DJs, Gitarristen, Saboteure

GC09: Die nächste Musikspiel-Generation Report

Musikspiele erfreuen sich seit Guitar Hero großer Beliebtheit. Da verwundert es kaum, dass Activision derzeit an drei Hero-Spielen arbeitet, um dem scheinbar riesigen Bedarf gerecht zu werden. Wir haben uns die drei potenziellen Hits DJ Hero, Guitar Hero 5 und Band Hero auf der Gamescom angeschaut und selbst ausprobiert.
Tim Gross 20. August 2009 - 16:05 — vor 7 Jahren aktualisiert
Im Business-Bereich auf der Gamescom präsentiert der Publishing-Gigant Activision Blizzard seine wichtigsten Produkte. Dazu zählen natürlich auch die aktuell in Entwicklung befindlichen Musikspiele. Besonders überrascht waren wir von DJ Hero, das sich erfreulicherweise stark von seinem indirekten Konkurrenten Guitar Hero 5 abhebt. Bei Letzterem herrscht nämlich keine Innovation vor, stattdessen gibt es eher mehr vom Gleichen. Dafür machte uns Band Hero einen Heidenspaß, besonders in der Wii-Variante. Warum diese Version etwas Besonderes ist, lest ihr in der Spielbeschreibung. Jetzt aber erstmal zum sicherlich spannendsten Titel, DJ Hero.


DJ Hero

In DJ Hero könnt ihr auch Gitarre spielen oder singen.
Bei DJ Hero tauscht ihr den bekannten Gitarrencontroller gegen einen Turntable. Das Spielprinzip bleibt zwar gleich, ihr müsst bestimmte Aktionen auf eurer Hardware ausführen um den Song zu meistern und möglichst viele Punkte zu sammeln, das Spielgefühl aber ist ein ganz anderes. Aber nicht nur das Instrument ist ein anderes, sondern auch die generelle Musikausrichtung, was beim Titel DJ Hero logischerweise Sinn macht. Anstatt Rock und Metal bekommt ihr Musik aus den Bereichen Hip-Hop und R&B vorgesetzt. Im fertigen Spiel wird es über 100 Songs geben, die speziell für DJ Hero angepasst wurden. Das heißt, dass die Lieder einen neuen Remix von echten DJs spendiert bekommen haben.

Der Controller ist wie folgt aufgebaut: Auf der rechten Seite befindet sich die Schallplatte, die man um 360-Grad drehen kann. Darauf befinden sich drei Buttons, die die gleiche Rolle einnehmen wie die Knöpfe beim Gitarren-Controller. Natürlich müsst ihr bei DJ Hero nicht nur auf die Knöpfchen drücken, sondern auch Scratchen. Dazu drückt ihr den vom Spiel vorgegebenen Button und schiebt die Platte vor oder zurück. Je nach Song müsst ihr in eine bestimmte Richtung scratchen oder in eine beliebige. Auf der linken Seite gibt es aber noch mehr Funktionen, etwa den Crossfader. Dieser kann in drei Positionen gestellt werden und schaltet zwischen zwei Songs hin und her. In der Standardposition in der Mitte spielt er beide Songs ab (es laufen immer zwei Songs gleichzeitig), an bestimmten Stellen braucht ihr aber nur den einen Track. Ein Beispiel: Auf der linken Spur läuft "Another one bites the dust" von Queen, auf der rechten ein Hip-Hop-Beat. Ihr braucht für euren Remix an bestimmten Stellen aber keinen Beat, sondern nur den Part im Refrain, wo "Another one bites the dust" gesungen wird. Dann schiebt ihr denn Crossfader auf die linke Position, und wieder zurück wenn ihr den Beat braucht. Diese Aktionen werden vom Spiel vorgegeben und sind zahlreich. Und leicht zu meistern sind sie auch nicht, da ihr nebenher auch noch Scratchen oder Knöpfe drücken müsst. Damit nicht genug gibt es auch noch einen Overlay-Effect-Button, mit dem ihr an bestimmten Stellen künstliche Effekte einbauen könnt. Die normalen Bedienelemente der Konsole werden derweil unter einer kleinen Platte versteckt, im Fall der Wii wird hier die Wiimote eingesetzt.

Die Koordination eurer Hände ist gar nicht so leicht, wie man bei diesen Vorgaben erahnen kann.


Das Anspielen hat uns von Beginn an gut gefallen. Im Gegensatz zu Guitar Hero fühlt sich der Turntable realistischer an als die Plastikgitarre; wir fühlen uns, als würden wir tatsächlich den Song steuern. Bevor wir aber so richtig loslegen, erklärt uns das Spiel in vielen kleinen Tutorials die Steuerung. Auf dem Bildschirm läuft die Schallplatte im Kreis, wir sehen nur einen Ausschnitt und vollführen die vorgegebenen Aktionen. Das sieht dem Griffbrett der Gitarre trotz der anderen Steuerung ziemlich ähnlich. Während eines Songs können wir jederzeit den Schwierigkeitsgrad anpassen und mit genügend Punkten sogar zurückspulen, um eine von uns vergeigte Passage erneut zu spielen; das geht natürlich nicht beliebig oft. Zum Schluss gab es noch ein Multiplayer-Duell Turntable gegen Gitarre, ihr könnt aber auch Turntable gegen Turntable spielen oder mit einem Mikrofon singen. Das macht zwar wie üblich Laune, bringt aber nicht das Band-Feeling der Konkurrenzspiele. Klar, ein DJ ist nicht Teil der üblichen Besetzung einer Band. Trotzdem ist DJ Hero ein großer Spaß, besonders da es sich anders anfühlt als die bisherigen Musikspiele. Im Gegensatz zur verbreiteten Gitarre dürften nicht allzu viele Spieler je mit einem echten Turntable gearbeitet haben.

Habt ihr den netten Herrn erkannt? Johnny Cash ist in Guitar Hero 5 dabei.


Guitar Hero 5

Guitar Hero 5 ist genau das, was die Zahl im Namen andeutet, einfach Guitar Hero. Erwartet keine großen Änderungen, das Spielprinzip bleibt ohnehin gleich. Ihr wählt das Instrument, das euch am besten gefällt, und stürzt euch in einen Song. Während des Spiels könnt ihr das Instrument zu jeder Zeit wechseln, und wenn ihr mit euren Freunden ein Lied nachspielt, plötzlich aber keine Lust mehr habt, lasst die Gitarre oder das Schlagzeug einfach kurz ruhen und das Spiel wird euch automatisch abmelden, bis ihr euch entschließt wieder mitzuspielen. Im Party-Modus spielt ihr eine Playlist mit bis zu 128 Songs nach, die ihr selbstverständlich verändern könnt. Netterweise können alle eure Songs aus World Tour importiert werden, sodass ihr bereits vorhandene Lieder nicht erneut kaufen müsst. Außerdem ist es jetzt möglich, neben einem selbst erstellten Künstler oder einer vorgegebenen Berühmtheit seinen Xbox Avatar als Teil der Rockband zu nutzen. Alternativ lasst ihr das Spiel einen neuen Avatar zufällig generieren.


Bei den Spielmodi gibt es auch nicht viel Neues. Im Karrieremodus wird jeder Song eine bestimmte Herausforderung bieten, und so müsst ihr beispielsweise eine bestimmte Anzahl Punkte erreichen oder spezielle Aktionen ausführen, etwa eine Dive Bomb. Dadurch erhaltet ihr Sterne, die wiederum neue Inhalte wie mehr Kostüme oder Gitarren freischalten. Interessanter ist da der Momentum-Modus für den Multiplayer-Part: Hier starten alle Spieler auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad. Wer viele Punkte erreicht wechselt in den nächsthöheren Schwierigkeitsgrad, wer schlecht ist hat es leichter. Beim Modus Streakers gibt es nur Punkte für eine Aneinanderreihung von richtig gespielten Tönen, ihr müsst also mindestens zehn Buttons zur rechten Zeit gedrückt haben um die ersten Punkte zu erhalten. In Elimination hingegen zählt ein Timer unaufhaltsam auf Null runter, und wer zu diesem Zeitpunk den niedrigsten Punktestand hat, wird rausgeworfen; das geht so lange, bis nur noch ein Spieler übrig ist.

Das aus World Tour bekannte Music Studio kehrt auch zurück. Hier könnt ihr wie gehabt eigene Songs erstellen, natürlich mit mehr Möglichkeiten als bislang. Zunächst wählt ihr ein Genre aus, und schon könnt ihr mit eurem Song beginnen. Zahlreiche Loops und einzelne Sounds stehen euch zur Verfügung, etwa mehr als 400 Schlagzeug-Rhythmen. Natürlich dürft ihr auch eigene Melodien mit der Gitarre einspielen und danach jeden einzelnen Ton bearbeiten. Für Varietät sorgen viele Skalen für die Gitarre, damit ihr nicht nur auf die fünf Standardtöne eurer Buttons limitiert seid. Das einziges Problem des umfangreichen Editors ist die Bedienung, die mit der Plastikgitarre nicht gerade komfortabel ist. Wenigstens lässt sich zu jeder Zeit ein Menü aufrufen, wo alle Aktionen der einzelnen Tasten erklärt werden. Habt ihr irgendwann euren Song fertiggestellt, dürft ihr ihn auch wieder mit anderen Spielern teilen. Neben dem Music Studio gibt es natürlich auch einen Freestyle-Modus, wo ihr zu einer vorgegebenen Hintergrundmelodie, die sich nur von Genre zu Genre unterscheidet, einfach drauflos spielen könnt.

Mit vier Mitspielern macht Guitar Hero nach wie vor am meisten Spaß.

Alex Hassel 19 Megatalent - 17895 - 20. August 2009 - 20:29 #

Mit DJ Hero bin ich persönlich überhaupt nicht klargekommen. Irgendein netter Herr im Business Bereich hat es mir ein paar mal versucht zu erklären, aber es sollte einfach nicht sein. Spätestens beim Einsatz des Faders hats mich rausgehauen. Und auf Easy war es wiederum stinklangweilig. Ist mal was Neues, aber mir ist die Musik zu speziell und mir reichen schon Platikgitarren und Schlagzeuger, ein Plastik Schallplattenspieler brauch ich nicht auch noch.

Von Guitar Hero 5 war ich positiv überrascht. Der Party Play Modus ist genial. Eigentlich wollte Rock Band sowas in der Art ja schon lange mal machen. Erwähnesnwert ist vielleicht auch noch dass man die Instrumente beliebig kombinieren kann. Wen 4 Gitarren zu Hause hat, können im Party Play auch alle Gitarre spielen. Mit Mikros und Drums auch, wobei ich bezweifel das irgendjemand mehr als ein Schlagzeug zu Hause rumstehen hat. Hat es mir auf jeden Fall angetan, nachdem ich von World Tour doch ziemlich enttäuscht war.

KenJurmann (unregistriert) 25. August 2009 - 15:33 #

So verschieden sind die Geschmäcker: ich finde dass DJ Hero den Weg in die Zukunft des Musikspielgenres weist. Mal ehrlich, Rockband und Guitar Hero sind so 80ziger Jahre, das macht doch die meisten Jugendlichen gar nicht mehr an.

Tim Gross Freier Redakteur - 23836 - 21. August 2009 - 19:13 #

Tja, da teilen sich eben die Meinungen. Ich spiele in der realen Welt Gitarre, ich kann mit Guitar Hero nicht viel anfangen. Einen Turntable aber hab ich noch nie bedient (naja, mal kurz dran rum gespielt), und da überrascht es kaum, dass mir das Spiel gefällt. Wer folgt der Logik? Ein DJ hätte an DJ Hero mit Sicherheit nicht so viel Spaß.

Lappi 08 Versteher - 223 - 21. August 2009 - 22:55 #

Als ich mir vor Jahren aus Japan ein Drumkit hab importieren lassen, da wurde ich noch belächelt. Nerds, deren Hobby Musik ist und die mit BandJAM oder DDR lustig vor dem Rechner hopsen. Anfangs von der bösen Musikindustrie belächelt und nur mit Coverversionen ausgestattet riss der Mainstream sich dann Guitar Hero unter die Finger. Aber immerhin - so wird gute Hardware erschwinglich und die Ersatzteile für mein Import-Metal-Dance-Pad sind trotz verschwundenem Importeur erhältlich. Da ertragen sich merkwürdige DJ Heroes etwas leichter :D

Ich warte ja noch darauf, dass das mal für richtige Instrumente kommt.

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 34990 - 22. August 2009 - 1:10 #

Ich finde schon, dass DJ Hero in den Video-Präsentationen unheimlich spaßig aussieht. Ich weiß nur nicht, ob ch mich auf Dauer mit der Musik anfreunden könnte. In kleinen Dosen kann ich sowas hören, aber längere Zeit am Stück? Puh...

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