Test: Spannende Parallelwelt

AC3: Die Tyrannei von König Washington Test

Was wäre, wenn George Washington ein fieser Drecksack wäre, der sich selbst zum König der USA kürt und seine Macht auf Unterdrückung und Blut aufbaut? Diese Frage klärt der dreiteilige DLC zu Assassin's Creed 3 auf seine Weise und lässt euch mit mächtigen Tierkräften im Gepäck als Halbindianer Connor den Pfad zum Königsmord erleben.
Benjamin Braun 23. April 2013 - 10:49 — vor 3 Jahren aktualisiert
Alle Screenshots stammen von GamersGlobal

In Day of the Tentacle sprengten wir ihm die Holzzähne aus der Mundhöhle, in Bioshock Infinite begegnet er uns gleich dutzendweise als 'Motorisierter Patriot': George Washington, der erste Präsident der Vereinigten Staaten. In Assassin's Creed 3 (GG-Test: 9.0) liegt die Zeit seiner Präsidentschaft noch vor ihm, schließlich spielt Ubisofts Action-Adventure vor seiner Wahl in der Zeit der Amerikanischen Revolution. Im dreiteiligen Story-DLC Die Tyrannei von König Washington hat er die Macht jedoch bereits an sich gerissen. Aber nicht etwa als braver Offizier und Demokrat. Stattdessen lässt er sich von seiner Gefolgschaft als König Washington feiern und schwingt sein Zepter, an dessen Spitze offenbar ein Teil des Edensplitters prangt. Keine Frage, diesen wild gewordenen Washington müssen wir aufhalten. Wir sind für euch erneut in die Rolle von Halbindianer Connor Kenway geschlüpft. Ob der Königsmord gelungen ist – und vor allem, ob die aus drei Episoden bestehende Dreingabe ihr Geld wert ist, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten. Wer die beiden Kurztests von Episode 1 und 2 schon kennt, kann gleich zur Seite 3 springen.

Episode 1: Von bösen Königen
und auferstandenen Müttern
In Episode 1, Die Schande, übernehmen wir erneut die Rolle von Connor, der statt seiner Assassinen-Kluft ein mehr oder weniger typisches indianisches Outfit trägt. Der DLC erweitert nicht etwa die Kampagne des Hauptspiels, sondern wird unabhängig davon über das Menü gestartet. Das hat natürlich einen Grund, denn bei Die Tyrannei von König Washington handelt es sich um eine Art Parallel-Kampagne, deren Handlung unvereinbar mit der des Hauptspiels wäre. Das wird schon zu Beginn klar, als der erwachsene Connor gemeinsam mit seiner Mutter durch den Wald rennt, um die Dorfbewohner vor den anrückenden Blauröcken zu warnen. Wer das Hauptspiel kennt, weiß, dass das nicht möglich wäre, da Connor seine Mutter nach einem Brandanschlag auf das Indianer-Dorf verloren hat als er noch ein kleiner Junge war.

Die Kämpfe sind auch im DLC zu leicht.
Connor ist sich dieser Tatsache offenbar selbst bewusst, macht aber weiter, als wenn das nichts zu bedeuten hätte. Den Überfall auf das Indianer-Dorf kann Connor aber nicht verhindern und muss sich gleich im Zweikampf mit König Washington messen. Doch der böse George lässt sich nicht mit Worten überzeugen; nur knapp entkommt Connor mit dem Leben. Die Dorfälteste hat eine Lösung parat: Die Überlebenden Krieger des Stammes sollen vom Tee der Weiden trinken, um die nötige Stärke für den Kampf gegen Washington zu erhalten. Bei diesem Gesöff handelt es sich offenbar um nichts anderes als Drogen, die es Connor aber dennoch ermöglichen, eine geistig-körperliche Verbindung zur Tierwelt aufzubauen. Bei Connor sind es die Wölfe. Ob das wohl reicht, um Washington und seine Schergen aufzuhalten?

Episode 1: Viele Cutscenes, kleine SpielzeitSo wirr die Story um den bösen König George und halluzinogene Baumsekrete auch sein mag, sie ist nicht weniger unterhaltsam als die des Hauptspiels. Der Aufwand, den die Entwickler betreiben, ist jedenfalls nicht kleiner, denn regelmäßig wechselt das Spiel von Spielszenen hin und teils packend dargebotenen Zwischensequenzen. Gespart hat Ubisoft auch nicht bei der Lokalisation, bei der wir auch keine Wechsel in der deutschen Sprecherriege feststellen konnten. Spielerisch hat sich kaum etwas verändert, der erste Teil des dreigeteilten DLCs versucht euch aber, so ziemlich jeden Teil der Spielmechanik noch einmal anwenden zu lassen. So muss Connor auf der Suche nach ein paar entführten Indianer-Kriegern Fährten lesen, die in ein Dorf einrückenden Blauröcke mithilfe einer Kanone aufhalten und sich natürlich auch immer wieder im Nahkampf mit ihnen anlegen. Ein paar neue Uniformträger gibt es zwar, die zeigen aber kein anderes Kampfverhalten als die Feinde im Hauptspiel auch. Ein paar neue Dinge gibt es dann aber schon. Nachdem Connor die Verbindung zu den Wölfen hat, ist er im Besitz des sogenannten Wolfsmantels.

Damit kann er sich Crysis-mäßig für einige Sekunden tarnen und so unbemerkt an den Soldaten vorbei schleichen. Während ihr den Wolfsmantel benutzt, geht eure Lebensenergie zwar kontinuierlich herunter, es gibt aber genügend Heuhaufen oder Büsche, in denen er sich zwischendrin verstecken und die Lebensenergie wieder aufladen kann. Kurz gesagt: Das Ding ist absolut übermächtig. In der letzten Mission ändert sich das geringfügig. Dort wird mit den Wachhunden eine weitere Neuerung eingeführt.

Die wittern euch nämlich auch im Tarnmodus und heben die Wirkung des Wolfsmantels auf, wenn sie euch zu nahe kommen. Die Köter muss Connor deshalb mit Ködern irgendwo hinlocken, um woanders unbemerkt passieren zu können. Das macht die Sache aber auch nicht nennenswert schwieriger, da ihr Wachen und Hunde sowieso meist sehr weiträumig umgehen könnt. Während ihr den Wolfsmantel zum Schleichen verwendet, gewährt euch die Verbindung zu den Wölfen aber noch eine andere Option beim offensiven Vorgehen. Connor kann in der Wildnis jetzt auch ein Wolfsrudel herbeirufen, mit dem ihr euch mal eben ein paar Feinde vom Leib schaffen könnt. Das funktioniert in etwa so wie mit den Assassinen-Rekruten, nur dass sich das Wolfsquartett nach ein paar Kills wieder zurückzieht, euch also nicht die gesamte Arbeit abnimmt. Gebraucht wird das aufgrund des  äußerst simplen Kampfsystems aber nicht. Genauso wie der Wolfsmantel steht auch das Wolfsrudel nur in den DLCs und nicht im Hauptspiel zur Verfügung.

Die Missionen bieten viel Abwechslung, aber wenig Umfang.
Von den fünf ganz netten Haupt- und den zwei kaum interessanten Nebenmissionen in Die Schande, bei denen Standardaufgaben wie das Überfallen eines Konvois anstehen, werdet ihr rein mit Blick auf die Spielzeit wenig haben. Inklusive der Zwischensequenzen und optionalen Missionen dürften die Allermeisten nach etwa zwei bis zweieinhalb Stunden das Ende erreicht haben, manche auch deutlich früher, sofern ihr nicht auf die Schnellreisefunktion zum Missionsstart verzichten wollt. Natürlich könnt ihr auch der Sammelleidenschaft frönen und diverse Truhen aufspüren und plündern. Unterm Strich fällt der Umfang für etwa zehn Euro allerdings ziemlich dürftig aus. Da müssen die beiden späteren DLCs schon mehr bieten.

Episode 1: Interessant, aber viel zu kurzDer Parallel-Ansatz bei der Story erweitert Assassin's Creed 3 trotz aller inhaltlichen Widersprüche um
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eine interessante Komponente, die in den beiden noch ausstehenden DLCs noch ziemlich spannend werden könnten. Die Missionen sind abwechslungsreich und bringen mit Wolfsmantel und Wolfsrudel zwei neue, wenn auch etwas zu mächtige, Elemente ins Spiel. Wesentliches verändert hat sich dadurch an der Spielmechanik aber nicht, die gerade in den Kämpfen immer noch daran krankt, für erfahrene Spieler keine Herausforderung zu bieten.

Eine Kaufempfehlung für den DLC können wir allerdings nicht aussprechen. Nicht, weil die Qualität nicht stimmen würde. Die ist  grafisch und auch bei der Inszenierung der Zwischensequenzen auf hohem Niveau. Der Umfang ist allerdings bedenklich. Wir spielten exklusive der Cutscenes nicht mal eineinhalb Stunden bis wir ans Ende gelangten. Sicherlich könnten wir das auch versuchen ins Verhältnis zu irgendeinem Vollpreis-Shooter mit fünf Stunden Spielzeit setzen. Aber Äpfel mit Birnen zu vergleichen war noch nie eine gute Idee. Für ein Spiel wie Assassin's Creed 3 sind eineinhalb Stunden einfach zu wenig, als dass wir mal eben 10 Euro dafür hinblättern wollten, zumal sich die spielerischen Neuerungen stark in Grenzen halten.
Nachdem Connor den Tee der Weiden getrunken hat, fällt er in eine Art Trance und erlernt in der skurrilen Traumwelt die Kräfte von Tieren. In Episode 1 ist es die Kraft der Wölfe, was Connor einen Tarnmantel und einen Wolfsrudelangriff verleiht.
Benjamin Braun Redakteur - 280887 - 22. April 2013 - 21:48 #

Viel Spaß beim Lesen!

burdy 14 Komm-Experte - 2688 - 23. April 2013 - 11:07 #

Grad letzte Woche gab's den Season Pass bei Gamersgate für 15 €. Das dürfte doch preislich mehr als in Ordnung sein.

wolverine 16 Übertalent - P - 4218 - 24. April 2013 - 7:33 #

Ah, verpasst. Verdammt.

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58766 - 23. April 2013 - 12:22 #

Wenn die nicht so teuer wären, würde ich die echt gerne spielen. So alternative Zeitlinien finde ich immer recht spannend in Spielen (Force Unleashed fällt mir da spontan ein), und qualitativ klingt das ja auch echt gut, aber halt einfach nicht zu dem Preis bei der Spielzeit.

wolverine 16 Übertalent - P - 4218 - 24. April 2013 - 7:39 #

The Force Unleashed: Eben musste ich echt 'nen Moment überlegen, aber du meinst das alternative Ende (Darth Vader stirbt) und die daraus entstandene Storyline aus der "Ultimate Sith Edition"?! Richtig?

John of Gaunt Community-Moderator - P - 58766 - 24. April 2013 - 7:58 #

Ja, genau die :)

BlueKondor 09 Triple-Talent - 270 - 23. April 2013 - 18:27 #

War ein großer Fan der Serie aber dann - schleichend - verlor die Serie immer mehr an ihrer Seele. AC3 habe ich daher gar nicht mehr gespielt und wenn ich mir jetzt so alles anschaue (Die Tyrannei von König Washington und AC4-Vorschau), geht es auch weiterhin in die falsche Richtung.

So war es damals auch bei Age of Empires, AoE1 genial, AoE2 super genial, AoM eine ganz andere Thematik, und AoE3 zu sehr von den geschichtlichen Tatsachen entfernt und dann noch mit einer faden Kampagne. Leider!

Ich hoffe AC findet wieder zu seinen Wurzeln zurück, und dass es irgendwann wieder ein richtiges AoE gibt!

Raiger 13 Koop-Gamer - 1294 - 19. Mai 2013 - 12:29 #

Meiner Meinung nach ist es wirklich das Geld nicht Wert..., Viel zu kurz
und zu überteuert, da kann man sich gleich AC2 holen, das kostet genauso viel.

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