Test: Spaß mit dem Hacke-Peter

The Cursed Crusade Test

Das sieht ja aus wie Assassin's Creed! Dieser Satz ist das wohl wundervollste Kompliment, das man The Cursed Crusade machen kann. Allerdings: Er stammt von einem Chefredakteur, der das Spiel nur im Vorübergehen gesehen hat. Geschätzte 1,7 Sekunden. Ohne seine Brille zu tragen. Was am Ende vom Ersteindruck blieb? Lest unbedingt weiter!
Harald Fränkel 29. September 2011 - 18:38 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Zur größten Qual eines Journalisten gehört es, über Spiele zu schreiben, die weder total supergut noch abgrundtief schlecht sind. Bei Spitzentiteln macht es Spaß, sie zu konsumieren und dann Tausende von Buchstaben so aneinanderzureihen, dass der Leser die Begeisterung fühlt. Hat der Kritiker einen Totalausfall vor sich, tröstet ihn die Lust am Verriss. Er könnte beispielsweise genüsslich die rhetorische Frage stellen, was von einem ritterlichen Metzel-Spiel namens The Cursed Crusade zu halten ist, wenn die darin vorkommenden Finishing Moves beknackte Bezeichnungen wie „Superstecher“ tragen. Oder sich über phimosenhaft enge Schlauch-Levels lustig machen (wir raten an dieser Stelle aus ästhetischen Gründen dringend ab, das Wort „Phimose“ bei Wikipedia nachzuschlagen). Der Rezensent würde eventuell gar einen gemeinen Vergleich ziehen und fränkelhaft frotzeln, dass sich der „verfluchte Kreuzzug“ ähnlich aufregend spielt wie Modern Warfare 2 ohne Skriptsequenzen. Es wird also in Massen abgemurkst und sonst passiert nix?
 
Nein, nein, nein – derlei Unkenrufe wären nicht wirklich angebracht. Beim virtuellen Hauen und Stechen (Fachbegriff: Hack & Slay) der französischen Softwareschmiede Kylotonn Entertainment kommen einem zwar Worte wie „Zweite Liga“ in den Sinn. Ihr Action-Adventure, das mit netten Rollenspielelementen aufwartet, dürfte trotzdem einige Freunde finden. Den einen oder anderen reizt möglicherweise der historische Hintergrund. Vor allem aufhorchen sollten aber Fans kooperativer Schnetzeleien, die ja immer auf der Suche nach rar gesäten gemeinschaftlichen Abenteuern sind: Die Kampagne von Cursed Crusade ist sowohl online als auch via Splitscreen zu zweit spielbar, wobei im zweiten Fall der Bildschirm wahlweise horizontal oder vertikal geteilt wird. Das gibt schon mal einen Kudos!
 
 
Verfluchter Kreuzzug
Einer der Talentbäume für die Fertigkeiten im Gefecht: Rechts seht ihr die Kombos für den Kampfstil mit zwei Schwertern.
Cursed Crusade befördert euch ins Jahr 1198. Im Lauf des kampf- und storygetriebenen Abenteuers erlebt der Spieler in der Rolle eines gewissen Denz de Bayle die Jahrhundertwende, die Entwicklung des Jünglings zum Tempelritter und einige Schlachten des Vierten Kreuzzugs. Es verschlägt ihn unter anderem nach Konstantinopel, Venedig und Syrien. Die vielen Zwischensequenzen (nach Angaben des Herstellers über 60 Minuten) erzählen also eine fiktive Geschichte vor realhistorischen Hintergrund. Folgerichtig begegnen dem Alter Ego auch pixelgewordene Persönlichkeiten dieser Zeit. Bonifatius I. von Montferrat zum Beispiel. Und neun weitere.
 
Zur Geschichte: Unser Recke ist reichlich wütend, und zwar auf seinen Onkel. Dieser hat Denz' Mutter getötet und den Familienbesitz der de Bayles an sich gerissen. Klar, dass der Held den bitterbösen Verwandten zur Rechenschaft ziehen möchte. Dafür jedoch scheint es unumgänglich, den während der Kreuzzüge verschollenen Vater zu finden. Cursed Crusade, es könnte der große Bruder von The First Templar sein, liefert für ein sonst eher tumbes Hack and Slay erstaunlich vielschichtige Motive: Es geht um Rache und eine Vater-und-Sohn-Geschichte, aber auch um Freundschaft und – surprise, surprise – einen Fluch, den es zu brechen gilt.  

Einer der harmloseren Finishing Moves: Tempelritter Denz rammt seinem Konkurrenten ein Schwert zwischen die Rippen.
  Spaß im Doppelpack
Unserem Protagonisten steht mit dem spanischen Dieb Esteban Noviembre ein freundschaftlicher Begleiter zur Seite, der in der Solokampagne von der KI übernommen wird. So ist richtiges Teamwork möglich; gerade wenn ein zweiter menschlicher Spieler eingreift und zum Beispiel einen Gegner festhält, während sein Kumpan ihn mit einem tödlichen Schwertstich über die Wupper wuppt
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. Doch auch der eine oder andere Dialog des Duos verfügt über Substanz, gerade in puncto Humor – Esteban ist wohl das, was man einen Dampfplauderer nennt. Übrigens: Die deutsche Sprachausgabe fällt zwar nicht weltklasse aus, ist aber handwerklich so solide, dass es nicht zu Ohrenblutungen kommt.
 
Blutung ist ein gutes Stichwort, denn im Kern präsentiert sich unser lieber Herr Denz als Hacke-Peter ersten Ranges. Er beseitigt übellaunige Krieger, sucht den Ausgang des Levels, fertig. Das wirkt bisweilen etwas monoton, muss für Hack-and-Slay-Kultisten aber nicht zwingend ein K.O.-Kriterium sein. Denn das Kampfsystem überzeugt uns weitgehend, sowohl durch Masse als auch Klasse. Die rund 130 Schwerter, Äxte, Schlägel, Speere und Schilde, die sich allerdings nur durch ihre teils albernen Namen („Langer Gladius“?) und nicht durch Kampfwerte unterscheiden, lassen sich fast ohne Einschränkung kombinieren. Weil Denz mit Axt und Schild völlig andere Manöver ausführt als mit einem Zweihänder, zwei Schwertern oder einem Speer, sind Hunderte von Angriffsvarianten und 100 teils sehr drastische Todesstöße (Finishing Moves) möglich.
Belagerungszenen wie diese sorgen für ein bisschen Abwechslung zwischen all dem Geschnetzel. In dieser Szene bedienen wir ein Katapult und sollen die hölzernen Wehrgänge am Turm zerstören.
Keksus 21 Motivator - 25101 - 29. September 2011 - 19:02 #

Ich mag das Spiel. Werd es mir aber erst holen, wenn es für die PS3 im Preis reduziert wurde.

Desotho 16 Übertalent - 4146 - 29. September 2011 - 19:12 #

Ja, eine 6.5 heisst nicht dass es schlecht ist - dem stimme ich zu.
Mich persönlich interessiert allerdings hier weder Spieltyp noch das Setting (geht mir aber auch bei Spielen wie Starcraft 2 oder Call of Duty so und die spiele ich auch nicht).
Ein Trackmania 2 hat auch (nachvollziehbar) mäßige Wertungen bekommen und ich habe es mir dennoch gekauft und finde es gut. Allerdings ging das auch für 20 EUR beim Start über den virtuellen Ladentisch.

Problematisch ist halt dass der Spieler heutzutage eigentlich total übersättigt und wer kauft schon einen B-Titel zum AAA-Preis?

Ich denke da werden viele Spieler wie Keksus über mir erstmal abwarten bis es das Ding für nen 10er gibt.

Fischwaage 17 Shapeshifter - 6765 - 29. September 2011 - 19:13 #

Sieht zu aus als gäbe es ausserhalb der großen Firmen keine Talente mehr...
Kommt mir jedenfalls so vor da es in den letzten Jahren ein großes Spiel mehr von einem kleinen Studio gegeben hat.

Desotho 16 Übertalent - 4146 - 29. September 2011 - 19:18 #

Ich sag nur Magicka :)
Ok, vielleicht nicht "groß" in dem Sinne aber halt genial.

Weepel 16 Übertalent - 4275 - 29. September 2011 - 19:24 #

Auch wenn's weder Top-Titel noch Gurke ist, der Test war sehr lustig zu lesen. Extra Kudos für den "Hacke-Peter ersten Ranges"!

Faerwynn 17 Shapeshifter - P - 7559 - 29. September 2011 - 19:28 #

Hm, ich find das interessant. Aber ich werds wohl auch dann eher erst als Budget kaufen. Dann bin ich mal gespannt ob ich 6.5 für angemessen halte. ;)

rastaxx 16 Übertalent - P - 4669 - 29. September 2011 - 19:40 #

leiber herr fränkel, die bezeichnung "hackepeter" bezeichnet doch "mett". ich persönlich finde mett ganz großartig, soll nun im satz,

"unser lieber Herr Denz als Hacke-Peter ersten Ranges" (s.1 unter spaß im doppelpack)

impliziert sein, dass der held = mett = grandios ist? ooooder, dass er ziemlich zerschnetzelt daher kommt?

Hacker-Pschorr (unregistriert) 29. September 2011 - 20:14 #

Ich tippe auf ge äh zerschnetzelt ^^ Lustiger Test übrigens.

Wiolant 10 Kommunikator - 494 - 29. September 2011 - 20:11 #

Der Minuspunkt "Vereinzelt Kameraprobleme" unter dem Reiter "Spieltiefe / Balance" ist doppelt angegeben.

Harald Fränkel Freier Redakteur - 6969 - 30. September 2011 - 9:25 #

Ups, danke für den Hinweis!

mohnagilden 10 Kommunikator - 421 - 29. September 2011 - 20:31 #

die steuerung auf pc ist eine reinste katastrophe.
an der kirchen stelle am anfang wär ich fast verzweifelt, kann ja nich riechen das ich erst den knopf drücken muss sobald der im inneren kreis ist... da kommt man nicht von alleine drauf, schon garnicht wenn der tod hinter einem her ist... ich habs einfach nicht gerafft und da ist der spielspaß dann auch schon flöten gegangen, ganz aus wahr es dann an der stelle wo man die burg stürmt, wie man so gut wie garnichts machen muss, zielen? fehlanzeige, alles automatisch. das spiel ist gruselig, mir läufts eiskalt den rücken runter wenn ich an die steuerung denke.

Killerkom 10 Kommunikator - 460 - 29. September 2011 - 20:44 #

Och man... Phimose.... grrrr

Harald Fränkel Freier Redakteur - 6969 - 30. September 2011 - 9:21 #

Nachgeschaut? ;)

Anonymous (unregistriert) 30. September 2011 - 9:28 #

Sie Lümmel, Sie!

Gast (unregistriert) 30. September 2011 - 20:42 #

Und ich war grad am Essen :o

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9920 - 29. September 2011 - 22:23 #

Klasse Artikel, Herr Fränkel. Ich hoffe sehr, dass wir hier bald mehr von dir lesen dürfen!

Tassadar 17 Shapeshifter - 7788 - 30. September 2011 - 0:08 #

Das Spiel interessiert mich eigentlich nicht die Bohne, aber der Fränkelsche Test ist wieder so super geschrieben, flüssig zu lesen, lustig und informativ zu gleich, dass ich den Artikel mit Freude komplett gelesen habe. Großes Kino!

Harald Fränkel Freier Redakteur - 6969 - 30. September 2011 - 9:20 #

Ein schöneres Lob kann man kaum kriegen, danke.

Soul (unregistriert) 30. September 2011 - 3:14 #

Warum schafft es eigentlich niemand, mal ein richtig gutes Actionspiel oder Action-Adventure mit einem solchen Szenario hinzubekommen? Irgendwie sind die Spiele fast immer Schrott, dabei hätte ich so lust mal auf ein richtig gutes Spiel mit dem Szenario.

Jonas -ZG- 18 Doppel-Voter - P - 10571 - 30. September 2011 - 6:37 #

Die Gamestar vergibt 58 % und zerfleddert es mehr oder weniger, finde diese Unterschiede der Wertungen immer interessant. Das Setting mag ich ja sehr gerne.

PatrickF27 10 Kommunikator - 432 - 30. September 2011 - 9:08 #

Splitscreen-Coop ist immer super, allein dafür wird's irgendwann für <20 € gekauft. Danke für den Test und bitte mehr von diesen "unbeachteten" Titeln.

mihawk 19 Megatalent - P - 13205 - 30. September 2011 - 9:23 #

Endlich wieder ein Artikel von Herrn Fränkel, absolute Spitze, hoffentlich gibt's noch mehr von dir in Zukunft !

Zum Spiel: Durchaus spielenswert, aber erst als Budget-Titel.

Goldfinger72 15 Kenner - 3138 - 30. September 2011 - 19:18 #

Ich mag das Spiel. Es ist kein Überflieger und verschenkt viel Potential, dennoch macht es Spaß sich durch die Gegnermassen zu schnetzeln. Die Wertung geht in Ordnung! Wer Fan des Genres bzw. des Settings ist, darf IMO noch 5% draufrechnen... :-)

MrSnoot (unregistriert) 3. Oktober 2011 - 21:33 #

Hi,

mir hat Castlevania: LoS sehr gut gefallen. Damit dürfte doch auch The Cursed Crusade Pflicht sein, oder?

Hat jemand beide gespielt und kann die Titel vergleichen? Was macht der eine besser, was der andere?

Hagen Gehritz Redaktions-Praktikant - 10283 - 4. Oktober 2011 - 14:46 #

Extra-Kudos dafür, Interesse für ein Spiel zu wecken, trotz einer oberflächlich abschreckenden Wertung von 6.5

Mittelfristig wird dieser Titel es wohl jetzt in mein Regal schaffen. Dabei hatte ich ihn vorher überhaupt nicht auf dem Radar (ich hab ihn niht von the first templar unterscheiden können)

Lexxington 05 Spieler - 47 - 4. Oktober 2011 - 21:32 #

Grob gesagt kann man diesen Titel mit The First Templar vergleichen...beide sind nicht herausragend, aber durchaus unterhaltsam.

Larnak 21 Motivator - P - 26062 - 12. Oktober 2011 - 5:12 #

An das Spiel musste ich auch zuerst denken, als ich das Aufmacher-Bild zum Test hier gesehen habe :)

Gameboy 06 Bewerter - 74 - 31. Oktober 2011 - 12:53 #

Splitscreen coop wird der hammer

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