Kult oder Quatsch?

Touch my Katamari Test

Der King Of All Cosmos ist "not amused": Unter seinen Untertanen verliert er langsam aber sicher an Ansehen. Das lässt er sich natürlich nicht gefallen und schickt euch in Form eines Mini-Prinzen mit grünem Strampelanzug auf die Erde, um mit einer superklebrigen Kugel alles aufzusammeln, was da so kreucht und fleucht.
Florian Pfeffer 22. Februar 2012 - 22:22 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots im Artikel stammen von GamersGlobal; das Wasserzeichen entsteht durch die eingebaute Screengrab-Funktion der PSVita.

Warum ist der exzentrische Herrscher mit den überdimensionalen Schulterpolstern derart aufgebracht? Anlass für seine Sorge ist eine Umfrage an einer Grundschule, bei der die Schüler die Frage nach ihrem größten Vorbild zu beantworten haben. Einer der Erstklässler hat dabei Schwierigkeiten, sich zwischen dem King Of All Cosmos und seinem eigenen Vater zu entscheiden. Diesen Vorfall kann sich der King nur dadurch erklären, dass seine Popularität bei den Erdenbürgern rapide im Abnehmen begriffen ist. Sein Plan lässt nicht lange auf sich warten: Sein Prinz soll mit Hilfe des Katamari Bälle aus allem möglichem Krimskrams zusammen basteln, die der King dann verspeisen will, um daraus neue Sterne am Himmel entstehen zu lassen. Mit dieser bizarren Prozedur will er sein Ansehen zurück gewinnen und beweisen, dass Dieter Bohlen nicht der einzige ist, der alten Plunder wieder zum Strahlen bringen kann.
 
Eine beliebte Knobelfrage für Kinder lautet: Wieso klebt Alleskleber überall, aber nicht an der Innenseite der Tube? Auf Touch my Katamari übertragen müsste die Frage so umformuliert werden: Wieso klebt das Katamari überall, aber nicht am Erdboden? Hat das Spiel mit der rollenden Kugel zu Recht Kultstatus inne oder wurde es einfach nur für ein paar Japano-Freaks mit seltsamen Vorlieben entwickelt? Diese entscheidenden Fragen stellen wir vorläufig zurück und widmen uns zunächst der Analyse dieses seltsamen Spiels. Die Katamari-Reihe zieht sich seit ihrem Einstand auf der Playstation 2 im Jahre 2004 durch fast alle Konsolen und Handhelds, so dass es nicht wirklich überrascht, einen weiteren Titel dieser Serie zum Launch der Vita in den Regalen zu finden. Wer schon einen der Vorgänger gespielt hat, dem hat Touch my Katamari in Sachen Innovation allerdings kaum etwas zu bieten: Es ist wieder die typische Mischung aus den normalen Levels, in denen ihr unter Zeitdruck eure Kugel zu einer bestimmten Größe rollen müsst, ein paar Levels mit Spezialaufträgen und den altbekannten endlosen Monologen des King zwischendrin. 
 
Keine runde Sache
Zu Beginn können wir lediglich kleinere Objekte wie Batterien, Bleistifte oder Heftklammern aufsammeln.
Leider hat Namco dem Spiel ganz klar zu wenig Inhalt spendiert. In lediglich zwölf Levels, die ihr theoretisch in einer Nachmittagssitzung durchspielen könnt (entsprechendes Können natürlich vorausgesetzt), dürft ihr euer Katamari durch die Gegend rollen. Acht davon funktionieren auf die klassische Art, die aus den Vorgängern hinlänglich bekannt sein dürfte: Ihr steht als kleiner grüner Prinz hinter dem Katamari und rollt über alles hinweg, was euch unter die Kugel kommt. Alles Gerümpel bleibt an derselben kleben, falls sie schon groß genug ist. Ansonsten prallt ihr ab und könnt später, wenn das Katamari gewachsen ist, euer Glück nochmals versuchen. Auf diese Weise wächst das wilde Knäuel immer weiter und ihr werdet bald nicht nur Radiergummis und Sicherheitsnadeln aufsammeln, sondern Menschen, Tiere, Häuser und so weiter. In vier der zwölf Levels gibt es Spezialaufträge: So müsst ihr einmal solange Tiere einsammeln, bis ihr auf eine Kuh oder einen Bären stoßt. In einem anderen Level wiederum tickt nicht wie üblich die Stoppuhr, sondern ein Kalorienzähler, während ihr verschiedene Lebensmittel aufgabelt. Dabei darf eine bestimmte Kalorienzahl nicht überschritten werden, was euch dazu verleiten wird, hauptsächlich über Obst und Gemüse hinweg zu rollen – etwa ein subtiler Versuch, videospielende japanische Kinder zu einer gesünderen Ernährung zu bewegen?
 
Die bisher erkugelte Größe eures Katamari wird permanent in der linken oberen Ecke angezeigt. Sobald eine bestimmte vorgegebene Mindestgröße erreicht ist, werden neue Gebiete innerhalb des aktuellen Levels freigeschaltet. Abgesehen davon werdet ihr in einem solchen Fall mit ein paar Botschaften des King zugetextet, der sich auch vor und nach jedem Level sehr mitteilungsbedürftig gibt. Glücklicherweise lassen sich die meisten seiner ziemlich sinnfreien Monologe per Start-Taste abbrechen. Habt ihr ein Level geschafft, gibt’s zur Belohnung eine Handvoll Bonbons, mit denen ihr neue modische Accessoires für euren Monarchen freischalten könnt. Witzige Idee: Nach dem erfolgreichen Ende eines Levels könnt ihr über die Anzahl der Süßigkeiten verhandeln und dadurch eure Beute verdoppeln.

Nach dem Durchspielen stehen euch neue Modi zur Verfügung, in denen ihr beispielsweise unbegrenzt viel Zeit zur Verfügung habt. Außerdem gibt es in jedem Level geheime Objekte, die so genannten „Curios“, zum Aufsammeln. Leider ändert dies alles aber auch nichts an der Tatsache, dass das Spiel viel zu wenig Inhalt bietet. Was die Steuerung betrifft, so könnt ihr mit den beiden Analogsticks der Vita endlich den Klebeball auf die gleiche Art rollen wie ihr es von den „großen“ Konsolen gewohnt seid. Durch Ziehen mit zwei Fingern (ähnlich wie die gewohnte Vergrößerungsfunktion etwa bei Smartphones) könnt ihr das Katamari in eine breite aber flache Wurst verwandeln, die über den Boden walzt bzw. in ein hohes Rad, das durch schmale Durchgänge rollen kann. Diese Option ist allerdings fast immer überflüssig und behindert euch mehr als dass ihr davon profitieren werdet. Die Grafik ist wie üblich sehr schlicht und kaum texturiert. Das trägt zwar schon immer zum typischen Katamari-Gefühl bei, wirkt aber heutzutage doch sehr altmodisch. Auch der Grafikstil der Zwischensequenzen, deren Zusammenhang mit dem eigentlichen Spiel wir nicht erkennen konnten, ist nicht unbedingt jedermanns Sache.
Ab in den Tierpark: Mit fast vier Metern Durchmesser bleiben Lebewesen aller Art an unserer Kugel kleben. 
Fazit: Denkt noch mal nach, bevor ihr euch die Kugel gebt!
Für Liebhaber der Serie wird sowieso kaum ein Weg an Touch my Katamari vorbei führen. Es bietet mehr vom Gewohnten, wenn auch leider nur ein bisschen. Zwölf Levels sind schon arg wenig, wenn man bedenkt, dass man mit dem Katamari-Konzept und den vorhandenen Bausteinen locker das Doppelte an Spielwelten hätte herausholen können. Das Suchtpotential ist nämlich durchaus vorhanden – hat man einmal angefangen, mag man so schnell mit dem Rollen nicht mehr aufhören. Alle anderen Gamer unter uns sollten mit der Anschaffung noch eine Weile warten. Touch my Katamari liegt zwar preislich deutlich unter den meisten Vita-Launch-Titeln, dennoch ist das Preis-Leistungs-Verhältnis indiskutabel und verwehrt letztendlich dem Spiel eine höhere Wertung. Und um nicht die Antwort auf unsere Eingangsfrage schuldig zu bleiben: Natürlich klebt das Katamari nicht am Boden fest, es klebt schließlich nirgendwo fest! Alle Dinge bleiben am Katamari hängen, nicht umgekehrt. Fragt uns bitte nicht nach der Logik hinter der ganzen Geschichte: Wir haben sie auch nicht erkannt. Die Katamari-Spiele muss man eben einfach mögen. Oder dran vorbei rollen.

Autor: Florian Pfeffer (GamersGlobal)
 Touch my Katamari  
Einstieg/Bedienung
  • Mit den beiden Analogsticks klappt das Gerolle recht zuverlässig
  • Touch-Bedienung ist den Analogsticks deutlich unterlegen
  • Überfrachtetes Tutorial
Spieltiefe/Balance
  • Eine reiche Auswahl an aufsammelbaren Objekten 
  • Viele freischaltbare Bonus-Objekte
  • Nur zwölf Levels
  • Drücken und Ziehen des Katamari spielerisch wenig sinnvoll
Grafik/Technik
  • Grafik entwickelt zwar ihren eigenen Charme...
  • ... ist aber sehr grobschlächtig und schwach texturiert
  • Katamari bleibt oft an schmalen Ecken und Kanten hängen
  • Zu viele Grafikstile werden gemischt
Sound/Sprache
  • Netter, passender Soundtrack
  • Nerviger Alarmton bei Zeitmangel
  • Endlose Monologe vor und nach den einzelnen Levels
Multiplayer
Nicht vorhanden  
Partner-Angebote
Amazon.de Aktuelle Preise (€): 21,69 (Vita)
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4.3
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Florian Pfeffer 22. Februar 2012 - 22:22 — vor 4 Jahren aktualisiert
Admiral Anger 24 Trolljäger - P - 47873 - 22. Februar 2012 - 22:43 #

An das Spielprinzip kann ich mich dunkel erinnern.
Gabs sowas ähnliches nicht mal für den PC, sei es als Mod oder Freeware-Spiel?
Wer kann weiterhelfen? :)

rAmbAzAmbA 17 Shapeshifter - 7388 - 22. Februar 2012 - 23:08 #

Klectit ? Oder De Blob?

Bernhard Sommer 13 Koop-Gamer - 1750 - 23. Februar 2012 - 11:44 #

Da fällt mir jetzt spontan das ein: http://www.geekologie.com/2011/03/play-katamari-damacy-on-any-we.php

Age 19 Megatalent - P - 13971 - 22. Februar 2012 - 22:47 #

Ich finde das Titelbild irgendwie gruselig.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23147 - 22. Februar 2012 - 23:11 #

Schade, was aus der Serie passiert geworden ist. Seit "We Love Katamari" auf der PS2 geht es steig bergab.

Anonymous (unregistriert) 23. Februar 2012 - 6:56 #

Katamari forever war echt gut;)

Faerwynn 17 Shapeshifter - P - 6657 - 23. Februar 2012 - 16:37 #

Jo, das spiel ich gerad immer mal auf der PS3 zum Tagesausklang. ;) Taugt was.

Ich werd mit dem Vita Teil wohl warten bis er günstiger wird, grundsätzlich für unterwegs hätte ich ihn schon gerne.

Guldan 17 Shapeshifter - P - 8309 - 23. Februar 2012 - 10:17 #

Ich sollte mir mal das allererste Spiel kaufen für Ps2, find die Idee klasse. Hierauf kann ich verzichten.

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9855 - 23. Februar 2012 - 20:18 #

Nix für mich

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