Test: Jetzt auch für PC

Colin McRae Dirt 2 Test

Sieht es nur wahnsinnig gut aus, oder kann es auch was? Und was bringt der Drift hin zu mehr Show, mehr Action, mehr Stunts, spektakuläreren Unfällen? GamersGlobal berichtet über das etwas andere Dirt-Gefühl.
Jörg Langer 8. September 2009 - 14:01 — vor 7 Jahren aktualisiert
360 PS3
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Update: Hier geht's zum Testvideo der PC-Version. Der weitere Text dieses Artikels ist weitgehend unverändert, er entstand auf Grundlage der Konsolenversionen. Die Wertung ist dieselbe.

Unser Daumen pulsiert, der Pontiac Solstice GXP kann die grüne Signalleuchte kaum abwarten. Wie ein wildes Pferd schabt er mit den Hufen, der V6 röhrt. Dann, endlich, grün, die Kraft von 260 Pferdestärken reißen sich los, wir werden in den Schalensitz gepresst. Alter, gibt Colin McRae Dirt 2 Stoff! An uns vorbei rast der Kurs, Battersea. Gelegen in Großbritannien, ein ehemaliges Kohlebergwerk, zusammengehalten aus Eisen und Nägeln. Ein Sandpiste, umspannt von Brücken, mit recht gewagten Sprüngen für Rallye-Verhälnisse. Das Ganze hat eh wenig mit Rallye zu tun, nennt sich Rallyrcross. Sieben Piloten liefern sich hier ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Ihr seht schon: Dirt 2 ist mehr auf Action getrimmt, den Ritt auf Messers Schneide, harte Positionskämpfe. Battersea ist nur so gespickt mit fiesen Haarnadelkurven. Und wie unglaublich das aussieht! Jedes einzelne Staubkörnchen scheint zu schimmern, die tief stehende Sonne blendet, je länger wir fahren, desto schmutziger wird der Wagen. Denn trotz gesteigerter Action wir sind hier nicht bei "Germany's Next Racing Model", sondern in einer knallharten Rennsimulation. 

Hier ein erster Screenshot zur PC-Version von Dirt 2.
Wo ist die PC-Version?

Eine Anmerkung zur PC-Version: Angeblich, weil diese die DirectX-11-Effekte von WIndows 7 ausnutzen soll, wird sie erst im Dezember 2009 erscheinen. Vor allem das Shader Modell 5.0 soll für noch realistischere Lichteffekte, wirklichkeitsnahe Wasserspiegelungen und knackig detaillierte Bodentexturen sorgen. Wir sind gespannt, Dirt 2 dürfte das erste Spiel mit DirectX-11-Unterstützung werden. Ob die PC-Fassung simulationslastiger wird als die Konsolen-Inkarnationen, ist nicht bekannt, wir tippen aber, dass sich die Versionen inhaltlich nicht unterscheiden werden. Für die eh schon tolle Grafik erwarten wir aber -- auch ohne DirectX 11 -- auf PC nochmal einen Boost.
 
Gas-Spiel wie im siebten Himmel
 
Schon in den ersten Runden fällt auf, wie  feinfühlig sich Dirt 2 steuert, wie das Gasspiel eine Freude ist. Doch der Kurs ist knackig, die Haarnadelkurven machen uns das Leben schwer. Die besondere Herausforderung besteht darin, die Ideallinie zu halten, kurzzeitig vom Gas zu geben, die Handbremse nur kurz anzutippen und am Scheitelpunkt der Kurve das Gaspedal wieder voll durchzudrücken. Wahnsinn, was für ein Adrenalinrausch, eigentlich fahren wir nur mit 100 Sachen über den britischen Kurs, aber durch die vielen Kurven fühlt sich das extrem schnell an, der Pontiac schlittert und driftet, als würde es um sein Leben gehen. Ganz wichtig beim Drift um enge Kurven: Die Handbremse wirklich nur antippen, nicht durchdrücken, sonst vollführt ihr einen Powerslide. Dafür aber sind nur wenige Boliden geeignet, die meisten brechen aus und landen in der Mauer. Mal abgesehen von Grid, welches ebenfalls aus dem Hause Codemasters stammt und eventuell Need for Speed: Shift, welches in wenigen Tagen über unseren Testparcours jagt, gibt es kaum ein Rennspiel, das so sensibel auf Gas und Bremse reagiert. Ihr wisst immer genau, wann ihr einen Fehler macht. Etwa weil ihr Kuppen und Senken nicht in die Ideallinie mit einbezogen habt.
 
Der Feind, die Pfütze

Anders als in Colin McRae Dirt wirken sich Über- und Untersteuern in hart genommenen Kurven deutlich spürbarer aus. Neu sind auch die Wasserlöcher, fiese Pfützen, die unseren Pontiac bei zu viel Geschwindigkeit nicht nur ins Schlingern bringen, sondern in der Cockpitperspektive auch noch herrlich animiert Schlamm auf die Windschutzscheibe werfen. Sieht richtig beeindruckend aus, wenn der Scheibenwischer die Plörre zur Seite schiebt, diese von oben immer weiter nach unten läuft. Je nach Beschaffenheit des Bodens bleiben Schlieren zurück, die trocknen im kalten England natürlich nicht so schnell wie im heißen Marokko. Schade nur, dass Schlamm und Wasser nicht direkt ins Cockpit spritzen, wenn die Scheibe zerbirst. Wunderschön hingegen, wie sich Pfützen taktisch auswirken: Gebt ihr vor Wassergruben kurz die Ideallinie auf, umdriftet das Gewässer, dann kostet das zwar ein paar Zehntel, dafür könnt ihr die Bremswirkung des Wassers vermeiden. Alles hat Vor-und Nachteile, die es auszuloten gilt.

Die Cockpitperspektive ist unser Liebling: Die Frontscheibe verschlammt so richtig schön, die Plörre verteilt sich überall. Und das Schönste: Der Skelettkopf nickt freundlich im Takt.

Man crasht nur zweimal
 
Und was passiert, wenn ihr wirklich in der Betonmauer landet? Aus und vorbei, finito, Totalschaden? Nein, nicht ganz. Zwar zieht sich der Wagen wie eine Ziehharmonika zusammen, die Tür wird eingequetscht, die Glasscheibe zerbirst, die Achse bricht. Doch da gibt es noch die Rückspulfunktion. Damit spult ihr die Zeit zurück, drückt aufs Knöpfchen und landet wieder an dem gewünschten Punkt, wie eine Reise in die Vergangenheit, in der euer Fahrfehler noch nicht passiert ist. Ein Feature, das schon in Grid heiß diskutiert wurde. Darf man Fahrfehler einfach so ausbügeln, quasi ungeschehen machen, oder nimmt das den Kick? Eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss und den Schwierigkeitsgrad entsprechend einstellt: Im Profi-Modus gibt es maximal zwei Rücksetzmöglichkeiten pro Rennen, auf leicht hingegen fünf. Wer den Schwierigkeitsgrad weiter herunterschrauben möchte, kann das Schadensmodell rein aufs optische minimieren. Sprich, die Karre wird zerbeult, zerknautscht, Glas splittert, der Rückspiegel leidet, die Motorhaube verformt es – das hat dann aber alles keine Auswirkungen mehr auf Fahrverhalten und Geschwindigkeit.

Wenn ihr mit standardisiert aktivem Schadensmodell fährt und beispielsweise rechts gegen einen Stahlträger rauscht, dem verschiebt es die Aufhängung. Ergo hat der Wagen fortan massiven Rechtsdrall. Das könnt ihr zwar mit leichten Stickbewegungen ausbalancieren, es macht die Positionskämpfe aber nicht gerade einfacher. Richtig schlimm wird es, wenn der Motor in Mitleidenschaft gezogen wird. Es gibt leichte, mittlere und schwere Motorschäden. Beim leichten drohen noch keine Einschränkungen, beim mittleren schafft es der Tacho nur noch auf 80 Sachen. Und bei schweren Motorschäden solltet ihr das Rennen direkt neu starten, die Nadel geht nur noch auf 54 Sachen, damit lässt sich weder ein Bumentopf, noch Pokal oder Geld gewinnen.
 
Unseren Eclipse zerlegt es fachgerecht und spektakulär. Doch dank Rückspulfunktion dürfen wir weiterfahren.

Virtuelle Pistensäue müssen ihre Schüssel in Dirt 2 übrigens nicht gegen Bares reparieren lassen, das geschieht automatisch. Bastler und Motorsport-Experten frohlocken dennoch: Wer mag, darf fleißig am Fahrzeug-Setup herumschrauben. Getriebeübersetzung, Antrieb, Radaufhängung, Differential und Bremsbalance – das alles manipuliert ihr mit simplen Schiebereglern. Wenn ihr ein bisschen hier und da herumexperimentiert, werdet ihr recht flott den Dreh raus haben. Selbst Menschen, die ihr Auto selbst bei Kleinigkeiten lieber in die Werkstatt bringen als selbst Hand anzulegen (so wie der Autor dieser Zeilen), kitzeln mit den richtigen Einstellungen höhere Endgeschwindigkeit, mehr Bodenhaftung, besseres Kurvenhalten oder schnellere Beschleunigung von 0 auf 100 heraus. Rennsport-Experten und Hobby-Mechanikern dürfen die Einstellungen allerdings nicht weit genug gehen: Luftdruck oder andere Detaileinstellungen lassen nicht vornehmen.
 
Menüs, in denen Liebe steckt.

Dirt 2 strotzt nur so vor Designliebe. Alles passt zusammen. Das fängt schon beim durchgestylten Menü an. Mal ganz im Ernst, könnten wir alle Spiele-Menüs der letzten fünf Jahre fragen, ob sie sich wohlfühlen in ihrer Haut – die meisten würden nein sagen. Dabei kann ein schönes Menü so viel Vorfreude versprühen! Ihr startet in einem Wohnwagen, Dreh- und Angelpunkt des ganzen Spielgeschehens. Schaut euch mit dem linken Stick in Ruhe um! Auf dem Nachttisch liegt ein Motorsport-Magazin namens EXPN. Und hey, cool da steht ja unser Name drauf. Und ein paar Tipps, wie wir unsere Fahrtechnik verbessern können. Außerdem Tour-News, wie viel Prozent der Worldtour-genannten Kampagne wir schon geschafft haben. Und auf welchem Level wir sind. Fantastisch, so muss ein Menü aussehen: Durchgestylt, cool aufgemacht, persönlich. Und dennoch zweckmäßig.

Das Problem der schönen Menüs: Die Ladezeiten sind enorm, bis zu 30 Sekunden dauert es stellenweise. Egal, wir bahnen uns den Weg durch den recht geräumigen Wohnwagen und stoßen auf einen Tisch. Da steht Dirt-Tour darauf, und eine riesige Landkarte liegt herum, auf der London, Kroatien, Japan, China, Malaysia und Kalifornien/Baja eingezeichnet sind. Stationen unserer Karriere, die klar machen in welche Richtung sich die Colin McRae-Reihe entwickelt: Weg vom reinen Rallyespiel, viel mehr frisiert auf Motorsport-Extrem.

Die Menüs sind so zweckmäßig wie schön designt. Wer etwa die X-Games Asia gewinnt, bekommt die Winkekatze als Souvenir.
 
Ditze 13 Koop-Gamer - 1258 - 8. September 2009 - 15:23 #

Ach gäbe es doch einen Nachfolger für Rallisport Challenge 2.
Da gab es Regen, Schnee und Staub.

Atomsk 16 Übertalent - 4878 - 9. September 2009 - 10:07 #

Das spiele ich heute noch, wenn ich mal wieder ne nostalgische Phase habe. Eines der besten Rally-Spiele ever...

maddccat 18 Doppel-Voter - 11530 - 8. September 2009 - 15:33 #

Bei "Plattform" fehlt die Xbox360.

Vidar 18 Doppel-Voter - 12579 - 8. September 2009 - 15:43 #

naja ein offroadgame ohne schnee/regen udn sonstigen sachen ist für mich nur halbes da hilft die tolle grafik auch nicht... jedes andre spiel hätte hier wahrscheinlich mehr abzüge bekommen!
und ja weniger klassische rally ist auch mehr als schade war mir schon in dirt 1 zu wenig naja wird nicht gekauft oder wenn erst wenn es als Budget titel zu haben ist....

ich will mal wieder ein reines rallyspiel.. RBR2 oder sowas

Ceifer 13 Koop-Gamer - 1783 - 8. September 2009 - 15:50 #

Die Screenshots der Galerie sehen etwas komisch aus... irgendwie alt ?^^

Vidar 18 Doppel-Voter - 12579 - 8. September 2009 - 15:55 #

meinst du die screens der DS version?^^

Bad_Jay 11 Forenversteher - 667 - 8. September 2009 - 16:04 #

Also ich muss leider sagen das mir die nur die Grafik nach spielen der Demo gut gefallen hat, ansonsten wollte der Funke einfach nich überspringen, ich vermisse auch son bisschen die oldskooligen Rallygames! Wenn ich da mal an Rally Racing 97 denke, das war der hammer! Oder halt die ersten "reinen" Rally Colin's!

Aber ein sehr schöner Test, wobei ich die Begeisterung für die animierten Menüs nich ganz teilen kann, ich finde die einfach nervig!

zrgrvsh 04 Talent - 28 - 8. September 2009 - 18:25 #

"Ein Traum in 1080p"
Wirklich? Bei mir auf der PS3 sah es eher nach 720p aus. Die Grafik bekommen Sie in 1080p auf den Konsolen zumindest sicher nicht hin.

ganga Community-Moderator - P - 16097 - 8. September 2009 - 18:44 #

Kann ja sein dass ich das Ganze überlesen hab oder dass es voraus gesetzt wird. Spielt sich das Spiel denn mit allen Autos gleichzeitig auf der Strecke oder rast man nur gegen die Uhr? Da von Positionskämpfen die Rede ist, geh ich mal von ersterem aus.
Kleine Frage am Rande: Wieso ist "Alarm für Cobra 11" bei der zweiten Nennung fett geschrieben? Passt imo irgendwie nicht.

Ansonsten ein schöner Test, der ein "hautnah dabei"-Gefühl vermittelt.

maddccat 18 Doppel-Voter - 11530 - 8. September 2009 - 19:14 #

Habe gerade noch vor 10 Minuten das erste Dirt gespielt. Eigentlich ja ein klasse Spiel aber es frustriert, wenn man eine Etappe zum 10x angehen muss. Da könnte sich das neue System des Rückspulens positiv auswirken. Schade finde ich allerdings, dass sich beide Dirt Teile nicht auf Rally beschränken. Bis auf Hill Climp interessieren mich die anderen Renntypen nicht. Mal gucken, ob Dirt2 gekauft wird.

dgruebner 11 Forenversteher - 634 - 8. September 2009 - 20:19 #

Ich bin für eine Unterscheidung von Rennsimulation und Arcade-Racern. Dirt 2 ist und bleibt, wie die ganze Serie, ein Vertreter der zweiten Klasse. Da Shooter auch in mehrere Gruppen unterteilt werden (Taktik usw.), fände ich das hier auch passend.

Ähnlich wie Ditze finde ich es auch etwas schade, dass im Spiel erneut kein Schnee und kein Regen vertreten ist. In den ersten Teilen der Serie war es immer dabei. Ähnlich wie bei Need For Speed streicht man diese Features jedoch mit dem Alter der Serie. Warum auch immer. Ich befürchte sogar im nächsten Teil wird man die Rallye-Etappen ganz streichen und noch mehr auf Action setzen. Dabei waren mir die immer am liebsten und eigentlich von Beginn an ein Kernbestandteil der Serie, der für mich unantastbar ist/war.

Ich habe bisher nur die Demo getestet, aber die Menüs finde ich eher nervig. Mir wirkt es zu überladen, zu unübersichtlich. Die damit verbundenen Ladezeiten wurden ja im Test erwähnt.

Auf mein Exemplar des Spiels muss ich noch ein paar Tage warten. Trotz der Kritikpunkte muss man eingestehen, dass das Spiel, das Fahren, einen Heidenspaß macht. Selbst mit dem G25-Lenkrad lässt es sich gut steuern.

twinpunk 07 Dual-Talent - 132 - 8. September 2009 - 22:28 #

Scheint wirklich ein super Rennspiel zu sein!
Desto blöder ist, dass es keinen Splitscreenmodus gint. :-(

Floyd Ryan (unregistriert) 8. September 2009 - 23:06 #

Gibt es denn schon überhaupt DX11-Karten um in den Genuss der neuen Effekte zu kommen?

Vidar 18 Doppel-Voter - 12579 - 8. September 2009 - 23:47 #

wenn das spiel erscheint ja

peo 07 Dual-Talent - 128 - 9. September 2009 - 9:29 #

Ja ein reines Rally Spiel wäre nicht schlecht aber ich denke das nur für eine bestimmte Anzahl von Spieler passen würde. Nachdem ich alle Titel toll gefunden habe....bist auf de Lezten die fast keine Neuerungen enthalten waren....find eich Dirt besser, weil es mehr Abwechslung bietet. Danke für den Bericht, ist sehr gut.

Oberpanda 07 Dual-Talent - 110 - 15. September 2009 - 15:32 #

Zurück in den Staub. Ein toller Testbericht. Mir hatte damals der erste Teil von Dirt nicht so sehr zugesagt, Lust auf einen Test von Teil zwei macht der Bericht auf jeden Fall, vermute aber, dass ich dieses Mal eher beim neuen Need for Speed hängen bleibe.

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