The Town of Light Test

Ein bewegendes Abenteuer

Benjamin Braun / 8. Juni 2017 - 15:34 — vor 6 Wochen aktualisiert
Im Indie-Test im Juni stellen wir euch das beklemmende Story-Adventure vor, in dem das traurige Schicksal einer jungen Frau in einer Irrenanstalt im Italien während des Mussolini-Faschismus eindringlich geschildert wird.
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Mit dem Begriff Toskana verbindet manch einer womöglich schöne Urlaubserinnerungen – oder vielleicht auch eine ARD-Serie mit Muriel Baumeister, die Anfang der 90er Jahre im TV ausgestrahlt wurde. Im Story-Adventure The Town of Light, das wir euch an dieser Stelle in unserem Indie-Test im Juni vorstellen möchten, geht es allerdings nicht um die wunderschöne, von Weinreben und Olivenbäumen geprägte Hügel-Landschaft der Region in Mittel-Italien. Im Titel des unabhängigen Entwicklerstudios Lka verschlägt es euch in der Rolle von Protagonistin Renée in die Überbleibsel einer Nervenheilanstalt nahe der Stadt Volterra. Dort hatte die damals 16-jährige in den 1930er Jahren Traumatisches erlebt und kehrt in der heutigen Zeit an den Ort des Geschehens zurück.

Wir sind Renée auf den Spuren ihrer Vergangenheit gefolgt und verraten euch, weshalb der kürzlich auch für PlayStation 4 und Xbox One erschienene Titel alles andere als ein Story-Abenteuer von der Stange ist.
 

Eingepfercht, gedemütigt, vergewaltigt

Renée muss viel erdulden in der Anstalt.
Es sind düstere Erinnerungen, die Renée mit der Irrenanstalt in der Toskana verbindet. Von der Mutter verstoßen, von den Aufsehern missbraucht, ihre einzige Freundin eine Puppe namens Charlotte. Doch da gab es eine andere junge Frau, die ihr durch die schwere, von Einsamkeit, Isolation und Gewalt geprägte Zeit geholfen hat – oder vielleicht doch nicht?

Je tiefer Renée in den Ruinen der Anstalt die damaligen Ereignisse wiederaufarbeiten möchte, umso mehr verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion. Zwischen tatsächlich Geschehenem und den hoffnungsvollen Visionen, die Renée das alles haben überstehen lassen.
 

Fiktive Geschichte mit historischem Hintergrund

Entwickler Lka erzählt in The Town of Light keine Horrorgeschichte, sondern das psychologische Drama einer jungen Frau. Es ist das persönliche Schicksal eines Mädchens, das mitten in den letzten Zügen ihres Reifeprozesses fast wie ein Tier eingesperrt und würdelos behandelt wird. Eine junge Frau, die unter widrigsten Umständen erwachsen wird, die erste Liebe erlebt und nun, viele Jahrzehnte später ihrer verlorenen Jugend auf den Grund geht.
 
Die Schriftgröße der deutschen Textbox bei Schriftstücken ist am TV viel zu klein.
Aber es geht um mehr als das. Denn auch wenn es sich bei Renée um eine fiktive Figur handelt, basiert das Szenario auf historischen Begebenheiten, die Anstalt selbst hat laut den Machern tatsächlich existiert. Denn Zustände, wie sie in der Einrichtung in der Toskana skizziert werden, waren im Italien der 1930er Jahre Normalität – und das gilt auch für die Behandlungsmethoden. Denn die im Jahr 1936 erstmals am Menschen durchgeführte Lobotomie, ein hirnchirurgischer Eingriff, bei dem unter anderem Nervenverbindungen zwischen Thalamus und Frontallappen gekappt werden, spielt in Renées Geschichte erwartungsgemäß auch eine Rolle.

Auch deshalb verfügt die Geschichte, trotz der bisweilen grotesken oder surrealen Versinnbildlichung von Renées Geisteszustand ein hohes Maß an Authentizität. Viel mehr ins Detail gehen möchten wir an dieser Stelle nicht. Denn das könnte euch die spannende Handlung mit ihren traurigen, düsteren, aber auch hoffnungsvollen Momenten unter Umständen vergällen.
 

Linearität kontra spielerische Freiheit

Grundsätzlich ist The Town of Light wie die meisten Story-Adventures sehr linear angelegt. Die wichtigsten Fundobjekte, die Erinnerungsfetzen auslösen, müsst ihr also so oder so aufspüren, um in der Geschichte voranzukommen. Allerdings gibt es auch einigen Raum zur Erkundung. So findet ihr in den Räumen diverse optional untersuchbare Objekte oder Schriftstücke, die euch mehr über die Zustände in der Klinik oder die damalige Zeit preisgeben.

Auch kleinere Flashbacks, die ihr beim Betreten von optionalen Orten auslöst, zählen dazu. Zudem habt ihr an mehreren Stellen geringfügig Einfluss auf den Fortgang der Geschichte. Das geschieht im Rahmen von Multiple-Choice-Einschüben, bei denen ihr etwa festlegt, was in Renées Brief an ihre Mutter stehen soll. Die (allerdings eher undurchsichtige) Wahl führt dann in ein leicht alternatives Kapitel.
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Renée plagen Zweifel, ob ihre Erinnerungen wirklich echt sind. Ihr werdet herausfinden, was wahr ist und was nicht.
Benjamin Braun Redakteur - P - 318106 - 8. Juni 2017 - 15:34 #

Viel Spaß beim Lesen!

guapo 18 Doppel-Voter - 10491 - 8. Juni 2017 - 15:48 #

Test-Feuerwerk! :-)

Old Lion 26 Spiele-Kenner - 69006 - 8. Juni 2017 - 15:57 #

Vielleicht mal im Sale!

TheRaffer 15 Kenner - - 3679 - 8. Juni 2017 - 21:34 #

Stimme ich zu!

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24753 - 8. Juni 2017 - 16:12 #

Danke für den Test. Als Fan des Genres werde ich sicher mal reinschauen.

Schön, dass es sogar eine Retail-Version gibt.

wizace 12 Trollwächter - P - 1173 - 8. Juni 2017 - 16:19 #

Also, habe nach vier Absätzen wieder aufgehört zu lesen. Die Einleitung wieder einmal völlig abschreckende Details über irgendwelche Serien, die keiner kennt und die Geschichte der Entwicklerfirma und in den nächsten drei Absätzen wird dreimal hintereinander in groben Zügen das Setting des Spiels zusammengefasst. Das relativ hölzern und unispiriert. Sorry, sowas ist unlesbar. Subjektive Testspaßnote: 3/10.

steever 16 Übertalent - P - 5883 - 8. Juni 2017 - 16:24 #

Hast du ne Wette am Laufen?

wizace 12 Trollwächter - P - 1173 - 8. Juni 2017 - 16:32 #

Hey, wenn ich schon kostenlose Spieleberichte lese, dann erwarte ich aber etwas Qualität. Nein, Spaß beiseite. Ich abonniere zwischendurch auch immer wieder einmal, meist wegen SdK oder Fotostory. Ich würde gerne auch öfter zahlen, wenn die Spielbesprechungen nur etwas lesbarer wären.

steever 16 Übertalent - P - 5883 - 8. Juni 2017 - 16:46 #

Na, musst ja auch nicht zahlen. Wunderte mich nur über deine Testberichte zu den Tests, dachte es wäre vielleicht eine Wette oder dergleichen. ;)

Maulwurfn Community-Moderator - P - 15307 - 8. Juni 2017 - 16:36 #

Nichts gegen deine Meinung, es ist aber nur von einer Serie die Rede und in den ersten vier Absätzen nichts zur Historie der Entwickler. Wenn das die "Fakten" sind, auf der deine Kritik/Meinung so im Schnitt basiert, dann subjektive Kritiknote 1/10.

wizace 12 Trollwächter - P - 1173 - 8. Juni 2017 - 16:38 #

Erbsenzähler :)

Harry67 15 Kenner - P - 2997 - 8. Juni 2017 - 21:45 #

Entspricht wieder mal nicht wissenschaftlichen Testkriterien oder wie?

Nee im Ernst: Ich kann mit diesen herablassenden Pauschalkritiken leider so gar nichts anfangen. Du bist bei mir knapp vor /ignore.

Olipool 16 Übertalent - 4099 - 8. Juni 2017 - 16:49 #

Hach, schön, dass ihr solche Games auch testet. Auch schön, dass ich Unity3D hier nicht gleich erkannt habe.
Werdet ihr "What remains of Edith Finch" auch noch testen?

Benjamin Braun Redakteur - P - 318106 - 8. Juni 2017 - 17:06 #

Nein, es sei denn, es gibt einen aktuellen Anlass, also etwa die möglicherweise noch erscheinende Xbox-Fassung. Aber selbst dann gibt es keine Garantie.

Olipool 16 Übertalent - 4099 - 8. Juni 2017 - 17:43 #

Ok, danke für die Info. Anlass wäre für mich, eure Meinung zu einem extrem gut bewerteten Spiel (Steam+Metacritic) zu hören, aber genau genommen, gibt es schon recht viel Coverage, da würdet ihr also keine Perle ans Licht zerren. Insofern ist die Energie anderswo besser aufgehoben vielleicht.

RobGod 14 Komm-Experte - 2420 - 8. Juni 2017 - 17:19 #

Irgendwie sind die alle Kritikpunkte (bis auf die deutsche Synchro) eher Geschmackssache, denn tatsächliche Schwäche.
Also für mich eine Empfehlung :)

Danke für den Test! Das Spiel kommt, zumindest für mich, jetzt so komplett aus den Nichts ^^

Azrael0815 14 Komm-Experte - P - 1929 - 8. Juni 2017 - 17:20 #

Vielen Dank für den Test! Das Spiel hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm, aber klingt spannend für mich. :)

Michel07 13 Koop-Gamer - P - 1732 - 8. Juni 2017 - 17:48 #

Scheint etwas zu kurz geraten zu sein, nette Lektüre!

Q-Bert 13 Koop-Gamer - 1610 - 8. Juni 2017 - 18:08 #

Weil es neulich in der Kolumne "Schwaches Spiel, aber geil" ein Thema war:

Das Adventure Town of Light bekommt mit nur "3 Stunden Spielzeit", "anspruchslosen Rätseln", "altbackener Grafik" und "schlechter Synchro" eine doch noch erstaunlich hohe Wertung. Ist das die Ausrichtung an der "Allgemeinheit der Gamer", wie es Benjamin in seiner Kolumne gefordert hat? Ähh... nö :). Die Endnote richtet sich erkennbar wohlwollend an Genrefans von spannend erzählten, interaktiven Geschichten - und das ist GUT SO! Die Zielgruppe des Spiels sollte immer auch Zielgruppe des Tests sein.

Benjamin Braun Redakteur - P - 318106 - 8. Juni 2017 - 19:40 #

Nö, wenn das ein auf die Zielgruppe zugeschnittener, wie du es nennst, wohlwollender Artikel (bzw. eine wohlwollende auf die Zielgruppe zugeschnittene Note) wäre, dann stünde da eine höhere Wertung drunter als es der Fall ist.

Denn bezogen auf Story, Umsetzung des Szenarios und Atmosphäre, da lassen die ersten beiden Absätze nach dem Intro, denke ich, wenig Zweifel dran, ist The Town of Light richtig stark. Die "Schwächen" (weshalb das in Anführungszeichen steht, kommt jetzt) kann man im Bereich der Story-Adventures zudem auf so gut wie jedes davon anwenden, abseits der meines Erachtens nicht so gut gelungenen deutschen Synchro. Dass die Rätsel nicht anspruchsvoll sind, wird einen Genre-Freund weder wundern noch groß stören, dass die Grafik nicht die eines Battlefield 1 ist, ebenfalls nicht. Und was den Umfang angeht, ist auch das keine große Überraschung, eben weil einem keine extremen Herausforderungen vor den Latz geknallt werden. Weshalb stehen solche Sachen also drin? Vor allem eben als Hinweis für die Allgemeinheit der Gamer. Wenn da etwa im Soundbereich steht "Sehr gute englische Sprecher" und auf der Gegenseite "Keine deutsche Sprachausgabe", kann sowohl der der sagt "eine gute englische Sprachausgabe reicht" mir, als auch der, für den eine nicht vorhandene deutsche Sprachausgabe als absolutes No-Go empfindet, die beiden Informationen nach seinem eigenen Gusto abwägen bzw. die eine als für ihn irrelevant wegdenken.

Q-Bert 13 Koop-Gamer - 1610 - 9. Juni 2017 - 3:53 #

Eben. Die Schwächen sind "Schwächen" und keine Schwächen!!!, weil man sie im Bereich der Story-Adventures auf so gut wie jedes anwenden kann und weil sie einen Genre-Freund weder wundern noch groß stören. Das hast du großartig geschrieben! Genau das meinte ich mit "richtet sich erkennbar wohlwollend an Genrefans von spannend erzählten, interaktiven Geschichten".

In einem sehr bekannten, Euch nicht nahestehenden Magazin klingt das Fazit zu Town of Light so: "Das Erlebnis wird von einigen verdammt schlechten Designentscheidungen konterkariert. Das Unheimliche verschwindet nicht nur aufgrund der unnötigen Stilbrüche in der Präsentation, der hakeligen Steuerung sowie der eintönigen Spielmechanik, in der man einer Ablaufroutine von A nach B ohne Rätselanspruch folgt - im letzten Drittel wird man regelrecht an der Leine geführt und muss wie blöde Bildmotive sammeln. Hinzu kommen auch die unübersehbaren technischen Schwächen sowie Bildratenprobleme, die während des langweiligen Spazierens zusätzlich stören."

Beide Tester argumentieren dabei völlig logisch, nachvollziehbar und objektiv untermauert mit mehreren Bildschirmseiten voller Fakten, Fakten, Fakten. Der Unterschied liegt nur in Eurer Sichtweise, wie dieser ominöse "allgemeine Gamer" (oder im anderen Fall "allgemeine Player") wohl ticken könnte! Danach gewichtet Ihr die Fakten und kommt zu völlig unterschiedlichen Ergebnissen. Einer findet das Spiel schwach, der andere geil. Was eine mögliche Antwort auf Deine Fragen in Absatz 3 Deiner Kolumne sein könnte.

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 35868 - 8. Juni 2017 - 20:24 #

Klingt interessant. Aber blöd, dass sie eine Youtuberin für die Synchro genommen haben. Naja, spiel ich es halt auf Englisch oder Italienisch mit deutschen Texten.

rammmses 18 Doppel-Voter - P - 12817 - 8. Juni 2017 - 21:46 #

Hab es angespielt und finde die deutsche Synchro eigentlich ganz gut.

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 35868 - 8. Juni 2017 - 22:40 #

Werd ich wohl mein eigenes Bild machen müssen. Aber oft find ich Synchros, die Benjamin lobt, dann nicht so gut und jetzt findet er mal eine schlecht, dann ist die doch gut, oder wie? :D

rammmses 18 Doppel-Voter - P - 12817 - 9. Juni 2017 - 16:32 #

Naja, sie ist schon etwas eigen und eben nicht der standard-profi. Würde es vll mit lara in tomb raider von 2013 vergleichen, da gab es ja auch verschiedene Meinungen.

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 35868 - 9. Juni 2017 - 18:58 #

Nora Tschirner als Lara fand ich super.

Benjamin Braun Redakteur - P - 318106 - 9. Juni 2017 - 19:10 #

Nora Tschirner war auch gut als Lara. Gewechselt wurde sie auch nicht, weil sie schlecht gewesen wäre in Rise of the Tomb Raider, sondern weil Microsoft einen Exklusivdeal fürs Spiel hatte und anders entschieden hat (im Zweifel allein aufgrund der Kosten). Sauge ich mir nicht aus den Fingern, weiß ich aus verlässlicher Quelle.

Bruno Lawrie 16 Übertalent - P - 5590 - 11. Juni 2017 - 13:50 #

Oh, das klingt gut. Ich kann die typischen, immer gleichen deutschen Synchronsprecher nicht mehr hören, die klingen viel zu künstlich. Tomb Raider mit Nora Tschirner und auch die beiden letzten Wolfensteins waren eine echte Wohltat im Vergleich. Die klingen viel mehr nach echten Menschen und weniger nach Theater-Schauspielern.

Wobei auch die Standardsprecher bei guter Anleitung ziemlich gut und nicht so gekünstelt wie meistens sein können, z.B. Prey ist auf Deutsch auch richtig gut.

GamingGott 14 Komm-Experte - 1943 - 11. Juni 2017 - 11:43 #

Mit Vitamin B geht halt vieles. kann mir keiner erzählen dass die den job aus einem anderen Grund bekommen hat als dass sie die Olle von Gronkh ist...

Despair 16 Übertalent - 4811 - 11. Juni 2017 - 19:15 #

https://www.youtube.com/watch?v=nswb8lgdJLA

:D

Ich finde die Vertonung jetzt nicht so prall. Aber wahrscheinlich war sie billiger als eine Profi-Sprecherin und ihr Bekanntheitsgrad sorgt für ein paar verkaufte Einheiten mehr. Wäre beides gut für den Entwickler. ;)

Sven Gellersen Community-Moderator - P - 24114 - 9. Juni 2017 - 0:24 #

Von dem Spiel habe ich ja noch gar nichts mitbekommen. Scheint aber was für mich zu sein.

DerOhneNamen (unregistriert) 9. Juni 2017 - 10:54 #

Hört sich interessant an. Ich würde dem Spiel auf dem PC gerne eine Chance geben, aber STEAM-only? Nö danke!

immerwütend 22 AAA-Gamer - P - 31831 - 9. Juni 2017 - 16:15 #

Beim Lesen drängte sich mir immer mehr der Gedanke auf, als Film wäre die Geschichte sehr viel besser geeignet - und im Grunde wird das von der angegebenen Spiellänge (3 Std.) auch bestätigt.

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