schwarze Fläche (hier im linken unteren Teil des Bildes) dargestellt.
Chris Johnsens (unregistriert) 17. Januar 2011 - 23:56 #

Ich hab mir das Spiel schon vor ein paar Tagen gekauft und war gespannt endlich ein Review zu sehen.

Leider muss ich sagen, dass der Tester Florian Pfeffer sich ein wenig bei seinen Beurteilungen vergriffen hat:

- Grafik langweilig => stimmt
- Sound wiederholt sich => stimmt

Aber das gameplay ist einfach nur genial.

Ein paar Stellen im Text verraten mir auch das er scheinbar das Spiel entweder nicht so ernst genommen hat oder nicht lange genug gespielt hat.

- Taktik Modus zu leicht:
Der ganze Sinn im Taktik Modus besteht doch darin Goldmedallien bzw. eigentlich sogar Platin Medallien zu bekommen. Wenn man einfach nur drauf losballern will, dann sollte man die anderen Modes wie Time Limit spielen. Ist klar dass es ihm zu leicht ist wenn er nichtmal drüber nachdenkt LOL

- Arcade Mode zu schwer:
Der arcade mode ist sicher nicht ohne... aber sehr viel leichter als bei vielen old school shootern. Richtig schwierig wird es da nur wenn man auf Score spielt oder mit einmal durchkommen will. Wie lange hat er denn gespielt? 1 Stunde? Klar ist, dass wenn man glaubt alle Gegner seien gleich man nicht sehr weit kommt. Das Spiel ist im Gegenteil durch seine Gegnervarianz und die Zeitreise Mechanik super taktisch. Hab noch nie einen shooter gespielt bei dem man sich so viel gedanken über seine eigene position und das verhalten der gegner machen muss.

Bin enttäuscht dass so ein Artikel hier online geht. Offensichtlich hat er sich gar nicht genug mit dem Spiel beschäftigt.

Er sagt die Modes seien alle gleich. man ohh man das kann ich nun gar nicht verstehen. Naja jedem seine Meinung aber so ein review bei so einem originellen spiel. sonst schreit jeder nach innovation und wenn sie da ist macht man sie platt wegen sich wiederholenden hintergründen. Komisch...

Tand 16 Übertalent - 4321 - 18. Januar 2011 - 0:36 #

Ich schau mir den ersten Screenshot an und denke an Osmos, dann lese ich den blauen Kasten und frage mich: Was war zu erst? Osmos kam erst 2009 auf dem Markt und Zeit² ist scheinbar seit 2008 in Entwicklung. Auf alle Fälle ist es denkbar, dass der Student den Dozenten beeinflusste. Wer jetzt wen grafisch beeinflusste werden wohl nur die Entwickler wissen, aber die Spiele sehen sich doch sehr ähnlich.

Zum Spiel: Die Möglichkeit des Zurückspulens klingt unheimlich cool. Zwar ist es mir keine 10€ wert, aber wenn es das Spiel einmal im Angebot für 2-5€ gibt, werde ich sicherlich zugreifen. Solange spiele ich lieber Hydorah weiter und freue mich innerlich auf Zeit².

STF 11 Forenversteher - 623 - 18. Januar 2011 - 1:15 #

Ja, schon auffällig.
Und Osmos erinnert mich sehr stark an "flOw™" von Jenova Chen und scheint auch davon inspiriert zu sein:
http://intihuatani.usc.edu/cloud/flowing/
http://thatgamecompany.com/games/flow/
http://de.playstation.com/psn/games/detail/item63063/flOw%E2%84%A2/

Zei² hab ich mir jetzt mal als Demo für XB360 geladen...

KikYu0 (unregistriert) 18. Januar 2011 - 9:24 #

Hab das spiel über Steam direkt bei Release gekauft, bin immer noch Begeistert auch wenn ichs nur 1-2h am Tag spiele.

Ich kann die stellenweise sehr merkwürdige Kritik nicht nachvollziehen, auch auf mich wirkt es so als hätte da jemand nicht wirklich gespielt und nur mal drüber geschaut.

Vllt solltet ihr das Spiel noch jemanden Testen lassen dem es viel Spaß macht und euch mal zusammen setzen, beim Florian wirkt es so als würds ihm von Anfang an kein Spaß gemacht haben.

keimax 04 Talent - 365 - 18. Januar 2011 - 10:24 #

Finde den Test gelungen. Ich denke es liegt auch wirklich daran, wie man an das Spiel herangeht. Für einen 10 Euro Indie Titel ist es wirklich ganz gut.

Sn1p3R_Tim 06 Bewerter - 74 - 18. Januar 2011 - 18:55 #

Noch ein Indie-Spiel, das von einem unbekannten entwickelt wurde :D .
Also was die Kreativität angeht können die Spiele von unbekannten die von großen Firmen urchaus übertreffen.

Fuutze 11 Forenversteher - 820 - 18. Januar 2011 - 21:30 #

Habe die Demo über Steam bezogen und mal angezockt.
Bin positiv überrascht, es war recht gut spielbar - also für einen Gelegenheitsshoot´em uper wie mich nicht sofort zu schwer. Die Grafik ist zwar minimalistisch, aber trotzdem ziemlich ansprechend, der Sound normal, die Mucke genial. Mir stößt nur auf das mein "Standart-Gamepad" (eine billige Kopie eines Dualshock2) leider nicht benutzbar ist, ist das Spiel nur für das Xbox Pad vorbereitet? Leider ist das Spiel auch noch von UBI-Soft, die ich bez. der Kopierschutzgängelung im letzten Jahr boykottiere. Trotzdem ein nettes Spiel.

firstdeathmaker 17 Shapeshifter - P - 6558 - 6. Februar 2011 - 17:51 #

Ich hab vor circa 1 1/2 Jahren mal bei den Entwicklern vorbei geschaut und es anzocken dürfen ;) Hatte schon vorher davon gehört, und finde die Idee mit der Zeitreise echt cool. Nur von der Distributionspolitik (Steam & Ubisoft) halte ich nix. Minecraft zeigt, das es auch ohne große Publisher geht. Aber das ist letzten Endes eine Entscheidung die man als Entwickler treffen muss: Große Bekanntheit mit erfahrenen Publishern, oder Nischendasein. Ich denke für den Ruf der Entwickler war die Entscheidung die richtige.

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Action
Arcade
ab 6 freigegeben
7
Brightside Games
Ubisoft
12.01.2011
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6.6
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