Test: Vin Diesel ist der

Wheelman Test

Vin Diesel kehrt nach seinem Dark-Athena-Auftritt erneut zurück auf die Spielebildschirme. Doch diesmal tritt er nicht als finstrer Krieger Riddick auf, sondern als der Mann mit dem Bleifuß. Milo Burik heißt der Held in Midways Antwort auf GTA 4.
Armin Luley 21. Mai 2009 - 23:15 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Milo Burik fährt gerne schnelle Autos, denn Milo ist das, was man einen Fahrer nennt. Allerdings gehört die Driver-Lizenz einer anderen Firma, und so bezeichnet Milo sich selbst viel lieber als Wheelman. Wheelman ist eine Gemeinschaftsprojekt des Publishers Midway mit Schauspieler Vin Diesel, der Milo dafür Gesicht und Stimme lieh. Der Plan sah ursprünglich vor, das Spiel parallel zu einem gleichnamigen Actionfilm zu veröffentlichen. Da in Hollywood jedoch Welten zwischen einen Absichtserklärung und der tatsächlicher Umsetzung liegen, lässt das Leinwandabenteuer bislang auf sich warten. So bleibt dem finanziell angeschlagenen Publisher einzig Diesels Name zur Vermarktung seines Spieles, das sich spielerisch irgendwo zwischen Ataris Driver und Rockstar Games’ GTA 4 einzuordnen versucht.

Halbnackte Tänzerinnen und rumänische Mafiosi sollen eine scheinbar raue Spielwelt simulieren. Ob das ausreicht?

Rasanter Einstieg

Vin Diesel ist hauptsächlich bekannt für eher mittelmäßige Actionfilme, die weniger durch ihren Tiefgang als durch spektakuläre Stunts und Explosionen zu unterhalten wissen. Die Entwickler von Midway scheinen zu denselben Schlüssen gekommen zu sein, denn das Spiel lässt sich nahtlos in diese Tradition einreihen. Der Einstieg fällt daher erwartungsgemäß aus: statt langem Blabla und Vorstellungsrunde stürzen wir mitten hinein in Milos Arbeitsalltag. Wir befinden uns in Barcelona. Auf einem Parkplatz vor einem Laden sitzt Milo in seinem Wagen. Er wartet. Wir sehen, wie seine Partnerin aus dem Gebäude stürzt. Die Alarmanlage schrillt, Polizeisirenen übertönen plötzlich die Alltagsgeräusche – it’s party time, und wir übernehmen Milo. Ganz klassisch werden wir in eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei verwickelt. Während wir den Hütern des Gesetzes zu entgehen versuchen, erklären uns Infofenster die grundlegenden Steuerungsfunktionen. Von Überforderung kann keine Rede sein: vorwärts, rückwärts, Handbremse, Autos rammen. Mehr ist da zuerst einmal nicht. Dass Glasscheiben kein Hindernis sein können und Rampen zum Schanzen da sind, ist selbst ohne Physikunterricht klar.

Einkaufspassagen durchfahren ist eine gute Methode, um Verfolger abzuschütteln.
Die Steuerung des Fahrzeugs geht intuitiv und leicht von der Hand. Anders als bei GTA 4 reagiert das Auto auch auf kurze Richtungsbefehle, was das Lenken sehr angenehm macht. Action steht hier vor Realismus – wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich alle Autos hauptsächlich nur in Beschleunigung und Maximalgeschwindigkeit unterscheiden. Hakelig wird es erst, als wir das Auto wechseln sollen: Außerhalb des Cockpits setzt sich Milo vergleichsweise schwerfällig in Bewegung. Der Aktionsradius um das Auto, in dem sich unser Held zum Einsteigen bewegen lässt, ist nur sehr klein. Mit Ablieferung unserer Klientin ist der Auftrag vorerst einmal erledigt und wir sind vorerst allein inmitten der großen Stadt.

Der PDA listet alle Missionspunkte auf. Man kann Wegpunkte setzen, oder einfach direkt zur Mission springen.

Erkundung einer Stadt

Zentrales Element des Spiels ist Milos PDA. Er präsentiert sich als Stadtplan von Barcelona, auf dem verschiedene Zielorte eingetragen sind. Das können Haupt- und Nebenmissionen sein, aber auch Waffenlager oder Garagen für Reparaturen und als Versteck vor der Polizei. Das Besondere daran ist, dass ihr die meisten Orte direkt anspringen könnt, ohne dass ihr erst langwierig durch die Straßen gurken müsst. Am Anfang ist die Zahl der möglichen Anlaufstationen noch sehr klein, im Verlauf des Spiels und nach erfolgreich absolvierten Missionen werden es jedoch immer mehr. Daneben gibt es einige Statistiken, die eure Fortschritte im Spiel dokumentieren.

Während wir die ersten Hauptmissionen durchführen, stellt sich uns zunehmend die Frage, was wir eigentlich hier sollen. Zwar bekommen wir ein halbes Dutzend Namen vor den Latz geknallt und erfahren, dass Milo undercover für Recht und Gesetz arbeitet, aber wirklich spannend ist diese Situation nicht. Außerdem ließ sich Vin Diesel nicht einmal für sein eigenes Spiel dazu bewegen, einen neuen Gesichtsausdruck zu erlernen. Zusammen mit der asynchronen Vertonung ergibt sich daraus ein etwas tristes Bild.

Ab und zu darf Milo auch mal absteigen und Gangster zu Fuß abballern.

Mehr als nur Rennfahrten

Die Lernkurve des Spiels ist prinzipiell gut gewählt. Nach und nach eignen wir uns die ganz speziellen Fähigkeiten unseres Fahrers an. Das erste ist der Airjack. Wenn im Eifer des Gefechts das Auto mal wieder kurz vor der Explosion steht und man eigentlich nicht anhalten möchte, kein Problem: Ein ahnungsloses – und vor allem wehrloses – Opfer anvisieren, rechtzeitig die entsprechende Taste drücken, und schwupps fliegt Milo seinem neuen fahrbahren Untersatz entgegen. Ebenso spektakulär der Präzisionsschuss und der Cyclon. Während der Präzisionsschuss die Straße vor euch frei räumen soll, dreht Milo beim Cyclon das Auto um 180° und verschafft sich so während des Rückwärtsfahrens für kurze Zeit freies Schussfeld auf lästige Verfolger. Wird eine dieser Aktionen aktiviert, verlangsamt sich der Zeitablauf, die KI übernimmt solange die Fahrzeug-Steuerung und ihr zoomt in die Cockpitansicht. Jetzt könnt ihr für kurze Zeit gezielte Schüsse auf eure Konkurrenten abgeben, bevorzugt auf die Reifen. Um diese Spezialattacken aber überhaupt ausführen zu können, müsst ihr erst sogenannte Konzentration sammeln. Die bekommt ihr durch Schnellfahren, Powerslides und Zerstören von Objekten, – durch Unfälle und überfahrene Passanten wird sie wieder gesenkt. Allerdings müsst ihr erst ein ganzes Weilchen gespielt haben, bevor ihr diese Sonderfähigkeiten überhaupt einsetzen könnt. Das senkt die Motivation für einen erneuten Durchgang erheblich.

Moderne Fahrzeug-Entführung: 1 Das ahnungslose Opfer anvisieren und möglichst gerade hinter dem Auto bleiben. 2 Wird der Pfeil grün, muss man schnell die Aktionstaste drücken. 3 Milo klettert dann aus dem Fahrzeug und 4 springt auf sein neues Gefährt. Keine Angst, wenn keine Chance besteht, springt Milo auch nicht. 5 Ein kleiner Tritt befördert den vorherigen Fahrzeugbetreiber aus dem Cockpit. Glückwunsch, der Wagen gehört euch.

Name 23. Mai 2009 - 1:36 #

Harter, aber wohl zutreffender Test. Was ich nicht so gut finde, ist das Rumhacken auf Vin Diesel: Ich mag seine Filme, mei, es sind halt Actionstreifen, was erwartest du? Und Pitch Black ist Kult!!

Gucky 22 AAA-Gamer - P - 33916 - 23. Mai 2009 - 10:04 #

Ich muss hier aber Armin zustimmen, denn Filme wie "The Fast and the Furious" treffen genau auf seine Schilderung zu. Pitch Black und der DC von Riddick bilden bei seinen Filmen für mich eher eine Außnahme, da sie von dem von mir geschätzten David Twohy stammen, der auch schon für den verkannten und tollen "Arrival" verantwortlich war. Bitte nicht den zweiten Teil von "Arrival" ansehen, der ist nämlich nicht von Twohy und ziemlicher Mist.

Was mir an "Pitch Black" nicht gefallen hat war die Anti-Helden Rolle von Riddick. Hier wurde versucht Riddick sympathisch für die Zuschauer erscheinen zu lassen wohl auch mit der Intention sich mit ihm zu identifizieren. Das will ich bei einem grundlos mordenden Killer, der zudem unbrechenbar erscheint nicht tun. Erst in "Riddick" wurde der Grund für seine Brutalität erklärt (Furianer = Kriegerrasse und der Hass auf den Lord Marshal, der für die Vernichtung seiner Kultur verantwortlich ist). Dies trifft aber nur auf den gelungenen DC zu, der diese Erklärungsstränge beinhaltet.

lg

Fabian Knopf Dev - P - 12707 - 23. Mai 2009 - 14:11 #

Er hat dem Spiel doch sogar ein "+" für Vin Diesel gegeben, da kann man ein paar Seitenhiebe schon verschmerzen oder? :)

Marco Büttinghausen 19 Megatalent - P - 19331 - 23. Mai 2009 - 4:45 #

Na mit einer 6.5 ist Wheelman ja nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen hier, als ich mir ein paar Videos von dem Spiel angeguckt habe und die abstruse Fahrphysik und das seltsame Handling gesehen habe, war das Spiel für mich gestorben.

Mister Y 10 Kommunikator - 448 - 23. Mai 2009 - 6:47 #

Also in meinen Augen lebt ein Open World Spiel, das sich immerhin mit GTA 4 (und demnächst Mafia 2) messen muss/möchte hauptsächlich von seiner Atmosphäre ( also Glaubwürdigkeit der Spielwelt, interressante Story, glaubwürdige Steuerung, guter Soundtrack --> also Radio, stimmige Optik und interressant inszenierte Missionen) und gerade das ist scheinbar nicht vorhanden... Somit ist die Wertung noch äußerst großzügig.

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