Frauenpower

Assassin's Creed 3 Liberation Test

Kein Lückenbüßer, sondern ein eigenständiges Spiel will das diesjährige Mobilangebot zu Assassin's Creed sein. Seine Handlung findet quasi parallel zu der in Assassin's Creed 3 statt, aber in New Orleans und – hört, hört – erstmals mit einer Meuchelmörderin als Heldin. Frauenpower oder Mädchenspiel?
Jonas Schramm 2. November 2012 - 14:41 — vor 4 Jahren aktualisiert
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Alle Screenshots stammen von GamersGlobal.

Nachdem wir nun schon den Mittleren Osten zu Zeiten des dritten Kreuzzuges, Italien zur Zeit der Renaissance und das Osmanische Reich nur wenige Jahre nach der Eroberung von Byzanz besucht haben, wird es dieses Jahr Zeit für eine neue Epoche im Assassin's-Creed-Universum. In Assassin's Creed 3 geht es nach Nordamerika in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. In der Rolle des neuen Protagonisten Connor meuchelt ihr euch durch den Nordosten des Kontinents (siehe GG-Test). Ubisoft holt aber gleich zum Assassin's-Creed-Doppelschlag aus, denn in dieser Woche steht noch ein weiterer Titel an: Assassin's Creed 3 Liberation für die PSVita. Auf einem Handheld durften Hobby-Assassinen zuletzt die Handlung zwischen dem ersten und zweiten Teil (in Form von Assassin's Creed – Bloodlines) fortführen. Mit Assassin's Creed 3 Liberation erwartet euch diesmal keine Story-Brücke zwischen zwei Teilen, sondern ein eigenständiges Spiel. Ob dieses Konzept aufgegangen ist und wie viel Assassin's Creed wirklich in Liberation steckt, haben wir für euch herausgefunden.

Neue Epoche, neuer OrtWährend in allen vorangegangenen Teilen der Serie inklusive AC3 männliche Protagonisten im Mittelpunkt standen (weibliche Nebencharaktere aber gerne mal erstochen wurden), übernehmt ihr in Assassin's Creed 3 Liberation erstmals die Rolle einer Heldin. Aveline de Grandpré hat französische sowie afrikanische Wurzeln. Die Handlung verschlägt euch unter anderem in ihre Heimatstadt New Orleans, direkt nach Ende des siebenjährigen Krieges zwischen Franzosen und Engländern. Genauer: ins Jahr 1765. Zu dieser Zeit wollen sich die Spanier den Bundesstaat Louisiana (und damit auch New Orleans) unter den Nagel reißen, was der damals überwiegend französischen Bevölkerung gar nicht gefällt. Nur gut also, dass die Einwohner mit Aveline eine Assassinin auf ihrer Seite wissen. In ihrer Rolle versucht ihr nicht nur, Land und Volk vor der spanischen Fremdherrschaft zu retten, sondern deckt auch die Beweggründe der Kolonialmacht auf. Parallel dazu wird die Lebensgeschichte von Aveline beleuchtet. Ihre Mutter verschwand nämlich auf mysteriöse Art und Weise, als Aveline noch sehr jung war.
Beide Aspekte werden in Assassin's Creed 3 Liberation miteinander verwoben, wodurch sich eine spannende Handlung entwickelt. Die Templer und mächtige Artefakte dürfen natürlich auch nicht fehlen. Die Story nimmt dabei keinen großen Bezug auf vorherige Ereignisse im Assassin's-Creed-Universum. Wie auch, Aveline ist weder verwandt noch verschwägert mit Altair oder Ezio. Im Bezug auf Assassin's Creed 3 ergibt sich gegen Ende eine nette, wenn auch vorhersehbare Überschneidung. Und wie sieht es mit dem Handlungsverlauf in der Gegenwart aus? Dieser wird in Assassin's Creed 3 – Liberation quasi überhaupt nicht thematisiert. Heißt: Euch wird kein neuer Charakter à la Desmond vorgestellt. Ganz ohne Abstergo Industries und den Animus kommt AC3 Liberation aber doch nicht aus. So bekommt ihr zu Beginn des Spiels den Startprozess des Animus zu sehen. Wer da aber mithilfe des Geräts in die Geschichte von Aveline eintaucht, ist nicht bekannt.


Aus alt mach neu Wie bereits erwähnt, dient New Orleans als einer der Schauplätze. Dazu gesellen sich unter anderem noch die Sumpflandschaft Bayou und die mexikanische Ruinenstätte Chichén Itzá. Serientypisch dürft ihr alle Orte frei erkunden. New Orleans und der Bayou sind die größten Gebiete, die das PSVita-Spiel zu bieten hat. Flächenmäßig können diese aber nicht im Entferntesten mit dem Venedig aus Assassin's Creed 2 oder gar dem Grenzland aus Assassin's Creed 3 mithalten. Dafür besitzen sie ihren eigenen Charme und wirken doch ganz anders als die europäischen Städte. Hohe Gebäude sind selten, dafür klettert ihr immer wieder Bäume hinauf, die auch im Stadtbild von New Orleans nicht fehlen.
Aveline stehen drei Outfits zur Verfügung: In ihrer normalen Assassinenkleidung (oben) kämpft sie besonders gut. In Sklavenklamotten (Mitte) zettelt sie mühelos kleinere Aufstände in der Bevölkerung an. Und als Dame (unten) kann sie Wachen betören und so auf ihrer Seite ziehen.

An der Fortbewegung hat sich auch in Assassin's Creed 3 Liberation nichts verändert: Per Freerunning lauft ihr an Häuserwänden hoch oder springt von einem Dach aufs nächste. Das alles geht sehr leicht von der Hand, da ihr, um loszusprinten, nur eine Taste gedrückt haltet und die Heldin dann einfach mithilfe des Analog-Sticks in eine beliebige Richtung lenkt. Hindernisse umgeht sie automatisch: Mal duckt sie sich unter einem Baumstamm hindurch, mal springt sie über eine Steinmauer. Vor allem in der Sumpflandschaft fällt das tolle Design der Umgebung auf. Hier lauft ihr fast ausschließlich über Baumstämme und Äste hinweg. Diese sind so angeordnet, dass eine flüssige Bewegung von A nach B immer möglich ist und ihr euch quasi nie in die dunklen Gewässer unter euch begeben müsst. Aveline kann aber auch schwimmen, wenn ihr es darauf ankommen lasst. Die Landschaft wirkt trotzdem organisch und nicht wie ein vorgefertigter Baum-Parkour – vielleicht die größte Leistung der Leveldesigner.

Genauso wie das Freerunning-System werden euch auch die Kämpfe bekannt vorkommen, wenn ihr einen der aktuelleren Assassin's-Creed-Teile gespielt habt. So offenbart das Kampfsystem vor allem dann seine Stärken, wenn ihr einen Stealth-Ansatz verfolgt. Sich von hinten an einen Gegner heranzuschleichen und diesen mithilfe der Armklingen zu erledigen, fühlt sich auch in Assassin's Creeed 3 Liberation richtig gut an. Unterstützt wird dieser Spielstil durch unterschiedliche Pfeil-Typen, die ihr über euer Blasrohr abfeuert. So tötet ihr Gegner nach kurzer Zeit, oder lasst eine Wache seine eigenen Kollegen angreifen. Laut den Entwicklern orientiert sich das Kampfsystem an Assassin's Creed 3, was bedeutet, dass euch nun auch mehrere Gegner gleichzeitig angreifen sollen – was bei AC3 auch gut funktioniert. Bei Liberation hingegen bleibt dieser Anspruch weitgehend unerfüllt, es erinnert nämlich mehr an die vorangegangenen Serien-Teile: Brav sammeln sich die Gegner um euch herum und warten, bis sie an der Reihe sind (oder ihr sie angreift). Tatsächlich konnten wir in einem Fall fast eine Minute regungslos in der Gegend herumstehen, bis uns ein Gegner endlich niederstreckte.

Später trefft ihr auf vermeintlich stärkere Feinde, die eure Attacken abblocken und ausgekontert werden wollen. Oder aber ihr werft einfach eine Rauchbombe und erledigt sie danach mit einem Schlag. Selbiges gilt auch für die Peitsche, mit der Aveline Gegner „einfängt“ und dann zu sich herzieht. Torkelt der Kollege auf euch zu, lässt er sich auch mit nur einem einizigen Schlag erledigen. Sonderlich anspruchsvoll werden die Kämpfe deshalb nie.

Kleider machen LeuteAveline durchstreift nicht nur im Assassinen-Outfit die Gebiete, sondern wirft sich auch in Sklavenklamotten oder tritt als reiche Dame im edlen Kleid auf. Die Idee dahinter: Je nachdem, wie sie sich kleidet, besitzt Aveline unterschiedliche Fähigkeiten, aber auch Schwächen. In ihrem Assassinen-Gewand kämpft sie am besten, dafür lässt sich der Bekanntheitsgrad mit diesem Outfit nie unter die erste Stufe (von drei) senken. Jede der drei Klamotten bringt einen eigenen Bekanntheits-Level bei den Wachen mit sich, den ihr auch nur auf unterschiedliche Art und Weise los werdet. Die Sklavin wird zum Beispiel anhand von Aushängen gesucht, die ihr natürlich abreißen könnt und sollt. Als Sklavin seid ihr etwas schwächer als die Assassinin, könnt dafür aber kleinere Aufstände der Bevölkerung gegenüber den Wachen anzetteln. Die Dame ist das schwächste Glied der Kette, wenn es ums Kämpfen geht. Dafür ist es ihr nicht nur möglich, Wachen zu bestechen, sie betört auf Knopfdruck auch einen Wachmann, der dann für einen festgelegten Zeitraum an ihrer Seite kämpft. Hormone machen blind, aber das wussten wir ja schon.

Auch wenn sich das Konzept gut anhört, wirkt die Umzieh-Mechanik an einigen Stellen unausgereift. In vie
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len Missionen steht euch die Kleiderwahl offen, was aber kaum zu wirklich unterschiedlichen Herangehensweisen führt. Wenn doch, dann macht es Spaß: In einer Mission sollten wir beispielsweise ein Sperrgebiet infiltrieren. Dieses war von zwei Mauern umgeben, die es zu überwinden galt. Da es keinen guten Punkt zum Klettern gab, kämpften wir uns in der Rolle der Sklavin durch die Wachen vor der ersten Mauer hindurch. An den Wachen der zweiten Mauer kamen wir viel einfacher vorbei, indem wir deren Aufmerksamkeit auf ein paar Aufständische lenkten. Mit der Dame wäre es noch simpler gewesen: Die ersten Wachen hätten wir bestochen und die zweiten dann mit einem von uns betörten Feind abgelenkt. Schade, dass es nicht viel mehr solcher Missionen gibt, bei denen die gespielte Rolle merklich Auswirkungen hat. Und gerade weil es in vielen Fällen egal war, welche Kleidung wir am Leib trugen, ging uns das Damen-Outfit schnell auf die Nerven, denn darin ist Klettern verboten. Dadurch büßt AC3 Liberation eine seiner größten Stärken (das Freerunning-System) ein und verliert deutlich an Dynamik. 

Die Kämpfe sind trotz anderslautender Entwickler-Behauptungen längst nicht so dynamisch wie in Assassin's Creed 3. Gegner warten immer noch sehr lange ab, bevor sie euch angreifen, was die direkten Konfrontationen anspruchslos macht.
steever 16 Übertalent - P - 4927 - 2. November 2012 - 15:56 #

Hab mir das Spiel zusätzlich zum "großen Bruder" AC3 geholt. Hatte vorher nicht viel mitbekommen und bin doch recht überrascht wie gut es ist. Habe nun ein waschechtes Assassins Creed für die Hosentasche,... mir gefällt's. :)

Enix 17 Shapeshifter - 8221 - 2. November 2012 - 16:07 #

Hatte zwar ne bessere Bewertung erhoft, trotzdem hab ich Bock auf den Teil für die Vita.

LittlePolak 13 Koop-Gamer - 1583 - 2. November 2012 - 17:40 #

Danke für den Test :)

Bruno Lawrie 16 Übertalent - P - 4489 - 2. November 2012 - 23:31 #

Passender Test. Ich spiele es jetzt seit drei Tagen und würde höchstens 70% geben.

Bisher der schlechteste Teil der Serie, selbst der erste Teil ist deutlich besser. Hab auch noch nie soviele Fehler in einem AC erlebt. Ich hatte schon einen Komplettabsturz und bei der Besteigung der Türme fehlte sehr oft der Jingle am Ende, wenn die Kamera um einen kreist.

Die Grafik finde ich auch eher enttäuschend. Wenn man auf einem Turm in die Ferne blickt, versumpft die Sichtweite schnell in einer Art Überblend-Matsch. Nicht annähernd vergleichbar mit der Sichtweite der Konsolen-Teile.

New Orleans sieht auch an allen Stellen fast gleich aus und ist stinklangweilig aufgebaut. Und im Vergleich zu den Städten der Konsolen-Teile ist es wirklich winzig klein.

Was im Test zu positiv rüberkommt, ist die wirklich miese Framerate. In New Orleans hat man schätzungsweise 20 fps, in Kämpfen mit mehreren Gegner sinkt sie auch mal auf um die 15 fps ab, was die Steuerung spürbar erschwert. Im Sumpfgebiet nach New Orleans ist es wieder flüssiger, aber der Level ist auch deutlich detailärmer. In etwa auf dem Detailgrad von Metal Gear Solid 3, das finde ich für eine Konsole mit nahezu PS3-Power zu schwach.

Die Story ist bisher auch völlig belanglos, teilweise hat man den Eindruck es fehlen Zwischensequenzen. Warum bin ich eben noch in New Orleans und dann plötzlich bei meinem Mentor im Sumpf? Wird nicht erklärt, ist einfach so.

Im Großen und Ganzen macht es aber schon noch einigermaßen Spaß durch die Gegend zu laufen und Gegner zu bekämpfen. Aber ich würde es nicht nochmal kaufen. Es ist qualitativ weit von den bisherigen Konsolen-Teilen entfernt.
Ich hab's mir als Zeitvertreib bis zum Release der PC-Version von AC3 geholt, weiß aber nicht, ob ich so lange bei der Stange bleibe.

Ich kann den Kauf nicht empfehlen. Außer man hat nur eine Vita. :-)

Iceblueeye 14 Komm-Experte - P - 2546 - 3. November 2012 - 12:32 #

Konsole mit nahezu PS3-Power is aber auch nen bisschen übertrieben findeste nicht? Die Vita hat zwar Power aber soviel dann nun auch wieder nicht.

Jadiger 16 Übertalent - 4890 - 3. November 2012 - 19:27 #

Wenn man nach CPU und GPU der Vita schaut kommt sehr schnell auf ein Ipad rein Technisch. Aber die Dinger werden auch immer schnell nur ausnutzen tut es keiner für Spiele. Ich bin froh das soviel auf meinem Uralten 3GS läuft, aber was wirklich machbar ist auf der Hardware weiß man nicht was schade ist. Weil für die Auflösung was die Vita hat könnte man bestimmt sehr viel machen aber an eine große Konsole kommt sie nicht ran denke ich. Weiß zwar nicht genau was die Komponenten Leisten aber GPU Technisch bin ich mir recht sicher CPU könnte sogar die Vita vorne liegen kann man schwer sagen.

Bruno Lawrie 16 Übertalent - P - 4489 - 4. November 2012 - 16:20 #

Was heißt "soviel"? Die PS3 ist nun sechs Jahre alt und die Hardware kann man als stark veraltet ansehen. Spätestens nächstes Jahr werden Highend-Smartphones schneller sein, wenn das nicht jetzt schon der Fall ist.

Die Architekturen von Vita und PS3 sind schwer zu vergleichen, aber teilweise hat die Vita auch bessere Hardware, z.B. 512 MB RAM (die PS3 hat nur 256MB). Dazu kommt die geringere Auflösung von Vita-Spielen.

Alles in allem wird sie sicher etwas schwächer als die PS3 sein, ähnlich wie sich die PSP zur PS2 verhält. Aber ich hab die Grafik ja mit einem PS2-Spiel verglichen und da kann die Vita doch einiges mehr, wie man z.B. bei Uncharted sehen kann.

Ich hab mir auf jeden Fall bessere Grafik von Liberation erhofft. Ich denke, die Vita kann auch mehr, aber es fehlt noch an Erfahrung mit dieser Hardware.

andreas1806 16 Übertalent - 4297 - 4. November 2012 - 18:05 #

Sehr schade, die Screens sehen jedoch gut aus.

Rock_N_Rolla_007 07 Dual-Talent - 131 - 6. November 2012 - 21:04 #

Danke für den test

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