Game of Thrones - Die Intrigen von Westeros Test

Brettspiel-Test zum Knizia-Werk

Martin Lisicki / 4. Juni 2016 - 11:13 — vor 26 Wochen aktualisiert
Steckbrief
andere
Casual Game
Puzzle/Logik
nicht vorhanden
nicht vorhanden
Reiner Knizia
Heidelberger Spieleverlag
01.09.2014
Link
Amazon (€): 7,47 ()
Neuer Brettspiel- beziehungsweise Kartenspiel-Test: Zu George R.R. Martins Das Lied von Eis und Feuer gibt es haufenweise Umsetzungen und Merchandise, denn seit Beginn der TV-Serie Game of Thrones ist das Fantasy-Epos weltweit bekannt. Wir haben uns ein schon etwas älteres Kartenlegespiel von Reiner Knizia zur TV-Serie angesehen.
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Alle Fotos stammen von GamersGlobal.

Der deutsche Spieleautor Reiner Knizia ist in der Offline-Spielebranche ein bekannter Name. Über 600 Spiele gehen auf sein Konto, und oft waren seine Titel zum Spiel des Jahres nominiert, den er schließlich 2008 für das Knobelspiel Keltis gewann. Ebenfalls gewann er mehrfach den Deutschen Spielepreis sowie einige weitere internationale Preise. Unter den Spielen aus seiner Feder gehört auch das kooperative Brettspiel Der Herr der Ringe, aber überwiegend Logikspiele wie Einfach genial oder Wer War's. Im Heidelberger Spieleverlag schaffte Knizia mit Die Intrigen von Westeros 2014 ein schnelles wie simples Kartenlegespiel für zwei bis sechs Spieler zum Fantasy-Epos Game of Thrones aus der Feder von George R. R. Martin.

Der Inhalt der kleinen Spielschachtel ist überschaubar.
Das Spielmaterial von Game of Thrones - Die Intrigen von Westeros ist sehr überschaubar: 36 Charakterkarten, sieben Karten des Eisernen Throns sowie 24 Strafpunktmarker. Die Spielanleitung besteht aus einem beidseitig bedruckten DIN/A4-Blatt, welches auch völlig ausreicht. Denn das Prinzip ist äußerst simpel: Die Charakterkarten stammen aus den vier Häusern Lennister, Stark, Targaryen und Baratheon, für jedes Haus steht eine Farbe.

Ihr könnt nun Karten auslegen, und sobald zwei Karten nebeneinander liegen, kann in einer Pyramide darüber eine Karte gelegt werden, die zu einer der beiden anliegenden Farben gehört. Ziel des Spiels ist es, all eure Handkarten loszuwerden. Grundsätzlich ist das kein Problem, und wenn alle zusammenarbeiten, klappt das in der Regel auch.

Wenig Raum für Taktik

Hier seht ihr eine kleine Pyramide. Es kann aber an beiden Seiten noch angelegt werden.
Ein wenig taktische Finesse findet ihr dann aber doch im Spiel: Durch geschickte Wahl der Karten könnt ihr eure Mitspieler blockieren. Da die Anzahl der Karten in der untersten Reihe begrenzt ist, und ihr immer nur eine Karte anlegen könnt, lässt sich die Pyramide so nach oben bauen, dass bestimmte Farben nicht mehr angelegt werden können. Allerdings ist Intrigen von Westeros so ausgelegt, dass – abgesehen vom Zweispieler-Modus, bei dem acht zufällige Karten pro Runde aussortiert werden – immer alle Karten ausgelegt werden könnten.

Mathematisches Zählen der ausliegenden Karten ist also hilfreich, unserer Meinung nach jedoch nicht nötig. Wenn kein Spieler mehr eine Karte anlegen kann, werden übrig gebliebene Handkarten als Strafpunkte gezählt. Der Gewinner zieht eine Karte des Eisernen Throns, welche 1 bis 3 Strafpunkte negiert. Es werden immer so viele Runden gespielt, wie Spieler mitmachen. Zum Schluss erfolgt die Abschlussrechnung und der Sieger darf den Eisernen Thron besteigen. Um das ein wenig glorioser zu gestalten, könntet ihr bei stabilem Wohnzimmer- oder Esstisch ja erwägen, diesen dafür zu nutzen...

Eine Partie dauert eine halbe Stunde, zu zweit weniger lang. Natürlich könnt ihr aber auch beliebig viele Runden spielen, wenn ihr das möchtet. Wenn ihr eure Mitspieler zu stark blockt, blockiert ihr euch oft selbst. Hier ist es also wichtig, das richtige Maß aus Intrige und dem eigenen Vorankommen zu finden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es bei vielen Spielern sinnvoll ist, früh Farben von der Hand loszuwerden, während bei wenigen Spielern erst die häufigsten Karten von der Hand gespielt werden sollten.

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Verloren! Diese Karte kann nicht mehr angelegt werden.

Nichts Neues aus der Lizenz gemacht

Intrigen von Westeros hat bei Lichte betrachtet wenig mit der Vorlage zu tun, es zeigt eben Fotos der Darsteller aus den ersten drei Staffeln und schöne Verzierungen mit dem Symbol des jeweiligen Hauses. Das Spielprinzip würde genauso funktionieren, wenn die Karten einfach nur komplett in den Farben bedruckt wären – siehe das 2008 von Amigo Spiele veröffentlichte Spiel Pinguin-Party mit exakt demselben Prinzip (ebenfalls aus der Feder von Knizia). Trotz der nur aufgepropften Lizenz kommt es bei Intrigen von Westeros aber dank der Serien-Verbindung häufig zu lustigen Paarungen auf dem Tisch, und mancher Spieler freut sich, wenn er seinen Lieblingscharakter auf der Hand hält.

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Alternativen
Wenn ihr gerne kurze und knackige Spiele mit euren Freunden oder eurer Familie spielt, könnt ihr auf etliche schnelle Kartenspiele zurückgreifen – viele haben eine Lizenz wie Star Wars, X-Men oder eben Game of Thrones aufgesetzt bekommen, wie Elfer Raus, Sechs Nimmt oder auch Uno.

Wenn ihr lieber ein episches Machtspiel in der Welt von Westeros spielen wollt, würden wir euch das Strategiespiel Der Eiserne Thron empfehlen. Allerdings solltet ihr dafür am besten einen ganzen Abend einplanen, denn das Spiel ist komplex und dauert lang, und ihr könnt euch dabei mit euren Mitspielern ziemlich zoffen.

Noch ein Tipp in Sachen eher unkomplexer GoT-Unterhaltung: Risiko Game of Thrones.

Autor: Martin Lisicki, Redaktion: Jörg Langer (GamersGlobal)

Meinung: Martin Lisicki

Ich halte Die Intrigen von Westeros für ein gelungenes, kleines Spiel für zwischendurch – allerdings setzt es quasi voraus, dass alle Mitspieler mit der Serie oder den Büchern vertraut sind. Dann entsteht nämlich ein wenig Atmosphäre rein durch das Spielmaterial und ein wenig Kopfkino. Ich spiele es gerne mal zwei kurze Runden lang im Familienkreis, aber auch als Absacker am Ende eines längeren Spielabends. Bei einem Preis von 11 Euro können Fans der Serie meiner Meinung nach nichts falsch machen. Dennoch fände ich es schöner, wenn ein wirklicher Bezug zur Welt von Game of Thrones im Spiel spürbar wäre.


GoT - Die Intrigen von Westeros andere
Einstieg/Bedienung
  • Kurze, unkomplizierte Spielanleitung mit Beispielen
  • Sehr schneller Einstieg
Spieltiefe/Balance
  • Gute Balance...
  • ... jedoch sehr einfaches Spielprinzip
  • bei zwei Spielern scheint im Nachteil, wer anfängt zu legen
Grafik/Technik
  • Liebevoll illustrierte Karten mit Fotos von Charakteren aus der Serie
  • Umdrehbare Plättchen verringern Material-Menge
  • Würde genauso gut auch mit einfarbigen Karten ohne Lizenz funktionieren
Sound/Sprache
  • Komplett auf Deutsch
Multiplayer
  • Je mehr Spieler, desto schwerer zu planen/stören
 
6.0
Userwertung0.0
Zusatzinfos
  • Spieleranzahl: 2 bis 6
  • Spieldauer: ca. 30-45 Minuten
  • Altersempfehlung: ab 8 Jahren
Inhalt der Box
  • 36 CharakterKarten
  • 7 Karten des Eisernen Throns
  • 24 Strafpunktchips
  • Anleitung

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Martin Lisicki 4. Juni 2016 - 11:13 — vor 26 Wochen aktualisiert
Jörg Langer Chefredakteur - P - 324148 - 4. Juni 2016 - 11:16 #

Viel Spaß beim Lesen!

Stonecutter 19 Megatalent - - 15398 - 4. Juni 2016 - 11:21 #

Danke für die Warnung!

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324148 - 4. Juni 2016 - 11:45 #

Was heißt Warnung, ist halt ein nettes Spiel für zwischendurch. Ein klein bisschen dreist ist nur, dass Knizia oder der Verlag einfach das Pinguin-Spiel genommen und Westeros draufgeklebt hat. Aber viel anders machen die Risiko-Varianten das ja seit Jahrzehnten auch nicht.

floppi 22 AAA-Gamer - - 32713 - 4. Juni 2016 - 12:27 #

Viel anderes macht Knizia auch schon lange nicht mehr. Er nimmt von seinen früheren Spielen bekannte, meist abstrakte, Mechaniken und stülpt dem ganzen ein Thema über. Was anderes ist auch nicht von ihm zu erwarten, einem langjährigen Spieleentwickler, der so gut wie nie Spiele anderer Autoren spielt, weil er keine Zeit dafür hat. Das merkt man seinen Spielen auch an, da fehlt das Herzblut, die Liebe zum Spiel. Moderne Spielmechaniken fehlen meist völlig, weil er sie schlicht nicht kennt. Knizia macht nichts anderes als massig Spiele zu veröffentlichen, die sich immer irgendwo ähneln.

Ein Grund warum ich Spiele von Rainer Knizia seit langem völlig ignoriere. Mein letztes Spiel von ihm ist aus dem Jahr 2000 und trägt den Titel "Der Herr der Ringe", eines der frühen kooperativen Spiele, das tatsächlich noch innovativ war. Dass sich ansonsten keines seiner 500 auf Boardgamegeek gelisteten Spiele in meiner etwa 350 Spielen umfassenden Sammlung wiederfindet, spricht eigentlich Bände. ;)

Hach, eigentlich müsste ich mal zu nem Brettspielabend nach Haar kommen. :D

Stonecutter 19 Megatalent - - 15398 - 4. Juni 2016 - 14:02 #

Ja, diese Klone fasse ich auch nicht an, darum bin ich froh über den Test! (Bei der Verpackung und dem Preis wäre das ein klassischer Impulskauf geworden, jetzt weiß ich, was mich erwartet hätte.)

McSpain 21 Motivator - 27019 - 4. Juni 2016 - 11:56 #

Vielleicht kann man das Spiel noch mit einer Filzunterlage und Dolchen aufpeppen und man darf jederzeit alle Karten und Mitspieler unerwartet abstechen.

Für die Immersion und so.

immerwütend 21 Motivator - P - 28959 - 4. Juni 2016 - 12:11 #

Das stimmt wohl...

Jürgen -ZG- 21 Motivator - 28253 - 4. Juni 2016 - 12:33 #

Ah, der Test eines Spiels, das auf einer TV-Serie basiert, die von einer Buchreihe inspiriert ist. :)
Nicht mein Spiel, aber danke für den Test.

Guthwulf 15 Kenner - P - 3754 - 4. Juni 2016 - 13:37 #

Wer ein atmosphärisches, anspruchsvolles und motivierendes Kartenspiel für 2-4 Spieler im Game Of Thrones Universum sucht, der sollte das Living Card Game von Fantasy Flight Games (in deutsch vom Heidelberger Spieleverlag) probieren und nicht diesen Quatsch aus dem Test ;).

Ich hatte das Game Of Thrones LCG schon mal bei Gamersglobal im Forum vorgestellt:

http://www.gamersglobal.de/forum/24108/brettspiele?page=3#comment-1607831

Das gehört auch zu "Alternativen", wo ihr schon das Brettspiel von Fantasy Flight Games aufführt!

Ganesh 16 Übertalent - 4868 - 4. Juni 2016 - 13:58 #

Ich hatte mich auch gewundert, dass das LCG nicht genannt wurde. Die erste Edition fand ich persönlich allerdings nicht so überzeugend. Das Thema hat das Spiel mehr getragen als seine Mechaniken.
Spätestens die Entscheidung, diese mit der Neuauflage komplett aus dem Fenster zu werfen (und wahrscheinlich all die Erweiterungen nochmal verkaufen zu wollen), hat dafür gesorgt, dass es im Schrank bleibt.

Außerdem hat es mir zum ersten Mal vorgeführt, dass LCGs auch ziemliche Geldmacherei sind.

Guthwulf 15 Kenner - P - 3754 - 4. Juni 2016 - 16:08 #

Die erste Edition fand ich auch nicht so überzeugend... Das lag aber vor allem an den diversen Kinderkrankheiten (schließlich war es eines der allerersten LCGs) und an den ganzen Unstimmigkeiten, die sie noch aus dem alten CCG mitschleppen mussten. Und das Grafikdesign der Karten war jetzt auch nicht grad eine Augenweide. Die sinnvoll überarbeitete 2nd Edition finde ich um Welten atmosphärischer und vor allem auch sehr viel einsteigerfreundlicher. Wer mit mehr als zwei Spielern spielen will, wird zudem kaum an dem Game Of Thrones LCG vorbeikommen.

Klar möchten sie mit den LCGs wie mit allen Brettspielen und Kartenspielen auch Geld verdienen. Das Geschäftsmodell ist aber sehr viel fairer und kostenfreundlicher als bei TCGs wie Magic The Gathering. Hier könntem sogar bei Turnieren mit überschaubarem Kosteneinsatz sinnvoll mitspielen, wenn an es denn möchte. Als Casualspieler ist das eh alles egal und das Basisset mehr als genug für viele Stunden Spielspaß.

Mir is bissel rätselhaft, warum Gamersglobal bei nem Test zu einem Game Of Thrones Brett- oder Kartenspiel ausgerechnet dieses bedeutungslose Minispiel testet und nicht eines der größeren und beliebteren Spiele wie das LCG oder das Brettspiel vorstellt. Wirkt auf mich ein bissel wie "Thema verfehlt". ;) Das da oben hat thematisch nix mit Game Of Thrones zu tun und dient nur dazu, mit minimalem Aufwand brettspielunkundigen Game Of Thrones Fans mit der großen Lizenz und den Bilderchen aus der Serie noch etwas Geld aus der Tasche zu ziehen.

Martin Lisicki Redakteur - P - 35854 - 4. Juni 2016 - 16:54 #

Es wird auch einen Test zum großen GoT Brettspiel geben ;-)

floppi 22 AAA-Gamer - - 32713 - 4. Juni 2016 - 16:55 #

Dann kannst dir ja auch gleich noch Battles of Westeros vornehmen. ;)

Guthwulf 15 Kenner - P - 3754 - 4. Juni 2016 - 18:12 #

Hoffentlich in der aktuellen zweiten Edition und nicht in der käuflich gar nicht mehr erhältlichen ersten Edition ;)

Ganesh 16 Übertalent - 4868 - 4. Juni 2016 - 18:24 #

Also das Grafikdesign hat mich nicht so sehr gestört, eher die Mechaniken, die unnötig komplex erschienen (z.B. diesen gruseligen Keywords). Ich weiß nicht, ob man so ein wenig elegantes Design allein mit dem frühen Erscheinen rechtfertigen kann.

Monetarisierung: Klar ist es fairer als bei einem CCG - aber die Frequenz der Erweiterungen spricht schon eine deutliche Sprache. Und apropos Basisset: Davon braucht jeder Spieler mindestens eins - das hätte man eleganter lösen können.

Test: Vermutlich war das Spiel gerade da, es musste nix für einen Kauf ausgegeben werden und GoT dürfte für viele Grund genug sein, den Test mal anzuklicken.

Guthwulf 15 Kenner - P - 3754 - 4. Juni 2016 - 18:43 #

>>> unnötig komplex ... (z.B. diesen gruseligen Keywords)

Hmmm... wie gesagt. Bestimmt viele Überbleibsel aus dem alten CCG, das über die Jahre alles mögliche an Keywords und Mechaniken angesammelt hatte. In der entschlackten 2nd Edition finde ich die Mechaniken nicht "unnötig komplex" und die Keywords eigentlich auch alle recht eingängig. Sogar einsteigerfreundlicher als bei Herr der Ringe oder Netrunner.

>>> Test: Vermutlich war das Spiel gerade da, es musste nix für einen
>>> Kauf ausgegeben werden und GoT dürfte für viele Grund genug sein,
>>> den Test mal anzuklicken.

Mit anderen Worten, der Artikel hier is reines Click Bait? ;) *fg*

>>> Und apropos Basisset: Davon braucht jeder Spieler mindestens
>>> eins - das hätte man eleganter lösen können.

Warum braucht jeder Spieler ein Basisset? Mit einem einzigen Basisset kann man mit bis zu 4 Spielern spielen. Natürlich "nur" mit den (nicht turnierlegalen) Basisdecks, aber das reicht ja auch erstmal. Mehr Sets (oder Erweiterungen) braucht man erst, wenn man in den Deckbau einsteigen will.

Ganesh 16 Übertalent - 4868 - 4. Juni 2016 - 21:09 #

Ich fürchte mich, hat das Spiel in der ersten Edition verloren. Und so ein großer GoT-Fan bin ich dank der medialen Omnipräsenz der Serie auch nicht mehr...

Das mit der Clickbait hast du gesagt... :P Aber bei mir hat es genau so funktioniert: "Ah, ein Brettspieltest auf GG, das ist selten und dann auch noch zu GoT..." ;)

Eben wegen dem Deckbuilding - ich finde, das gehört schon irgendwie dazu. Das hat Netrunner schon besser gemacht und da habe ich es dann mangels Mitspielern nicht genutzt... ;)

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