Test: Strategie-Rollenspiel-Mix

Confrontation Test

Steckbrief
PC
Strategie
Echtzeit-Strategie
12
Cyanide Studio
05.04.2012
Link
Amazon (€): 2,53 (PC)
First15
Vom Brett- zum Computerspiel. Nein, wir reden nicht von Warhammer 40K, sondern von Confrontation, einem Tabletop-Spiel aus Frankreich. Die Cyanide-Studios haben sich die Vorlage zur Brust genommen und ein Strategie-Rollenspiel-Gemisch gestrickt, das mit taktischen Kämpfen lockt. Wie gut das umgesetzt wurde, lest ihr in unserem Test.
Tim Gross 9. April 2012 - 23:52 — vor 5 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

Überall in der Fantasywelt Aarklash herrscht Krieg. Schakale gegen Wölfe gegen Skorpione gegen Greife. Letztere vertreten das Licht und versuchen, die nahende Dunkelheit in Form der Skorpione aufzuhalten. Doch die Reihen der Kämpfer aus den heiligen Landen Akkylaniens werden zunehmends von den Mecasyatis dezimiert, alchemistischen Bestien, erschaffen durch die abartige Magie der Technomancer. Der aufstrebende Kämpfer Darius und seine Truppe machen sich auf, dem dunklen Treiben Einhalt zu gebieten. In einem unterirdischen Labor fahnden sie nach Hinweisen, wie die Skorpione die Mecasyatis erschaffen – und wie man sie aufhalten kann.
 
So sieht das Setup für die Kampagne in Confrontation aus, einem Strategie- und Rollenspielmix aus dem Hause Cyanide. Wer die Tabletop-Vorlage aus Frankreich nicht kennt, dürfte sich von den vielen Informationen, die das Spiel im Intro von sich gibt, komplett überrollt fühlen. So zumindest ging es uns, bevor wir uns in die ersten Taktikkämpfe gegen die fiesen Skorpione gestürzt haben. Zunächst sollten wir klarstellen, dass es sich bei den ganzen Tiernamen nur um die Titel der Fraktionen handelt. Die Skorpione sehen also nicht aus wie die Spinnentiere aus der Natur. Dafür ähnelt ihr Vorgehen ihren gefährlichen Vorbildern. Aber der Reihe nach.
 
Rollenspiel mit Schlauchlevels
Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht, sind die Levels trotz einiger optionaler Wege sehr linear aufgebaut.
Zu Beginn der ersten Mission wird Darius von den Greifen hinter die feindlichen Linien der Skorpione geschickt, um dem Geheimnis der Mecasyatis auf die Schliche zu kommen. Eine große Aufgabe für einen einzelnen Mann. Daher sucht ihr in der ersten Mission nach drei Mitstreitern, die irgendwo in der kargen Wüstenlandschaft auf euch warten. Innerhalb weniger Minuten habt ihr eure Kameraden zusammengeklaubt und seid bereit für die ersten Scharmützel. Die Anhänger der Skorpione bekämpft ihr in taktischen Echtzeitkämpfen, die ihr jederzeit pausieren könnt. So lauft und kämpft ihr euch durch das Wüstengebiet, bis ihr auf den Eingang des gesuchten Labors stoßt, das ihr nach Hinweisen durchforsten sollt. Auf eurem Weg dorthin findet ihr in der Landschaft verstreute Truhen, die stets Bandagen bereithalten, und Waffenständer sowie magische Steinformationen. Die beiden letztgenannten geben euch Punkte, mit denen ihr eure Ausrüstung verbessern könnt. Zu den Kämpfen und dem Aufrüsten von Gegenständen kommen wir später noch. Übrigens: Obwohl ihr in den Levels immer zu viert unterwegs seid, bleibt es nicht bei der ursprünglichen Truppe. Im Laufe des Spiels schließen sich weitere Charaktere eurer Sache an, bis ihr am Ende eure individuelle Party aus zwölf wählbaren Spielfiguren zusammenstellt. Diese gehören jedoch alle zur Fraktion der Greifen; die anderen Fraktionen könnt ihr nur im Mehrspielermodus übernehmen. 
 
Die Welt von Aarklash ist keine große, zusammenhängende Welt wie in Skyrim. Es gibt auch keine NPCs, die euch mit Quests versorgen oder Items verkaufen. Stattdessen seid ihr wie in einem Shooter in linearen Leveln unterwegs, das Missionsziel ist stets vorgegeben. Gelegentlich weisen die Levels optionale Routen auf, die ihr erkunden könnt. Das solltet ihr auch tun, denn oft finden sich auf diesen Wegen versteckte Truhen. Um das Erkunden einfacher zu machen, könnt ihr die Kamera frei drehen und auch relativ weit herauszoomen. Trotzdem ist Confrontation kein immens übersichtliches Spiel: In den Kämpfen stehen gerne zu viele Spielfiguren zu dicht beieinander, und Gegenstände heben sich oft nicht optimal von der Umgebung ab. Die enthaltenen Schalterrätsel verkommen zu zeitschindenden Fleißaufgaben: Ihr steht vor einer verschlossenen Tür, rennt zurück und sucht nach dem richtigen Schalter, rennt wieder vor und passiert die zuvor verschlossene Passage. Das ist wenig einfallsreich und erinnert an das Spieldesign der frühen Tomb-Raider-Titel. Dabei wären ein paar Kopfnüsse eine willkommene Abwechslung, denn der Kampagnen-Alltag sieht stets gleich aus: Wir laufen durch den Level, treffen auf eine Gegnergruppe, warten nach dem Kampf, bis unsere Charaktere wieder alle Lebenspunkte haben, laufen weiter, kämpfen erneut, und so weiter. An diesem Prinzip ändert sich leider auch dann nichts, wenn die Aufgabe in der Mission die Flucht ist. Nur selten gibt es Stellen, wo ihr die zahlenmäßig überlegenen Feinde umschleichen müsst. Aber nicht verzagen, Abwechslung bietet Confrontation dennoch, und zwar in den taktischen Kämpfen.
 Kämpfe mit Tiefgang
Die Gefechte in Confrontation laufen in Echtzeit ab, lassen sich aber jederzeit mit der Leertaste pausieren und erinnern vom Ablauf ein wenig an Dragon Age: Origins. Und wie beim Bioware-Epos sind eure Recken und ihre Fertigkeiten im Kampf vorgegeben. Darius beispielsweise ist und bleibt ein unterstützender Nahkämpfer und wird niemals zu einem Flächenschaden austeilendem Elementarmagier. Langweilig ist das aber keineswegs, was nicht zuletzt am umfangreichen Pool von insgesamt zwölf wählbaren Charakteren liegt. Jeder von ihnen hat fünf bis sechs Fertigkeiten, die sich im Kampf einsetzen lassen. Außerdem verfügen einige Charaktere über zwei Waffen, zwischen denen ihr jederzeit wechseln könnt. Der Aufklärer Lanwys etwa schnetzelt sich entweder mit seinem Schwert durch Feindesgruppen oder attackiert sie mit seiner Pistole aus der Distanz. 
 
Zu Beginn lassen sich die Gefechte noch in bester Diablo-Manier gewinnen. Auf den Feind klicken, wenn nötig Spezialfähigkeit benutzen, weiterlaufen. Mit diesem relaxten Heldenleben ist aber ganz schnell Schluss, denn schon ab der zweiten Mission werden die Gefechte viel schwieriger, ohne dabei unfair zu wirken. Wer auf Dauer als Sieger dastehen will, der nutzt den Pausenmodus und überlegt sich genau, welche Fertigkeiten er wann einsetzt. Mit der Shift-Taste könnt ihr mehrere Aktionen aneinander reihen und dann zusehen, wie euer Charakter sich zunächst bessere Rüstungswerte verschafft, auf den Feind zu stürmt, ihn dann mit einem niederschmetternden Schlag zu Boden wirft und zu guter Letzt noch einen beherzten Angriff mit mehr Schaden hinterherjagt. Confrontation bietet beim Austüfteln solcher Aktionsabfolgen viele Optionen, da die zwölf Charaktere über sehr unterschiedliche Fertigkeiten verfügen und man die Teams nach Belieben aufeinander abstimmen kann. 
 
Neben dem optimalen Einsatz der Talente solltet ihr auch tunlichst auf die Stellung eurer Gruppenmitglieder achten. Klar, die Nahkämpfer mit dicker Rüstung gehen nach vorne, während die schwächlich gebauten Fernkämpfer lieber in Deckung gehen. Soviel gebietet das logische Denken. Was wir eigentlich meinen: Eure Charaktere sollten sich nicht gegenseitig im Weg stehen. Denn die Wegfindung ist eine Katastrophe. Da die Maps in Confrontation oft aus engen Gängen beziehungsweise schmalen Pfaden bestehen, bleiben eure Kämpfer ständig irgendwo hängen, und sei es an einem Gruppenmitglied. Das kann in den Gefechten trotz Pausenmodus zu hektischen Situationen führen, wenn mal wieder euer Nahkämpfer nicht am Magier vorbeikommt, während ebendieser frontal attackiert. Gewöhnt euch also schon mal daran, den Hinweis "kann Ziel nicht erreichen" mehr als einmal zu lesen. Auch sonst ist die KI nicht immer gelungen, zumindest nicht die eurer eigenen Truppe. Manchmal reagieren eure Kämpfer schlicht nicht auf Befehle, oder sie stehen passiv in der Gegend rum, obwohl direkt neben ihnen die Fetzen fliegen. Wir hoffen, dass die Entwickler das noch patchen können, denn von diesen beiden Kritikpunkten abgesehen sind die Kämpfe spannend und abwechslungsreich. 
 
Natürlich teilen auch die Gegner kräftig aus. Dabei verhalten sie sich recht clever, nutzen ihre Spezialtalente intelligent und greifen oft gezielt denjenigen an, der gerade am verletzlichsten ist. Nur auf dem leichten Schwierigkeitsgrad
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sind die Feinde etwas zu leicht zu besiegen. Ab dem normalen Schwierigkeitsgrad müsst ihr aber gezielt alle eure Talente nutzen, um gegen die Feinde zu bestehen. Glücklicherweise könnt ihr neben etwaigen Heilkünsten eurer Truppe auch noch in Truhen gefundene Bandagen (lies: Medikits) nutzen, um euch im Kampf zu heilen. Allerdings darf sich ein Charakter nicht selbst heilen. Hier ein Tipp an alle Spieler der Sorte "ich hebe mir die Gegenstände auf, bis ich sie wirklich brauche". Die Medikits solltet ihr unbedingt benutzen, da ihr eventuell übrig gebliebene Bandagen nicht mit in die nächste Mission nehmt! Wenn ihr mit der Hilfe mal zu spät kommt und ein Gruppenmitglied zu Boden geht, ist nicht gleich alles verloren. Wenn ihr den Kampf übersteht, könnt ihr den Gefallenen mit einem Rechtsklick wieder auf die Beine holen, die Bioware-Rollenspiele lassen grüßen. Theoretisch solltet ihr das lieber früher als später tun, da der Verwundete nach einer gewissen Zeit seinen Verletzungen erliegt. In der Praxis ist das Zeitlimit aber so großzügig, dass ihr euch nicht hetzen müsst. Und wenn es hart auf hart kommt, könnt ihr bei Bedarf jederzeit den Schwierigkeitsgrad ändern.
In den taktischen Kämpfen, die sich jederzeit pausieren lassen, ist der geschickte Einsatz eurer Spezialtalente gefragt. Außerdem solltet ihr genau auf die Positionen eurer Charaktere achten, denn sie stehen sich oft gegenseitig im Weg.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 349067 - 10. April 2012 - 0:04 #

Viel Spaß beim Lesen!

Severian 17 Shapeshifter - P - 7421 - 11. April 2012 - 19:53 #

Da die Server zum Testzeitpunkt nur wenig bevölkert war

Ganon 23 Langzeituser - P - 39051 - 17. April 2012 - 23:36 #

Wenn man die beiden nebeneinander liegenden Bilder auf Seite 2 anklickt, bekommt man immer nur das rechte groß zu sehen.

Makariel 19 Megatalent - P - 14206 - 10. April 2012 - 0:15 #

Ich hab mir eben den Launch-Trailer angesehen und verstand nur Bahnhof. An sich hab ich gern taktische Kämpfe und so, aber ich glaub hier werd ich nicht zuschlagen. Wenn die Wegfindung der KI wirklich so schlimm sind wie es sich anhört hat mein Keyboard nämlich nach spätestens 2 Missionen Biss-Spuren ;-)

floppi 22 AAA-Gamer - P - 34343 - 10. April 2012 - 0:18 #

Hm, klingt nach dem Lesen des Fazits wie ein "vielleicht mal als Budget-Titel".

Limper 16 Übertalent - P - 5445 - 10. April 2012 - 0:43 #

Dasselbe denke ich mir auch, Aktionen abwarten :)

McFareless 16 Übertalent - 5567 - 10. April 2012 - 2:07 #

Ach ich weiß nicht :D Ist doch auch so ganz interessant? Nach 2 Wochen kostet es so wenig, dass man es sich leisten kann :)

Makariel 19 Megatalent - P - 14206 - 10. April 2012 - 11:41 #

Mag sein, aber ich versteh nicht warum dieses Spiel auf gedeih und verderben erstmal zum Vollpreis hingestellt wird. Für 15-20€ würd ichs mir ja überlegen. Aber für 40€? Dafür sieht es mir zu sehr nach nem Warcraft 3-Mod aus ;-)

Goh 14 Komm-Experte - P - 2516 - 10. April 2012 - 2:41 #

kurz gesagt is es wohl nen kauf wert, wenn patches einiges verbessern, wenn es viel günstiger wird, oder wenn die moddign community fleißig an großen, freien leveln arbeitet, oder?

TASMANE79 14 Komm-Experte - 1845 - 10. April 2012 - 8:14 #

Naja, jetzt bin ich wieder arg am Überlegen. Ich liebe solche games ala Dungeon siege oder Baldursgate mit DA einflüssen. jedoch befürchte ich, dass ohne Story und staubtrockenen Char das Game nur bedingt Laune macht. Wie schon oben erwähnt, als Budget oder Dailydeal auf steam landet es auch auf meinem Rechner. Risen 2 kommt ja bald...;)

Anonymous2 (unregistriert) 10. April 2012 - 12:10 #

"Wieso hat er aus dem rundenbasierten Tabletop-Spiel keine rundenbasierte Computerumsetzung gemacht?"

würde wahrscheinlich potenzielle käufer abschrecken die keine rundenfans sind. aber eine einstellung zum ein- und ausschalten der runden wäre schon drin gewesen. (wie bei baldurs gate 2 zb)
frage mich allerdings ob das viel zeitaufwand wäre und ob es die pause-taste nicht auch tut.

Tim Gross Freier Redakteur - 23836 - 10. April 2012 - 12:25 #

Vielleicht hatte man sich auch Warhammer (das Strategiespiel) zum Vorbild genommen, was ja nicht ganz unerfolgreich war.

Makariel 19 Megatalent - P - 14206 - 10. April 2012 - 13:09 #

Sie hätten sich lieber X-Com zum Vorbild nehmen sollen, dann wär auch die Wegfindungs KI nicht so kritisch. Die zeigt ja schon im First 15-Mins Video so ihre Macken.

btw. gibts keine Bewegung in Formation wie z.B. in Baldurs Gate oder in Warcraft 3 wo Nahkämpfer automatisch vorn gehen wenn eine Gruppe von A nach B geschickt wird?

p.s. guter Test! (und funktioniert wunderbar ohne Zahl am Ende ;))

Anonymous2 (unregistriert) 10. April 2012 - 15:34 #

die warhammer serie habe ich zugegebenermaßen bis jetzt verweigert (brett & videospiel) - daher kenn ich mich damit leider nicht aus.

SirDalamar 14 Komm-Experte - 2035 - 10. April 2012 - 17:49 #

Wenn man sich das User Interface ansieht liegt der Gedanke nahe, ja.

Pard82 (unregistriert) 10. April 2012 - 12:16 #

Ich hätte da noch zwei Fragen.

Ist Steam für das Spiel pflicht?
Und hat es einen LAN-Modus?

Weil die Kämpfe hören sich auch sehr spaßig für ne LAN an. :)

Schon mal danke im Vorraus für die Mühe

Oranje 13 Koop-Gamer - 1419 - 10. April 2012 - 14:10 #

Schade, da habe ich mir mehr erwartet...

Faerwynn 17 Shapeshifter - P - 7666 - 10. April 2012 - 15:17 #

Naja, vielleicht schau ich mir mal die Demo an, ganz so arg flasht es mich jetzt nicht direkt.

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