Zauberhafte Märchenwelt

The Night of the Rabbit Test

Steckbrief
MacOSXPC
Adventure
Point-and-Click-Adventure
ab 0 freigegeben
7
Daedalic Entertainment
Daedalic Entertainment
29.05.2013
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Amazon (€): 9,99 (PC)
Gamesrocket (€): 17.95 (Download) 16.16 (GG-Premium)
Mit A Stitch in Time machte sich Matthias Kempke einen Namen in der Indie-Szene, nun legt er mit Daedalic seine erste professionelle Adventure-Produktion vor. Darin verschlägt es uns mit dem kleinen Jerry in eine von Tieren bevölkerte Märchenwelt, in der Zauberei weit mehr ist als nur Illusion.
Benjamin Braun 22. Mai 2013 - 16:43 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal
 
Jerry Haselnuss ist Schüler. Er und seine Mutter leben in einem Haus in der Nähe eines kleinen Waldstücks am Rande der Stadt. Scheinbar der perfekte Ort, um an den letzten beiden Ferientagen ein letztes großes Abenteuer zu erleben, bevor wieder Schulbankdrücken angesagt ist. Noch ahnt Jerry allerdings nicht, wohin ihn seine Füße an jenem Tage tragen werden. Auch nicht, als er eine Nachricht aus dem Briefkasten fischt, die ein sonderbares Eigenleben führt. Sie stammt offenbar vom Marquis de Hoto, einem menschengroßen Hasen und seines Zeichens Zauberlehrer aus der Märchenwelt Mauswald. Sollte sich tatsächlich Jerrys großer Traum erfüllen, selbst ein Zauberer zu werden? Hinter dem Angebot des Marquis, ihn zum Zauberer auszubilden, steckt allerdings mehr als nur die Erfüllung von Jerrys Traum. Vielmehr ist Mauswald offenbar in Gefahr, die gerade herrschende Krähenplage nur der Vorbote weit finsterer Ereignisse. Der kleine Jerry scheint in The Night of the Rabbit, dem neuen Adventure von Daedalic, die einzige Hoffnung auf Rettung zu sein.
 
Von Mäusen und EichhörnchenNachdem Jerry gemeinsam mit dem Marquis de Hoto durch ein Baumportal nach Mauswald gereist ist, muss sich der kleine Junge die Welt im wahrsten Sinne des Wortes erschließen. Zunächst können wir nämlich nur die Stadt Mauswald betreten, in der uns allerlei Mäuse, Eichhörnchen oder Froschpostbote Plato begegnen. An den Tieren gibt es mehr Außergewöhnliches zu beobachten, als dass sie sprechen können und Jerry in ihrer Größe in nichts nachstehen. Trotzdem Jerry ein Fremder ist, begegnen sie ihm nämlich nicht mit Argwohn, sondern freundlich, offen und hilfsbereit. Nun, außer dem griesgrämigen Hasen vielleicht, der seinen Garten vor unberechtigtem Zutritt beschützt.

Ein von Humor geprägtes Abenteuer solltet ihr allerdings nicht erwarten. Zwar sollen diverse Szenen Genre-Fans bewusst an Adventures wie Simon the Sorcerer erinnern. Wirklich zum Schmunzeln zumute war es uns allerdings nur ansatzweise. Beispielsweise bricht Jerry wie Guybrush in The Curse of Monkey Island ein Stück aus einem riesigen Käse und schmilzt es dann später fürs Käsefondue. Und ein andermal macht ein offenkundig irischer Gnom Witze über italienische Klempner mit Schnurrbart. Doch viele Pointen verpuffen in Dialogen, die besser zünden würden, wären sie knapper formuliert. Dennoch ist das neue Daedalic-Adventure ein überaus freundliches Spiel, das späterhin aber auch ein paar ernstere Töne spielt. Damit ist es weit mehr als ein Märchen-Adventure für Kinder; die von Daedalic im Vorfeld versprochene Düsternis bleibt allerdings weitestgehend aus.
 
Lineare Struktur, wenig Hilfen
Hier muss Jerry Löwenzahnsamen sammeln. Alle notwendigen Zutaten für seine "Falle" erhält er erst bei einem bestimmten Spielfortschritt.
Die erste Aufgabe für Jerry ist klar: Er soll das Wipfelfest vorbereiten, ohne das er seine Ausbildung zum Magier gar nicht erst beginnen darf. Das heißt Einladungen per Post verschicken und die zum Stehen gekommene Produktion des Blausafts wieder ins Rollen bringen. Im Zuge dessen vergrößert Jerry nach und nach seinen Aktionsradius, indem er etwa die Maus Humbert besticht, die eine Brücke bewacht, oder mithilfe der Igelhandwerker in Mauswald eine Art U-Boot baut. Mit letzterem kann er gemeinsam mit Herrn Spitzberg den Fluss bereisen und nur so zum Haus eines Zwergs gelangen. Ein paar dieser und anderer Aufgaben könnt ihr in beliebiger Reihenfolge erfüllen, Night of the Rabbit lässt seine gestaffelte und im Kern doch sehr lineare Strukturen allerdings regelmäßig durchblicken. Einfach gesagt: Über kurz oder lang kommt ihr dennoch immer wieder an einen Punkt, wo das Vorankommen von einer einzigen Aktion abhängt.
 
Das ist an sich nichts Außergewöhnliches für ein klassisches Adventure, kann in The Night of the Rabbit aber in besonders unbefriedigende Situationen führen, in denen dann gar nichts mehr geht. Dann stört vor allem der Mangel an individuellen Kommentaren. Wo in einem Edna bricht aus zu gefühlt jedem Inventarobjekt ein eigener Kommentar bei jeder auch noch so abwegigen Kombination erfolgt, gibt's in Night of the Rabbit größtenteils Standardkommentare. Die kratzen bereits im normalen Spielverlauf, besonders aber bei einem Hänger an der Immersion. Vor allem geben euch Jerrys Kommentare oft keinerlei Hinweise auf die Lösung eines Rätsels. In Kombination mit der vergleichsweise großen Spielwelt kann das schnell frusten, vor allem, wenn man uns nicht darüber aufklärt, wieso eine andere, logisch erscheinende Aktion nicht korrekt ist. Dadurch wird sinnloses Rumprobieren gefördert, auch wenn sich im Nachhinein meist die Log
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ik hinter der einen richtigen Aktion herausstellt. Aber eben nicht immer: In Night of the Rabbit gibt es beispielweise drei unterschiedliche Stoffe, die als Kleber geeignet wären. Warum wir ein Couvert allerdings nicht mit Honig zupappen dürfen, erfahren wir schlichtweg nicht.

Diese Kritik mag im ersten Moment nahelegen, wir hielten das Rätseldesign für schlecht. Tatsächlich haben wir abseits dieser unnötigen Mängel aber wenig auszusetzen. Denn die Strukturierung und der Zusammenhang der Rätsel im Spiel erreicht streckenweise ein geniales Niveau. Wo zuvor etwa ein Kaffee aufgrund des langen Anreisewegs bereits erkaltet und nicht mehr für eine bestimmte Aktion zu gebrauchen ist, sorgt eine später freigeschaltete Abkürzung für Abhilfe. Sehr gut gefallen hat uns auch, dass Night of the Rabbit ein paar echte Dialogrätsel zu bieten hat, wie wir sie in den letzten Jahren kaum mehr in Adventures erlebt haben. Nicht so toll wiederum finden wir, dass Jerry eine "Schlüsseltauschaktion" erst beobachten muss, damit sie Wirkung zeigt. Wer Pech hat, merkt so eventuell erst spät, weshalb seine eigentlich richtige Aktion nicht die gewünschte Wirkung erzielt hat.
Die Größenverhältnisse in Mauswald sind etwas anders. Alle Tiere sind so groß wie Jerry, manche Leute allerdings sind wesentlich größer als er. Und weshalb riecht es hier eigentlich nach alten Socken?
Benjamin Braun Redakteur - 281495 - 22. Mai 2013 - 14:52 #

Viel Spaß beim Lesen!

Flitzefisch 16 Übertalent - P - 5833 - 22. Mai 2013 - 17:29 #

Danke für den Test — sehr faires Ergebnis.

oojope 15 Kenner - 3028 - 22. Mai 2013 - 17:34 #

Die Qualität musste irgendwann ja mal ein bisschen abfallen. Bestimmt immer noch ein super Spiel für Genre-Freunde.

mrkhfloppy 21 Motivator - P - 30791 - 22. Mai 2013 - 17:39 #

Ungewöhnliche Macken für die Hamburger, aber dennoch scheint das Spiel wieder sehr liebevoll zu sein. Die Wertung ist nachvollziehbar. Gibt es eine Demo und was für Dreingaben in der Verpackung? Danke für den Test.

Rumi 17 Shapeshifter - 7609 - 22. Mai 2013 - 18:07 #

"What? Behind the rabbit?" "It is the rabbit!"

Yano 11 Forenversteher - 574 - 22. Mai 2013 - 18:49 #

Was bedeutet "Dialoge verlabert"?

Schlechtes writing? Hätte man die Sprachausgabe kürzen sollen?

Wer hat das Spiel eigentlich geschrieben? Matthias Kempke alleine?

Ach ich vermisse einfach den Ganteföhr :(

Benjamin Braun Redakteur - 281495 - 22. Mai 2013 - 19:13 #

Die Dialoge, die es gibt, wirken teilweise etwas aufgedunsen, ja. Die hätten mehr gerafft werden können. Umgekehrt hätte ich mir aber auch mehr Themen im optionalen Bereich in den Dialogen gewünscht. Da hätte man deutlich mehr Tiefe aus Spielwelt und Charakteren herausholen können.

Martin gehört ja auch nicht gerade zu den Leuten, die knappe Dialoge schreiben. Aber blat nicht so rum und geht mehr ins Detail. Ich vermisse seine Künste als Adventure-Autor ebenfalls und hoffe sehr, dass ich irgendwann noch mal ein von ihm geschriebenes Spiel spielen darf. :)

.xaan (unregistriert) 22. Mai 2013 - 19:09 #

Wow, ich glaube Gamersglobal sind aktuell die einzigen mit einem Test zu diesem Spiel. Die anderen sind noch damit beschäftigt, das Xbox One Event abzufeiern.

Screeny (unregistriert) 24. Mai 2013 - 10:02 #

Das ist bei weitem nicht korrekt :)
Sowohl gamepro als auch DaedalicFans.de haben auch Berichte. Wohl der Gameprobericht sehr... mau ist.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 33795 - 27. Mai 2013 - 21:36 #

Wer die Chip PowerPlay abonniert hat, konnte den Test darin schon letzte Woche lesen. ;-)

Falk 14 Komm-Experte - 1879 - 22. Mai 2013 - 19:15 #

Deponia fand ich ziemlich mies. Vielleicht gefällt mir das hier dann im Umkehrschluss gut? Es sieht auf jeden Fall äußerst genial aus, da werde ich sicher irgendwann zuschlagen.

Giskard 12 Trollwächter - 1173 - 23. Mai 2013 - 10:55 #

Was genau hat dir an Deponia denn nicht gefallen?
Der Humor, das Setting, die Rätsel??

RoT 17 Shapeshifter - 8560 - 22. Mai 2013 - 22:49 #

schönes interaktives bild habt ihr da eingebaut :)

jguillemont 21 Motivator - P - 26462 - 23. Mai 2013 - 7:32 #

Danke für den Test.

wilco96 13 Koop-Gamer - 1584 - 23. Mai 2013 - 7:39 #

Ich kann die Kritik an den Standardkommentaren gut nachvollziehen. Bei Edna bricht aus war dass eine Riesenüberraschung und jetzt will man nicht mehr ohne...

Screeny (unregistriert) 23. Mai 2013 - 13:14 #

Nicht abbrechbare Animationen?

Mit ESC kannst Du alle Animationen und Dialoge überspringen....

Benjamin Braun Redakteur - 281495 - 23. Mai 2013 - 14:12 #

Nein, das geht in diesen Fällen nicht. Du kannst die Aktion dann abbrechen, nicht aber die Animation überspringen. Es ging ja darum, dass Jerry nicht erst hinlaufen soll, um dann einen Standardkommentar abzuspulen. Wenn er eine Aktion erst gar nicht versuchen will, könnte er das auch aus der Entfernung kundtun.

Screeny (unregistriert) 23. Mai 2013 - 16:06 #

Achso, das meinst Du. Ja, ist mir beim Spielen auch aufgefallen ... aber die Screens sind ja nicht sehr groß, da ist das zu verschmerzen :)

Griswald Meistersuppe 18 Doppel-Voter - P - 11732 - 24. Mai 2013 - 9:02 #

Gelungener Test. Hat Spaß gemacht zu lesen. Werde mir das Spiel auf jeden Fall zulegen, da ich mit den genannten Kritikpunkten leben kann. Freu mich jedenfalls wenn es nächste Woche endlich erscheint.

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