Im Test: Neverwinter Nights 2

Mysteries of Westgate

Die erfolgreiche Neverwinter-Nights-Serie erhält Zuwachs. Atari spendiert allen Fans der Reihe für kleines Geld einen neuen Downloadcontent. Doch was kann man von einem anderthalb Jahre verspäteten Modul erwarten?
Armin Luley 29. Mai 2009 - 0:19 — vor 5 Jahren aktualisiert
PC
Obwohl das Adventure Pack Mysteries of Westgate für Neverwinter Nights 2 eigentlich schon seit September 2007 fertiggestellt ist, verschleppte Publisher Atari den Release des Moduls immer wieder. Mal lag es an der Implementierung des neuen Rechtemanagements, dann wurde es wegen des Releases des zweiten Addons Storm of Zehir zurückgestellt. Seit dem 29. April ist es nun aber endlich soweit - ab sofort kann die Reise an die Drachenküste beginnen und das Mysterium um die Stadt Westgate gelöst werden.

Kein Addon

Anders als Mask of the Betrayer oder Storm of Zehir ist Mysteries of Westgate kein sogenanntes Addon. Es enthält keinen neuen Content wie das Seelenfresser-Feature oder die Überlandreisekarte. Es erweitert daher nicht den Umfang des Spiels. Wie viele Modder nutzten auch die Ossian Studios in erster Linie das, was Obsidian Entertainment mit dem Erstrelease von Neverwinter Nights 2 und dem dazugehörigen Toolset der Spielerwelt zur Verfügung stellte. Zwar gibt es ein paar ergänzende Inhalte – eine handvoll neue Kreaturen und ein Umgebungs-Tileset – doch werden diese nicht in das Grundspiel integriert und stehen damit Moddern auch nicht als Ressourcen zur Verfügung. Mysteries of Westgate ist in erster Linie eine neue, professionell umgesetzte und von D&D-Lizenzgeber Wizards of the Coast abgesegnete Kampagne für das Grundspiel.

Der Quelzarn ist eine der neuen Kreaturen des Spiels Er haust in den Kanälen der Stadt.


Neue digitale Spielewelt

Seriennummer und einmalige Onlineaktivierung sind zur Installation nötig.
Voraussetzung für Mysteries of Westgate ist lediglich das Grundspiel Neverwinter Nights 2 und ein Update auf die Version 1.22. Die beiden Addons können installiert sein, sind aber keine Voraussetzung. Der Spieler muss auch hier nur darauf achten, auf Version 1.22 zu aktualisieren. Anders als die bisherigen NWN2-Erweiterungen ist Mysteries of Westgate ein reiner Downloadtitel. Atari bietet das 314 MByte große Modul für 9,99 € in seinem Online-Shop an, andere Onlinevertriebsplattformen wie Metaboli führen es ebenfalls im Sortiment. Der Wermutstropfen an der Sache: Das Modul ist ausschließlich in englischer Sprache und benutzt ein restriktives Rechtemanagement. Dreimal dürft ihr das Adventure Pack auf unterschiedlichen Rechnern aktivieren, danach ist das Kontingent verbraucht. Zwar soll man es auf einem einmal verifizierten Rechner beliebig oft neu installieren, doch schränkt dieses DRM-System die Nutzung dennoch ein. Anders als bei den Premium-Modulen von Neverwinter Nights muss man sein Modul nur einmal authentifizieren und kann auf diesem Rechner anschließend jederzeit spielen, on- wie offline.

Update 18.06.2009: Mittlerweile wurde der Kopierschutz gelockert und die Beschränkung auf drei Installationen vollständig aufgehoben. Die einmalige Onlineaktivierung ist jedoch weiterhin notwendig.

Willkommen in Westhafen


Eine verfluchte Halbmaske, die sich nicht von ihrem Träger lösen  lässt und ihm schreckliche Alpträume beschert, führt Euren Hauptcharakter in die Handelsstadt Westgate. Die Stadt hat sich dem Freihandel verschrieben; wer Geld mitbringt ist immer willkommen, egal welcher Rasse oder welchen Geschlechts. Offiziell wird sie zwar von den großen Händlerfamilien regiert, in Wahrheit jedoch beherrscht Faceless mit seiner Nightmasks-Diebesgilde weite Teile der Stadt. Ihr Zeichen ist eine eben solche Halbmaske, wie die eures Hauptcharakters.

Das Intro erklärt euch, was euch überhaupt nach Westhafen verschlagen hat.

Ihr steht zu Beginn vor der Wahl, einen bereits vorhandenen Charakter zu importieren oder einen neuen zu erschaffen. Ossian empfiehlt einen Charakter mit Stufe 8. Höherstufige Charaktere können zwar ebenfalls importiert werden, doch gibt es keine Schwierigkeitsanpassungen an die Charakterstufen – das Spiel dürfte also zu leicht werden. Wer einen neuen Helden erschafft, wird zu Beginn entsprechend aufgestuft.

Im Hafen von Westgate angekommen, macht ihr bereits erste Bekanntschaft mit den Eigenheiten der Stadt. Westgate ist eine dicht bebaute Ansiedlung, ihr seht zahlreiche Arbeiter, Passanten, Schläger. Der Ton ist rau, man spricht im Slang und Neuankömmlinge werden gleich einmal gebührend von Geldeintreibern der Nightmasks empfangen. An diesem Punkt lernt ihr auch den ersten von drei möglichen Begleitern kennen: Schurkin Rinara, ein ehemaliges Mitglied der Nightmasks. Alle Begleiter haben ihre eigene Hintergrundgeschichte und teils sehr unterschiedliche Meinungen zu bestimmten Dingen, die ihr im Laufe des Spiels immer besser kennenlernen werdet. Aus dem Grundspiel übernommen wurde unter anderem das Einflusssystem, das an bestimmten Punkten des Spiels die Reaktion eurer Begleiter bestimmt. Die führen übrigens auch immer wieder Streitgespräche untereinander. Das verleiht ihnen mehr Profil, doch müsst ihr die meiste Zeit über keine Angst haben, dass sie euch fristlos die Gefolgschaft kündigen könnten.

Die Diebnin Rinara ist der erste Begleiter, der euch im Spiel begegnet. Früher war sie selbst ein Nightmask, musste aber aus der Stadt fliehen. Anscheinend hatte der Charakterentwickler eine besondere Vorliebe für grüne Augen.

Philipp Spilker Redakteur - Abo - 22078 EXP - 29. Mai 2009 - 21:02 #

Und wie immer, wenn ich darüber etwas lese, kriege ich direkt wieder Lust darauf, NWN2 mal intensiv zu spielen. Aber ach, der Einstieg fällt so schwer. Es steht hier aber bei mir im Regal, günstig erworben. Werde dem Ganzen also vielleicht noch mal eine Chance geben, da im späteren Spielverlauf ja offenbar all das folgt, was mir normalerweise sehr liegt. Also: Komplexe Story, tolle Dialoge, spannende Kämpfe, stimmige Spielwelt.

Ist wie bei Herr der Ringe: Mag toll sein. Aber die ersten hundert Seiten? Schnarch.

Name 29. Mai 2009 - 21:57 #

Klasse Review. Normalerweise werden kleine RPG-Addons nicht ernst genommen, ganz egal, ob sie z.B. erzählerisch besser sind als die auf Hochglanz polierten Größen wie Mass Effect. Dieser Test beweist für mich jedoch, dass Gamerglobal deutlich weniger in aktuellen Trends gefangen ist, als die meisten Spielemagazine.

hoetz 10 Kommunikator - 484 EXP - 30. Mai 2009 - 9:28 #

Das weckt Erinnerungen an tausend gespielte User Module in NWN 1, die allesamt besser waren als das Hauptspiel. Teil 2 war in puncto Story und Umfang dem Vorgänger klar überlegen (Das Add-On hat noch eins draufgepackt) doch die etwas unoptimierte Engine (Performance und Bedienung) hat mich dann auf Dauer etwas genervt.

Name 2. Juni 2009 - 18:42 #

Insgesamt schönes Review. Ich würde mir allerdings etwas weniger Information zur Story wünschen, und dafür mehr zur Spielmechanik und den Begleitern.
Einer meiner Hauptkritikpunkte an der Kampagne im Originalspiel waren die größtenteils öden Quests. Meist musste man irgendein Gebiet aufsuchen und alle Gegner töten, die dann auch noch in die Kategorie "nervig, aber nicht anspruchsvoll" fielen.
Auch die Begleiter waren größtenteils sehr stereotyp.

In MotB sah das schon deutlich besser aus - wo liegt MoW?

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 EXP - 4. Juni 2009 - 8:54 #

Mysteries of Westgate ist irgendwo dazwischen einzuordnen. MotB ist eine Klasse für sich, da kommt das Modul spielerisch und erzählerisch nicht ganz ran. Aber es hat nicht diese Längen des Hauptspiels.

Das meiste sind FedEx-Aufträge. Oft geht es darum, Gegner zur Strecke zu bringen, aber es gibt auch ein paar kleine Perlen darunter und eigentlich alle Quests sind hübsch verpackt worden. Dadurch, daß die Stadt recht übersichtlich ist und die Weltkarte mit vielen Einstiegspunkten versehen wurde, hast Du keine ewig langen Laufwege.

Die Begleiter haben einen Charakter und sind meiner Meinung nach recht gut geworden. Es sind keine Exoten, daher halten sich die oha-Momente in Grenzen. Aber sie sind sauber ausgearbeitet, nicht zu übertrieben, und haben alle einen Hintergrund, der bei allen im Laufe des Spiels ein wenig durchleuchtet wird. Mantides und Rinara haben gefühlt etwas mehr Liebe erhalten als Charissa.

Über die Spielmechanik gibt es wenig zu sagen. Das Modul nutzt dieselbe Technik wie das Grundspiel und weicht daher in keinem Punkt vom Hauptspiel ab.

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