Tekken 7 Test

Die Rückkehr des King of Iron Fist

Hagen Gehritz / 6. Juni 2017 - 16:09 — vor 3 Wochen aktualisiert
Seit nunmehr 20 Jahren prügeln sich Kampfkünstler, Halbdämonen und wilde Tiere um den Titel des King of Iron Fist. Ob beim siebten Turnier wieder alles beim Alten oder auch vieles besser ist, erfahrt ihr in unserem Test.
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Den siebten Sproß der Tekken-Hauptreihe gibt es eigentlich schon seit 2015, jedoch nur als Automatenversion. Pünktlich zum zwanzigjährigen Jubiläum der Reihe erscheint nun die erweiterte Version namens Fated Retribution für die Spielhallen, die schlicht als Tekken 7 auf Konsolen und (erstmals) PC erscheint. 36 Charaktere sortieren sich dieses Mal effektvoll die Gesichtszüge neu (Vorbesteller-Charakter Eliza nicht mitgerechnet). Natürlich sind alte Haudegen wie der Capoeira-Kämpfer Eddie Gordo und Bärendame Panda dabei. Auch neue Gesichter wie der italienische Exorzist Claudio Serafino feiern ihr Debüt.

Die Auswahl ist zwar üppig, aber manch lieb gewonnener Recke wie Lei Wulong könnte dennoch von Freunden der Reihe vermisst werden. Ob der (und andere) womöglich noch mit den Charakterpaketen im Rahmen des Seasonpasses dazustoßen könnte bleibt abzuwarten. Aber schon jetzt steht fest: Mit Tekken 7 kommen Fans der Prügelspielreihe voll auf ihre Kosten.


 

Tekken ist Tekken ist Tekken

Bahnbrechende Neuerungen dürft ihr vom neuen Tekken nicht erwarten. Das hat auch sein Gutes: Habt ihr schon einmal einen der Vorgänger gespielt, werdet ihr euch gleich im Ring wie zu Hause fühlen. Im Gegenzug werden jedoch Neulinge ins kalte Wasser geworfen. Der Story-Modus erklärt die Tastenbelegung und Grundmanöver als Texteinblendung, aber ein einführendes Tutorial gibt es nicht. Traditionell sind die vier Standard-Knöpfe des Controllers mit den Grundangriffen belegt, jeweils zwei Tritte und Schläge. Im Vergleich zum bekannten Street Fighter 5 (im Test: Note 8.5) werden besondere Manöver seltener durch Stickrotation in Verbindung mit Knopfdrücken ausgeführt, sondern indem ihr gleichzeitig mehrere Tasten drückt sowie durch bestimmten Schlagabfolgen bei zeitgleichem Neigen des Sticks. Das klingt ausgeschrieben wesentlich komplizierter als es sich im Spiel ausführen lässt. Die Erkennung der Befehle funktioniert sehr zuverlässlich. Da eine hohe Präzision bei der Eingabe erforderlich ist, bleibt jedoch nicht aus, dass manchmal ein Sprung (Stick nach oben) statt des gewünschten Seitwärtsschritts (Stick kurz nach oben) erfolgt.
 
"Das ist ein Messer!"
Da Master Raven fast keine Energie mehr hat, ist ihre Rage Art umso stärker.
Aus den vorherigen Iterationen wurden Attacken mit Items, einige zerstörbare Arenen und der Rage-Modus bei niedrigem Lebensbalken übernommen. Letzterer wurde allerdings überarbeitet: Das Aufbrauchen der Rage-Leiste erlaubt es nun primär, spezielle Techniken auszuführen. Die Rage Arts lassen sich bequem per Tastendruck auslösen und bieten cineastisch verteilte Fausthagel und Energieblitze. Die Rage Drives hingegen sind starke Angriffe im Spielfluss, die kniffligere Eingaben verlangen, sich aber dafür besser in Kombos einbetten lassen. Dies ist nicht die einzige Neuerung: Am interessantesten (nach den Rage-Attacken) sind die Power-Crush-Moves. Die kann der Gegner zwar nicht unterbrechen, euer Kämpfer nimmt jedoch noch Schaden, wenn er getroffen wird. Das neue Screw-System dagegen erlaubt es euch, euren Kontrahenten nach bestimmten Angriffen leichter für eine Kombo-Serie in der Luft zu halten und ersetzt die vorherigen Regeln dahingehend.
 

Das Ende der Mishima-Saga

Das Herzstück der Einzelspieler-Variante ist der Storymodus, der von der "Mishima-Blutfehde" erzählt. Die Reise beginnt mit einer Zusammenfassung des wirren Plots von Tekken 6: Jin, Anführer der Firma Mishimia Zaibatsu, begann mit seiner Privatarmee einen Weltkrieg, damit die Verzweiflung der Menschheit den Dämon Azazel erweckte. Jin verdrosch diesen darauf und rettete die Menschheit. Anfangs kämpft sich Jins Großvater und altbekannter Bösewicht Heihachi zurück auf den leeren Chefsessel der Mishima Zaibatsu und will den weiter andauernden Krieg um die Weltherrschaft mit der G-Corp seines Sohnes Kazuya zu seinen Gunsten beenden. Durch den Fokus auf den Mishima-Clan ist die Geschichte etwas weniger hirnrissig, aber genauso platt und trashig – was wir betont positiv meinen. Wenn Heihachi früh in der Geschichte Raketen mit der guten alten Handkante umlenkt, ist die Tonalität gesetzt. Die gut inszenierten actionreichen Zwischensequenzen mit markigen Sprüche wie "Meine Fäuste haben es geregelt" runden das testosteronschwangere Melodrama ab. Kenntnis der vorherigen Teile steigern den Spaß, sind aber kein Muss.
 
In der Kampagne übernehmt ihr verschiedene Kämpfer in klassischen Keilereien einer gegen einen. Manchmal tretet ihr auch gegen eine Reihe schwächerer Gegner auf einmal an. Spielmechanische Überraschungen sind vorhanden, aber selten. Typisch für Prügelspiele steigt dabei der Schwierigkeitsgrad zum Ende hin merklich an, bis wir beim letzten Boss Blut und Wasser schwitzen. Sehr gut ist deshalb die Implementierung der "Story-Hilfe". Im Rahmen dessen wird euch ein Repertoire einfach auszuführender "fortgeschrittener Attacken" während des Kampfes angezeigt, die das Weiterkommen ohne Blick in die Angriffs-Liste erleichtern. Der einfache Schwierigkeitsgrad ist dagegen ein zweischneidiges Schwert: Der erlaubt vorgegebene Ein-Knopf-Kombos, verhindert dadurch aber normale Manöver und Würfe. Je nachdem, wie lange ihr an manchen Kämpfen knabbert, können sechs und mehr Stunden bis zum Abspann vergehen. Das Finale ist dabei in seiner Inszenierung (auch im Kampfgeschehen selbst)  sehr packend und stellt ein gelungenen Abschluss dar. Eine Auflösung auch nur einer der Nebenhandlungen dürft ihr jedoch nicht erwarten. Diese münden in ein sinnbildliches "Fortsetzung folgt".
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"Gott sei Dank, Mann, gibts 'ne Gatling Gun."
Den Render-Cutscenes von Tekken 7 mangelt es nicht an brachialer Action.
Benjamin Braun Redakteur - P - 318106 - 6. Juni 2017 - 16:10 #

Viel Spaß beim Lesen!

doom-o-matic 16 Übertalent - P - 4297 - 6. Juni 2017 - 16:19 #

Wer braucht schon Tekken wenn man Pokken haben kann? :-)

EDIT: Geiler Test uebrigens.

steever 16 Übertalent - P - 5896 - 6. Juni 2017 - 16:27 #

Ich mag keine Pokemon. Sie zu verdreschen finde ich daher ansich reizvoll, aber auf Dauer wird es mich wohl doch eher nerven.

steever 16 Übertalent - P - 5896 - 6. Juni 2017 - 16:26 #

Schöner Test. :) Nennenswert wäre vielleicht noch (falls ich es nicht übersehen habe), dass sämtliche Soundtracks aller Tekken-Spiele enthalten sind, man sich so seine eigene Tekken-Playlist erstellen kann. Ebenso sind alle (?) Abspänne/Intros enthalten. Lustig, nochmal die Abspänne von Tekken 1 und Co. anzusehen.

Für den einen oder anderen vielleicht nicht ganz unwichtig: Man bekommt eine Platin-Trophäe quasi geschenkt. Trophäen interessieren mich ansich nicht, aber nur durch etwas Spielen, bin ich schon kurz davor sie zu bekommen. Ledliglich die Online-Trophäen fehlen noch (Gewinne 1 Online-Match und Co., nichts besonderes), sowie 2-3 andere.

Und das ist bis jetzt für mich das größte Manko: Ich kann mit der PS4-Version derzeit nicht online spielen. Auf dem PC soll es übrigens ohne Probleme gehen.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 11418 - 6. Juni 2017 - 18:10 #

ist insofern übrigens auch interessant, da es sich diesmal bei den konsolen-versionen um ports handelt, während der PC aufgrund der arcade-version lead-platform war.

Marulez 15 Kenner - P - 3421 - 6. Juni 2017 - 17:25 #

Liest sich sehr gut. Wird früher oder später gekauft

_XoXo_ 13 Koop-Gamer - P - 1546 - 6. Juni 2017 - 19:23 #

Gut gemacht, Hagen.

steever 16 Übertalent - P - 5896 - 6. Juni 2017 - 20:11 #

Noch ein Tip, wie man definitiv auch auf Konsolen online Ranked Matches spielen kann:

- auf Ranglisten-Spiel gehen
- dann Kampfliste
- Rangbeschränkungen und Verbindungsqualität auf "keine Angaben" stellen
- Suche starten
- Kämpfer auswählen
- suchen lassen

also alles wie gehabt :D

- wenn er keine Sitzung findet ("keine offene Sitzung gefunden"), nichts machen, kann 2-3 Minuten dauern, aber er sucht weiter (unten steht auch "Sitzung suchen...") Irgendwann bekommt man jemanden zugewiesen und kann mit ihm spielen. Geht garantiert. Funzt bei mir auch (PS4).

Hoffe aber, dass sie das schnellstmöglich in den Griff bekommen. Ist derzeit online auf Konsolen eine absolute Katastrophe.

Tasmanius 16 Übertalent - P - 5153 - 6. Juni 2017 - 20:27 #

"Als Pimpf..." Musste lachen, dieses Wort habe ich schon lange nicht mehr gehört :-D. Ich will versuchen, es in meinen aktiven Wortschatz zu übernehmen.

saxz 14 Komm-Experte - 1817 - 6. Juni 2017 - 21:48 #

Zunächst einmal freue ich mich riesig, dass es endlich ein richtiges Tekken auf den PC geschafft hat! :) Schade finde ich nur, dass auch hier mittlerweile das DLC- und Season Pass-Gedönns Einzug gefunden hat :/

Eine Frage noch zum Test:
In der Hardware-Info ist nur Gamepad angehakt, mich würde aber noch interessieren, ob es auch einen Unterstützung für Tastatur auf dem PC gibt? Habe die Präzision bei Street Fighter sehr zu schätzen gelernt. Wäre toll, wenn auch Tekken 7 damit spielbar wäre.

Und danke für den tollen Test!

Weryx 18 Doppel-Voter - P - 10568 - 6. Juni 2017 - 23:55 #

Find ich auch schön das es Tekken aufn PC geschafft hat, davon ab sollten Beat em Ups aber immer Crossplay unterstützen, sehe kein Grund der dagegen spricht.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 11418 - 7. Juni 2017 - 8:22 #

der grund dagegen ist MS und Sony, die sich hier gegenseitig blockieren. wenn man unbedingt crossplay haben will, müsste man als publisher dann entweder auf XBO oder PS4 verzichten und damit auf einnahmen. ohne exklusiv-deal, wie etwa mit Capcoms Street Fighter 5 und Sony, stehen die chancen also schlecht dafür.

Hagen Gehritz Redaktions-Praktikant - 10031 - 7. Juni 2017 - 10:23 #

Danke für den Hinweis. =] Tastaturen werden unterstützt. Nur Tastaturen. Die Menüs lassen sich wohl nicht mit Maus bedienen. Habe die Info entsprechend angepasst.

saxz 14 Komm-Experte - 1817 - 7. Juni 2017 - 19:50 #

Mercy für die Info

Jadiger 16 Übertalent - 5323 - 7. Juni 2017 - 0:42 #

3 mal so lange Ladezeiten aber gleiche Wertung. Anscheinend macht warten auch Spaß 60 Sek Kampf 45 Sekunden warten so ist auf der Xbox.
PS4 ist mit 25 bis 35 Sekunden dabei PC 10 bis 18 Sekunden, Xbox 45 bis 59 Sek.
Wieso bewertet man das gleich und warnt nicht vor der One Version. Lange Ladezeiten die maßgeblich auf den Spielspaß drücken und die schlechtes Grafik mit 720p. Nicht mal das reichte den die Settings liegen unter den Medium der PS4 und damit ist die Xbox one Version die deutlich schlechtere Version.

Das sollte man schon erwähnen und davon abraten wer die Wahl hat die One Version zu kaufen. Zwar bringt die PS4 nicht mal 900p bei Medium zu stande lädt aber deutlich schneller und das ist ein Spaß Killer in einem Prügel Spiel. PS4 pro hat 1080p High Settings bei den Vorstellungen aber durch die Dynamischen Settings werden die beim Kampf auf PS4 standard also Medium zurück geschraubt.
PC Leistung eine 970 reicht für Ultra 60Fps@1440p man merkt sofort das der PC im vordergrund der Entwicklung stand.

Wer Prügel Spiele mag dürfte damit echt zufrieden sein, zwar bietet es keinen großen Singelplayer. Aber die Kämpfer haben teilweise über 100 Moves und dagegen wirkt alles andere ziemlich alt.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 11418 - 7. Juni 2017 - 8:27 #

stimmt so nicht ganz. zwar listet Tekken gerne so viel in der "move-list" auf, tatsächlich handelt es sich dabei aber eben nicht um special movies wie etwa bei Street Fighter, sondern in erster linie um attack-strings. würden andere spiele die auch in ihren move-lists auflisten, sähe das ähnlich komplex aus.

Sciron 19 Megatalent - P - 17096 - 7. Juni 2017 - 21:33 #

Zumal bedeutet Masse hier nicht gleich Klasse. Ich erlerne Charaktere in Prüglern gerne möglichst komplett und da fand ich Tekken (wie auch Soul Calibur) schon im Trainingsmenü immer total abschreckend, wenn man von der Moveliste erschlagen wird.

Dann lieber ein King of Fighters, bei dem ein "Leicht zu lernen, schwer zu meistern" im Vordergrund steht.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 37170 - 7. Juni 2017 - 22:09 #

Da kann ich auch Marvel vs. Capcom empfehlen (also aktuell Ultimate 3). Hat sehr viele Kämpfer, aber jeder hat nur eine recht kleine Movelist. Ist IMHO lange nicht so einschüchternd wie weniger Charaktere, von denen jeder etliche individuelle Attacken hat.

Sp00kyFox 18 Doppel-Voter - 11418 - 7. Juni 2017 - 22:48 #

wobei da vlt abschreckend ist, dass man von erfahrenen spielern noch deutlich stärker seinen arsch serviert bekommt als in anderen spielen. oftmals reicht ein hit aus und du kannst zusehen wie dein char bis zum KO gecombod wird. oder man spielt mit freunden, dann ist es sehr spaßig da es so unglaublich chaotisch ist wegen den 3'er-teams. ansonsten zum einstieg vlt lieber Street Fighter 5 oder Killer Instinct. letzteres hat sogar ein auto-combo-system für anfänger.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 37170 - 7. Juni 2017 - 22:07 #

Wie oberhalb des Wertungskasten erkennbar ist, wurde nur auf der PS4 getestet.

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