Shadowrun Hong Kong Test

Cyberpunk, Magie und Feng Shui

Karsten Scholz / 23. August 2015 - 16:18 — vor 6 Tagen aktualisiert
Das dritte Shadowrun-Abenteuer von Harebrained Schemes entführt euch nach Hong Kong – einmal mehr in einer SF-Fantasywelt, in der Trolle Körperimplantate tragen, Magiesprüche wirken und ihre Wohnung nach den Regeln des Feng Shui ausrichten. Nein, das ist kein Scherz. Das macht Spaß!
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

"Mit Harebrained Schemes lernt ihr die Welt kennen." – so oder so ähnlich könnte der Slogan der amerikanischen Entwickler lauten, die uns bereits das Seattle der Zukunft näher brachten (zum Test von Shadowrun Returns mit Wertung 6.5) und uns im Nachfolger (zum Test von Shadowrun Dragonfall mit Wertung 7.5) nach Berlin beförderten. Die dritte Versoftung des berühmten Pen&Paper-Universums ist seit dem 20. August erhältlich und enthält ein Freiflugticket ins weit entfernte Hong Kong. Denn auch dort gibt es für die namensgebenden Shadowrunner mehr als genug Arbeit zu verrichten. Shadowrun - Hong Kong ist ein komplettes Spiel (also kein Addon) und erzählt eine neue Geschichte, die Ereignisse in den Vorgängern spielen keine Rolle. Ihr könnt also problemlos mit dem dritten Teil einsteigen und später bei Interesse Shadowrun Returns und Dragonfall nachholen.
 
Dank überarbeitetem Interface fällt es leichter, Gegenstände weiterzureichen.
Doch lohnt sich der Trip nach China überhaupt? Haben wir es in Shadowrun - Hong Kong mit einer waschechten Fortsetzung zu tun, die Fehler des Vorgängers ausmerzt, oder mit einem einfachen DLC, der dasselbe Spiel mit neuer Kampagne und ausgetauschten Grafik-Assets präsentiert? Nach gut 20 Stunden Spielzeit können wir euch auf diese und viele weitere Fragen die Antworten präsentieren.
 

Plötzlich Shadowrunner

Unser Held erhält von seinem Ziehvater Raymond Black, den er seit acht Jahren nicht gesehen hat, eine kryptische Botschaft: Er soll schnellstmöglich nach Hong Kong kommen, das Warum und Wieso soll er vor Ort erfahren. Nur kommt es gar nicht erst zum Familientreffen, zumindest nicht so wie gedacht: Statt Raymond begrüßt ihn am Pier sein Ziehbruder Duncan. Der berichtet, dass Raymond verschwunden ist. Die Situation verschärft sich, als mehrere Shadowrunner vor unseren Augen von Scharfschützen der Polizei hingerichtet und wir stadtweit als Terroristen gebrandmarkt werden. Also tauchen wir in die Unterwelt von Hong Kong ab, um unseren Vater zu suchen und herauszufinden, in was wir da geraten sind.

Die Ausgangslage des Hong-Kong-Abenteuers ist vor allem deswegen spannend, weil die beiden ungleichen Brüder ungewollt Shadowrunner werden. Duncan ist selbst ein Gesetzeshüter und kann es kaum fassen, dass nach ihm gefahndet wird. Äußerst widerwillig lässt er sich mit den hiesigen Triaden ein, denn nur die können uns Unterschlupf gewähren und die notwendigen Informationen liefern, um Licht ins Dunkel zu bringen. Bis es soweit ist, müssen wir uns jedoch erst einmal in typische Shadowrunner-Missionen stürzen, in denen wir Personen entführen, feindlichen Gangs Einhalt gebieten oder einen Serienmord aufklären.
 
Mit unseren Etiquette-Fähigkeiten lassen sich viele Konflikte auch gewaltfrei lösen.
Die meisten dieser Quests hätten auch problemlos in den beiden Vorgängern auftauchen können, es gibt aber auch Ausnahmen. So sollen wir etwa für einen Auftrag ein Bürogebäude infiltrieren und dort das Feng Shui, also die Harmonie zwischen Mensch und Umgebung, stören. Dafür müssen wir an bestimmten Qi-Knotenpunkten die Einrichtung zerstören – schon haben wir die Leistungsfähigkeit der Angestellten signifikant gesenkt. Uns bleibt es dabei überlassen, wie weit wir gehen. Stören wir die Harmonie im Gebäude nur ein wenig, fällt auch unsere Belohnung gering aus. Gehen wir in die Vollen, winken zwar jede Menge Nuyen, doch dafür bekommen wir es mit wütenden Elementargeistern zu tun. Auch sonst haben wir eine Menge Entscheidungen zu treffen. Lösen wir einen Konflikt im Gespräch oder untermauern wir unsere Argumente mit ein paar Kugeln aus unserer Pistole? Zudem warten in den Dialogen diverse Wahlmöglichkeiten auf uns, die sich nicht nur im Kleinen auswirken, sondern manchmal sogar das Schicksal von wichtigen Figuren bestimmen und Freunde plötzlich in Feinde verwandeln.
 

Vielfältig, aber technisch altbacken

Lösen wir in der Matrix Alarm aus, haben wir es schnell mit einer gewaltigen Übermacht an Feinden zu tun.
Die Nebenaufträge sind zwar gut erzählt, doch verliert Harebrained Schemes zeitweise das große Ganze aus dem Auge, sodass die Hauptgeschichte nach starkem Anfang etwas an Fahrt verliert. Nichtsdestotrotz hat uns die Kampagne 20 Stunden lang gut unterhalten: Die englischen Texte, mit denen man wieder einmal ein ganzes Buch füllen könnte, sind trotz einiger Rechtschreib- und Grammatikfehler gut geschrieben, viele der auftauchenden Figuren interessant gezeichnet und auch das Finale kann sich sehen lassen.

Abzüge gibt es von uns jedoch bei der Präsentation. Die wenigen Zwischensequenzen machen nicht allzu viel her und auch bei der Vertonung haben die Entwickler gespart - wer am Monitor ungern liest, wird auch im dritten Shadowrun-Teil weniger Spaß haben als möglich. Überhaupt gibt es nur selten was auf die Ohren: Die wenigen, aber guten Musikstücke werden nur sporadisch eingesetzt, ähnlich sieht es beim Hintergrundsound aus, der zudem nicht immer zu dem passt, was gerade auf dem Bildschirm passiert. Etwas besser gefällt uns die Optik des Spiels: Der farbenfrohe Grafikstil ist bestimmt nicht jedermanns Sache, dafür fallen die mit unzähligen Details versehenen Schauplätze sehr abwechslungsreich aus - nie hatten wir das Gefühl, durch Baukasten-Levels geschickt zu werden.
 
Die KI tummelt sich gerne mal an Türen.
Schade ist jedoch, dass selbst stark bevölkerte Areale so lebendig wirken wie Leipzig um vier Uhr morgens. Nur selten bewegt sich mal ein NPC von A nach B, Dialogpartner gibt es nur wenige und überhaupt müssen wir interaktive Elemente wie Kisten mit der Lupe suchen. Dazu kommen die immer noch sehr hölzernen Animationen und die zwar verbesserten, aber weiterhin sehr einfach gehaltenen Angriffseffekte - audiovisuell wäre viel mehr drin gewesen.
 

Kampfsystem mit bekannter KI

Am Kampfsystem hat sich nichts getan: Ihr gebt euren Streitern nacheinander Befehle und eure Aktionspunkte bestimmen, wie oft ihr angreifen, die Position wechseln oder Gegenstände einsetzen könnt. Seid ihr fertig, ist die KI an der Reihe. Obwohl eure Gegenspieler meist in der Überzahl sind und in der Theorie über dieselbe Bandbreite an Fähigkeiten und Zauber verfügen, fallen die Gefechte auf dem zweiten von drei Schwierigkeitsgraden - wie in den Vorgängern - für erfahrene Taktiker zu leicht aus.

Dazu kommen die gewohnten KI-Probleme: Ab und an ballern sich die Schergen mit ihren Flächenangriffen selbst über den Haufen, oder sie kuscheln auf einer Position, sodass unser Granatwerfer sie gar nicht verfehlen kann. Manchmal nehmen sich die gegnerischen Kämpfer sogar selbst aus dem Spiel, weil sie mangels vernünftiger Wegfindung ziellos vor und wieder zurücklaufen, statt etwas Vernünftiges zu tun.
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Die Schauplätze fallen optisch abwechslungsreich aus, hier balgen wir uns in einer schicken Gartenanlage.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 349052 - 23. August 2015 - 16:20 #

Viel Spaß beim Lesen!

DerMitDemBlunt 14 Komm-Experte - 2483 - 23. August 2015 - 18:14 #

Bis jetzt der beste Teil meiner Meinung nach. Genauso süchtig machend wie die Vorgänger und genau wie diese habe ich auch diesen Teil gleich an einem Stück durchgespielt :) Liebe die Serie und hoffe auf weitere Spiele

Roland 18 Doppel-Voter - 10901 - 23. August 2015 - 18:38 #

So geht es mir ebenso. Es muss nicht immer die neuste Technik und der ganze Krimskrams sein. Selbe Engine - alles vorhanden. Ihre Konzentration können sie daher auf gute Handlung und einige neue Innovationen stecken. Bislang fahren sie damit sehr gut :)

Olphas 24 Trolljäger - - 48631 - 23. August 2015 - 18:44 #

Bin noch nicht dazu gekommen, aber nachdem der Sprung zu Dragonfall schon recht groß war, erwarte ich mir mindestens das gleiche Niveau. Ich habe diesen Teil hier auch gerne mitfinanziert. Und einige der Detailverbesserungen sind, wie Karsten ja schon sagt, ein echter Segen. Und wenn es sowas kleines ist wie das übergeben von Gegenständen an andere.
Ist schon installiert und sicher bald dran :)

Slaytanic 23 Langzeituser - P - 40232 - 23. August 2015 - 18:56 #

Ich werde wohl mal heute Abend reinschauen. ;)

EbonySoul 16 Übertalent - P - 4587 - 23. August 2015 - 19:36 #

Hab 9 Stunden gespielt und bis jetzt ist es in etwa auf den gleichen Level wie Dragonfall.

zfpru 16 Übertalent - P - 4156 - 23. August 2015 - 19:06 #

Feng Shui finde ich super. Das Feature kann das Spiel nach vorne bringen.

Drugh 15 Kenner - P - 3118 - 23. August 2015 - 19:19 #

Ist gekauft. Aber erst den POS... Pillars of Eternity, Far Cry 3 und ein paar Runden Endless Legend stehen in der Reihe davor. Vermutlich wirds was mit dem Steam Winter Sale.
Die ersten beiden Teile fand ich spitze. Hab einen mit einem Trollschamanen und den zweiten mit einem Zwergen Decker/Rigger gespielt. Hat alles sehr viel Spaß gemacht.

guerillero 10 Kommunikator - 371 - 23. August 2015 - 19:42 #

Karsten hat aber ein gruseliges Foto. Ist er bei Jörg in Ungnade gefallen?

Karsten Scholz Freier Redakteur - 12154 - 23. August 2015 - 21:16 #

Ich bin wunderschön, es muss an der Digicam liegen!

Aiex 16 Übertalent - 4335 - 23. August 2015 - 20:29 #

Wenn ich 20h lesen will, nehm ich ein Buch zur Hand.

Lacerator 16 Übertalent - 4453 - 23. August 2015 - 21:21 #

Jedem das seine. Aber mit der Einstellung verpasst du einige der besten RPGs aller Zeiten. Es ist ja auch nur viel lesen und nicht nur lesen.

MikeD 14 Komm-Experte - P - 2478 - 23. August 2015 - 20:55 #

Ist dank Backer Key schon auf der Platte.
Aber zuerst noch Dragonfall beenden. Habe heute weitergespielt und dürfte kurz vor dem Endkampf sein. Gefällt mir Super und ich freue mich auf Hong Kong.

el_Matzos 14 Komm-Experte - P - 2508 - 23. August 2015 - 21:44 #

Ich hatte sehr viel Spaß mit Shadowrun Dragonfall (habe den Director's Cut gespielt). Ich will nicht sagen, dass es das beste Spiel ist, das ich je gespielt habe, aber es hat mich irgendwie fasziniert, wie mich schon lange kein Spiel mehr fasziniert hat. Klar hat es Ecken und Kanten, aber die gut geschriebene Story hat die locker überdeckt. Nachdem was ich so gelesen habe, soll Shadowrun Hong Kong ja relativ ähnlich sein (mit leichten Gameplay-Verbesserungen). Ist also ein Pflichtkauf für mich.

Lacerator 16 Übertalent - 4453 - 23. August 2015 - 23:09 #

Da geht's mir genau so. Wobei, gekauft hab' ich's schon lange. :)

Arno Nühm 15 Kenner - - 2830 - 23. August 2015 - 23:26 #

Shadowrun - Hong Kong ist ein MUSS für jeden Shadowrun-Fan.
Fans der beiden Vorgänger können bedenkenlos zugreifen!
Ich finde die Story (bislang rd. 8 Spielstunden) KLASSE!
Gute Englischkenntnisse seien jedoch vorausgesetzt, um die Texte in Gänze zu verstehen.

Slaytanic 23 Langzeituser - P - 40232 - 23. August 2015 - 23:57 #

Mir gefällt es bislang auch ausgesprochen gut. Für mich war aber schon der 1. Teil hier doch etwas unterbewertet... ;)

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 37506 - 24. August 2015 - 0:31 #

Returns fand ich schon ziemlich gut, Dragonfall muss ich noch spielen und danach ist sicher irgendwann auch Hong Kong dran. ;)

Markus 13 Koop-Gamer - 1521 - 24. August 2015 - 9:46 #

Ha ha, der Kommentar könnte 1:1 von mir stammen.:-)
Toll, das HBS sich scheinbar mit jedem Release noch steigert - wobei ich mit Returns auch schon sehr viel Spaß hatte.
Ich hab's an anderer Stelle schon mal geschrieben und kann's hier nur wiederholen: Absolut vorbildliches Handling der Kickstarter-Kampagne. Da werde ich auch beim nächsten Projekt von denen gerne wieder das Scheckheft zücken.

Cat Toaster (unregistriert) 24. August 2015 - 15:14 #

Returns fand ich super, bei Dragonfall hänge ich weil es doch etwas schwieriger ist. :(

Kirkegard 19 Megatalent - 15837 - 24. August 2015 - 8:09 #

Mal schauen, den ersten Teil fand ich persönlich besser als den Zweiten. Werde Hongkong auf jeden Fall spielen.

Gadeiros 15 Kenner - 3118 - 24. August 2015 - 9:33 #

irgendwie denke ich bei deren vorgangsweise würden sie mehr die richtung eines modularen geschäftsmodells bevorzugen. praktisch mehr in die richtung von hauptdaten kaufen und der rest sind "gemoddete abenteuer"/module.

aber hey, solange am ende was gutes bei rauskommt *schulterzuck*

Vampiro 22 AAA-Gamer - P - 35457 - 24. August 2015 - 23:23 #

Ich empfinde die Texte in der shadowrun-reihe nicht als Atmosphäre störend sondern sehr positiv.

Ganesh 16 Übertalent - 5032 - 27. August 2015 - 17:11 #

Na ja, ich hab jetzt neun Stunden gespielt - und teilweise geht mir die Masse an Text schon auf den Geist, eben weil das Spielsystem so viel Spaß macht und der Text meist im Weg steht...

Paganosterix 14 Komm-Experte - P - 2077 - 25. August 2015 - 9:23 #

Das ist ja lustig.
Wenn man auf der ersten Seite auf das Porträt vom Autor klickt, kommt man bei seiner eigenen Profil-Seite raus.
Hm.. offenbar hab ich doch verborgene Talente und schreibe heimlich Spiele-Test-Artikel.

Gertie 14 Komm-Experte - P - 2306 - 26. August 2015 - 10:02 #

Ich fsnd im Gegensatz zum Vorgänger das In SR:HK die Story Nebenaufträge "Runs" Abfolge nicht so toll gelungen ist. Die große Story hätte noch ein paar mehr Missionen haben können die man zeitlich zwischen die sehr gelungen Nebenaufträge hätte streuen können Ansonsten fand ich es sehr unterhaltsam.

Harlevin 11 Forenversteher - 573 - 28. August 2015 - 13:41 #

Großes Lob an die Entwickler, dass sie diese Serie immer weiterentwickeln. Ich habe zwar kein großes Interesse an Shadowrun, aber verfolge die Entwicklung dieser Spiele dennoch recht gerne. Einfach weil der Entwickler Einsatz zeigt und auf die Kritiker hört.
Schade nur, dass (jedenfalls nach den Screenshots) die Umgebung von Hong Kong nicht in grelles Neonlicht getaucht ist, wie es das Cover zeigt.

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