Review: Die Wiedergutmachung

F1 2011 Test

Nur noch sechs Rennen stehen in der 2011er Saison an, es wurde also Zeit für den Release von F1 2011. In der aktuellen Saison hat sich viel bei Regeln und Technik geändert – wir prüfen, wie gut Codemasters das alles umgesetzt hat. Und ob die Knackpunkte der Vorgängerversion, darunter einige KI-Tricksereien, beseitigt wurden.
Jörg Langer 23. September 2011 - 15:01 — vor 5 Jahren aktualisiert
F1 2011 ab 0,79 € bei Amazon.de kaufen.
Alle Screens im Test stammen von uns.
Autor: Christian Witte


In diesem Jahr gab es diverse Änderungen und Neuheiten in der Formel 1 zu begrüßen. So hat unter anderem Pirelli den bisherigen Reifenlieferanten Bridgestone abgelöst. Für den Gelegenheitsinteressierten mag dies auf den ersten Blick nichts Großes sein, die Auswirkungen auf die Formel 1 waren allerdings enorm. Pirelli hatte nämlich den Auftrag erhalten, nicht nur hochperformante Pneus zu entwickeln, sondern auch für häufigere Boxenstopps zu sorgen, um so die Spannung zu erhöhen. Die resultierenden Reifenmischungen machten es für die Fahrer wahrlich nicht einfach: Während das Team von Sauber häufig einen Stopp weniger absolvierten als die anderen Teams, weil sie schonend mit den Reifen umgingen, klagte zum Beispiel Ferrari häufig über die härteren Mischungen des Reifens, da sie diese nur schwer auf die nötige Temperatur bringen konnten. Das führte dazu, dass Ferrari häufig nach einem Reifenwechsel einige Runden länger brauchte als die Konkurrenz, um den vollen Grip zu erhalten.

Dieses kleine Beispiel zeigt, wie sehr der Teufel im Detail stecken kann. Und auch bei F1 2011 – das diese Änderung pflichtschuldigst abbildet – muss man schon ein wenig genauer unter die Haube schauen, um die zahlreichen Änderungen und vielen Verbesserungen zu finden.
 
Was ist denn nun mit dem Safety Car?
Eine der höchst seltenen Safety-Car-Phasen ("SC"). Sehen könnt ihr den Safety-Wagen in unserem Testvideo.
Es gibt Funktionen, deren Fehlen die Fans beschäftigt, zu lautem Wehklagen nötigt, zu Beschwerden und Forderungen nach Abbitte und Besserung. Das nicht vorhandene Safety Car in F1 2010 ist ein solches Feature. Wir können Entwarnung geben: Ja, das Safety Car gibt es im Spiel. Wenn ihr also die Optionen zuvor entsprechend gewählt und auch mindestens 20% Renndauer ausgewählt habt, ist der Einsatz des Safety Cars theoretisch möglich. Da aber wie im Vorgänger eher selten große Unfälle passieren, ist das so gut wie nie der Fall. Immerhin: Während einer kompletten Saison haben wir das Safety Car zweimal zu Gesicht bekommen.

Er bleibt  nur für wenige Runden auf der Strecke, währenddessen automatische Geschwindigkeitsregelungen gelten. Ihr müsst dann darauf achten, dass die Reifen halbwegs auf Temperatur bleiben, was bei den genannten Einschränkungen nicht so einfach ist. Ja, der Einsatz des Safety Cars trägt zur generell gesteigerten Atmosphäre von F1 2011 bei. Aber mal ehrlich: Er taucht so selten auf (außer, ihr provoziert wie Harald Fränkel im Testvideo absichtlich Großkarambolagen), dass im Nachhinein die Klagen über sein Fehlen im Vorgänger etwas übertrieben wirken.

Apropos Atmosphäre, ein Tipp von uns zum Spielstart: Geht gleich mal in die Optionen und wählt dort für den Renningenieur Englisch als Sprache. Der Rest des Spiels bleibt in Deutsch, wenn ihr das wollt, aber der Boxenfunk ertönt dann, wie auch in den Fernsehübertragungen, auf Englisch. Die Informationen eures Ingenieurs fallen übrigens deutlich passender und informativer aus als im Vorjahr. So erhaltet ihr etwa Infos darüber, mit welchem Reifentyp der Fahrer direkt vor euch unterwegs ist oder auf welchen Reifentyp ein direkter Konkurrent gerade gewechselt hat.
Im Fahrerlager ist eine Menge los, das ist eine der wenigen auf Anhieb sichtbaren Verbesserungen in F1 2011.

Bewährter Karrieremodus
Wie im Vorgänger F1 2010 beginnt der Karrieremodus mit einem Interview, das zur Eingrenzung der möglichen Teams zu Spielbeginn führte. F1 2011 macht's fast genau so, allerdings habt ihr nicht mehr die Wahl zwischen drei, fünf oder sieben Jahren, sondern seid auf eine fünfjährige Karriere festgelegt. Allerdings habt ihr im Gegenzug mehr Teams zur Auswahl. Als da wären: Virgin, HRT, Lotus, Williams oder Force India. Die ersten drei sind "Neulingsteams", die anfänglich unter anderem auf das KER-System verzichten müssen.
 
Statt im Wohnwagen zu hausen und mit einer Agentin zu reden, sitzt ihr dieses Mal im Motorhome (einem dieser Riesenbauten mit Glaswänden entlang der Strecke) und greift auf euren Laptop zu. Ihr seht Mechaniker Reifenstapel vorbeifahren, euren Teamkollegen ein Interview geben oder auch mal Lewis Hamilton vorbeischlendern. Doch schlussendlich hat sich am eigentlichen Karriere-Modus nur wenig getan. Per Team-Mails bekommt ihr neuerdings eure Zielvorgaben mitgeteilt. Bei den neuen Teams scheinen diese recht einfach zu sein, etwa " Platz 20 in der Qualifikation und Platz 18 im Rennen". Täuscht euch nicht, mit HRT oder Virgin sind auch das oft Herausforderungen.
 
Die Fahrzeugentwicklung und das Duell mit eurem Teamkollegen spielt wieder eine wichtige Rolle. In den Testsessions gibt es immer mal wieder kleine Aufgaben für euch, so müsst ihr etwa eine bestimmte Rundenzeit unterbieten oder konstante Zeiten über einige Runden hin einfahren. Wer diese Aufgaben meistert, kann sich schneller über kleine Upgrades am Wagen freuen, etwa 5% mehr Grip. Das Teamduell wird wiederum dadurch entschieden, ob ihr regelmäßig besser abschneidet, sprich Qualifying-Duelle für euch entscheiden könnt, mehr Punkte einfahrt oder schnellere Rundenzeiten abliefert.
 
Wer sich übrigens im Vorgänger noch über die Auswahl der Helm-Designs geärgert hat, findet nun 22 Designs, darunter auch individuelle Entwürfe. Und wem die vielen Interviews auf den Geist gegangen sind, darf sich freuen: Es gibt nun weniger davon, und die Fragen sind nicht so häufig die eines Minderbemittelten (so wurde in F1 2010 gerne ein Neuling im Neulingsteam gefragt, ob er sich noch Chancen auf den Titel ausrechne). Auf die Dauer wiederholen sich die Fragen aber doch, es gibt auch nicht viele Antwortmöglichkeiten, und mehr als einige rudimentäre Auswirkungen bemerken wir auch nicht. Die Interviews sind immer noch kein Highlight.

before
after
... rechts die sehenswerten Effekte bei Regen: Tropfen sammeln sich auf der Fahrzeughülle, Gischt spritzt von den Reifen auf, die Sichtweite ist begrenzt.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 323822 - 23. September 2011 - 15:12 #

Viel Spaß beim Lesen! Wenn ihr eine falsche Rechtschreibmischung entdeckt, meldet sie uns via Funk per "Antwort" auf diesen Comment. (Es reicht, das falsche Wort oder die falsche Wortfolge zu schreiben.)

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 73388 - 23. September 2011 - 15:20 #

Seite 4, unter "Koop-Meisterschaft gefällig?" im ersten Absatz ist ein "Neben" zuviel drin (Neben Neben schnellen Rennen...). Im zweiten Absatz fehlt wohl das Wort "mehr" im folgenden Satz: Damit sind vier Menschen als bei F1 2010 beteiligt...

Im Fazit/Wertungskasten unter Sound/Sprache fehlt ein o bei "Kräftiger Motrensound".

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323822 - 23. September 2011 - 17:05 #

Vielen Dank. Könntest du die Fehler bitte zukünftig in folgender Form schreiben:

Neben Neben
vier Menschen als bei
Motrensound

und sonst keine Erklärungen, Anführungszeichen oder irgendwas. Das macht uns das Leben sehr viel einfacher :-)

Tr1nity 26 Spiele-Kenner - P - 73388 - 23. September 2011 - 20:11 #

Klar, kein Problem, ist vermerkt :).

CyrrusXIII 11 Forenversteher - 598 - 24. September 2011 - 16:09 #

Ein Hoch auf "Suchen und Ersetzen" ^^

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 24. September 2011 - 23:45 #

durch die Eingeweiden

dis is dis (unregistriert) 23. September 2011 - 15:37 #

Kleiner Tipp für alle, die F1 2011 mit Lenkrad + Pedalen inklusive Kuppelpedal benutzen: KERS einfach auf das Kuppelpedal "legen".

DomKing 18 Doppel-Voter - 9233 - 23. September 2011 - 20:12 #

So, ich hab mir das Spiel dann mal bestellt. Den Tests nach zu urteilen ist es ja eine gute Mischung zwischen Simulation und Arcade. Das gefällt mir schonmal gut, da ich kein Lenkrad besitze und auf ein Gamepad zurückgreifen muss.

Partikelstrom 10 Kommunikator - 357 - 23. September 2011 - 21:20 #

Guter Artikel. :)

Ein Punkt wurde aber in meinen Augen nicht erwähnt, nämlich ob die KI noch, wie im Vorgänger, je nach Kurs unterschiedlich schnell ist.

Der Spanien GP war in F1 2010 einer der wenigen Kurse wo einem die KI auf dem Schwierigkeitsgrad "Legende" zumindest im Rennen auf und davon fuhr - ähnlich in Monaco.
Auf manchen Kursen war die Ki auch nur zu Beginn eines 100% Rennens schneller und wenn sich der eigene Tank dann leerte war man wieder auf Augenhöhe. (Benzinsim an / "Legende")

2buckZ 09 Triple-Talent - 313 - 24. September 2011 - 1:00 #

Benzimsim scheint auch die KI-Fahrer zu betreffen, Reifenabnutzung allerdings wohl nicht:

http://community.codemasters.com/forum/f1-2011-general-discussion-1403/471964-ai-tests-turn-tyre-sim-off.html

http://community.codemasters.com/forum/f1-2011-general-discussion-1403/471887-ai-ran-inters-21-laps-50-they-expire-lap-14-a.html

2buckZ 09 Triple-Talent - 313 - 24. September 2011 - 1:52 #

Unter dem Punkt "Was nicht verbessert wurde" fehlen meines Erachtens noch:

- Boxenstopps: Laufen vollautomatisch ab. Fährt man ein paar Meter in die Boxengasse ein, wechselt das Programm in die Cockpit-Perspektive und macht alles selbst. Man kann weder Gas geben noch Bremsen, ebensowenig Lenken oder den Drehzahlbegrenzer betätigen. Trotz der Automatik kommen sich Fahrzeuge dort auch mal gefährlich nah, dann werden sie wie im Vorgänger zu Ghosts. Die Wagen bewegen sich in den Boxen teils unnatürlich, lenken z.B. viel zu abrupt.

- Replays: Nichts für Epileptiker. Unrealistische, zappelige Action-Cams allenthalben. TV-Perspektiven vom Streckenrand gibt's genauso selten wie im Vorgänger. Man kann nur das Spielerfahrzeug verfolgen und nicht zu anderen Wagen wechseln. Sofortreplays sind wie im Vorgänger beschränkt auf ca. 5, 6 Sekunden. Speichern kann man die Replays (so weit ich gesehen habe) nicht.

- KI: Für die vom Computer gesteuerten Fahrzeuge wird anscheinend keine Reifenabnutzung simuliert. Deren Pneus sind auch nach 20 Runden noch perfekt (siehe auch Kommentar weiter oben). Wie in 2010 ist die KI im Rennen auch gerne mal schneller unterwegs als im Qualifying. Außerdem wählt sie hin und wieder dämliche Pitstop-Strategien: Top-Teams, die in der Quali harte Reifen fahren, stoppen in 20%-Rennen (je nach Strecke ca. 10 Runden) durchaus gerne zwei Mal. Was bei so einer Distanz natürlich keinen Sinn ergibt. Dadurch gewinnt dann auch mal ein Williams vor einem Sauber, während die großen Namen sich im Mittelfeld tummeln. Da leidet die Atmosphäre schon etwas,

- Renningenieur: Hat sich laut Test verbessert. Ich finde, er erzählt nach wie vor viel sinnlosen und teils schlicht widersprüchlichen Quatsch.

Und bevor der Eindruck entsteht, dass ich nur meckern kann: Das Fahrverhalten und insbesondere das Fahrgefühl haben sich tatsächlich spürbar verbessert.

Nesaija 13 Koop-Gamer - 1664 - 24. September 2011 - 21:23 #

Guter Test auch wenn ich die Wertung etwas zu hoch empfinde.
Und kann zwar sein das ichs überlesen habe aber wieso geht ihr nicht auf die sehr negative Performance der Ps3 Version ein? Ich las in vielen Foren, das gerade die PS3 Version sehr oft Ruckelt und ansich wohl unsauber Programmiert wurde.
(Fließen nicht dann, solche Dinge in Wertungen ein?)

CrazyChemist 14 Komm-Experte - P - 2039 - 25. September 2011 - 20:38 #

Prima Test - jedoch fdrage ich mich als (gefrusteter) F1 2010-Besitzer, ob ich ernsthaft nochmal ein Vollpreis-Spiel kaufen soll, um das zu erhalten, was ich eigentlich schon 2010 erwartet habe.

Steffen (unregistriert) 26. September 2011 - 5:41 #

Die Benzin-Sim funktioniert jetzt, dafür geht die Reifen-Sim bei der KI nicht? Kann mal bitte jemand Geoff Crammond von der einsamen Insel abholen? Hier soll eine Simulation vertickt werden, wo bitte sind die Telemetriedaten?
Anscheinend gibt es auch einen Setup-Bug. Mit dem kann man dann ohne Probleme jede Kurve schnell durchfahren nehmen. Bei Youtube mal nach "F1 2011 Seup Bug" suchen.

Anonymous (unregistriert) 28. September 2011 - 13:57 #

Was mich so sehr stört ist das man anstatt mehr Jahre für den Karrie-Modus macht weniger Jahre jetzt zur verfügung hat,wenn es also die realität wiederspiegeln soll ist das wohl nicht gelungen,denn in wirglichkeit kann es durchaus wenn der Fahrer gut ist über mehrere Jahre in der F1 bleibt und ist, siehe Michael Schummacher nur alleine seine Titel wahren 7 Stück und das nicht hintereinander oder Fernando Alonso der auch schon ein paar jahre dabei ist,Janson Button,Rubens Barriquelo,Jarno Trulli,Timo Glock und,und,und ich kann noch länger ein paar aufzählen aber die die ich genant habe reichen schon,schade aber das ist für ein F1 Fan der lange dabei ist nicht das was mann sich vorstellen tut von einer shönen Karriere in der F1 den es soll schon der Spieler selber entscheiden können wie lange mann in der F1 dabei sein möchte.Der rest ist natürlich auch nicht so besonders den wenn mann mit Rfactor vergleicht ist das ein Kindergartenspiel.

Novachen 18 Doppel-Voter - 12747 - 28. September 2011 - 14:43 #

Interessant ist das schon. Bei FIFA und NBA kann man als Spieler glaube ich sogar 30 Jahre spielen was total unrealistisch ist und bei der F1 Reihe eben nur fünf. Ich bin mir aber nicht sicher ob das nicht vielleicht sogar Lizenzgründe hat. F1 2011 ist ja nicht das erste Formel Eins Spiel mit einem richtigen Karrieremodus, selbst bei den Spielen von EA und Sony gab es glaube ich nur maximal fünf Jahre. Bei Rennspielen zu anderen Rennserien geht der Karrieremodus auch länger, vielleicht irgendein Teil eines Deals, da gibt es ja die aberwitzigsten Bedingungen um eine offizielle Lizenz zu erhalten. Dafür gibt es eben im Spiel als Ausgleich unrealistische Aufstiegschancen. Kenne mich bei der F1 nicht so aus, aber war das nicht so, dass ein Großteil der Fahrer die ersten 3-4 Jahre Ihrer Karriere meistens nicht sowieso in einem schwächeren Team fahren bevor sie irgendwann aufsteigen? Mein Freund hat ja F1 2010 gespielt und da war der schon nach 4 Saisons für jeweils 1 Jahr bei zwei Top-Teams.

Cloud 17 Shapeshifter - 7698 - 30. September 2011 - 8:16 #

"Kenne mich bei der F1 nicht so aus, aber war das nicht so, dass ein Großteil der Fahrer die ersten 3-4 Jahre Ihrer Karriere meistens nicht sowieso in einem schwächeren Team fahren bevor sie irgendwann aufsteigen?"

Du meinst so wie Michael Schumacher, der schon nach einem Rennen abgeworben wurde? Oder wie Sebastian Vettel, der auch nur ein Jahr lang bei einem kleinen Rennstall war? ;-) Klar, das sind Ausnahmen, aber man selbst will ja in dem Spiel schließlich auch einen Ausnahmefahrer verkörpern und nicht einen, der jahrelang in einem kleinen Rennstall dem Feld hinterher fährt.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)