Dieser Fall löst sich fast von selbst

The ABC Murders

Test von Stephan Petersen / 3. Februar 2016 - 19:28
Steckbrief
MacOSXPCPS4Xbox One
Adventure
Detektivspiel
ab 12 freigegeben
12
Microids
Artefacts Studio
04.02.2016
Amazon (€): 17,69 (PC), 29,99 (Xbox One), 25,99 (PlayStation 4)
Hercule Poirot kehrt zurück. Nach einigen Jahren der PC- und Konsolenabstinenz lässt der französische Entwickler Microids den belgischen Detektiv wieder auf dem heimischen Monitor ermitteln. Wir haben für euch herausgefunden, ob seine Rückkehr von Erfolg gekrönt ist.
Agatha Christie - The ABC Murders ab 17,69 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal
 
Agatha Christie gehört zu den erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte. Berühmt wurde sie vor allem für ihre Krimis. Einer ihrer bekanntesten Protagonisten ist der belgische Privatdetektiv Hercule Poirot, der seine Fälle abseits des bedruckten Papiers nicht nur in Filmen, sondern auch schon auf PC und Konsolen lösen durfte. Nach Mord im Orientexpress (hier agiert Poirot nur als Berater) und Das Böse unter der Sonne in den Jahren 2006 und 2007 machte er zwei Jahre später einen Ausflug auf den Nintendo DS. Die Morde des Herrn ABC war allerdings nur ein mittelmäßiges Spiel. Aber das muss ja nun kein schlechtes Vorzeichen für den jetzt erscheinenden PC-, PS4- und Xbox-One-Titel Agatha Christie - The ABC Murders sein, der auf demselben Roman basiert. Oder etwa doch? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.
 

Erdrückende Wimmelbild-Beweislage

In der Rolle des Privatdetektivs Hercule Poirot löst ihr eine Reihe von Mordfällen.
In The ABC Murders schlüpfen wir in die Rolle des ebenso brillanten wie eitlen Detektivs Poirot, den wir mittels klassischem Point-and-click steuern. Der Belgier sitzt gerade zusammen mit seinem Freund Hastings bei der Zeitungslektüre, als Scotland Yard an die Tür klopft. Die Besitzerin eines Tabakladens wurde ermordet. Natürlich zögern Poirot und Hastings nicht lange und beginnen mit den Nachforschungen.
 
Als gute Ermittler nehmen wir natürlich zunächst den Tatort genauestens unter die Lupe. In der Praxis läuft das so: Wir suchen mit dem Cursor einen Schauplatz ab. Können wir einen Bereich detaillierter untersuchen, macht uns ein Brillensymbol darauf aufmerksam. Einen Klick später zoomt die Kamera näher an das Geschehen. Dann suchen wir wie in einem Wimmelbildspiel nach Hinweisen. Eine Anzeige verrät uns, wie viele Indizien es zu finden gibt und wie viele wir bereits gefunden haben. Spielerisch anspruchsvoll ist das natürlich nicht. Wir fahren mit dem Mauszeiger über die Szene, das Icon wird zu einem dunkelgrünen Kreis, und die Kamera fokussiert auf das Objekt. Besonders witzlos ist es, wenn es lediglich drei Gegenstände in einer Szene gibt und wir genau diese drei Hinweise entdecken sollen.
 
Zudem sind diese Beobachtungen zu oft nicht sonderlich spannend und beweisen nur das Offensichtliche. So wirft Poirot etwa seine Argusaugen auf eine Obstverkäuferin, die eine qualmende Zigarette zwischen ihren Fingern hält. Nachdem wir Zigarette, Streichhölzer und Aschenbecher "entdeckt" haben, jubelt der kleine Belgier, als hätten wir gerade den Fall gelöst. Diese Dame ist offensichtlich eine Raucherin! Chapeau!
 

Nicht vom Weg abweichen!

Drei Hinweise müssen wir finden, um diese Dame als Raucherin zu überführen.
Ohnehin verteilt The ABC Murders gerne virtuelle Streicheleinheiten. Ständig erlangen wir Erfolge und schalten eine der über fünfzig Steam-Trophäen frei. Zudem gibt es noch spielerisch nutzlose Ego-Punkte, die wir für gelungene Aktionen erhalten. The ABC Murders läuft streng linear ab. Ein Beispiel: Im erwähnten Tabakladen können wir ein Regal erst untersuchen, nachdem jemand den Inhalt auf dem Boden verstreut hat. Ständig wird uns die nächste Aufgabe vom Spiel vorgegeben: "Befrage Person XY", "Untersuche das Zimmer", und so weiter. Durch diese Vorgaben sowie die kleinen Schauplätze sind natürlich auch die sehr seltenen Objekträtsel keine große Aufgabe. Wenn wir an einem Strand stehen, der jeweils rechts und links nach ein paar Metern endet, wir einen Schlüssel im Inventar haben und es nur eine Handvoll abgeschlossene Strandhütten gibt, dann dürfte die Vorgehensweise klar sein.
 
Ego-Punkte kommen übrigens auch dann auf euer Konto, wenn der eitle Poirot in einen Spiegel schaut. Das ist beim ersten Mal witzig, danach nimmt man die drei Punkte aber einfach mit. Diese erhalten wir ebenfalls in den Dialogen, die neben der Wimmelbild-Suche das zweite große Feature von The ABC Murders sind. Zunächst können wir unser Gegenüber beobachten und ein paar nützliche Hinweise bezüglich des Charakters entdecken. Im Gespräch sehen wir dann in Form einer Texteinblendung den Gemütszustand unseres Gesprächpartners. Wie reagieren wir auf jemanden, der uns gegenüber verächtlich ist? Verhalten wir uns freundlich oder weisen wir ihn zurecht? Letztendlich gilt hier aber: Da das Spiel streng linear abläuft, führen alle Wege ans Ziel. Wir können also nichts falsch machen.

Anflüge spielerischen Anspruchs

Anders als der Rest des Spiels verfügen zumindest die mechanischen Rätsel über einen spielerischen Anspruch.
Während sich der Schwierigkeitsgrad bis hierhin meistens knapp über dem eines interaktiven Films bewegt, können die gelegentlich eingestreuten mechanischen Rätsel schon kniffliger ausfallen. So hatten wir etwa durchaus unsere Mühe, das Geheimfach einer Uhr zu öffnen. Besonders seltsam: Während The ABC Murders ansonsten alle Aufgaben vorgibt, geizt es bei den mechanischen Rätseln völlig mit Hinweisen und Feedback. Wer gar nicht weiterkommt, darf lediglich die Hilfefunktion in Anspruch nehmen. In diesem Fall löst Poirot das nächste Rätsel vollständig allein.
 
Haben wir genügend Indizien aus unseren Beobachtungen und den Dialogen gesammelt, widmen wir uns der Deduktion, die ähnlich wie in Sherlock Holmes: Crimes and Punishments (zum Test, Note: 6.0) funktioniert. Zu einer Frage wie "Wie kommt das ABC-Kursbuch auf die Theke?" wählen wir dann die passenden Hinweise aus, in der Regel ein bis drei, und erhalten im Erfolgsfall Poirots Schlussfolgerung. Herausfordernd ist auch das nicht, denn zum einen gibt uns das Spiel natürlich vor, wann wir zur Tat schreiten. Zum anderen ist aber auch die Auswahl nicht sonderlich schwer – notfalls hilft das Trial-and-error-Prinzip. Am Schluss haben wir noch die Aufgabe, den Ablauf eines Mordes (es gibt mehrere) zu rekonstruieren. Das ist immerhin erzählerisch gut umgesetzt.
 
Anzeige
Rätsel, in denen ihr Objekte mit anderen Gegenständen oder Personen kombinieren müsst, sind absolute Mangelware. Durch die eingeschränkte Freiheit und die kleinen Schauplätze sind sie zudem viel zu einfach.
Bitte das falsche Wort/die falsche Phrase einkopieren, ohne Änderungen
Hier nur nötige inhaltliche Infos, nicht richtige Schreibweise oder Positionsangabe
Christoph Vent Redakteur - Premium - 111584 EXP - 3. Februar 2016 - 19:38 #

Viel Spaß beim Lesen!

Noodles 21 Motivator - Premium - 27213 EXP - 3. Februar 2016 - 19:38 #

Schade, ich hätte auch mal wieder Lust auf ein schönes Detektiv-Adventure. Dann heißt es wohl weiter auf das neue Sherlock Holmes warten.

Olphas 24 Trolljäger - - 46311 EXP - 3. Februar 2016 - 19:40 #

Ich mag Krimi-Adventures, aber das klingt ja nicht so vielversprechend :(

McSpain Community-Moderator - 26224 EXP - 3. Februar 2016 - 20:03 #

Dann lieber das Buch oder die tolle TV-Adaption mit David Suchet genießen.

Kirkegard 19 Megatalent - Premium - 13955 EXP - 4. Februar 2016 - 10:08 #

Oder gleich mit dem Meister, Peter Ustinov.

McSpain Community-Moderator - 26224 EXP - 4. Februar 2016 - 14:58 #

Ich muss sagen, dass Suchet die Figur um Welten besser verkörpert als Ustinov. Und ABC-Murders hat Ustinov ja auch nie gespielt. Suchet hat nach fast 30 Jahren ja jede einzelne Poirot-Geschichte verfilmt.

RobGod 14 Komm-Experte - 2296 EXP - 4. Februar 2016 - 15:20 #

"Poirot" hab ich erst vor kurzem entdeckt und davor nur die Ustinov Verfilmungen gekannt. Und ich muss sagen: Suchet macht das überragend.
Da ich noch bei 1990 bin, habe ich ihn auch noch für eine Weile :)

Kirkegard 19 Megatalent - Premium - 13955 EXP - 4. Februar 2016 - 16:20 #

Ich kann kaum glauben das der von dir genannte Poirot besser als Ustinov verkörpert. Wenn ich mal die Gelegenheit habe zu vergleichen werde ich drauf achten.
Ustinov hat die Latte damals sehr hoch gesetzt. Auch die anderen Protagonisten waren in den wenigen Poirot Filmen Weltklasse besetzt.
Bin da mal gespannt.

McSpain Community-Moderator - 26224 EXP - 4. Februar 2016 - 17:50 #

Bin mir dessen bewusst, stehe aber zu meiner Behauptung. ;-)

Nur die Synchro ist nicht ansatzweise gut. Daher muss man das im OTon schauen.

akoehn 14 Komm-Experte - Premium - 2487 EXP - 3. Februar 2016 - 20:14 #

Als Alternative würde sich auch The Raven anbieten, das eine ähnliche Atmosphäre (hervorragend!) und gute Rätsel liefert. Dort hatte ich mich wie in einem guten Buch gefühlt.

Noodles 21 Motivator - Premium - 27213 EXP - 3. Februar 2016 - 20:16 #

Ja, das ist auch ein schönes Detektiv-Adventure. Und die deutsche Vertonung ist großartig. :)

Sp00kyFox 17 Shapeshifter - 8922 EXP - 3. Februar 2016 - 20:25 #

absolut, auch von mir eine empfehlung.

RobGod 14 Komm-Experte - 2296 EXP - 3. Februar 2016 - 20:50 #

Da kann ich mich nur anschließen!

Wer über die technischen Mängel hinwegsehen kann, bekommt ein so dermaßen nettes Adventure :)
Außerdem bin ich ein Fan von kleinen, geschlossenen Schauplätzen und kenne außer "The Last Express" kein Adventure, dass das bietet.
Zugreifen Leute! :)

Slaytanic 21 Motivator - Premium - 30384 EXP - 3. Februar 2016 - 20:42 #

Schade, hatte da doch etwas mehr erwartet.

Kann mich akoehn nur anschliessen, The Raven hat mir auch sehr gut gefallen.

-Stephan- 12 Trollwächter - 915 EXP - 3. Februar 2016 - 20:42 #

Schade, das hörte sich recht interessant an, ein Krimi-Adventure ist immer gerne gesehen. Ich werde es bei dem Preis aber wohl trotzdem mal mitnehmen, zumindest für eine leichte Runde Rätselkost scheint es ja tauglich zu sein

Janosch 19 Megatalent - Premium - 16508 EXP - 8. Februar 2016 - 0:56 #

Da der erste Gedanke vom Meinungskasten der Rezension, auch der meine war, kann ich einfach nur Danke sagen, einmal für den guten Text und für die Warnung vor dem Spiel.

Makariel 18 Doppel-Voter - Premium - 12909 EXP - 3. Februar 2016 - 22:28 #

Na dann bleibt Sherlock Holmes wohl die Referenz was Krimi-Spiele mit Buchvorlage angeht?

RobGod 14 Komm-Experte - 2296 EXP - 4. Februar 2016 - 1:23 #

Wenn du ein Agatha Christie Pastiche möchtest: The Raven

Keine Buchvorlage, dafür im Orient Express: The Last Express (sieht trotz seiner Jahre dank des Rotoscoping immer noch interessant aus.)

Freylis 19 Megatalent - 19634 EXP - 3. Februar 2016 - 23:03 #

Hirnschmalz war gestern, heute ist Anleinen und Gassigehen angesagt. Aber Moment, jetzt auch im Adventure-Genre? *kopfschuettel*

Deepstar 14 Komm-Experte - Premium - 2012 EXP - 4. Februar 2016 - 1:38 #

Hotspots in Adventures gibt es doch schon seit Jahren ^^.

Und Wimmelbild-Spiele sind tatsächlich auch Point&Click Adventures und diese gibt es bestimmt schon so lange seit es Grafik-Adventures gibt, erinnere mich da auch schon an ein Wimmelbild-Ding mit Dialogen auf der Amiga.

iUser 22 AAA-Gamer - Premium - 33317 EXP - 4. Februar 2016 - 8:28 #

Danke für den Test, der mir zugleich Warnung ist. Schade. Habe mir viel davon erhofft.

yeahralfi 14 Komm-Experte - Premium - 1882 EXP - 4. Februar 2016 - 10:50 #

Und schon wieder eine Adventureenttäuschung. Och Männoo. Momentan kommt da ja wirklich nicht viel im klassischen Point-Click-Stil.

Das Genre wurde ja schon oft tot gesagt. Aber eigentlich liessen sich in den Nullerjahren immer ganz nette Perlen meist europäischen Ursprungs finden. Aber mittlerweile kommt ja selbst da nichts mehr. Und wenn´s was gibt (oft bei Kickstarter), wird´s oft nicht mal mehr ordentlich eingedeutscht. Von einer guten deutschen Synchro, die früher mal Usus war, ganz zu schweigen.

Sehr schade. Meine Frau und ich (und ein paar andere Bekloppte hier) scheinen wohl die letzten weltwelt zu sein, die bereit sind, für diese Art Spiele ordentlich Geld auf den Tisch zu legen.

Noodles 21 Motivator - Premium - 27213 EXP - 4. Februar 2016 - 14:08 #

Also ich bin großer Adventure-Fan und hab eigentlich immer was zum Spielen, kann mich über Nachschub an Adventures nicht beklagen, es sah schonmal wesentlich schlechter aus. Aber stimmt schon, wenn man deutsche Komplettvertonung will, sieht es nicht mehr ganz so gut aus.

advfreak 12 Trollwächter - Premium - 923 EXP - 4. Februar 2016 - 11:53 #

Erst mal danke für den ausführlichen Test!

Tja, was ist nur aus dem Microids von einst geworden... *seufz* :(

Ich vermute hier wird wahrscheinlich wieder die schon seit längeren im Adventure-Genre beliebte Masche abgezogen:

Die ausgehungerten Adventure-Freaks werden erstmal auf allen möglichen großen Plattformen zum Vollpreis abgecasht und ein halbes Jahr später wird dann vermutlich nochmal auf iOs und Android für 4,99 das große Geschäft gemacht.

Bitte das war ja schon anhand der Bilder offensichtlich das es sich hierbei nur um ein Handyspiel handeln kann.

Grafisch war selbst Monkey Island 3 noch besser.

rammmses 18 Doppel-Voter - Premium - 10089 EXP - 4. Februar 2016 - 14:35 #

Allein der Grafikstil schreckt mich sehr ab, aber ist ja anscheinend auch spielerisch nichts geworden. Schade, hätte nichts gegeb ein gutes Detektiv-Spiel.

subert 10 Kommunikator - 350 EXP - 26. Februar 2016 - 19:43 #

Gute Abenteuer

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)