Test: Spieglein an der Wand

Black Mirror 3 Test

Schon seit 2004 rätseln Adventure-Fans, was es mit dem Fluch der im Schloss Black Mirror residierenden Adelsfamilie Gordon auf sich hat. Nach einem fiesen Cliffhanger in Teil 2 sollen nun im dritten Teil der Horroradventure-Serie alle offenen Fragen geklärt werden. Wir haben in unserem Test untersucht, ob dieses Vorhaben auch gelingt.
Philipp Spilker 31. Januar 2011 - 15:56 — vor 5 Jahren aktualisiert
PC
Black Mirror 3 ab 6,25 € bei Amazon.de kaufen.
  Alle Screenshots im Artikel wurden von uns selbst erstellt, wie bei fast allen Tests und vielen Previews.


  In unserem "First15m"-Video zu Black Mirror 3 erlebt ihr unkommentiert die ersten 15 Minuten des Spiels.

Gesetz den Fall, dass ihr einen oder gar beide Vorgänger von Black Mirror 3 nicht gespielt habt, werdet ihr beim Start des Trilogie-Finales aller Wahrscheinlichkeit nach nur Bahnhof verstehen. Black Mirror 3 nämlich könnte von der Story her sehr gut als Black Mirror 2 Teil 2 in den Handel gebracht werden: Es schließt nahtlos an den Vorgänger an -- um genau zu sein: sieben Minuten nach dem Cliffhanger, mit dem euch 2009 der zweite Serienteil (GG-Wertung: 8.5) verabschiedete.

Wir erinnern uns (und spoilern dabei nur das Notwendigste): In Black Mirror 2 erlebten wir, wie der im idyllischen USA-Küstenstädtchen Biddeford jobbende Student Darren Michaels von seiner eigenen, ihm bis dato unbekannten Vergangenheit eingeholt wurde. Eigentlich nämlich heißt er Adrian Gordon, wurde aber zu seinem eigenen Schutz noch als Kind für tot erklärt und nach Amerika geschickt. Zu tun hat all das mit einem Fluch, der in den vergangenen Jahrhunderten schon viele Söhne der Famile Gordon zu Massenmördern machte -- und den böse Mächte nun mit Adrians Hilfe ausnutzen möchten. Einige Todesfälle und ein folgenschweres Ritual später stand die Ausgangssituation für Black Mirror 3: Das Schloss von Black Mirror steht in Flammen, Adrian Gordon rennt verwirrt und verängstigt durch den Wald und gelangt direkt in die Fänge von Inspektor Spooner, der ihn kurzerhand als Mörder und Brandstifter beschuldigt und verhaftet. Was nun zu tun ist, ist klar: Adrian Gordon muss im dritten Serienteil seine Unschuld beweisen und den Fluch, der auf den Gordons lastet, ein für alle Mal beenden. Doch welchen Preis wird er zahlen müssen?

Serienkenner fühlen sich in Black Mirror 3 sofort zu Hause. Dieses Gebäude hier kennen Veteranen noch aus dem ersten Teil. Adrian Gordon wird hier eine unangenehme Situation erleben, die entfernt an den Kinofilm "Buried" erinnert.

Schauerliches Mystery-Ambiente

Adrian Gordon muss sich in Black Mirror 3 der düsteren Geschichte der Gordons stellen -- sein Vater inklusive.
Black Mirror 3 besticht vor allem durch seine sehr gelungene Grusel-Atmosphäre. Wir haben der Engine, die auch schon im zweiten Teil des Spiels verwendet wurde, ihr Alter zu keinem Zeitpunkt angemerkt. Sowohl das englische Dörfchen Willow Creek, in dem die Zeit stillgeblieben zu sein scheint, als auch der diese Szenerie umgebende weiße Wald sowie das Schloss Black Mirror werden grafisch gekonnt in Szene gesetzt. Hinzu kommen Locations wie ein abgeschiedenes Leichenschauhaus, das Veteranen noch aus dem ersten Teil der Serie kennen werden, alte Höhlengräber aus Druidenzeiten, Friedhöfe zur Mitternachtsstunde, verlassene Holzhütten im Wald und gen Ende hin auch riesige unterirdische Katakomben. Kurzum: Viele Schauplätze im Spiel haben das Genre "Grusel-Adventure" in dicken Lettern auf ihrer Stirn stehen. Und wir geben zu: Ganz ähnlich wie auch in Dead Space 2 haben wir uns im abgedunkelten Raum dabei ertappt, wie uns ab und an ein kalter Schauer über den Rücken lief (wobei es im Fall von Dead Space 2 eher der blanke, animalische Horror war). Nicht zuletzt liegt das auch am tollen Soundtrack, den wir auch nach dem Durchspielen noch im Ohr haben.

Die Geschichte trägt das ihre zur Atmosphäre bei, denn speziell in den ersten vier von sechs Kapiteln gelingt es der Autorin Anne von Vaszary vortrefflich, Parallelen zu den ersten beiden Teilen zu ziehen und einige kleine Fragen bereits aufzulösen. Aus den dabei erhaltenen Antworten aber, wie sollte es auch anders sein, entstehen meist neue Mysterien. Uns hat dieses Wechselspiel von "Aha, sooo ist das!"- und "Was ist denn bitte nun wieder los?"-Momenten zum Weiterspielen motivert. Aber auch die gelungenen Charaktere, teils Neuzugänge, teils Altbekannte, und deren vorbildliche Synchronisation haben daran einen Bärenanteil. Und über all dem steht eine Frage, die wir uns im Spiel sehr regelmäßig gestellt haben: Wie ist das mit dem Fluch der Familie Gordon? Leiden sie wirklich unter einem bösen Fluch oder sind sie einfach nur eine Adelslinie von mordlüsternen Psychopathen?

Diese Frage muss sich im Spiel auch Adrian Gordon stellen. Immerhin leidet er unter Gewaltfantasien und befürchtet, selbst besessen zu sein. Der Umstand, dass er bei weitem nicht mehr so flapsig mit seiner Situation umgeht, wie das noch in Black Mirror 2 der Fall war, hilft ungemein dabei, sich mit ihm zu identifizieren. So wird er in Black Mirror 3 zu einer Sympathiefigur. Und auch die Art, wie die Mitmenschen auf ihn reagieren (der schließlich als Mörder und Brandstifter beschuldigt ist), trägt zur Immersion in die Spielwelt bei. Als wir einen Tante-Emma-Laden betreten, verlässt ihn eine alte Dame aus Angst vor uns. Und Gegenstände aus eben diesem Laden müssen wir uns nicht etwa per Rätselkette erspielen, sondern sie werden uns von der Verkäuferin geschenkt: Wir sollen ihr bloß nicht zu nahe kommen!

Wir könnten uns zum Aufwachen aus tiefer Bewusstlosigkeit bessere Orte vorstellen als diesen hier.
Christoph Hofmann Redakteur - 55130 - 31. Januar 2011 - 17:51 #

Wer Teil 1 + 2 noch nicht besitzt: für 15 Euro mehr gibt es zum Release auch die Black Mirror Collection mit allen drei Teilen, die sogar noch Bonusinhalte wie eine Best-Of-CD der Soundtracks bietet.

Henry Heineken 15 Kenner - 3569 - 31. Januar 2011 - 21:28 #

Wollt ich gerade danach fragen, weil mich die ersten beiden Teile schon immer interessiert haben, ich aber noch nie dazu gekommen bin. Wieviel Stunden Spielzeit hat man als Adventure-Anfänger (Nur die Monkey Island-Teile und ein paar kleinere Sachen) denn?

Juuunior 11 Forenversteher - P - 689 - 31. Januar 2011 - 21:52 #

Beide Teile sind sehr gut und sehr umfangreich. Ich denke, wenn man sich auf die Atmosphäre einlässt und alles genießt kommt man bei beiden Teilen auf je rund 20 stunden. Bei mir zumindest war es so.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 1. Februar 2011 - 2:41 #

Beim zweiten Teil sind 20 Stunden realistisch. Der erste ist laaange her. Aber ich habe ihn dennoch als geringfügig weniger zeitaufwändig als Teil 2 und 3 in Erinnerung.

Juuunior 11 Forenversteher - P - 689 - 1. Februar 2011 - 17:25 #

Dadurch, dass der erste Teil meiner Meinung nach schwerer war, empfand ich ihn sogar als länger als Teil 2. Aber ist ja alles subjektiv, hängt stark davon ab, wie man mit den Rätseln klarkommt.

Henry Heineken 15 Kenner - 3569 - 1. Februar 2011 - 19:11 #

Schwanke gerade allerdings noch zwischen BM und The Next Big Thing, weil ich durch Penny Arcade Adventures mal wieder auf den Geschmack lustiger Adventures mit richtig gutem Stil gekommen bin

Rebbot 10 Kommunikator - 522 - 31. Januar 2011 - 19:06 #

Teil 1 fand ich super, auch das Ende. Vom zweiten Teil war ich enttäuscht, vor allem von der Story und den Charakteren. Teil 3 macht mich deshalb nicht wirklich an - nach dem Test hier sogar eher noch weniger.

keimschleim 15 Kenner - 2932 - 31. Januar 2011 - 20:32 #

Bei Amazon die Box (Black Mirror I-III) vorbestellt. Freu mich drauf! I und II waren ja schon klasse.
PS: Guter Test.

Juuunior 11 Forenversteher - P - 689 - 31. Januar 2011 - 21:25 #

Danke für den zeitnahen und schönen Test! Wird gekauft! :)

Orxus 13 Koop-Gamer - 1436 - 1. Februar 2011 - 17:32 #

Black Mirror 1 und 2 waren genial
habe viele schöne Stunden in diesem Spiel verbracht :)
freue mich sehr auf den 3ten Teil :)
das steht schon so gut wie in meinem Regal , bzw die CD im Laufwerk :D

Vidar 18 Doppel-Voter - 12256 - 2. Februar 2011 - 10:52 #

Danke für den Test ich hab die bestellung storniert.
War eh auf der Kippe da ich eigentlich keine wirkliche Lust hatte wieder ein ganzes Spiel mit diesem Usympat rumzurennen aber gut lässt sich verscmerzen. Gut hat sich in Teil 3 auch geändert immerhin ein +Punkt.
Dennoch wenn ich die Zeile über das Ende lese, ne danke. Brauche nicht schon wieder ein Ende was mich evetl nur noch enttäuscht und evtl sogar noch verwirrender ist als das miese Ende in Teil 2.
Da die wertung in Teil 2 schon zu hoch war wirds hier auch so sein. (für mich)

In Teil 1 war alles abgeschlossen und so sehr ich den ersten Teil mochte, mir eine Fortsetzung gewünscht hab und gejubelt hab als dann eine kam, umso mehr wünschte ich mir man hätte die Serie doch in ruhe gelassen und keinem andren Entwickler gegeben.
Wenigstens wirds keinen vierten Teil geben (so wie ichs mitbekommen habe)

Xalloc (unregistriert) 2. Februar 2011 - 22:04 #

Ich habe die Collection bei Amazon vorbestellt wegen der Vorbestellerpreisgarantie (habe auch ein paar Euros gespart gegenüber den jetzigen Preis). Auf einmal kommt die heute schon an. Ich habe bisher nur den ersten Teil gespielt. Vom 2. und 3. Teil habe ich bisher nur die Demos gesehen. Beim 2. fand ich den Hauptcharakter schon sehr unsympathisch (wie auch schon andere Kommentatoren anmerkten). Und beim 3. scheint sich das kaum geändert zu haben. Was ich wirklich nicht mag, ist wenn das Ende nicht gut ist. Das ist immerhin das Ende einer Trilogie! Da kann man schon was erwarten, finde ich. Nun bin ich am Überlegen, ob ich die Box zurückschicke oder mich doch an den 2. und 3. Teil wage.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 3. Februar 2011 - 2:03 #

Das Ende von Teil 3 ist nicht wirklich gut, keine Frage. Aber Black Mirror 3 lohnt sich dennoch für den Weg dorthin. Und der Hauptcharakter ist definitiv sympathischer als noch im zweiten Teil, meiner Meinung nach entwickelt er sich im Lauf der Story glaubwürdig weiter. Ich empfehle dir, die gesamte Trilogie zu spielen. Das lohnt sich schon.

opastock 13 Koop-Gamer - 1278 - 2. Februar 2011 - 22:57 #

Schöner, gelungener Test, ich bin leider noch nicht in den Genuss der ersten beiden Teile gekommen und sollte das dringend nachholen. Den 3. Teil kann man sich dann ja anscheinend sparen.

Eine Frage nebenbei, wird das jetzt zur Gewohnheit nur noch die 15 Minuten Einblicke zu machen? Oder gibt es demnächst wieder "richtige" Testvideos, wenn ich ehrlich bin, wären "die" mir nämlich lieber.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 3. Februar 2011 - 2:05 #

Wie kommst du zu der Lesart, dass man sich den dritten Teil sparen kann? Seit wann sagt das eine Bewertung von 8.5 aus? Klar: Das Ende der Story könnte, nein, sollte besser sein. Aber dennoch ist Black Mirror 3 eines der atmosphärisch gelungensten Adventures auf dem Markt und ich habe es wie die Vorgänger mit Genuss durchgespielt.

opastock 13 Koop-Gamer - 1278 - 3. Februar 2011 - 14:24 #

War missverständlich ausgedrückt, ich meinte damit eher, dass ich mir vorher die anderen beiden Teile angucken sollte und nicht mit dem 3. einsteigen. (fehlt ein "erstmal" in dem Satz)

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323796 - 4. Februar 2011 - 14:05 #

Es wird weiterhin auch richtige Testvideos geben. Da die aber ungleich mehr Aufwand machen (gut 1 Tag pro Video, manchmal mehr), können wir sie auch bei sehr guten Titeln nicht immer machen. Die First15 hingegen machen sehr wenig Aufwand (etwa 1 Stunde), die können wir fast immer machen.

Svenc (unregistriert) 2. Februar 2011 - 23:38 #

Musste doch mal reinschauen. Hm, die Demo zu Teil zwei machte im Vergleich sogar einen runderen Eindruck. Fast so, als wäre das hier das Sequel, das so schnell wie möglich hatte sein müssen. Die Renderarts sind mittelmäßig, die Animationen hakelig, die Dialoge verkeilen sich in blabla über Gott und die Welt, Fehlzünder-Humor und sonst relativ wenig. Im Vergleich zu Telltale-Spielen, die ja auch ihre Macken haben, wirkt das wie ein Retro-Throwback. Und kein sonderlich beeindruckendes. Da bin ich momentan lieber versucht, noch mal The Lost Crown zu starten. Das mag so krude und hakelig sein, wie es Ein-Mann-Projekte eben schon mal sind. Aber zumindest ist es nicht so komplett weichgespült wie die vielen Mystery-Adventures, mit denen dtp den Markt schon wieder fast halbtot geflutet hat.

Wo Episoden der Tales Of Monkey Island mit "interaktiven" Intros anfangen, Kameras als Erzählinstrument nutzen und eigentlich längst ausgelutschte Charaktere der ein oder andere flotte Einzeiler über die Lippen kommt, sitzt man hier zehn Minuten vor dem Bildschirm, bis man überhaupt mal eingreifen kann - und fragt sich als jemand, der bloß den Vorvorgänger gespielt hat, was überhaupt los ist. Ein bisschen wie Augsburger Puppenkiste nach einem unterhaltsamen Kinofilm. Schleierhaft, warum so etwas in der deutschen Presse wieder in Jubelregionen vorstößt, das vor fünfzehn Jahren Spielen wie Grim Fandango, Monkey 2 oder Gabriel Knight vorbehalten war. Aber es ist ja nur eine Demo. Und schon Black Mirror war hierzulande als Hit propagiert worden, wo unter der Haube grundsolide Groschenroman-Unterhaltung für kalte Winterabende steckte - aber wenig mehr.

Philipp Spilker 20 Gold-Gamer - P - 22468 - 3. Februar 2011 - 2:09 #

Dass Black Mirror 3 in der Demo keinen sonderlich guten Eindruck hinterlässt, kann ich mir fast vorstellen. Die Faszination beruht im Spiel sehr stark darauf, am Anfang wie der Ochs vor dem Berge zu stehen und mit der Zeit immer mehr Zusammenhänge zu verstehen und immer neue Mysterien aufzudecken. Die Animationen allerdings habe ich im Test nun wirklich nicht als hakelig empfunden und der Humor geht voll in Ordnung. Und auch die Dialoge haben mir überwiegend gut gefallen -- nur leider führen sie zu besagten hanebüchenem Ende.

micha (unregistriert) 4. Februar 2011 - 16:15 #

"Tolle Synchronisation" als Pluspunkt?? Ich finde, die deutschen Sprecher klingen furchtbar unmotiviert und unpassend. Das macht die ganze Atmosphäre kaputt.

Labrador Nelson 27 Spiele-Experte - - 85939 - 21. Juli 2011 - 23:00 #

Geisterstunde!

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