Kunstvoller Gesten-Puzzler

Escape Plan Test

Es sieht aus wie ein kleines Kunstwerk. Es klingt wie der Auszug aus den Best-Of-Alben klassischer Musik und urigem Jazz. Und es spielt sich mal wie ein Jump-and-Run und mal wie rätsellastiges Puzzle-Spiel. Escape Plan bringt alles mit, was Spieler von einem Independent-Spiel erwarten, dessen sich ein großer Publisher angenommen hat.
Benjamin Braun 19. Februar 2012 - 17:00 — vor 4 Jahren aktualisiert
Alle Screenshots im Artikel stammen von GamersGlobal; das Wasserzeichen entsteht durch die eingebaute Screengrab-Funktion.

Man nehme ein Prise Nightmare before Christmas, gebe einen guten Schuss Limbo hinzu und verteile die grotesk anmutende Masse aus Rätsel- und Jump-and-Run-Elementen anschließend auf 100 Levels. Was nach einem Rezept für die Weihnachtszeit klingt, ist in Wirklichkeit das PSVita-Spiel Escape Plan, das zum Start von Sonys neuer Handheldkonsole als Downloadtitel im Playstation Network erscheint. Mit dem kleinen Lil und dem dicken Laarg flieht ihr darin aus dem Gefängnis, um euch über kurz oder lang dem Fiesling Bakuki entgegenzustellen. Der hat die beiden nämlich entführt und hält sie in einem riesigen Gebäudekomplex fest. Dort erwartet die ungleiche Zweckgemeinschaft eine Vielzahl tödlicher Fallen und eine Menge schießwütiger Schergen ihres Peinigers. Ihr müsst ihnen also nicht nur zur Flucht verhelfen, sondern sie auch vor dem Pixeltod bewahren. Gar keine so leichte Aufgabe, wenn der einzige Fluchtweg von einem todbringenden Abgrund versperrt ist, giftiger Rauch aus dem Rohren in Bakukis Fabrik die Atemwege verschließt oder messerscharfe Ventilatoren drohen, Lil und Laarg zu (schwarzem) Matsch zu verarbeiten.

Gemeinsam sind wir stärkerDas Abenteuer beginnt in der Zelle von Lil. Weshalb Bakuki ihn entführt hat und wer das eigentlich ist, spielt in Escape Plan nur eine sehr untergeordnete Rolle. Denn die Story erfüllt lediglich den Zweck, den etwas mehr als 100 Levels im Spiel eine nachvollziehbare Daseinsberechtigung zu geben. Lil schlummert jedenfalls auf seiner Matratze und wir wecken ihn, indem wir ihn mit unserem Finger dazu zwingen. Um ihn zur Zellentür auf der rechten Seite zu bewegen, streichen wir von links nach rechts über unsere Spielfigur, um sie in Bewegung zu setzen. Und so trottet der Kleine in gemächlichem Tempo immer weiter, bis er unsanft gegen den Metallverschlag seiner Zelle prallt. Er bleibt nämlich nur stehen, wenn wir nochmals auf ihn tippen. Beeinträchtigen könnt ihr die normale Laufgeschwindigkeit nicht. Wenn ihr mehrfach per Wischgeste in dieselbe Richtung weist, stolpert er über die eigenen Füße. Das kann bei einer Brücke, die nur eine Zeit lang ausgefahren bleibt, ebenfalls tödliche Folgen haben. Lils Zellentür stellt in jedem Fall noch kein großes Hindernis dar, denn wir öffnen sie einfach, indem wir anklopfen. Das funktioniert über den rückwärtigen Touch-Screen der Vita. Und schon hebt sich das unüberwindbare Hindernis und Lil betritt den nächsten Raum.

Genau wie diese Grundlagenfunktionen, steuert ihr beinahe alles im Spiel über die beiden Touch-Pads. Wenn Objekte wie etwa eine Kiste den Laufweg eurer Spielfigur versperrt, klopft ihr sie entweder von vorne oder von hinten aus der Bahn. Im günstigsten Fall bleiben Lil und Laarg nämlich nur daran hängen, über einen einfachen Ziegelstein stürzt ihr aber auch manchmal und brecht euch umgehend das Genick. Ihr manipuliert mit den Touch-Steuerung also nicht bloß eure Spielfigur, sondern auch die Umgebung. Später kommen Lil und Laarg etwa durch eine Fabrik, in der immer wieder Rohre bersten. Der Rauch ist ebenfalls tödlich, also müsst ihr die offenen Stellen mit eurem Finger im wahrsten Sinne des Wortes zuhalten und damit abdichten. Und einen Fahrstuhl steuert ihr, indem ihr das Antriebsrad per Fingerzeig dreht.

Meistens sind es aber Elemente wie Balken oder Schubladen-ähnliche Vorrichtungen, die ihr entweder in die Wand hineintreiben oder aus der Wand herausstoßen müsst. Manche sind euch wie der bereits erwähnte Ziegelstein einfach im Weg, andere dienen euch als Brücke. Die meisten davon fahren nach einigen Sekunden wieder in ihre Ausgangsposition zurück. Die Folge ist meist ein Sturz in den Tod, oft zerquetscht euch das Teil aber auch einfach. Hier ist nicht nur Übersicht gefragt, sondern in gewissem Maße auch Schnelligkeit. Einzig bei der Vorausplanung eurer Aktionen kommen auch die beiden Analogsticks zum Einsatz. Damit zoomt ihr ein Stück aus dem Bild heraus und fahrt bei Bedarf auch das gesamte Level ab. Das Features braucht ihr am Anfang kaum, je größer die Levels werden, erweist er sich allerdings als großer Nachteil. Dort müsst ihr unmittelbar hintereinander an verschiedenen Stellen Aktionen auf dem vorderen und hinteren Touch-Pad auslösen. Das erfordert ohnehin eine gute Koordination. Da das ohne "Umgreifen" aber kaum umzusetzen ist, kommt es manchmal zu unnötigen Toden. Die Levels sind allerdings nicht sonderlich groß, gehen hier und dort aber auch mal über das vier- bis sechsfache Ausmaß des Bildausschnitts hinaus.
Beide Spielfiguren haben spezielle Fähigkeiten. Der dicke Laarg nutzt seine Masse, um durch Wände zu brechen.

Mit Furzantrieb und Blasebalg dem Tod entronnenBeide Spielfiguren greifen auf das im vorherigen Textabschnitt genannte Standardrepertoire an Aktionen zurück. Beide verfügen aber gleichzeitig auch über Fähigkeiten, die ihnen eigen sind. Laarg nutzt seine Masse etwa dazu, durch brüchige Böden durchzubrechen oder eine nicht allzu widerstandsfähige Holzwand einzureißen, indem er sich rollend dagegen wirft. Lil kann noch ein paar Dinge mehr. Mittels Kaffeezufuhr bringt er seinen Verdauungsapparat in Gang, was bei ihm quälende Blähungen verursacht. Und frei nach dem Motto jedes (Kaffe-)Böhnchen gibt ein Tönchen, löst ihr nach dem Kaffeekonsum bis zu drei Mal ein
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en satten Furzbeschleuniger aus. Hierfür müsst ihr Lil quasi quetschen, indem ihr ihn gleichzeitig auf dem vorderen und hinteren Touch-Pad antippt. An verschiedenen Stellen müsst ihr Lil auch Gas inhalieren lassen, woraufhin er sich wie ein Luftballon aufbläst. In einigen Levels könnt ihr nur so einen höher gelegenen Ausgang erreichen. Die Flugrichtung beeinflusst ihr per Sixaxis-Steuerung und richtet Lil in der Luft per Wischbewegung in die gewünschte Richtung aus. Quetscht ihr ihn in diesem Zustand, bewirkt ihr ebenfalls bis zu drei Mal einen Vorwärtsschub. Bereits nach dem ersten Quetschen verliert Lil allerdings seinen Auftrieb. In den früheren Spielabschnitten müsst ihr oft nur nach oben gelangen, später gilt es auch, scharfen Kanten auszuweichen oder gleichzeitig Hindernisse aus dem Weg zu „klopfen“. Da die Sixaxis-Unterstützung eine der wenigen Funktionen ist, die nicht 100-prozentig so funktioniert wie sie sollte, führt das allerdings gerade in besonders engen Ballonsequenzen häufiger zum Neustart des Levels. Bis zum Erbrechen wiederholen müsst ihr die Spielabschnitte indes aber nicht. Ihr könnt jederzeit den aktuellen Level einfach überspringen.
Eine von Lils Fähigkeiten seht ihr hier. Per Sixaxis müsst ihr als Ballon an diesen scharfen Hindernissen vorbeischweben.
Anonymous (unregistriert) 19. Februar 2012 - 17:26 #

das gehört hier vielleicht nicht rein, aber warum wurde der test zu wipeout schon dreimal verschoben?

Talaron 16 Übertalent - P - 4016 - 19. Februar 2012 - 19:20 #

Hmm, nachdem die englischsprachige Presse das Spiel doch deutlich kritischer sieht als ihr, sollten nach eurem Test ganz begeistert kaufwütige Spieler vielleicht erstmal abwarten, bis es noch mehr Tests für das Spiel gibt. Mir ist das aber sowieso egal, da ich keine Vita besitze und mir vorläufig auch keine holen werde...

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23151 - 21. Februar 2012 - 20:16 #

Das Spiel soll bereits nächste Woche erscheinen und es steht noch kein Preis fest??? Ich dachte eigentlich 12,99€ wäre der endgültige Preis.

Ich finde Gravity Rush ja interessanter, ebenfalls ein Download-Game (zumindest in Europa, die Retailversion erscheint leider nur in den USA und Japan).

Anonymous (unregistriert) 19. Februar 2012 - 19:47 #

war es nicht eher 11,99€?

Anonymous (unregistriert) 21. Februar 2012 - 14:15 #

edit, es ist 12,99€

siehe hier...blog.de.playstation.com/2012/02/21/playstation-store-update-ps-vita-launch-ausgabe/#more-16533

irgendwie kann ich keine links posten...

AticAtac 14 Komm-Experte - 2127 - 19. Februar 2012 - 20:31 #

Also, ich habe Wipeout auf der Vita schon gespielt und finde es richtig klasse. Es ist halt ein Wipeout und das macht es sehr gut.

Anonymous (unregistriert) 8. März 2012 - 7:07 #

Wie viel MB hat das Spiel????

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