Strategie mit Schuppentier

Divinity: Dragon Commander Test

Wenn ihr zu euren Lieblingsgenres sowohl Shooter als auch Strategie zählt, seid ihr bei Dragon Commander genau richtig: In dem gelungenen Genremix schlagt ihr eure Feinde abwechselnd als Echtzeit-General oder in der Panzerhaut eines gewaltigen Drachen in die Flucht, und kümmert euch auch strategisch um Krieg und Frieden.
Rüdiger Steidle 5. August 2013 - 18:58 — vor 3 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Strategie und Action vertragen sich eigentlich sehr gut. Das haben Klassiker wie Carrier Command (GG-Test Remake: 5.0), Battlezone oder Hostile Waters in der Vergangenheit mehrfach bewiesen. An der Ladenkasse fielen diese Genremischungen aber bislang fast ausnahmslos durch – trotz Jubelarien von Kritikern und eingefleischten Fans. Mit Divinity: Dragon Commander wagen die belgischen Larian Studios nun ihren eigenen Versuch, die beiden Welten miteinander zu verschmelzen. Und der ist ihnen so gut gelungen, dass ihnen wirklich mehr Erfolg zu wünschen ist als ihren glücklosen Vorgängern.
 
Machthaber und MonsterEigentlich schätzen wir die Larian Studios für die Rollenspiele der Divinity-Serie (etwa Flames of Vengeance, GG-Test: 8.0). Dragon Commander hat zwar denselben Seriennamen, aber eine eigenständige Story. Spielerisch liegen Welten zwischen dem Action-Strategie-Mix und seinen Vorfahren. Wobei, eine Prise Rollenspiel konnten sich die Macher auch diesmal nicht verkneifen: Zwischen den Schlachten dürfen wir unser Flugtier aufrüsten, uns mit allerhand Charakteren unterhalten und eine für ein Strategiespiel untypisch umfangreiche Geschichte erleben.
 
Oben: Haltet die anderen Völker bei Laune, dann gibt es...
Unten: ... Schicksalskarten und außerdem mehr Ressourcen.
Wir sind nämlich nicht irgendwer, sondern ein waschechter Prinz mit einem großen Geheimnis: Als Spross eines menschlichen Königs und einer Drachenbraut können wir uns jederzeit in die eine oder die andere Form verwandeln. Nachdem unser Vater ermordet wird und ein Krieg um die Thronfolge entbrennt, machen wir uns das zunutze. Als Mensch kommandieren wir unsere Truppen in klassischer Echtzeit-Manier. Als Drache beamen wir uns mehrfach pro Schlacht persönlich in die Arena und heizen unseren Gegnern aus der Luft wie in einem Shooter mit unserem Flammenatem ein. Zwischendurch gibt es viele Konversationen an Bord eures mächtigen Kommando-Luftschiffs zu erleben, Entscheidungen zu treffen, Diplomatie zu betreiben und Upgrades anzuordnen. Nicht zuletzt entscheidet ihr am großen Kartentisch, wo ihr als nächstes mit welchen Truppen angreift.
 
Drache und GeneralAnders als noch in unserer Vorschauversion von Divinity: Dragon Commander können wir in der finalen Fassung unseren Truppen auch dann Befehle in den Schlachten geben, wenn wir uns als Schuppentier in die Lüfte schwingen. Im Vergleich zum Echtzeit-Modus sind unsere Möglichkeiten allerdings darauf beschränkt, per Tastendruck entweder die Einheiten in unserer Nähe oder unsere komplette Armee auszuwählen und sie in Blickrichtung auf ein Ziel loszujagen. Auf Truppenproduktion, Gruppenbefehle oder andere taktische Optionen haben wir dann keinen Zugriff.
 
Daraus zieht Dragon Commander aber gerade seinen Reiz: Dass wir uns eben nicht auf einen der beiden Spielanteile festlegen dürfen, sondern immer wieder zwischen Generalskarte und Shooter wechseln müssen. In unserer Drachenform können wir ganze Feindverbände im Alleingang niedermachen, laufen allerdings Gefahr den Überblick zu verlieren oder den Basisbau zu vernachlässigen. Mit unseren Untergebenen allein gewinnen wir dagegen auch kein Match, dazu sind die Feinde meist zu zahlreich.
 
Der Aufbaupart fällt im Vergleich zu „richtigen“ RTS simpel aus: Vorgegebene Grundstücke, kein Ressourcen-Sammeln.
Mehr als die Summe
der Einzelteile
Der Echtzeit-Part gibt sich recht konventionell. Ihr betrachtet das Schlachtfeld aus der Vogelperspektive, könnt die Kamera frei drehen, kippen und heranfahren. Anfangs stehen euch hauptsächlich Fahrzeuge und Fußtruppen zur Seite, später folgen Marine und Luftwaffe, eine Mischung aus Fantasiekreaturen und Steampunk-Maschinen.

Der Aufbau-Part zeigt sich etwas beschränkt. Wo ihr Fabriken und Abwehrtürme errichten dürft, ist fest vorgegeben. Ihr müsst die Grundstücke nur vorher erobern, indem ihr eure Soldaten in die Nähe manövriert. Um Rohstoffabbau müsst ihr euch nicht kümmern. Die einzige Ressource – Rekruten – wird automatisch aufgefüllt; je mehr Nachschublager ihr errichtet, desto
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schneller.
 
Der Rest funktioniert, wie ihr es aus Age of Empires HD und vergleichbaren Titeln gewohnt seid: Neue Einheiten in den Fabriken in Auftrag geben, mit der Maus einen Rahmen um die Jungs ziehen, und ab an die Front! Mit wenig mehr als einem Dutzend Truppentypen ist die Auswahl nicht berauschend, das Stein-Schere-Papier-Prinzip erhöht aber die taktische Tiefe. Grenadiere zum Beispiel schlagen sich hervorragend gegen langsame Feindpanzer, machen aber gegen schnelle Jäger keinen Stich. Schlachtschiffe äschern mit ihren weitreichenden Kanonen Bodentruppen und andere Schiffe in Windeseile ein, sind aber durch Luftangriffe verwundbar.

Manches Kriegsgerät schaltet ihr erst im Verlauf des Feldzugs frei, genau wie Upgrades und Spezialangriffe, die ihr an Bord der Raven nach und nach erwerbt. Das gleicht auch ein wenig die recht geringe Truppentyp-Anzahl aus. Die Devastatoren-Tanks etwa können sich später, ähnlich wie die Belagerungspanzer bei Starcraft 2 Heart of the Swarm (GG-Test: 9.5), eingraben und so ihre Feuerreichweite steigern.
Keine Angst vorm Frontalangriff: Wenn ihr in die Drachenhaut schlüpft, geht die eigentliche Gefahr weniger von gegnerischen Einheiten aus, sondern eher davon, dass ihr riskiert, den Überblick zu verlieren oder den Aufbau zu vernachlässigen.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 323823 - 5. August 2013 - 19:04 #

Viel Spaß beim Lesen!

Krusk 14 Komm-Experte - 2668 - 5. August 2013 - 19:58 #

Moment, kann man eine beliebige Prinzessin jeder Fraktion heiraten? Gibts da keine nachfolger-probleme mit der Untotenvariante?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323823 - 5. August 2013 - 20:45 #

Eine interessante Frage. Die Zwergenprinzessin kannst du übrigens in Kürze im Testvideo bestaunen -- da weiß man, dass man als zukünftiger König schwere Pflichten zu erfüllen hat...

Vidar 18 Doppel-Voter - 12258 - 5. August 2013 - 20:52 #

Okay also ist es das geworden was ich erhofft habe, ein gutes Spiel.
Werds mir kaufen und vielleicht bessert man etwas die balance noch aus und macht für einen Nachfolger noch paar Sachen anders.
Finde liest sich gut und ich hab endlich mal wieder was frisches zum spielen.

Kenner der Episoden 19 Megatalent - P - 16664 - 5. August 2013 - 21:05 #

Ach, komm Jörg. Die Note hättet Ihr jetzt auch noch "aufrunden" können. ;)

Aber das liegt wahrscheinlich irgendwo in der Natur des Genremixes. Entweder fährt man auf die ganze Mischung ab oder nicht. Mit dem Werten wird es aber irgendwo schwierig.

Als alter C&C-Fan mit langer Durststrecke und grundsätzlich Globalstrategie-Fan freue ich mich echt auf das Spiel. Auch wenn man mich mit Steampunk normalerweise jagen kann. :)

Erwähnenswert wäre vielleicht noch, dass Käufer der Retailversion zusätzlich zur Steam-Version auch eine DRM-freie GOG-Version bekommen, was ich einen echt netten Service finde. :)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323823 - 5. August 2013 - 21:10 #

Darüber haben wir länger diskutiert, aber am Ende muss man sagen: Die RTS-Kämpfe sind immer dasselbe, nur ändert sich die Landschaft und die Gegner werden schwieriger. Wer damit leben kann, erhält wirklich sein hochinteressantes Spiel.

valorum 11 Forenversteher - 565 - 5. August 2013 - 23:33 #

Ich hätte beim Lesen auch eine höhere Wertung erwartet. Teilweise wird auf die am Ende stichpunktartig genannten Kritikpunkte nicht oder nur indirekt eingegangen. Das finde ich schade, denn es scheint, man hat sich hier noch etwas aus den Fingern gesogen, um Abzüge zu rechtfertigen. Das meine ich noch nicht mal als Vorwurf zur bewussten Manipulation, sondern eher als Kritik an der aus meiner Sicht ungenauen Schilderung im Text.

Das Spiel mag sich tatsächlich so "angefühlt" haben, wie in der Endnote abgebildet wurde. Das geht aus dem Text aber leider nicht so hervor.

Ich habe auch den Eindruck, dass der Stil der Larian Studios von Kritikern allgemein nicht so unbedingt gemocht wird. Mit Divinity 2 hatte ich mehr Spaß als mit einem Skyrim. Letzteres hat aber durchweg besser abgeschnitten. Aber über Geschmack lässt sich natürlich trefflich streiten.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323823 - 6. August 2013 - 8:37 #

Wieso sollten wir uns etwas "aus den Fingern saugen", um eine "Abwertung" zu rechtfertigen? Aus meiner Sicht sind die Kritikpunkte klar genannt, im Test wie auch in den Meinungskästen und den Contra-Punkten. Es gibt weniger Kritikpunkte als Positivpunkte? Überraschung! Darum steht ja auch eine gute Note drunter :-)

valorum 11 Forenversteher - 565 - 6. August 2013 - 16:08 #

Ich habe doch geschrieben, dass es aus meiner Sicht so "scheint", als habe man sich etwas aus den Fingern gesogen. Dass ich eben genau das aber nicht als zutreffend annehme, geht aus dem weiteren Text doch eindeutig hervor. Dafür besteht ja wie du auch selbst schreibst kein Anlass.

Obwohl ich nicht gerne über Noten bei Spielen diskutiere, halte ich es hier für angebracht. Erstens, weil es grundsätzlich für viele doch ein Kaufkriterium darstellt oder erst auf ein Spiel Aufmerksamkeit lenkt. Ein solches Spiel hat das eher nötig, als die sog. "AAA-Titel", bei denen man schon über Jahre hinweg mit Tailern, Entwicklertagebüchern und Previews zugeballert wird. "Rome 2" oder "GTA 5" sind aktuelle Beispiele. Und zweitens, weil hier die "gefühlte Note" nach dem Lesen des Artikels schon klar von der letztlich gegebenen Note abweicht.

Zum Schluss beispielhaft zwei (Negativ-) Punkte, die ich nicht aus dem Artikel herauslesen kann:
- Je nach Kampagnenverlauf kann man in ausweglose Situationen geraten
- Für Action-Könner ist der Drache etwas zu schlagkräftig (finde ich besonders überraschend, da im Artikel steht: "Ein paar Einschränkungen müsst ihr allerdings in Kauf nehmen, damit der Drache nicht allzu übermächtig wird...", was suggeriert, dass dem Sorge getragen wurde)

BruderSamedi 16 Übertalent - P - 4660 - 6. August 2013 - 12:19 #

Ja so ging es mir aus, bis zum Lesen der Kommentarkästen war ich von einer Note höher ausgegangen, habe dann aber vor den Kommentarkästen schon runtergescrollt und war ein wenig überrascht. Von den Kommentarkästen ausgehend passt es aber.

Für meine Begriffe liest sich der eigentliche Testbericht also positiver als die Note, was mMn kein sonderlich gutes Zeichen ist.

Tassadar 17 Shapeshifter - 7747 - 10. August 2013 - 23:56 #

Nach dem Lesen des gesamten Tests hatte ich auch eine um 0.5 oder sogar 1.0 höhere Note erwartet. Auch bei dem kurzen Fazit im Wertungskasten und bei Rüdigers Meinungskasten. Einzig Jörgs Meinungskasten deckt sich da mit der Endnote (oder sogar noch etwas niedriger dann). Das wirkt für mich deswegen so, als hätte Rüdiger eher eine höhere Note gegeben, Jörg aber nicht.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58768 - 6. August 2013 - 8:12 #

Oha, das mit Steam und GOG ist in der Tat ein sehr netter Service. Kann man nur hoffen, dass das nicht wieder von Zeitgenossen ausgenutzt wird...

Der Marian 19 Megatalent - P - 17288 - 5. August 2013 - 21:11 #

Liest sich doch ziemlich positiv, der Test. Hätte aus demm Text eher noch eine halbe Note mehr erwartet.
Finde den Trade-Off zwischen mächtiger Heldeneinheit spielen oder Überblick behalten eine ziemlich spannende Mechanik.

Jadiger 16 Übertalent - 4879 - 5. August 2013 - 21:53 #

Ich freu mich drauf endlich mal ein Spiel das nicht wie jedes andere ist.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 23260 - 5. August 2013 - 23:41 #

Nicht komplex genug würde ich für mich persönlich sogar als Vorteil ansehen, da ich bisher von den Civilization und Total War Spielen die Finger gelassen habe. Und in puncto Echtzeitstrategie habe ich bis auf Starcraft II auch nichts gespielt in den letzten Jahren. Dürfte für mich also genau richtig sein.

Maik 20 Gold-Gamer - - 21493 - 6. August 2013 - 7:46 #

Das spiel ist wohl eine Überlegung wert. Ich finde es toll, keine Ressourcen sammeln zu müssen. Einheiten bauen und in den Kampf schicken, das reicht mir völlig aus. Obwohl es wohl zu wenig auf der Taktikkarte zu tun gibt und zuviel RTS drin steckt. Na mal sehen, ob es in den nächsten Wochen auf der Platte landet.

Crazycommander 14 Komm-Experte - P - 1857 - 6. August 2013 - 8:00 #

Ich mag die Larian Studios.
Haben sie mit ihren Spielen bei mir doch immer ein Gefühl hervor gerufen, etwas besonderes zu Spielen. Nicht völlig abseitig, aber eben dezent anders. Und wie auch im Test erwähnt: Sie haben begnadete Musiker.

Leider bin ich eine absolute Strategie-Gurke :( Ausprobieren werde ich es trotzdem - auch wenn es am Ende eventuell nichts weiter als eine Spende für ein sympathisches Studio sein könnte.
Für die Power-Rangers-Anspielung in Divinity2 ist haben sie sowieso allen Ruhm dieser Welt verdient :)

Weiter so Larian.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58768 - 6. August 2013 - 8:09 #

Strategiekarte wie in Total War, Gespräche mit Auswirkungen, Echtzeit-Gefechte, Action-Drachenkampf... Ich finde, das klingt ziemlich super. Dann sieht das ganze auch noch wirklich hübsch aus, vor allem stilistisch. Ich bin gerade in der Tat am Überlegen, ob das meine Überbrückung bis Rome 2 wird, damit hätte ich glaube ich einen Haufen Spaß. Großes Danke daher für den Test, das Spiel wäre glaube ich völlig an mir vorbei gegangen.

Goldfinger72 15 Kenner - 3092 - 6. August 2013 - 8:14 #

Interessantes Spiel. Nur leider die (für mich) falsche Plattform.

volcatius (unregistriert) 6. August 2013 - 12:20 #

Hat die Retail-Version tatsächlich keinen Kopierschutz und keine Accountbindung? Und zusätzlich einen Steam-Code?

Kenner der Episoden 19 Megatalent - P - 16664 - 6. August 2013 - 13:58 #

Ich hab mein Exemplar noch nicht von der Paketstation abgeholt, aber ich glaube es ist umgekehrt: Die DVD installiert über Steam und zusätzlich gibt es einen GOG-Code.

bsinned 17 Shapeshifter - 6828 - 6. August 2013 - 15:04 #

Eigentlich würde ich den Entwickler ja gern unterstützen, weil sie wenigstens ein wenig abseits ausgetrampelter Pfade wandern. Das Testvideo macht mich allerdings nicht in geringster Weise an und so bleibt mir eigentlich nur der Standardsatz: "...irgendwann mal als Budget-Version".

Wünschenswert (unregistriert) 9. August 2013 - 11:24 #

Hierzu bitte eine SdK der transatlantischen Langer-Heinrich-Connection. Danke.

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