Taktisch ballern gegen Aliens

The Bureau - Xcom Declassified Test

Kann ein Shooter im X-Com-Universum funktionieren? Die bewegte Geschichte von The Bureau lässt zumindest Zweifel zu. Am 23. August erscheint der überarbeitete Third-Person-Taktikshooter. Wir haben das Spiel getestet und klären, ob das Flair sowie Niveau der Strategietitel erreicht wird und der Ausflug in fremde Gefilde gelungen ist.
BiGLo0seR 20. August 2013 - 19:20 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Der Bauernhof wirkt einsam und verlassen. Die Gerätschaften stehen in der Gegend herum, Türen und Fenster sind geöffnet. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen. Doch irgendwo hier soll sich eine Rakete mit einem Nuklearsprengkopf befinden. Der Skyranger-Pilot Barnes mahnt unser dreiköpfiges Team per Funk zur Vorsicht: „Nichts ist mehr so, wie es scheint“ – fünf Euro ins Phrasenschwein, werdet ihr jetzt denken. Doch in der Tat ist Amerika seit der Alien-Invasion im Ausnahmezustand. Sollte den technisch ohnehin weit überlegenen All-Besuchern auch noch die mächtigste Waffe der Menschen in die Hand fallen, wäre der schier aussichtslose Krieg endgültig entschieden. Also machen wir uns auf den Weg, um genau das zu verhindern.

Mittendrin statt obendrüber Wer bei "Xcom" an die ruhmreiche und letztes Jahr durch Xcom – Enemy Unknown (GG-Test: 8.5) mit Erfolg neu aufgelegte Rundenstrategie-Serie denkt, liegt erst mal falsch: Wir befinden uns bei The Bureau - Xcom Declassified in einem Shooter. In typischer Schulterperspektive steuern wir unseren Agenten über den Bauernhof. Hinter der nächsten Ecke patrouilliert auch schon das außerirdische Gesocks. Wir huschen rasch in Deckung und erteilen unseren beiden Kameraden den Befehl, links und rechts von uns dasselbe zu machen. Als nächstes soll der Späher seine Fähigkeit „gezielter Schuss“ einsetzen und ein Alien mit nur einem Schuss ins Extraterrestrischen-Grab befördern. Währenddessen lassen wir den glubschäugigen Anführer hilflos in der Luft schweben, und der Unterstützer verstärkt via „Gefechtsstimulanzen“ die Angriffsstärke unseres Trios. Während wir im Befehlsmodus sind, läuft das Geschehen in Zeitlupe ab. Beenden wir ihn, folgen rasch einige gezielte Salven, und der Alien-Offizier samt seiner Mannen, äh, was auch immer, ist Geschichte. Doch schon trifft Verstärkung der Invasoren ein, darunter ein stark gepanzerter Muton und mehrere Drohnen. Letztere heilen sich gegenseitig und ihre Verbündeten. Deshalb schalten wir sie zuerst aus und lenken den Muton derweil mit einem Hologramm ab. Dadurch können wir ihn in der Flanke packen. Granaten zwingen uns zwar manchmal, die Deckung zu wechseln, und auch einem Teammitglied muss wieder auf die Beine geholfen werden. Letztendlich gehen wir als Sieger hervor und der Weg zur Scheune ist frei.

Kalter Krieg mit Aliens
Die Menschen haben zu Beginn kaum eine Chance.
Mit Xcom teilt sich der Shooter das generelle Setting – Invasoren überfallen die Erde – und mehrere Aspekte wie Permadeath oder die Gegnertypen. Andere Elemente (wie Forschung) fehlen hingegen völlig, und die Zeit ist wesentlich früher angesiedelt: Ihr übernehmt im Jahr 1962 die Rolle des CIA-Agenten William Carter. Der hält sich auf der Militärbasis in Groom Range auf und soll einen Koffer mit einem Artefakt bewachen. Myron Faulke, Leiter der geheimen Organisation „The Bureau“, will damit einem Gremium aus den mächtigsten Männern Amerikas die Existenz außerirdischen Lebens beweisen. Doch die stellaren Finsterlinge kommen ihm zuvor: Sie greifen den Stützpunkt an, reißen den Inhalt des Koffers an sich und löschen das Gremium aus – bis auf Faulke. Schlaue Biesterchen, möchte man meinen! Doch dass sie ausgerechnet Groom Range angreifen, könnte auch einen anderen Grund haben: Im Untergrund der Basis ist ein Labor, in dem das erst vor wenigen Monaten entdeckte Weltraumgestein Elerium erforscht wird.

Natürlich ist diese Attacke nur der Anfang einer groß angelegten Invasion, bei der die Aliens dem Motto „Erst schießen, dann fragen“ folgen. Zu allem Überfluss können sie in die Haut von Menschen schlüpfen und sie übernehmen. Außerdem verwandeln sie einen Großteil der Bevölkerung zu sogenannten „Hypnotisierten“, die sich in einer Art Wachkoma befinden.

Selbstverständlich überlebt ihr den Angriff, der als Tutorial dient, und flüchtet mit einer Handvoll Agenten vom Bureau zu einer streng geheimen Basis im Nirgendwo. Dort rekrutiert euch Faulke und legt die Hintergründe der Organisation offen: Sie wurde angesichts des Kalten Krieges mit der UdSSR gegründet und sollte im Fall einer Sowjetinvasion die Landesverteidigung koordinieren. Zwar sind jetzt nicht die Sowjets das Problem, aber der Zweck ist derselbe. Im Verlauf der Handlung rekrutiert ihr Mitstreiter, bringt mehr über die unliebsamen Besucher aus dem All in Erfahrung und startet eine Gegenoffensive, um sie endgültig zurückzuschlagen.

Insgesamt ist die Geschichte interessant und hebt sich angenehm vom üblichen Shooter-Einheitsbrei ab. Jedoch trüben zwei Mängel den Gesamteindruck deutlich: Zum einen versucht das Spiel, eure Vergangenheit als Spannungselement aufzubauen. So wurdet ihr vom aktiven Dienst an den Schreibtisch verbannt. Der Grund dafür wird in einigen Gesprächen und Zwischensequenzen angedeutet und langsam aufgedeckt. Das könnte spannend sein, bliebe man denn wirklich im Unklaren über die Historie des Helden. Doch wer, gleich beim allerersten Besuch im eigenen Büro, die dort herumliegende Akte studiert, weiß alles über den Helden -- und fragt sich in der Folge, wieso das Programm ihm einreden will, weniger über sich zu wissen, als in dieser Akte steht. Filmstudenten würden für eine solche Logiklücke hochkant aus dem Drehbuch-Anfängerkurs fliegen!

Zum anderen wirkt die Handlung seltsam gehetzt. Ihr habt, ganz anders als in Enemy Unknown, nie wirklich das Gefühl, einem übermächtigen Feind gegenüber zu stehen. Einem Feind, dessen Wesen, Pläne und nicht zuletzt Truppentypen und Waffen ihr mühsam, nach und nach erforschen müsst. Dazu geht es schlicht zu schnell voran in der Handlung. Jede Mission bringt euch einen übertrieben groß wirkenden Fortschritt ein, sei es an neuen Waffen oder an Erfolgen gegen die Aliens.

Mein Freund, die Deckung
Wie in einem typischen Deckungs-Shooter der Marke Gears of War könnt ihr hinter allen möglichen Objekten wie Zäunen in Deckung gehen. Manchmal ist jedoch nicht ersichtlich, warum ihr ausgerechnet hinter diesem einen Objekt keine Deckung suchen dürft – da fehlt ein wenig Feinschliff. Das Deckungssystem müsst ihr zwingend nutzen, weil ihr sonst rasch das Zeitliche segnet. Die Steuerung via Gamepad oder Tastatur und Maus ist einfach und hält sich an die Genrekonven
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tionen. Jedoch stört uns, dass wir erst die Deckungsposition einnehmen müssen, um danach das Hindernis per Sprung zu überwinden. Das kann gerade in Gefechten nerven und in Hektik ausarten, wodurch wir manchmal das Gefühl hatten, nicht die volle Kontrolle zu haben.

An Waffen stehen euch zu Beginn noch zeitgenössische Kaliber wie ein M4 und unterschiedliche Granattypen zur Verfügung. Später erbeutet ihr im Einsatz Technologien der fremden Besucher, und zwar in vorgegebenen Missionen. Im Endeffekt sind das Pendants der normalen Waffen, die mehr Schaden anrichten und eine andere Munitionsart verwenden.

Nach dem Tutorial begleiten euch stets zwei Agenten, denen ihr, wie erwähnt in Zeitlupe, Befehle erteilt. Zudem schaltet das Spiel währenddessen in eine Art Wärmeansicht um, sodass wir einen besseren Überblick haben. Jedoch gestaltet sich das Zuweisen einer Deckung hin und wieder fummelig, weil die Kamera nicht immer über Hindernisse hinwegfliegt. Bis auf dieses Manko funktioniert die Steuerung im „Schlachtfokus“ genannten Befehlsmodus einwandfrei. Was nicht heißen soll, dass wir mit dem System inhaltlich vollkommen glücklich wären.
Eine gute Deckung ist für den Erfolg im Kampf zwingend erforderlich, da ihr nur wenige Treffer aushaltet.
Serenity 15 Kenner - 3266 - 20. August 2013 - 19:34 #

Vielen Dank für den Test, werds mir wohl aber erst im Spätherbst oder zur Weihnachtszeit gönnen, hab noch einiges auf meiner To-Play-Liste in nächster Zeit.

Alex Althoff 20 Gold-Gamer - 20926 - 20. August 2013 - 19:54 #

Warte auf die Freigabe bei Steam ^^ Das Teil + DLC mit Xcom Paket und Spec Ops - The Line bei Greenmangaming für 33 Euro gekauft (8 Titel) ;) Da kann man nicht viel falsch machen.

Maulwurfn Community-Moderator - P - 14062 - 20. August 2013 - 21:06 #

Ja, warte auch schon drauf, der Test klingt nach solidem Titel, mit dem heutzutage fast schon üblichen KI-Problem.

TheSushiFly 13 Koop-Gamer - P - 1773 - 21. August 2013 - 7:01 #

Danke für den Tipp, für den Preis hol ich es mir auch gleich :)

Zille 18 Doppel-Voter - P - 10762 - 21. August 2013 - 9:53 #

Wann war denn das?

Alex Althoff 20 Gold-Gamer - 20926 - 21. August 2013 - 20:32 #

http://www.greenmangaming.com/s/de/de/pc/games/strategy/bureau-xcom-declassified/
+ Code (steht auf der Page) War am 13.8.

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 33976 - 20. August 2013 - 19:52 #

Schade das viel Potential verschenkt wurde. Hoffe sie bessern da noch einiges aus da es mir insgesamt nämlich immer noch zusagt.

Orschler77 16 Übertalent - 4290 - 20. August 2013 - 20:32 #

Puh, ich hatte mit mehr Punkten gerechnet. Wird trotzdem gekauft.

eQuinOx (unregistriert) 20. August 2013 - 21:45 #

- Krasse Logiklücken in der Story
- Doofe KI-Kameraden
- Fummelige Steuerung
- Unverwundbarkeit beim Heilen (hallo Immersion)
- Platte Dialoge
- Klonarmee in der Basis
- Gesprächspartner immer starr an einer Position

Äh... ich spiel dann doch lieber noch ne User-Kampagne von Shadowrun Returns und freu mich auf Xenonauts, das echtes XCOM-Flair verspricht (http://www.xenonauts.com).

BriBraMuc 14 Komm-Experte - 2322 - 21. August 2013 - 1:47 #

das hab ich auch im auge.. hab nur angst, dass durch die grafik der flair von früher nicht rüber kommt.. abwarten

TarCtiC 13 Koop-Gamer - 1658 - 21. August 2013 - 9:57 #

Auch mal abwarten was jetzt im Rahmen der GamesCom noch zum Strategiespiel XCOM: EU angekündigt wird. Hoffentlich gibts dann mehr Futter für das Rundenstrategiespiel.

EDIT: Die Info ist raus. Es kommt ein Addon zum Hauptspiel!

Mazrim_Taim 15 Kenner - 3162 - 25. August 2013 - 15:50 #

Du hast - Platte Dialoge vergessen zu erwähnen und ach ja die - platten Dialoge bitte nicht vergessen.

Sorry aber die "Story bzw. die Dialoge" sind so arrgh das mir schlecht wird. Da fällt es mir auch nicht weiter auf das die "KI-Kameraden" weder sich an meinen Befehle noch was selbstständig sinnvolles machen.

Edit.
Xenonauts ist verdammt gut.
Bis jetzt habe ich (nach ca. 40 Stunden Spielzeit mit X Neustarts) erst ~6 verschiedene Alienarten gesehen aber es kommt schon nahe an dem "Orginal" heran. Wer das XCOM: Enemy Unknown von 2012 (?) lieber als das Orginal von 1995 (?) mag wird allerdings nicht wirklich glücklich mit Xenonauts.

Bobfahrer (unregistriert) 20. August 2013 - 21:49 #

Am Anfang des Tests hab ich mir noch gedacht "wie geil wäre es, wenn das ganze ein Open World Spiel wäre O_O"
Das es das nicht ist, wußte ich zwar schon vorher, aber jetzt weiß ich wenigstens worauf ich schmachtend warten kann :D .. -.-

Was mich am Test allerdings störte war, dass wieder zuviel erzählt wird, was anfangs im Spiel alles passiert. Das will ich alles selbst erleben.

Gorny1 16 Übertalent - 4723 - 20. August 2013 - 22:15 #

Ich könnte mir das nicht wirklich als Open World Spiel vorstellen, das würde das Flair doch komplett kaputt machen.
Ich hab die ganze Zeit beim lesen nur gedacht "wie geil wäre es, wenn das ganze im Stil vom neuen X-Com Strategiespiel gemacht worden wäre." :D

McGressive 19 Megatalent - 13786 - 20. August 2013 - 22:14 #

Erwartungsgemäß...
Klassischer Budget Titel für mich.

oojope 15 Kenner - 3028 - 20. August 2013 - 22:57 #

Schade, das Potenzial war ja definitiv da, so wird es aufgrund von der großen Menge an Spielen in den kommenden Monaten leider untergehen.

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 31304 - 20. August 2013 - 23:27 #

Also dieses 60er-Jahre-Setting reizt mich sehr, aber schade, dass sie die KI so verbockt haben und die Handlung ihr Potential verschenkt. Deswegen werde ich mir das Spiel vielleicht mal zulegen, wenn es günstiger zu haben ist und ich etwas von meinem Spielestapel abgearbeitet habe. ;)

everardt 17 Shapeshifter - P - 8221 - 21. August 2013 - 8:46 #

Werd ich aus den gleichen Gründen genauso machen. 60er-Jahre-Settings gibts ja nicht viele.

meanbeanmachine 14 Komm-Experte - 2466 - 21. August 2013 - 7:27 #

Schade, aber allein wegen des Settings und der schnieken Aufmachung hol ich es mir wohl trotzdem.

Danke für den feinen Test!

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 34952 - 21. August 2013 - 10:40 #

Oh Mann, wie ärgerlich! Das Spiel hätte richtig toll werden können, ich fand's jedenfalls interessant. Aber das Wichtigste für so ein Taktikspiel- die KI der kommandierbaren Kollegen - wurde offenbar verhauen. So etwas hat mir schon zu viele Spiele versaut, da hab ich echt keinen Bock drauf. Wenn ich nur daran denke, wie sehr ich mich in SWAT 3 über die Kollegen aufgeregt habe - und was für eine Wohltat die wirklich gute KI in SWAT 4 war. So ein Spiel steht und fällt eben mit der KI, alle anderen Kritikpunkte würde ich wegstecken. Aber so eben nicht. Schade. :-(

Nokrahs 16 Übertalent - 5727 - 21. August 2013 - 11:35 #

Könnte das Spiel ja mal anschauen. Werde es aber wohl nicht tun. Danke für den aufschlussreichen Test. Kommt ja demnächst das add-on zu XCOM:EU.

bsinned 17 Shapeshifter - 6921 - 21. August 2013 - 13:04 #

Hab grad das Gamestar-Testvideo geguckt und danach war ich verwundert, dass The Bureau noch so eine relativ hohe Wertung bekommen hat.

Zum Angebotspreis werde ich es aber irgendwann mal eintüten.

Memphis1812 12 Trollwächter - 1100 - 21. August 2013 - 18:25 #

Ja nach dem Ende des Videos hab ich fast mit einer 50er Wertung gerechnet.

Alex Althoff 20 Gold-Gamer - 20926 - 27. August 2013 - 17:38 #

Gibt ein neues Video von Nvidia mit den PhysX Effekten:
http://www.youtube.com/watch?v=vJClNPiyOYQ

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 10055 - 29. November 2014 - 12:51 #

Neulich für 1,99€ für PS3 bei Saturn gescored. 15h lang wurde ich für das Geld blendend unterhalten.

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