Die Rückkehr der 3D-Brillen

Messe-Report: CES 2010 Report

Die Consumer Electronics Show in Las Vegas ist die weltweit größte Messe für Unterhaltungselektronik. Dieses Jahr dominierte wie auch schon 2009 das Thema "3D" in allen Varianten -- und dieses Mal könnte die Technik tatsächlich vor dem Durchbruch stehen. Auch sonst war die CES für Spieler spannend, aber lest selbst.
Dennis Ziesecke 8. Januar 2010 - 22:00 — vor 6 Jahren aktualisiert
von Dennis Ziesecke

Seit 1967 ist die Fachmesse CES eine regelmäßige Institution für alle wichtigen Firmen im Bereich der Unterhaltungselektronik -- und während weltweit keine IT-Messe an die deutsche CeBit heranreicht, ist im Unterhaltungselektronikbereich die Consumer Electronics Show ungeschlagen, selbst wenn man die auch für Endkunden offene Messe IFA einrechnet. In Las Vegas werden traditionell wichtige Marktneuheiten vorgestellt und oft auch Trends gesetzt. So wurde im Jahr 1970 der erste Videorekorder der Öffentlichkeit präsentiert, 1982 zeigte Commodore den legendären C64 und 1985 stritten Atari mit dem Atari ST sowie Nintendo mit dem NES um die Aufmerksamkeit der Fachbesucher. 2001 erregte Microsoft großes Aufsehen mit der damals heiß diskutierten XBox. Dieses Jahr gab es zwar keine bahnbrechende Superneuigkeit, dund auch die lang erwarteten technischen Daten zu Produkten wie nVidias Fermi glänzten durch Abwesenheit. Nichtsdestotrotz hatte auch die CES 2010 einiges für Spieler zu bieten.

Stereoskopische Messeeindrücke

Wenn es ein Thema auf der CES 2010 gab, das kaum ein Hersteller ignorierte, dann war das die 3D-Technik. Stereoskopisches 3D (also die Simulation dessen, wie unsere Augen funktionieren, aus den beiden leicht unterschiedlichen Blickwinkeln jedes Auges errechnet das Gehirn die räumliche Tiefe) soll das Wohnzimmer erobern. Uneinig ist man sich allerdings noch in der Frage, auf welche Technik man genau setzen soll. nVidia propagiert schon seit einiger Zeit die hauseigene 3D-Vision-Technologie, die auf Shutterbrillen setzt. Über einen speziellen Treiber wird abwechselnd ein jeweils leicht anderes Bild auf dem Bildschirm angezeigt, die Shutterbrille lässt diese Bilder immer abwechselnd nur ans linke oder nur ans rechte Auge durch. Das Gehirn erhält also seine gewohnten räumlichen Informationen, der Nutzer sieht ein Spiel in echtem 3D.  Diese Lösung ist blickwinkelstabil, hängt also nicht vom Standort des Betrachters ab. Auch in den BluRay-3D-Standard hat es diese Version der dreidimensionalen Darstellung geschafft, allerdings benötigt man einen Monitor, Fernseher oder Projektor, der seine Bilder mit mindestens 120 Hz Wiederholrate anzeigt -- und die über 100 Euro teure Shutterbrille.

LG sagt nVidia nun den Kampf an und verspricht, Shutterbrillen für die hauseigenen LCD-Fernseher zu Preisen von 40 US-Dollar auf den Markt zu bringen. Passend dazu sollen einige neue TV-Modelle die Wiedergabe mit echten 120 Hz unterstützen. Sogar einen Full-HD-Projektor für stereoskopisches 3D stellte LG vor. Einen Formatkrieg im 3D-Bereich möchten offenbar alle Hersteller vermeiden und setzen auf untereinander kompatible Shutterbrillen. Die auch bereits im Kinobereich  tätige Firma XpanD präsentierte daher auch gleich ein farbenfrohes Sortiment an Shutterbrillen, welche preislich unter 40 Euro liegen sollen.

Doch woher sollen die tollen neuen 3D-Bilder nun kommen? Heimische Fernsehsender tun sich ja immer noch mit der Unterstützung für HDTV extrem schwer, von 3D redet dort noch niemand. Die Fußball-WM in Südafrika soll allerdings zumindest im Ausland für einen gewissen Durchbruch der Technik sorgen. Einige der Spiele sollen bereits in 3D aufgenommen und übertragen werden. Der bislang einzige Sender mit 3D-Ambitionen ist dann auch ausgerechnet im wenig fußballbegeisterten Amerika heimisch. Der Sportsender ESPN plant mit dem Auftaktspiel der WM 2010 einen eigenen 3D-Kanal zu starten.

Endlich dreidimensional spielen. Oder?

Gamer haben es da einfacher: Sowohl Spielekonsolen als auch der heimische Computer lassen sich mehr oder weniger schnell 3D-tauglich machen. Ein passender Bildschirm vorausgesetzt, reicht für den PC eine nVidia-Grafikkarte und eine 3D-Vision-Brille. Ein leider immer noch sehr teures Vergnügen mit dafür unzweifelhaft beeindruckenden Effekten. Auch die preiswerte, aber in die Jahre gekommene Technik mit Rot/Cyan-Farbfilterbrillen ist mit jedem handelsüblichen Computer zu realisieren. Entsprechende Brillen gibt es im Fachhandel für einen Euro, im nVidia-Grafiktreiber lässt sich eine entsprechende Option freischalten. Auch Nutzer von ATI-Grafikkarten müssen nicht verzichten und könnte mittels eines Treibers der Firma iz3D alle gängigen Spiele in taugliche 3D-Versionen umwandeln. Der Effekt ist gerade bei Rennspielen sehr interessant, leider fehlt es dieser Technik an Farbbrillianz und Kontrast. 
Avatar wird in 3D-Kinos per Polfiltertechnik dargestellt.

Auch einige Monitore mit Polfiltertechnologie sind bereits vorgestellt worden. Hierfür ist eine entsprechende Beschichtung des Bildschirmes nötig, weiterhin braucht man eine Polfilterbrille, wie man sie auch im 3D-Kino -- zum Beispiel bei James Camerons Avatar -- bekommt. Diese sind für weniger als 10 Euro zu bekommen, leider ist das Bild mit dieser Technik sehr abhängig vom Blickwinkel des Betrachters. Aufgrund dessen wird sich diese Technik im Heimkino und bei PC-Spielern wohl nicht durchsetzen, die Aussteller auf der CES richteten sich jedenfalls im Heimbereich auf Shutterbrillen als beherrschende Technik ein.

Sony hat als großer Unterhaltungselektronikhersteller einen Vorteil bei der Einführung von 3D-Technik. So ist es ihm sehr leicht möglich, sowohl TV-Geräte als auch BluRay-Player mit einheitlichen Standards zu produzieren. Und auch die Playstation 3 soll laut Sony für die neue Technik fit gemacht werden. Gerade eine feste Hardwarebasis wie eine Spielkonsole leidet aber unter einem großen Manko der Technik -- für die 3D-Berechnung werden zwei separate Bilder zu einem stereoskopisch dargestellten Gesamtbild verschmolzen, was im schlimmsten Fall die doppelte Arbeit für die Hardware bedeutet. Bei Filmen lässt sich das noch relativ einfach realisieren, knifflig wird es allerdings bei Spielen. 

3D-Vision erfordert spezielle Bildschirme mit 120 Hz Wiederholrate sowie eine Shutterbrille von nVidia.
Felix 11 Forenversteher - 657 - 11. Januar 2010 - 8:33 #

Interessanten Bericht, die 3D-Brillen sind im Kommen.
Ob der Effekt ähnlich beeidruckend wie - zum Beispiel bei Avatar 3D - im Kino ist?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323797 - 11. Januar 2010 - 9:03 #

Probier's einfach mal im Media Markt oder Saturn deiner Wahl aus, die haben teils Präsentationsstationen.

Der Effekt ist schon sehr gut, hab Avatar auf der gamescom einige Minuten in 3D gespielt. Aber irgendwie ist das mit dem Interface sowie vor allem mit Texteinblendungen nicht so glücklich gelöst bislang: Die erscheinen auf einer Ebene ganz vorne beim Betrachter, was irgendwie stört.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29501 - 11. Januar 2010 - 23:01 #

Ist leider technisch schwer anders möglich. Es werden ja nur 3D-Objekte stereoskopisch behandelt - alles in 2D, also auch Texte oder Fadenkreuze, bleibt das was es ist - zweidimensional. Wobei man bei einem Prestigetitel wie Avatar sicherlich etwas in Richtung 3D-Text hätte implementieren können. Aber vielleicht haben sie es ja versucht und sind an der Lesbarkeit gescheitert?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 323797 - 12. Januar 2010 - 22:43 #

Ich glaube, der Trick wäre, den Spielen wieder ein Interface zu geben, so à la Hud oder Cockpit. Und dort dann die Schrift rein- oder draufzuprojizieren.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29501 - 12. Januar 2010 - 22:49 #

Müsste aber wieder als 3D-Objekt vorliegen. Und da könnte ich mir vorstellen, dass die Programmierer sich heute noch sagen "hey, das sind wieder x Polygone die da berechnet werden müssen, sparen wir uns das für die restliche Grafik". Bei Konsolentiteln wirds dann ja noch haariger, dort muss ja aktuell schon um jedes F pro S gekämpft werden.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 137334 - 11. Januar 2010 - 8:56 #

Danke für den Report! Bin zwar nicht unbedingt ein Hardware-Interessierter, aber durch deinen flüssigen Schreibstil war das Ganze auch für mich interessant.

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29501 - 17. Januar 2010 - 23:45 #

Das freut mich ganz besonders :) . Interessierte Leser zum Lesen zu interessieren ist ja nicht schwer ;) ..

Ridger 18 Doppel-Voter - P - 9163 - 11. Januar 2010 - 9:57 #

Super Report! Weiter so!

Gecko 13 Koop-Gamer - 1518 - 11. Januar 2010 - 10:02 #

Interessant, besonders die kommende 3D Technik.
Nur wann wird sich das durchsetzen? Wird noch einige Zeit dauern, besonders dürfte der Stolperstein sein, dass wieder neue TV's benötigt werden.
All die Leute, die sich gerade LCD TV's gekauft haben, werden nicht gleich wieder zu einem neuem Gerät greifen.

Blacksun84 17 Shapeshifter - P - 6525 - 11. Januar 2010 - 10:08 #

Naja, sehe das nicht viel Interessantes. 3d ist aktuell dank Avatar im Gespräch, aber bis diese zu Hause wirklich in guter Qualität und zu einem brauchbaren Preis vorhanden ist, dauert es noch Jahre. Und wenn kein neuer 3d-Film wieder für etwas Schung sorgt, geht das Thema eh wieder schnell zurück.

Daeif 19 Megatalent - 13770 - 11. Januar 2010 - 11:45 #

Ob sich 3D wohl diesmal durchsetzen kann? Im Vergleich zu den bisherigen Versuchen scheint mir das jetzt das erste Mal, dass es wirklich klappen könnte.

Und ob in ferner Zukunft 3D standard wird? Ich glaube eher nicht dran, irgendwie war 3D nie mehr als ein nettes Gimmick für mich. Aber ich lasse mir gerne überraschen.

Freeks 16 Übertalent - 5530 - 11. Januar 2010 - 12:54 #

Zu HP tm2:
Das einzig interessante am HP tm2 ist der Intel Prozessor. Die Touchscreenreihe gibts schon ewig (hab selbst nen tx2500er), nur haben se halt jetzt den AMD Turion Prozessor gegen einen Core 2 Duo ausgewechselt (war auch Zeit bei den Hitzewallungen die der Turion hat). Multitouch konnte der Vorgänger schon und Convertibles in der Preisklasse sind immer noch verdammt selten.

Zu 3D:
Ich finde es schade, dass die Shutterbrillen favorisiert werden. Hab so eine mal im MM ausprobiert und war nicht wirklich begeistert. Brille unangenehm, leichte Kopfschmerzen und der Effekt war nicht überwältigend. Ich dachte es gibt auch eine Polfiltervariante die keine Probleme mit der Bewegungsunschärfe hat?

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29501 - 11. Januar 2010 - 14:06 #

Da bei den Polfilterversionen das Bild zeilenweise versetzt aufgebaut wird, gibt es da eigentlich immer Blickwinkelprobleme. Habe jedenfalls noch keine Polfiltervariante gesehen, die an eine Shutterbrille herankam. Interessant ist es halt im Kino, da man dort normalerweise still sitzt ;) ..

Generell ist diese ganze 3D-Technik eh nichts für Leute mit Augenproblemen. Wer auf einem Auge deutlich schlechter sieht als auf dem anderen (oder gar einseitig erblindet ist), der sieht entweder nichts vom 3D-Effekt oder bekommt nur wenig davon mit.

Diese ganze Brillentechnik ist eh nur eine übergangslösung. MUSS eine Übergangslösung bleiben.. Nur wohin gehts dann über?

Dennis Ziesecke Freier Redakteur - P - 29501 - 11. Januar 2010 - 22:25 #

Ach ja, ganz vergessen - danke Jörg für die sinnvolle Überarbeitung.

Bei der CeBit ist es dann auch wieder leichter, selbst vor Ort zu sein ;) .

Earl iGrey 16 Übertalent - 5042 - 12. Januar 2010 - 1:11 #

Sehr gut geschrieben! :) Vielen Dank.

Houseputz (unregistriert) 6. Februar 2010 - 16:06 #

3D, da freu ich mich schon drauf. Wer das einmal gesehen hat - da ist die beste Grafik n Dreck dagegen!

Anonymous (unregistriert) 23. März 2010 - 16:46 #

Nicht zu vergessen Monitore der Firma iz3d mit Treibern und Polarisationsbrille, die Monitore haben 2 Panels hintereinander für li u re Auge, sehr netter Effekt, es gehen alle 3 D Spiele.

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