Test: Reich die Tentakel, Mutant

Resident Evil - Darkside Chronicles Test

Wer eine irgendwie geartete Angst vor Tentakeln hat, sollte ab hier besser nicht weiterlesen. Denn denen begegnet ihr in Resident Evil - The Darkside Chronicles reichlich. Damit setzt die Serie auf ihre alten Horrorstärken. Doch reicht das für einen gelungenen Railshooter auch aus? Wir sind für euch auf Tentakelfühlung gegangen.
Philipp Spilker 22. November 2009 - 23:45 — vor 7 Jahren aktualisiert
Wii
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In den inzwischen 13 Jahren ihres Bestehens hat die Serie Resident Evil eine beachtliche Zahl an Ablegern hervorgebracht, doch drei Episoden rangieren bei den Fans in ganz besonders hoher Gunst: Resident Evil 2, Resident Evil: Code Veronica und Resident Evil 4. Das neueste Spin-Off auf der Nintendo Wii firmiert unter The Darkside Chronicles, und ist ganz klar als Fanservice zu verstehen. Denn ihr erlebt nicht nur die Geschehnisse aus Resident Evil 2 und Code Veronica in zeitgemäßer Grafik und teils neuer Perspektive, sondern erfahrt außerdem auch bis dato Unbekanntes, zum Beispiel, was mit Leon Kennedy kurz vor Resident Evil 4 geschah. The Darkside Chronicles ist ein traditioneller Rail-Shooter, ihr seid konstant auf unsichtbaren Schienen unterwegs. Erst kürzlich hat Dead Space: Extraction bewiesen, dass das nichts Schlechtes sein muss (GG-Bewertung: 8.5).

Drei Blicke zurück
 
In den drei Kampagnen setzt The Darkside Chronicles deutlich auf Wiedererkennungswert. In „Erinnerungen einer verlorenen Stadt“ steuert ihr wahlweise Leon Kennedy oder Claire Redfield durch das zombieverseuchte Racoon City, findet euch schon bald im Polizeirevier wieder und trefft dort auf bekannte Gesichter wie Ada Wong und Sherry. Die zweite Kampagne, „Spiel des Vergessens“, lässt euch in die Rolle von Claire Redfield oder Steve Burnside schlüpfen und setzt den Fokus auf den Wahnsinn der Familie Ashford, die auch mit den üblen Machenschaften des Umbrella-Konzerns zu tun hat.

Als Bindeglied zwischen diesen beiden Kampagnen dient „Operation Javier“. Leon Kennedy und sein Partner Jack Krauser werden darin ins ländliche Südamerika geschickt, um ominösen Machenschaften eines Geschäftsmann nachzugehen. Das Dorf, in dem sie ihren Kontaktmann aufsuchen sollen, ist jedoch verlassen … bis die ersten Zombies auftauchen. Kurz darauf geht es dann, ein geheimnisvolles Mädchen namens Manuela im Schlepptau, durch einen gigantischen Staudammkomplex zur Villa des besagten Geschäftsmanns. Und dort -- aber das verraten wir euch nicht. Nur soviel sagen wir: Auf den letzten Bosskampf wären selbst die Kolosse aus dem PS2-Geheimhit Shadow of the Colossus neidisch.
 
In der Kampagne "Spiel des Vergessens" müsst ihr euch zunächst dem wahnsinnigen Alfred Ashford in tödlichen Labyrinthen stellen, bevor es euch später an den Südpol in ein (fast) verlassenes Umbrella-Labor verschlägt.
 
Uns hat „Spiel des Vergessens“, die Nacherzählung von RE: Code Veronica, mit Abstand am meisten zugesagt. Das Zusammenspiel zwischen Claire und dem großkotzigen Steve sorgt für einige witzige Momente. Die Story gewinnt enorm dadurch, dass der Fokus einmal nicht nur auf den Mutanten, sondern auch auf der Familiengeschichte des Ashford-Clans liegt. „Erinnerungen einer verlorenen Stadt“ hat im Gegenzug die besten Nostalgie-Momente wie zum Beispiel die nur unter leichten Komplikationen stattfindende Flucht aus dem unterirdischen Laborkomplex via Zug. „Operation Javier“ schließlich trägt gänzlich neues Material zum
Kurzfassung der Story: Zombiiiiiiiies!!!
Kanon der übergreifenden Story von Resident Evil bei. Für echte Fans ist dieser Rückbezug auf alte Zeiten ein echter Kaufgrund, Neulinge stehen aber teilweise wie der Ochs vorm Berg: The Darkside Chronicles erklärt in seinen 8 bis10 Stunden Spielzeit (auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad) nur das Allerwesentlichste.
 
Schießen, schießen, schießen
 
Um euch der zahlreichen Gegnertypen zu erwehren, steht euch nebst einer Standardpistole mit unendlicher Munition auch eine Reihe weiterer Waffen zur Verfügung. Hierzu zählen unter anderem Schrotflinte, Maschinengewehr, Raketen- sowie Granatwerfer. Da diese nur über begrenzte Munition verfügen, solltet ihr sie für Notsituationen oder dafür besonders anfällige Feinde aufsparen. Wir hatten beim Testen das Gefühl, dass alle Waffen mit Recht ihren Platz im Spiel gefunden haben; mal abgesehen vom Bogengewehr, dessen Vorteil uns sich nicht  erschließen wollte. Eure Waffen könnt ihr am Ende eines Levels (derer es 20 gibt) in Kategorien wie Kraft, Munitionskapazität und Nachladegeschwindigkeit aufbessern.

Dafür allerdings benötigt ihr Geld. Das liegt manchmal in Form von deutlich sichtbaren Goldbarren wortwörtlich am Wegesrand, versteckt sich zusätzlich dazu aber auch an den unmöglichsten Orten: in Lampen, Vasen und Kisten oder hinter Bilderrahmen. Das führt allerdings zu einer eher seltsamen Spielweise: Selbst wenn keine Gegner zu sehen sind, werdet ihr ständig eure Umgebung beharken, um auch ja keinen versteckten Schatz zu verpassen. Auf Dauer nervt das, besser wäre, das Spiel würde euch klar zeigen, welche Gegenstände zerstörbar sind und welche nur Dekoration. So aber wird die Suche nach Geld und versteckten Umbrella-Akten zur Fleißarbeit. Eine Fleißarbeit aber, die ihr nicht scheuen solltet: Durch die Akten werden in den Archiven mit der Zeit Dokumente freigeschaltet, die echten Fans noch eine Extradosis an Hintergrundinformation schenken. In den Archiven trefft ihr außerdem auch auf Gegner- und Charakterakten und schaltet Achievements frei (für 10.000 abgegebene Schüsse beispielsweise gibt es den Titel „Schießwütig“). Wer's mag, darf sich außerdem bereits freigespielte Cutscenes erneut anschauen. Die sind zwar recht gut auf Englisch vertont, leiden aber wie sämtliche Dialoge außerhalb der Cutscenes unter teils stümperhaften deutschen Untertiteln.

Im durch Resident Evil 2 berühmten Polizeiquartier von Racoon City ist zwar kein Gegner zu sehen, aber wir sind trotzdem schießbereit. Vielleicht verbirgt sich ja irgendwo ein versteckter Gegenstand...

Sven 18 Doppel-Voter - 9146 - 23. November 2009 - 22:35 #

Wirklich schön geschrieben, macht Laune auf mehr - vielen Dank, Philipp!

Eher vorsichtige Frage aber: RE2, Veronica, Chronicles - alle indiziert und keine zensierten Fassungen, auf die man im Zweifelsfall verweisen könnte, erhältlich. Die bloße Nennung der Titel reicht zwar definitiv nicht, um es als Werbung auszulegen... bei dem Verweis auf die großen Fangemeinden (aufgrund der Qualität der Spiele) wäre ich mir ehrlich gesagt aber nicht mehr ganz so sicher. Ist euch aber durchaus bewusst und durchdacht worden, oder?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324099 - 24. November 2009 - 0:15 #

Die Erwähnung eines Titels und dass er eine Fangemeinde hat, ist nicht problematisch. Indizierung ist in erster Linie ein Werbe- und Vertriebsverbot an Jugendliche, aber kein "1984", wo ein Spiel aus den Annalen getilgt wird und nie existiert gehabt haben darf...

jroger 09 Triple-Talent - 279 - 25. November 2009 - 0:44 #

Auch wenn das von fast allen Print-Magazinen so gehandhabt wird ... Interessant finde ich in diesem Zusammenhang, dass zum Beispiel in der PC Games indizierte Titel auch nur umschrieben werden, auf pcgames.de hingegen erwähnt werden. Ich denke, das hat auch mit den wirtschaftlichen Realitäten zu tun. Im Zweifel (bei einem übereifrigen Staatsanwalt) ist eine Internetseite schnell geändert. Ein Recall der Monatsausgabe eines Print-Magazins (auch wenn sie sich im Nachhinein als ungerechtfertigt herausstellt) wäre aber sicherlich der wirtschaftliche Tod.

Genug Off-Topic. :)

Edit: Aber ich sehe das genauso wie Jörg. Werbeverbot ist nicht das gleiche wie "Redeverbot". Das würde auch den Artikel 5 GG trotz Absatz (2) arg strapazieren.

Knight 13 Koop-Gamer - 1307 - 23. November 2009 - 23:25 #

Auch von meiner Seite danke für die Einblicke in Darkside Chronicles. Prima Entscheidungshilfe für mich erst mal mit dem Kauf zu warten da ich zunächst erst mal DSE zu Ende spielen möchte und das muss wg. AC2 und DAO ja auch erst mal warten...

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 24. November 2009 - 15:50 #

Ja, an Vorrat mangelt es spieletechnisch derzeit wirklich nicht.

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 - 24. November 2009 - 1:38 #

Danke für den Test. Spiele schon seit längerem mit dem Gedanken, mir den einen oder anderen Railshooter für mein Wii zuzulegen.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 24. November 2009 - 15:49 #

Dann kommt dir das sehr railshooterlastige Jahr 2009 ja gelegen.

Knight 13 Koop-Gamer - 1307 - 24. November 2009 - 16:33 #

Malyce, dann besorge dir wirklich erst mal Dead Space Extraction. Ja das sage ich der die RE Teile aus der Hauptreihe geliebt hat. :D

Ich stand gestern noch im Gamestore meines Vertrauens vor dem RE-Railshooter und war drauf und dran zuzuschlagen - hatte mich dann aber noch eines anderen besinnt.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 24. November 2009 - 17:53 #

Darkside Chronicles erscheint aber offiziell erst in drei Tagen. Wie kannst du dann gestern schon im Gamestore vor dem Spiel gestanden haben? ;)

Knight 13 Koop-Gamer - 1307 - 25. November 2009 - 12:00 #

Man hat es mir tatsächlich anbieten wollen ;)

PARALAX (unregistriert) 24. November 2009 - 4:34 #

Ich glaub, das wär mal wieder ein Spiel für mich (wenn mal wieder Zeit zum Zocken). Danke für den Test!

GingerGraveCat (unregistriert) 24. November 2009 - 14:14 #

Da ich Resident Evil The Umbrella Chronicles schon gern gespielt habe, werde ich mir auch diese Episode nicht entgehen lassen.

Pro4you 18 Doppel-Voter - 11341 - 25. November 2009 - 17:08 #

Ich bin ein verehrer der Resident Evil 5 reihe, doch finde ich das diese auf der Leistungsstärkeren Ps3 und Xbox 360 viel besser aufgehoben ist. Denn das sieht von der Grafik eher nach den anfängen von Resident Evil aus.

majo28 06 Bewerter - 60 - 7. März 2010 - 13:00 #

Da weiß man gar nicht mehr welchen Railshooter man sich jetzt zulegen soll, Dead Space Extraction oder Darkside Chronicles.

Ich werde aber wahrscheinlich zu dem Resident Evil greifen, da es einen Multiplayer gibt.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 8. März 2010 - 19:21 #

Den gibt es bei Dead Space: Extraction auch. Siehe Test hier auf GamersGlobal. Ich würde dir ganz klar DS: E empfehlen, da es schlicht eines der besten Wii-Spiele ist.

SirDalamar 14 Komm-Experte - 2035 - 13. Mai 2010 - 16:53 #

Hab's recht günstig erstanden und muss sagen: Das Spiel macht deutlich mehr Spaß als so manche Wertung vermuten lässt. Die Wackelkamera stört manchmal schon (auf leicht z.B. gar nicht - da gibt's ja Auto-Aim), aber weniger als gedacht. Was mich mehr genervt hat sind die Kamerafahrten an und für sich: "Oh, da ist ein Item... oh, schon weg." Aber das ist wohl eher eine Genre-Krankheit :)
Habe mich übrigens für RE:Darkside Chronicles und gegen DS:E entschieden - ich weiß, dass DS:E besser sein soll, aber seit RE2 finde ich die Serie einfach super. Als nächstes bräuchte ich Teil 5... mal sehen, wann der nur noch 20€ kostet ;)

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