Großes Spiel, handliches Format

Little Big Planet PSVita Test

Nachdem PS3-Besitzer im letzten Jahr Bastelnachschub in Form von Little Big Planet 2 erhalten haben, steht diesmal die PSVita-Version von Sonys Exklusiv-Serie bereit. An der bislang so erfolgreich Mischung aus Jump-and-run und einem sehr tiefgängigen Editor wurde natürlich nichts verändert. Wie sieht es aber mit der Umsetzung aus?
Jonas Schramm 22. September 2012 - 20:30
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Von der Playstation 3 über Playstation Move hin zur PSP: Wenn es um Sonys Hardware der letzten Jahre geht, wird man früher oder später auch auf einen Teil der Little-Big-Planet-Serie treffen. Neuerdings auch auf der PSVita, die mehr als ein halbes Jahr nach Launch mit einem Serien-Ableger betraut wurde. Dass Media Molecule an einem neuen Projekt unter dem Titel Tearaway arbeitet, spielt dabei keine Rolle, denn frei nach den Vorbildern anderer Sony-Marken wie God of War, Uncharted oder zuletzt Resistance zeichnet ein anderes Studio auch für diese Handheld-Version verantwortlich. Dies muss nicht zwangsläufig zu einem guten Ergebnis führen, denken wir nur an das mäßige Resistance - Burning Skies (GG-Test: 6.5).  LBP-Fans dürften die PSP-Umsetzung aber noch in guter Erinnerung haben. Little Big Planet PSVita soll nun ein weiteres Mal belegen, dass Sackboy auch im Hosentaschenformat eine richtig gute Figur machen kann.
 
Eine sympathische Welt
Kunterbunte Levels, kräftige Farben. Little Big Planet PSVita sieht klasse aus.
Im Story-Modus von Little Big Planet PSVita verschlägt es euch auf den kunterbunten Karnevalsplaneten Carnevalia, dessen Bewohner in höchster Gefahr schweben. Eigentlich sollte der Puppenspieler für Spaß bei den Zuschauern sorgen. Da er durch seinen Beruf aber immer einsamer wurde, hatten auch seine Vorführungen darunter zu leiden. Irgendwann begannen die Zuschauer den Puppenspieler auszupfeifen. Von da an war Schluss mit lustig! Der ehemalige Entertainer versetzt seitdem den Planeten nicht nur in Angst und Schrecken, sondern entführt auch Sackboys Freunde. In der Rolle der kleine Stoffpuppe macht ihr euch auf die Reise quer durch Carnivalia, um sie zu retten. In Little Big Planet PSVita bereist ihr fünf, völlig unterschiedliche Welten, die gleichzeitig die Handlung in fünf Abschnitte unterteilen.
 
Wie immer lauft und hüpft ihr durch lineare, im Wesentlichen zweidimensionale Levels, die jedoch drei Tiefenebenen besitzen. In jeder Welt trefft ihr auf einen neuen, humorvollen Charakter, der euch auf der Jagd nach dem Puppenspieler unterstützt. Der Zigarre rauchende Sean Brawn zum Beispiel, der mit seiner Augenklappe und der Hakenhand ein bisschen was von einem Piraten hat. Er ist voll und ganz davon überzeugt, ein Action-Held zu sein. Nach kurzer Zeit werdet ihr aber feststellen, dass er auch der Einzige ist, der das glaubt. Die gute deutsche Synchronisation und der stimmungsvolle Soundtrack tragen ihren Teil zur (wie immer) sehr sympathischen Atmosphäre bei, wobei die englischen Stimmen im Vergleich noch ein bisschen besser passen. Wie in Little Big Planet 2 sind nur die Zwischensequenzen vertont. In den Levels bekommt ihr dafür eine unverständliche Phantasiesprache zu hören. Dieser Bruch stört die Atmosphäre, zumal wir das Gefühl haben, dass das Vertonen dieser Sätze keinen massiven Mehraufwand bedeutet hätte.
 
Neben den Charakteren bietet auch das Level-Design eine Menge Abwechslung. Sean Brawn trefft ihr beispielsweise in Jackpot-Stadt. Eine Art Stadt der Zukunft, erinnern uns die Levels mit ihrem sterilen, weißen Grundton ein wenig an Portal. Auch die Integration von Echtweltgegenständen darf nicht fehlen: Beispielsweise dienen Videokassetten als Schiebetüren. Wer genau hinsieht, wird das ein oder andere Diskettenlaufwerk als Teil des Hintergrundes entdecken. Ganz andere Ästhetiken erwarten euch in den weiteren Welten. Ein Level im Achterbahn-Tal erinnert an eine Autorennbahn, während ihr in Seltsamland unter anderem an kaputten Wanduhren vorbei oder durch Uhrwerke hindurch lauft. Und ein Spielabschnitt im Spukschloss führt euch durch eine verdreckte Küche, wo ihr mit Marshmallows um euch werft, um Schalter zu betätigen. Dank des kontrastreichen Bildschirms der PSVita sieht das alles super aus. Little Big Planet PSVita läuft zudem flüssig, einzig die Ladezeiten vor einem Level könnten etwas kürzer sein.
 
Nach drei bis vier Stunden werdet ihr das Ende des Story-Modus erreicht haben. Und das, obwohl euch Little Big Planet PSVita an einigen Stellen durchaus fordern wird. Solltet ihr ins Gras beißen, seid ihr aber dank eines fairen Checkpoint-Systems schon nach wenigen Sekunden an der Stelle, wo ihr zuvor gescheitert seid und versucht es erneut. Letztendlich ist es einfach die begrenzte Zahl der Spielwelten, die den Story-Modus zu einem kurzen, dafür unglaublich abwechslungsreichen Vergnügen machen. Mit dem ersten Durchspielen muss es aber noch nicht getan sein: Alle Levels sind mit Luftblasen gespickt, die wegen der drei Tiefenebenen an einigen Stellen ziemlich schwer auszumachen sind. „Augen offen halten“ lautet also die Devise, denn hinter jeder Kiste könnte ein kleiner Geheimgang liegen. Die Luftblasen bringen euch einerseits Punkte, mit denen ihr euch am Ende eines Levels in die Highscore-Liste eintragt, zudem schaltet ihr so neue Sticker und Gegenstände für den Editor frei. Dass sich Sackboy auch in den Raum hinein bewegt, sorgte bei uns aber auch für Verwirrung. Zum Beispiel liegen an einigen Stellen Sprungplatten tiefer im Level und sind deshalb nur schwer zu sehen. Nervig ist das auch deshalb, weil es eben nur diesen einen Weg ans Ende gibt.
 
Sackboy läuft nicht nur durch die Levels. In  diesem Abschnitt nimmt er in einem dreieckigen Auto Platz, das ihr durch Neigen der PSVita steuert.
Hinten, vorne, rechts und links
Erinnern euch die oberen Absätze an Little Big Planet 2? Dann wird es euch auch nicht wundern, dass die Steuerung auch bei der PSVita-Fassung der größte Kritikpunkt ist. Wie in jedem Jump-and-run ist sie zwar sehr einfach zu erlernen. Nur, das Gefühl, sie mit der Zeit zu meistern, will sich nicht einstellen. So etwas wie einen Doppelsprung gibt es nicht. Die Flugzeit der Stoffpuppe bestimmt ihr durch die Dauer, die ihr die Sprungtaste drückt. Während ein Mario also im wahrsten Sinne des Wortes von einer Ebene zur nächsten hüpft, schwebt Sackboy viel mehr über den Abgrund. Daraus ergibt sich eine gewisse Trägheit, die dazu führt, dass Absprungpunkte und Sprungdistanzen deutlich schwerer abzuschätzen sind.
 
Wieder einmal macht sich Sackboy allerlei Gadgets zu Nutze, die mal mehr mal weniger unter der Steuerung zu leiden haben. Keine Probleme bereiten ein Helm, der Raketen verschießt, oder ein Paar Handschuhe, mit denen ihr schwere Gegenstände aufhebt oder fangt. Mit dem an Bionic Commando (GG-Test: 6.5) erinnernden Greifhaken wird es schon problematischer. Hier stellt sich der Analog-Stick als Manko heraus. Hängt ihr über einem Abgrund, müsst ihr den Haken exakt nach rechts und links bewegen, um Schwung zu holen. Versetzt ihr ihn nur leicht nach oben oder unten, führt das dazu, dass das Seil des Greifhakens ein- beziehungsweise ausgefahren wird, wodurch ihr Geschwindigkeit einbüßt. Besonders ärgerlich ist das, wenn
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ihr unter Zeitdruck steht und beispielsweise einem Laser ausweichen müsst. Ein anderes Negativbeispiel ist eine Luftblase, auf der Sackboy durch den Level schwebt. Mithilfe des hinteren Touchpads der PSVita gebt ihr die Richtung vor. In diesem Fall hättet ihr aber mit dem Stick deutlich mehr Kontrolle.
 
Ihr seht schon: Little Big Planet PSVita nutzt auch die Hardware-Features abseits von Sticks und Tasten. Mit Ausnahme des Touchpads ist die Integration auch sehr gut gelungen.So drückt ihr mit dem Pad Objekte zu euch hin (also quasi aus dem Bildschirm heraus) und erschafft euch damit zum Beispiel eine Brücke. Da ihr aber nicht seht, wo ihr die Vita hinten anfasst, und die Objekte ziemlich klein sind, wird das Ganze zur nervigen Fingerübung. Dafür ist es umso leichter, über den vorderen Touchscreen Plattformen zu verschieben, Schalter zu betätigen oder Sackboy mithilfe einer Feder auf höher gelegene Plattformen zu schießen. Und in manchen Fällen kommt auch der Bewegungssensor der PSVita zum Einsatz. In einem Level nehmt ihr beispielsweise in einem Auto Platz und steuert dieses überraschend feinfühlig durch Neigen des Handheld ans Ziel.
before
after
Rechts, nachher: Per Touchscreen haben wir die Reflektoren neu ausgerichtet und den Stromkreis geschlossen. Die Tür ist nun offen.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 324096 - 22. September 2012 - 20:38 #

Viel Spaß beim Lesen!

Kenner der Episoden 19 Megatalent - P - 16664 - 27. September 2012 - 13:03 #

"die Jagd nach den Highscore"

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23265 - 22. September 2012 - 23:28 #

Schöner Test! So richtig warm wurde ich mit der Steuerung bei den PS3 Teilen auch nicht. Gut, dass das Spiel die neuen Steuerungsmöglichkeiten der Vita ausnutzt. Würde ich mir sicher kaufen als Vita Besitzer, auch wenn ich mich auf Tearaway noch mehr freue.

motherlode (unregistriert) 24. September 2012 - 9:20 #

Mal wieder sehr niedlich ^_^

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