Games & Bücher -- Feuer & Wasser

Festung Buchhandel Report

Auf der Buchmesse 2010 in Frankfurt sind Games angeblich ein "Schwerpunktthema". Die Spielehersteller hätten nichts gegen weitere Verkaufsflächen. Und wenn der Preis stimmt, würden vielleicht auch Gamer im Buchladen einkaufen. Aber, o weh: Die Buchhändler bauen zaghafte Games-Versuche wieder ab und ersetzen DS-Spiele durch Audio-CDs.
Jörg Langer 8. Oktober 2010 - 22:38 — vor 6 Jahren aktualisiert

Filme und Spiele befruchten sich längst gegenseitig, auch Spiele zu Buchvorlagen gibt es viele. Wieso sollten nicht auch Bücherfreunde verwandte Games mögen? Wer Krimis liest, könnte sich auch für Adventures begeistern, wer Werke über den Aufstieg und Fall von Imperien verschlingt, wäre bei Civilization 5 sicher gut aufgehoben. Typische Polit-Thriller? Wieso nicht mal selbst mitspielen, zum Beispiel mit Alpha Protocol oder Splinter Cell Conviction. Zudem werden gerade Handheld-Spiele sehr oft von Eltern und insbesondere Frauen gekauft – beide Zielgruppen findet man in Buchhandlungen vor. Nicht zu vergessen: Der statistisch gesehen überproportional männliche Spielefreund hätte mit Sicherheit viel weniger Probleme, samstags seine bessere Hälfte in einen Buchladen zu schleppen, statt in den örtlichen GameStop.

Man sollte also aus vielerlei Gründen meinen, dass Buchhandlungen besser für den Verkauf von Computer- und Videospielen geeignet wären als etwa Supermärkte. Doch die Realität sieht anders aus. Von den rund 6.000 Buchhändlern in Deutschland haben zwar 2.500 ein größeres Sortiment und führen nicht nur Bücher – auf dem Papier sind das sechsmal so viele Outlets, wie alle Media Märkte, Saturns und GameStop-Filialen zusammen genommen. Doch Computer- oder Videospiele bieten nur wenige davon an. Und wenn, dann ohne rechte Überzeugung, auf winzigen Flächen, ohne Knowhow.

Der Hot Spot Education in Halle 4.2 ist einer der wenigen Stände auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse, an denen Spiele präsentiert werden. Es handelt sich jedoch ausschließlich um Serious Games. Also um komplette Langweiler.

Buchmesse 2010 umgarnt Spielehersteller

Damit Spiele und Bücher nicht länger wie die Meerjungfrau zum Fischer stehen, arbeitet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels mit dem Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware zusammen. So veranstaltete der Verein auf der diesjährigen Gamescom bereits zum zweiten Mal das Forum "Buch trifft Game". Brockmann, Dussmann und viele andere Buchhändler schickten Mitarbeiter nach Köln, um in Vorträgen mehr über Videospiele zu erfahren.

Die Frankfurter Buchmesse 2010 (6. bis 10. Oktober) richtet sich, O-Ton, "mit Frankfurt StoryDrive erstmals direkt auch an die Spielebranche". Allerdings nicht mit einem getrennten Ausstellungsbereich, sondern mit einer Konferenz: An den ersten beiden Messetagen läuft parallel die genannte Veranstaltung, die Entscheider aus der Buch-, Film-, Online, Musik- und Games-Branche zusammenbringen und fortbilden will. Auch G.A.M.E. und BIU entsenden Vortragende in einige der 33 Panels. Auf der Buchmesse selbst werden am Gemeinschaftsstand Bildung in Halle 4.2 Serious Games präsentiert (Pssst, dieses Segment interessiert keinen Endkunden!), an mehreren Orten der Messe (etwa dem  "Cosplay-Corner" im Congress Center) soll es sogar waschechte Spielkonsolen geben.

Juergen Boos ist der Chef der Frankfurter Buchmesse.
Messe-Direktor Juergen Boos sagt zum neuen Ausstellungsschwerpunkt Games auf der Frankfurter Buchmesse: „Bücher werden heute über Konsolen gelesen, im Buchhandel finden sich vermehrt Videospiele, bei den Zielgruppen gibt es immer größere Überschneidungen. Mit der Konferenz StoryDrive reagieren wir auf das gestiegene Bedürfnis der Kreativbranchen nach Vernetzung und neuen Geschäftsmodellen.“

Schon Mitte der 90er Jahre hatte die Frankfurter Buchmesse versucht, die Games-Hersteller in die Messehallen zu locken – und war damit größtenteils gescheitert. Wieso sollte es diesmal klappen? Juergen Boos dazu: „In den letzten 15 Jahren haben sich vor allem die Technologien verändert. Neue Hardware wie das iPad führen dazu, dass multimediale Inhalte für Endkonsumenten interessant werden“. In den Branchen selbst gäbe es erstmals das Bedürfnis, sich nach außen zu öffnen: „Immer mehr Buchverlage, aber auch Games-Verlage erkennen das. Spiele gehören mittlerweile zum Alltag, werden von einer breiten gesellschaftlichen Schicht genutzt.“

Von diesen frohen Worten geradezu aufgeputscht, haben wir uns spontan entschlossen, in zwei großen deutschen Einkaufsmeilen die Probe aufs Exempel zu machen: Vernetzen sich die Medienwelten Buch und Videospiel in der Frankfurter Zeil oder zwischen Marienplatz und Stachus in München?

Die Frankfurter Zeil -- hier ein Blick auf die Hauptwache -- ist eine der bekanntesten Shopping-Meilen Deutschlands.

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 8. Oktober 2010 - 23:15 #

In den Nachrichten hat man ja auch diesen einen so motiviert daherredenden Herrn viel Zeit eingeräumt, um den nun endlich bevorstehenden Durchbruch bei E-Books zu erläutern. Alles bunt, interaktive Inhalte... Wenn es überhaupt eine Chance auf eine Heirat der Medien Buch und Spiel geben können soll, müsste es m.E. auch ein echtes "Zwischenprodukt" geben. Erinnert sich noch wer an diese Adventure-Romane mit ihren Story-Gabelungen, die in den 80ern eine gewisse Popularität inne hatten? So etwas ließe sich doch auf einem elektronischen Medium gut ausbauen. Oder wie wäre es mit (Ex-)P&P-Rollenspielregelwerken mit beigefügten Werkzeugen zur Charakterverwaltung etc., wie wäre es mit ein wenig Inspiration seitens des Brettspiels...?

Ich habe noch von nichts dergleichen gehört. Als Konsument finde ich die Frage nach der Unterbringung von Spielen im Buchhandel an sich eher uninteressant. Diese allein stellt meiner Meinung nach noch überhaupt keine "Heirat" dar. Auf einer Buchmesse darf es ruhig eher um Bücher und ihr spezifisches Schicksal gehen. Und wenn es das Schicksal des Buches ist, sich irgendwie mit Spielen zu verheiraten, dann sollte sich der Blick der betroffenen Branchen eher auf konzeptionelle Entwicklungen richten, statt einfach nur die eine Kundschaft auf den Geschmack der jeweils anderen Produktkategorie bringen zu wollen. Insofern finde ich euer Fazit etwas dünn -- Ist denn die Buchmesse nur eine Buch*handels*messe? Ich finde den Mangel an Phantasie seitens der Verlage im Umgang mit dem nun auch nicht mehr sonderlich neuen Medium Computer zu wenig kritisiert.

vetterka 12 Trollwächter - 887 - 8. Oktober 2010 - 23:19 #

Ja so sinds halt die Messeleutz Wenn man eine konferenz auf die Beine dazu stellt muss man das auch promoten. Wär dem Herrn jetzt nicht böse darüber...

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 11:28 #

Du meinst (Abenteuer-)spielbücher (ht tp://de.wikipedia.org/wiki/Spielbuch). Während die P&P-Rollenspiele sich im Spielzeugwarenhandel wiederfanden, landeten die Spielbücher tatsächlich im klassischen Buchhandel. Diese Gattung war sogar so beliebt, dass man gelegentlich Geschichten in Lustigen Taschenbüchern und Mickey Mäusen fand, die nach dem gleichen Schema (mit weniger Verzweigungen) aufgebaut waren.
Für das DSA-Universum wurden solche Bücher erst aufs Handy und aktuell für Browser umgesetzt. Es spricht eigentlich nichts dagegen, so etwas nicht auch für pdf-Reader wie Kindle umzusetzen (von der derzeit noch fehlenden Verbreitung in Deutschland abgesehen).

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 9. Oktober 2010 - 15:14 #

Wenn die Reader nichts anderes können, als ein Buch auf einem Gerät darzustellen, muss man sich über die geringe Verbreitung nicht wundern. Bücher sind für viele -- für mich absolut verständlich -- für das reine Lesen nicht durch so ein meist hoffnungslos überteuertes Gerät zu ersetzen. Schon ein gebrauchter Laptop der Pentium-II-Generation kann weit mehr; die Form der elektronischen Lesegeräte ist genauso weit weg vom Buch wie ein Laptop. Dieser PR-Hansel, der den Reportern der Tagesschau so sehr in die Kamera frohlockte, tönte von den tollen Möglichkeiten, die sich noch bieten könnten, aber von echte *Konzepten* ist weit und breit nichts zu sehen. Ein paar Zusatzmaterialien wie Bilder & Co. würdige ich der Bezeichnung nicht. Gestern Abend in 3Sat konnte man aber auch was interessantes vernehmen -- ein Buchautor beschwerte sich nämlich darüber, dass in all der Zeit niemand mal auf die Idee gekommen ist, die Autoren zu fragen, wie diese sich die Präsentation ihrer Werke angesichts neuer Möglichkeiten eigentlich vorstellen. Wie gesagt, unter einer Heirat von Buch und Spiel stelle ich mir was anderes vor als die schlichte Unterbringung von Spielen im Buchhandel, etwas, was überhaupt niemand braucht -- Wo ein Hugendubel ist, ist ein MediaSaturnProMarkt nicht weit. Ich finde es daher ein wenig schade, dass sich der Artikel nur damit beschäftigt.

vetterka 12 Trollwächter - 887 - 8. Oktober 2010 - 23:19 #

Mal als Gedanke: Was ist denn mit etwas "spielaffinen" Buchhändlern ?
Also läden die Comics, Rollenspielzeug etc. anbieten ? Wären ja noch interessante Rechercheplätze gewesen oder ?
Aber wenn ich mich an an einen Artikel auf der gamestar erinnere wo sich ein kleiner Computerspiele-Einzelhändler aus Nürnberg(glaub ich) über die schlechte Einkaufssituation als einzelner Einzelhändler beklagt macht das für kleine Läden ökonomischen keinen Sinn auf Spiele zu setzen...
Immer wieder spannend was ihr über Spiele an Themen anbringt. Daumen hoch.

stupormundi 13 Koop-Gamer - 1576 - 9. Oktober 2010 - 2:57 #

Der Artikel ist wunderbar geschrieben und zusammen mit den anderen, zahlreich erscheinenden Reportagen ganz klar ein Herausstellungsmerkmal von gamersglobal.de und einer der Gründe, wieso es seit seinem Launch zu meiner Internetseite Nr. 1 für das Thema Videospiele geworden ist.

Besonders schön fand ich, dass der Artikel umfassend auch über die Probleme im Verkauf von Videospielen für Buchläden eingegangen ist. Ich glaube nicht, dass sich an der momentanen Situation, dass nur die wenigsten Buchläden Computerspiele anbieten, in naher Zukunft etwas ändern wird. Auch wenn Videospieler wahrscheinlich nicht weniger als der Durchschnitt lesen (vermutlich sogar mehr!), gibt es einfach keinen Markt für von Buchläden vertriebene Spielen bzw. ist dieser Markt bereits von Saturn, Media Markt und Amazon besetzt. Man sieht ja, wie es in den letzten zehn Jahren den PC-Fachgeschäften ergangen ist. Da wird die Videospielsparte der Buchläden wohl auch nur defizitär wirtschaften.

Ein Land, in dem Videospiele in den meisten Buchhandlungen anzutreffen sind, ist das Vereinigte Königreich. Aber auch dort dominieren bestimmte Ketten den Spielemarkt (wenn auch nicht so krass wie in Deutschland) und die meisten Buchhandlungen haben nur ein sehr begrenztes Sortiment und astronomische Preise. Der Löwenanteil wird wohl auch dort mit dem Eigentlichen verdient - Büchern.

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 3:21 #

Danke für den Artikel; bei all dem Kulturschmalz- und Kunstkitsch-Zirkus frag ich mich aber manchmal nur noch wo die Punks unter den Spieleentwicklern sind.

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 8:55 #

"Typische Polit-Thriller? Wieso nicht mal selbst mitspielen, zum Beispiel mit Alpha Protocol oder Splinter Cell Conviction." In meinen Augen eine sehr gewagte These. Liegen doch zwischen einem Polit-Thriller á la John le Carré oder Stieg Larsson und einem Splinter Cell doch gewaltige Unterschiede. In meinen Augen sind "Computerspiele" und "Buch lesen" zwei völlig unterschiedliche Arten und Weisen seine Freizeit zu gestalten. Was ist so schlimm daran, wenn der Leser in die Buchhandlung geht und der Gamer zu Saturn oder Gamestop? Sollte im Umkehrschluss, Gamestop dann auch Romane verkaufen? Ich weiß ja nicht so recht...

"Zudem werden gerade Handheld-Spiele sehr oft von Eltern und insbesondere Frauen gekauft – beide Zielgruppen findet man in Buchhandlungen vor." Aber auch in Supermärkten, H&M und Schuhgeschäften, also nicht wirklich ein Argument für Spiele in Buchhandlungen.

In meinen Augen ein sehr naiver Gedankengang!

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 9. Oktober 2010 - 11:18 #

Du findest also nicht, dass Romane mehr mit Spielen zu tun haben als Würstchen, Höschen und Schuhe? Dann muss dir der Gedankengang in der Tat naiv erscheinen.

Ich sehe Computerspielen und Bücherlesen keinesfalls als völlig unterschiedliche Weisen, seine Freizeit zu gestalten. Bei den von mir benutzten Beispielen liegt sogar eine sehr große Ähnlichkeit vor: Es geht darum, in eine andere Welt abzutauchen, sich mit einer bestimmten Thematik wie z.B. Spionage zu beschäftigen.

Wer einen Krimi verschlingt, sich auf jeder Seite überlegt, wer der Mörder sein könnte, oder was es mit dem gefundenen Seidenschal auf sich hat -- der könnte doch mit einer gewissen Chance ein Kriminal-Adventure als Genuss empfinden. Der Buchhandel wäre genau der Ort, diesem bislang "nur" lesenden Jemand dieses Angebot zu machen. Denn wenn der Jemand nicht eh schon spielt, wird er vermutlich einfach nicht in den Saturn gehen und dort aktiv nach einem Kriminaladventure suchen. Vermutlich weiß er gar nicht, dass es sowas gibt.

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 13:10 #

Ja, das nächste Topmodel- oder Ponnyhof Spiel wäre meiner Meinung nach besser bei H&M als in einer Buchhandlung aufgehoben. Auch das nächste DS Kochbuch und Ernährungsberater, sollte eher bei den Würstchen stehen, als in einer Buchhandlung.

Subjektiv empfunden ist doch mindestens jedes zweite Spiel ein "neuer" Ego-Shoote. Diese lassen sich, meiner Meinung nach, nun wirklich nicht seriös in einer Buchhandlung verkaufen.
Ein Großteil der Spiele würde also im Vorfeld schon mal ausscheiden. Die Maggi Suppentüte steht ja auch nicht in der Feinkostabteilung... Ist dann eine Buchhandlung überhaupt in der Lage, ein Spiel vernünftig zu präsentieren und konkurrenzfähige Preise anzubieten? Ein Ladenlokal kostet schließlich Geld, dementsprechend ist der Platz kostbar und wird zur Präsentation der Kernware genutzt.

Ist der Einzelhandel nicht eh ein aussterbender Vertriebsweg für Computerspiele - egal ob Konsole oder PC? Sollte man nicht viel eher ein breites und gutes System à la App-Store für PC und Konsole aufbauen? Egal was man von iTunes hält, so ist doch der App-Store ein zukunftsfähiger Vertriebsweg. Produkte können schön präsentiert werden und Rezensionen von Mitspielern können sehr hilfreich bei der Auswahl sein.
Allerdings sollte man alle Spiele so spielen können, als hätte man sie im Geschäft gekauft und lokal installiert. Ich will keine Spiele vom Steam-Login aus starten, keinen Zwang zu einer permanenten Internetverbindung haben und einen Preisvorteil, durch den Wegfall von CD/DVD, Transportkosten und Verpackung haben!

Gruß
Jochen

Sgt. Nukem 15 Kenner - 3641 - 11. Oktober 2010 - 14:32 #

Sicherlich, für Ego-Shooter (ohne _viel_ Story) seh' ich da auch keine Möglichkeit - sowohl aus Kundensicht (Thematik) als auch vom Händler aus (viel zu schneller Werteverfall). Gleiches gilt natürlich für alle Arcade-Spiele - die per Definition null Story enthalten: Pong, R-Type, Donkey Kong? Nein!
Aber: Es gibt ja auch im Buchladen reine "Foto-Bücher" - die also keine Geschichte erzählen wollen. Was spricht also dagegen, neben einem Hochglanz-Buch aller Formel-1-Wagen seit 1990 auch Codemaster's neues F1-Spiel bereitzulegen?
Neben Büchern über die Anfänge der Games passt eben auch eine Emu-CD "Die besten C-64-Games".
Und bei stark narrativen Werken wie das schon genannte Krimi-Adventure bzw. der genannte Kriminalroman ist die Verbindung ja eh klar.

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 - 13. Oktober 2010 - 10:32 #

So sehe ich das auch. Man darf nicht mehr in der Kategorie 'Computerspiel' denken. Das ist viel zu vage. Es denkt ja auch (hoffentlich) keiner in der Kategorie "bedrucktes Blatt". In dem Artikel stand deshalb ja auch etwas von passenden Werken. Ein großer gemeinsamer Nenner ist die Narration. Man findet ja schließlich auch ein großes Film-Sortiment und Comic (meist eher sehr klein) in den großen Bücherketten. Storygetriebene Spiele könnte ich mir z.B. sehr gut in einem Buchhandel vorstellen (Room 215, Heavy Rain, Fahrenheit, Edna bricht usw.).

Roland_D11 15 Kenner - 3685 - 10. Oktober 2010 - 21:42 #

Als kleine Anmerkung am Rande: Saturn verkauft (zumindest in Hamburg) seit Anfang diesen Jahres auf einer recht großen Fläche Bücher. Und zwar keine Technik-Fachbücher, sondern Romane und Sachbücher.

Sgt. Nukem 15 Kenner - 3641 - 11. Oktober 2010 - 14:24 #

"Sollte im Umkehrschluss, Gamestop dann auch Romane verkaufen?"
-- Ich weiß es zwar nicht, aber ich vermute mal einfach, daß "Games-affine" Romane (Diablo ( http://38.de/k0 ), Stalker, etc.) dort sehr wohl verkauft werden. Die Biographie von Reich-Ranicki hat da aber natürlich nix verloren, genausowenig wie Crysis im Hubendübel (äh, so ähnlich ;).

Anaka 13 Koop-Gamer - 1340 - 9. Oktober 2010 - 11:03 #

Es gibt da ein paar Unterschiede in Deutschland, was Bücher und Games betrifft: Bücher sind Kulturgut, Games nicht.

Wer Bücher liest ist schlau
Wer Games spielt ein poteinsieller Amokläufer

keine Branche hat einen so schlechten Ruft wie die Spieleindustrie in Deutschland, da wäre es doch selbstmord, "Spiele" zu verkaufen.

Ein Thema, was Ihr in euerm Artikel nicht klar rauskommt ist, das Buchläden oder ketten keinerlei Konkurenz haben, jedenfalls nicht über den Preis. Durch die deutsche unselige Buchpreisbindung git es keinen "Marktpreis" für Bücher, der amazon Preis ist der geiche wie der Laden um die Ecke.

Da braucht man kein Gehirnschmaltz oder Risikobereitschaft was zu ändern.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 9. Oktober 2010 - 11:24 #

Verzeihung, aber das Preisthema wird doch ausführlich angesprochen, über die hohen Margen, gerade im Vergleich zum Spielehandel. Auch die Buchpreisbindung wird erwähnt. Ich denke nicht, dass wir erklären müssen, was Buchpreisbindung bedeutet?

Ansonsten stimme ich dir zu: Die Reaktionen einiger Befragten (die ja teils nicht mal ein Statement abgeben wollten) haben mir recht deutlich gezeigt, dass sie Games eher als Schmuddelware empfinden.

Anaka 13 Koop-Gamer - 1340 - 9. Oktober 2010 - 14:46 #

verzeihung, ich hab das mit den Preisen überlesen, auch das der Artikel 3 Seiten hat :-)

Christoph Hofmann Redakteur - 55125 - 9. Oktober 2010 - 15:53 #

Er hat sogar 4 Seiten :)

Mithos (unregistriert) 10. Oktober 2010 - 16:00 #

Mal nebenbei: 4 Seiten über ein solches Rohrkrepierer-Thema wie eine deutsche Buchmesse und deren Branche lese ich mir eh nicht durch. Ich hab nicht einmal genug Interesse für die erste Seite gehabt. Hab den Artikel nur überflogen.
Mein Wissen zu dem Thema: Die Buchpreisbindung verhindert effektiv, dass eBooks die Einsparungen in Vertrieb und Material dem Preis zu Gute kommen, weshalb es auf dem Bereich im Unterschied zur Musik (Stichwort iTunes) im Verhältnis zu den Verkäufen auch viel mehr unlizenzierte Kopien gibt. Da die Buchhändler vor Ort schlafen, wird amazon oder ein anderer Großer sich diesen Markt früher oder später sichern. Die wirklich brauchbaren Geräte kommen mit der Zeit auch noch, ob jetzt in 5 oder 10 Jahren, ist egal.

Wiking 12 Trollwächter - 842 - 9. Oktober 2010 - 11:35 #

>poteinsieller

AHAHAHAHA

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 9. Oktober 2010 - 12:31 #

Die Buchpreisbindung mag eine schwierige Sache sein, aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir es dieser Einrichtung zu verdanken haben, dass es selbst in kleineren Städten noch Läden gibt, in denen wirkliche Beratung möglich ist. Welche Alternativen gibt es, eine derart breite Beratung anzubieten?

Mithos (unregistriert) 10. Oktober 2010 - 16:00 #

Gar keine, weil die Buchpreisbindung verhindert, dass sich ein Markt für die Dienstleistung "Beratung" überhaupt entwickelt. Momentan ist die Beratungspauschale quasi fest im Buchpreis eingerechnet, auch wenn der Kunde sie gar nicht für jedes Buch braucht.

Und mal ehrlich: Wenn ich in kleineren Städten in einen Buchladen gehe und ein Fachbuch suche, dann weiß ich über die Thematik eh meist mehr als die (meist Aushilfs-) Kraft hinter der Kasse. Wenn ich das Buch überhaupt im Sortiment finde.

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 10. Oktober 2010 - 16:50 #

Für Fachbücher berät einen dei eigene Hochschule ja auch in der Regel besser. Ich meine Beratung für Belletristik. Braucht nicht jeder, stimmt. Es dürfte allerdings schwierig werden, den derzeitigen Stand kleiner Buchläden sowie deren Beitrag zur Lesekultur ohne Buchpreisbindung zu halten. Das ist schade. Ich bin ja auch gar nicht Pro-Buchpreisbindung. Allerdings sollte man deren Abschaffung immer nur in Verbindung mit Maßnahmen diskutieren, die den Großen in diesem Markt nicht noch mehr Macht gibt...

Mithos (unregistriert) 10. Oktober 2010 - 17:06 #

Für die gedruckten Exemplare mag die Bindung ja auch weiterhin sinnvoll sein. Aber doch bitte nicht für eBooks.

Und by the way, das Telegramm gibt es auch nicht mehr. Hufschmiede sind ebenfalls seltener geworden. Überleg bitte mal, ob die Buchpreisbindung auch für eBooks in 50 Jahren noch sinnvoll sein wird.

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 10. Oktober 2010 - 18:00 #

Ach, dir geht's nur um Ebooks? Die immer noch einen verschwindend geringen Markt neben den normalen Büchern darstellen? Die kann man meinetwegen freigeben, die kauft man ja ohnehin nicht im Laden. Bei denen sollte man eher forcieren, dass es ein einheitliches Format ohne DRM gibt. Bevor das nicht geschaffen ist, haben sie ja deutliche Nachteile gegenüber ihren gedruckten Gegenstücken.

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 10. Oktober 2010 - 18:15 #

In den USA werden zwischenzeitlich ein Viertel der Bestseller als ebook verkauft... Der Sinn der Buchpreisbindung hat ja nichts mit der Erscheinungsform zu tun. Es geht um den Erhalt der Meinungsvielfalt im deutschen Buchmarkt. Das gilt genauso für ebooks.

Mithos (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 8:31 #

und da beißt sich die Katze in den Schwanz: In den USA sind eBooks wahrscheinlich auch deshalb erfolgreich, weil sie ohne Buchpreisbindung wesentlich günstiger angeboten werden können als gedruckte Bücher.

Roland_D11 15 Kenner - 3685 - 12. Oktober 2010 - 11:44 #

Das stimmt nicht. Ich nehme an, dass Amazon.com über ihren Kindle-Store einen Anteil an den verkauften Ebooks haben (der Store funktioniert ja auch für PC und IPhone/IPad). Und die Preise sind gegenüber den gedruckten Versionen nicht anders. Ein Beispiel:

Stieg Larsson - The girl who kicked the hornets nest

Gedruckt (inklusive Versand): $11.91

http://www.amazon.com/Girl-Who-Kicked-Hornets-Nest/dp/030726999X/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1286876458&sr=8-1

Ebook: $12.03

http://www.amazon.com/Girl-Kicked-Hornets-Nest-ebook/dp/B002RI9ZPY/ref=sr_1_2?ie=UTF8&m=A12MGAGPLUJEQK&s=digital-text&qid=1286876444&sr=1-2

Der US-Kindle-Store ist übrigens weltweit zu diesen Preisen verfügbar.

Kanonengießer 14 Komm-Experte - 2471 - 9. Oktober 2010 - 11:42 #

Sehr schöner Artikel. Klasse! Jetzt im Oktober-November, beginnt meine Bücher-Saison wieder :) Neben den ganzen Spiele Titeln, lese ich in der dunkleren Jahreszeit gerne Bücher. Im Moment den Gears of War Roman "Aspho Fields". Und danach hab ich schon einen Peter Berling in der Pipeline.
In der hiesigen Thalia, gibt es ein paar alte 360-Spiele (NFS Carbon, Tomb Raider und Viva Pinata), ein paar DS Spiele und null PS3 Spiele. Allerdings gibt es dort 800 MS-Points für 9€...ab und zu. Aber ehrlich gesagt, kaufe ich lieber meine Spiele in meinem Gamesladen vor Ort. Und Bücher halt in meinem Buchladen vor Ort. Das bewahrt die Auswahl.

ChrisL 30 Pro-Gamer - P - 142664 - 9. Oktober 2010 - 12:04 #

Interessanter Bericht, danke dafür! Den Buchläden bzw. -ketten nehme ich es überhaupt nicht übel, dass sie keine (aktuellen) PC- oder Videospiele im Angebot haben. Ein gut sortierter und im Bereich Lesestoff umfangreicher Laden, in dem auch Personal angestellt ist, das weiß, wovon es redet, ist mir viel lieber, als ein Geschäft, in dem - mehr oder weniger - alles zu haben ist - persönlich gefällt mir so etwas in bestimmten Bereichen eher weniger. Keine Frage, es gibt Themen, in denen sich Bücher und Spiele gut ergänzen würden oder vergleichbar sind. Aber mit allen Mitteln zu versuchen, die Spiele eventuellen Zielgruppen schmackhaft zu machen, fände ich übertrieben und unnötig. So gesehen, kann die "Festung Buchhandel" meiner Meinung nach ruhig weiter gut verteidigt werden. ;)
.
Und warum soll eigentlich nur der Buchhandel mehr Spiele anbieten ... der Spieleladen kann doch auch mehr Bücher ins Angebot nehmen ... ;) GameStop z. B. verkauft online keinerlei Bücher (ich hab' jedenfalls nichts gefunden) - warum? Jemand der ein packendes Krimi-Adventure spielt, interessiert sich vielleicht auch für einen entsprechenden Roman.

Eddie Vedder (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 12:11 #

Serious Games = Komplette Langweiler?
Was soll diese dämliche Pauschalisierung und Verunglimpfung eines ganzen Genres?
Bücher die bilden können genauso spannend sein wie ein guter Krimi. Genauso ist es bei Spielen.
Fuchtbar, diese Verachtung gegenüber Kreativen...

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 12:18 #

Diese geringe Wertschätzung gegenüber dem eigenen Hobby ärgert mich auch. Und dann erwartet man, dass die Buchhandlungen freudestrahlend PC Spiele in die Regale stellen...

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 9. Oktober 2010 - 17:02 #

Sag mir drei Serious Games, die du gut findest. Dann diskutieren wir weiter.

Eddie Vedder (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 17:21 #

Microsoft Flight Simulator
X-Plane
Foldit

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 9. Oktober 2010 - 18:06 #

Der Microsoft Flugsimulator hat zwar Lehrpotential, aber kein Lehr*ziel* - womit es das wichtigste Kriterium eines Serious Games nicht erfüllt. Ohne das ausdrückliche Ziel, dem Spieler etwas beizubringen oder ihn über bestimmte Dinge aufzuklären, ist ein Spiel einfach nur ein Spiel in einem realitätsbezogenen Szenario, erst das Lehrziel macht es zu einem Serious Game.
Z.B. das steinalte Balance of Power, das mit einem inhaltlich hünenhaften Druckwerk zu den Hintergründen des Spielgeschehens kam. Das ist das einzige gute Serious Game, das mir persönlich einfällt.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24837 - 9. Oktober 2010 - 19:21 #

Wikipedia listet den Flight Simulator aber als Serious Game auf.
Serious Games sind einfach Spiele, die nicht in erster Linie Spaß machen sollen, sondern dem Spieler etwas beibringen wollen. Bei Flugsimulatoren ist dies die Beherrschung eines Flugzeugs.
http://en.wikipedia.org/wiki/Serious_game

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 9. Oktober 2010 - 20:13 #

Desgleichen könnte ich behaupten, dass man in Armed Assault das Kriegshandwerk lernt. :P
Das Lernen des Spiels selbst kann doch nicht als Kriterium für ein Serious Game herangezogen werden... Das Ziel in Flugsimulatoren ist das Fliegen selbst, um das tun zu können, muss man sie natürlich erstmal beherrschen lernen, das macht sie aber nicht zum Serious Game.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24837 - 10. Oktober 2010 - 1:02 #

Es geht nicht um das Lernen des Spiels, sondern um die Erlernung von Fähigkeiten, die über das Spiel hinaus (es muss ein Spiel sein, sonst wäre es kein Serious Game) von Nützlichkeit sind. Die Attentäter von 9/11 haben beispielsweise den MS Flightsimulator benutzt, um den Anflug aufs WTC zu trainieren (was ja auch funktioniert hat).

Chiffre 12 Trollwächter - 989 - 10. Oktober 2010 - 10:43 #

Also entschuldigt, Leute, aber mal von jemand der sich auskennt: mit dem MS Flight Simulator lernt niemand das fliegen. Was diese Irren vor neun Jahren damit allenfalls geübt haben (wenns denn überhaupt stimmt), ist die visuelle Orientierung über der Stadt. So wie er im Laden steht, rechne ich den Flight Sim zur Unterhaltungssoftware. Oder hält jemand den Landwirtschaftssimulator für Lernsoftware?

Ketzerfreund 16 Übertalent - 5978 - 10. Oktober 2010 - 12:05 #

Niemand sollte das tun. Guter Vergleich.
Es gibt ja einen Grund, warum die meisten Serious Games eher dazu tendieren, soziale, politische oder wirtschaftliche Inhalte zu vermitteln, statt einem die konkrete mechanische Bedienung irgendwelcher Gerätschaften beizubringen -- etwas, was ein Computerspiel gar nicht leisten kann. Oder man denke nur an das wahrscheinlich bestetablierte Subgenre: Fahrsimulatoren für die Verkehrserziehung. Diese bringen einem nicht das Fahren eines Autos bei, sondern das richtige Verhalten im Straßenverkehr.
Das muss natürlich nicht heißen, dass Serious Games keinen Spaß machen dürfen, er dürfte gar ein motivierender Faktor sein (Das müssen viele ihrer Hersteller wohl noch lernen). Aber darin liegt nicht der primäre Zweck eines Serious Games.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 10. Oktober 2010 - 17:12 #

Die beiden ersten Titel gehören einem Genre an, das man seit 20 oder 30 Jahren Flugsimulation nennt.

Serious Games sind Spiele wie Palestine. Und die haben zwar oft lobenswerte Ansätze (siehe Palestine, das versucht, dem Spieler die Sichtweisen beider Seiten im Palästina-Konflikt näherzubringen), sind aber als Spiele ziemlicher Murks und technisch oft hinterm Mond. Also Langweiler, wie im Artikel beschrieben.

Eddie Vedder (unregistriert) 10. Oktober 2010 - 20:51 #

Flugsimulatoren sind Serious Games, schau bei Wiki nach.
Es gibt ein Unterschied zwischen einem Flight Simulator und HAWX.
Ich kenn übrigens auch Ego-Shooter die ziemlicher Murks und technisch hinterm Mond sind. Dennoch bezeichne ich deswegen nicht alle Ego-Shooter als Langweiler.
Manche scheinen sich echt mit Händen und Füßen dagegen zu wehren, dass Spiele mehr als nur Spaß machen können.

Chiffre 12 Trollwächter - 989 - 10. Oktober 2010 - 22:05 #

"schau bei Wiki nach" - ja klar, dann MUSS es ja stimmen.

Eddie Vedder (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 10:29 #

Ich weiß, dass ich Recht habe.
Also wenn ihr mir nicht glaubt schaut euch die offizielle Definition an.
Und wenn ihr euch die wissenschaftlichen Publikationen zu dem Thema nicht leisten wolllt, dann schaut euch einfach bei Wikipedia die Liste von Serious Games an.
Manche hier haben so viel Ahnung von Serious Games, wie Herr Pfeiffer von Killerspielen. Aber Hauptsache keinen einzigen Centimeter vom eigenen kleinen, bornierten Weltbild abrücken.
Kein Wunder, dass Computerspiele in den Augen von 95% der Deutschen nicht mehr als Kinderspielzeug sind.

Chiffre 12 Trollwächter - 989 - 11. Oktober 2010 - 10:55 #

Jetzt komm mal wieder runter, was du hier alles in einen Topf wirfst ist ja nicht mehr auszuhalten. Der MS Flight Simulator ist kein Serious Game, sondern einfach ein Spiel für Flugbegeisterte. Ziel des Spiels ist es nicht, irgendwas zu lernen, sondern zu unterhalten.
Wenn du anderer Meinung bist, bitte sehr. Was das mit Herrn Pfeiffer zu tun haben soll, oder den angeblichen 95% der Deutschen (hast die Prozentzahl auch aus der Wikipedia?), das weisst auch nur du. Zu "Hauptsache keinen einzigen Centimeter vom eigenen kleinen, bornierten Weltbild abrücken": Glashaus, Steine und so.

Timbomambo (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 11:23 #

Danke für den Kommentar. :) Jetzt nehmen alle erstmal ihre Pillen und dann überlegen wir alle mal was wir an Spielen so mögen ...

Eddie Vedder (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 11:48 #

Ohne die Bereitschaft zum Lernen wirst Du beim Flight Simulator noch nicht Mal die Landebahn verlassen. Und wenn ein Serious Game nicht unterhält, ist es kein Spiel mehr, sondern nur noch ein Programm/Tool.
SingStar ist auch ein Casual Game, obwohl es den Begriff bei Release des Spieles noch nicht gab.
Als der MS Flight Simulator erschien, gab es den Begriff Serious Game auch noch nicht, trotzdem ist es eins. Und das sagt nicht nur Wikipedia.

Timbomambo (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 12:51 #

wir lernen ein neues Wort: "Pe·dan·te'rie" -.-

und btw. du kannst fast jedes Spiel, welches vor 1996 erschienen ist zur Hand nehmen und wirst feststellen: ohne die Bereitschaft zu lernen wird dort ebenfalls nichts gehen.

Johannes Mario Simmel 13 Koop-Gamer - 1626 - 12. Oktober 2010 - 9:14 #

Soviel ich mich erinnern kann drückt man beim Flugsimulator nur F4 für Vollgas und dann hebt das Ding ohne großes Zutun von alleine ab.

Großer Lerneffekt.

Warum fliegt ein Flugzeug eigentlich ? Das habe ich in keinem der letzten MS Flugsimulatoren gelernt.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 10. Oktober 2010 - 22:20 #

HAWX ist ja auch kein Flugsimulator, sondern ein schlechtes Actionspiel.

"schau bei Wiki nach" -- ohne weitere Worte von mir.

Eddie Vedder (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 10:33 #

Du kannst es auch gerne in Büchern nachlesen, ist aber teurer.
Und die meisten Fakten in Wikipedia stimmen, nur bei politischen Themen muss man vorsichtig sein. Wikipedia ist ganz klar besser als sein Ruf.

Timbomambo (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 12:59 #

Das dachte ich auch mal - wirklich! Aber wenn man sich mal die Diskussionsseiten jeweils anschaut oder man auf ein Thema stößt, in dem man sehr gut Bescheid weiss offenbaren sich Abgründe.

Asto 15 Kenner - 2904 - 20. Juli 2011 - 23:32 #

"schlechtes" trifft es ;D

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 - 13. Oktober 2010 - 10:37 #

Jetzt geht bitte nicht so rigide mit irgendwelchen Gattungsbezeichnungen um. Die Anno-Reihe könnte man auch als Serious Game titulieren. Gattungen sind nie vollkommen zu trennen. Gattungen sind nur ein künstliches Kontrukt, um Werke in versch. Schubladen stecken zu können. Für mich sind Serious Games Spiele, bei denen man etwas lernen kann, dass man über das Spiele hinaus nutzen kann.

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 9. Oktober 2010 - 12:27 #

Interessanter Artikel!

Bevor man über den gemeinsamen oder getrennten Verkauf von Spielen und Büchern nachdenkt, sollte man sich vielleicht erstmal darüber Gedanken machen, was die beiden Medien unterscheidet, gerade was ihre Rezeption angeht. Klar, man kann sich berechtigt darüber aufregen, dass Spiele als Schmuddelware und Bücher als Kulturgut angesehen werden, aber man sollte nicht vergessen, das beides zumindest in Teilen vollkommen unterschiedlich konsumiert wird.
Anders ausgedrückt: Klar kann man feststellen, dass es bzgl. des Story-Telling große Ähnlichkeiten zwischen bestimmten Action-Adventures und -RPGs auf der einen Seite und einigen Bestsellern gibt. Genauso kann ich zum Beispiel Action-Spiele mit zahlreichen Popkorn-Filmen vergleichen. Das ist okay, macht die jeweiligen Medien jedoch noch lange nicht gleichwertig. Klar, auch bei Filmen und Büchern gibt Exemplare die eher zur kurzfristigen Unterhaltung gedacht sind. Daran ist nichts schlimmes! Aber trotzdem gibt es Programmkinos und z.B. den Suhrkamp-Verlag (ob wohl wohl eher kleinere Verlage wie Wagenbach als Vergleich zu den Programmkinos taugen) - bei Spielen ist das, wenn es denn überhaupt mal vorhanden ist, vollkommende Nische. Es gibt wenig künstlerische Spiele und wenn es mal eins gibt, wird (auch in Spielemedien) wenig darüber gesprochen. Auch die Art, in der über die Bestseller gesprochen wird, unterscheidet sich massiv: Während für viele 'Avatar' nur gutes Popkorn-Kino ist, machen sich die Feuilletons auf die Suche nach den Einflüssen und sprechen über die verwendete Symbolik.
Wie gesagt: Viele mag das nicht interessieren und das ist okay, aber trotzdem beeinflusst die Breite in Angebot und Rezeption der Medien das gesamte Medium und vor allem die Art, wie wir darüber sprechen können.

Um es auf den Verkauf runterzubrechen: Während der Mitarbeiter bei Saturn einfach nur ein Produkt verkauft, werden viele Kunden in Buchhandlungen erwarten, dass Rezensionen gelesen wurden, dass das Buch selbst gelesen wurde und dass die Mitarbeiter in der Lage sind Empfehlungen auszusprechen. Das neuste Biss-Buch mag sich in ähnlicher Weise verkaufen wie ein aktuelles Blockbuster-Spiel - bei der Mehrzahl der Bücher wird das aber so nicht funktionieren.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 9. Oktober 2010 - 17:09 #

Ich würde sogar sagen, dass die allermeisten Bücher auf "kurzfristige Unterhaltung" aus sind. Außerdem muss man sich doch nur mal in einer größeren Buchhandlung umschauen (du erwähnst selbst das "neueste Biss-Buch"): Die sind vollgestellt mit Merchandising, buchfernen Sachen wie Schulranzen und Mäppchen mit Branding vorne drauf. Da geht es doch nicht um Hochkultur, sondern die wollen gerne auch mit nicht mal entfernt Literarischem Geld verdienen. Ist ihr gutes Recht. Aber dann sollten sie auch passende Spiele ins Portfolio aufnehmen...

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 9. Oktober 2010 - 19:55 #

Ich stimme Dir ja soweit zu, aber ist es nicht trotzdem so, dass man noch erwartet, eine fachkundige Auskunft/Empfehlung zu bekommen, wenn man der Mutter einen Krimi schenken möchte?
Das mag ja eine Täuschung beim Kunden sein... aber selbst zu meiner Zeit als ich mich noch nicht so sehr mit Spielen beschäftigt habe, wäre ich nicht zu Saturn/Media Markt gegangen, in der Hoffnung, dass mir dort irgendjemand mehr über die Spiele erzählen kann, als auf der Packungsrückseite steht.

Wenn Du allerdings schreibst, dass Großbuchhandlungen "gerne auch mit nicht mal entfernt Literarischem Geld verdienen" wollen - dann finde ich diese Strategie schon fraglich. Mich spricht sie ohnehin nicht an (meine Bücher kommen entweder aus dem kleinen unabhängigen Buchladen oder direkt von Amazon), trotzdem frage ich mich, ob diese Strategie aufgehen kann... Allzweckläden braucht eigentlich keiner mehr - siehe Karstadt und Kaufhof, wo die meisten Leute auch nur Klamotten kaufen werden.

Anonymous (unregistriert) 9. Oktober 2010 - 12:31 #

Stehen dann Crysis 2 und Doom 4 neben den neuen Stephen King Büchern?
Schon eine schräge Vorstellung!

Sowas hätte, wenn überhaupt, nur in den großen Buchhandlungsketten eine Chance. Die kleinen, niedlichen Buchhandlungen, die Inhabergeführt sind, schauen dann noch weiter in die Röhre!

beagel 09 Triple-Talent - 293 - 9. Oktober 2010 - 12:43 #

Mit Verlaub: das Leute die z.B. Sternstunden der Menscheit lesen gerne 4X spielen würden ist doch Blödsinn...

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24837 - 9. Oktober 2010 - 14:53 #

Bei uns in Köln hat die Mayersche Buchhandlung eine kleine Nintendo Abteilung.
So ganz passen tuts aber nicht.
Eigentlich kann ich mir nur Lernspiele und Grafikadventures in der Medienabteilung eines Buchladens gut vorstellen. Ein Gears of War wirkt einfach ein wenig deplatziert.^^

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 9. Oktober 2010 - 17:06 #

Von Gears of War redet ja auch niemand. Aber gerade Adventures, auch manche Rollenspiele, der eine oder andere Thriller, die würden sehr gut passen. Ein Civilization 5? Jederzeit. Assassin's Creed 2? Auch. Und so weiter.

Es geht doch nicht darum, dass plötzlich die Buchläden Vollsortimenter im Bereich Games werden. Aber sinnvoll ausgewählte Titel könnten sehr wohl passen.

Übrigens: Als ich vor drei Jahren in München im einen Hugendubel Spiele sah, da waren die ziemlich willkürlich ausgewählt. Da stand dann unter anderem halt eine Hammerpreis-Pyramide. Da war nichts speziell ausgewählt, die war einfach so reingestellt.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24837 - 9. Oktober 2010 - 17:39 #

Am Ende des Tages werden eh nur die quängelnden Kinder die mit in den Buchladen geschleppt wurden, dort Spiele kaufen.
Leute die bereits spielen, kaufen ihre Spiele woanders und Leute die nicht spielen haben in der Regel auch nicht vor das zu ändern (außer sie sind noch jung, dann müssen sie aber erst Mal von ihrem persönlichen Umfeld überzeugt werden, dass sowas Spaß macht).
Jemand der noch nie ein Spiel gespielt hat außer Snake auf dem Handy und Moorhuhn im Büro, ist von einem Assassins Creed 2 hoffnungslos überfordert.
-
Außerdem lässt sich mit Spielen nicht besonders viel verdienen, die Margen sind gering und der Preisverfall sehr schnell. Wozu also geschultes Personal einstellen, dass sich mit den Spielen auskennt?
Für irgendwelche Mitnahmeeffekte sind sich die meisten Buchläden zu Recht zu schade.
Wobei die größeren Ketten eigentlich nicht gerade ein besonderes hohes Niveau haben, wenn ich in der größten Buchhandlung Kölns an jeder Ecke das neue Buch Sarrazins erblicke, aber die Autobiographie von Tony Blair noch nicht mal bestellt wurde, sagt das sehr viel über den Laden aus.
Aber es gibt ja zum Glück noch Amazon, dort bekomm ich alle Bücher, sogar aus dem englischsprachigen Ausland.
Allerdings empfiehlt einem auch Amazon keine Grafikadventures wenn man einen Krimi bestellt...

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 10. Oktober 2010 - 0:29 #

Ein außerordentlich interessanter Artikel. Einmal mehr beweist GG, welches Potential hier vorhanden ist.

Mein privater Alltag bewegt sich genau in dem besprochenen Spannungsfeld. Ich liebe Games seit vielen Jahren. Diese Liebe wird nur von der Lust am Lesen übertroffen. Zudem bin ich mit einer Frau verheiratet, die sich fürs Zocken gar nicht, für Bücher dafür umso mehr begeistert. Zudem ist sie Buchhändlerin aus Leidenschaft und arbeitet in budgetverantwortlicher Position bei dem Unternehmen, dass im Text am häufigsten genannt wurde. Noch dazu in einer 2-Etagen-Filiale, über der ein Saturn-Markt drei Geschosse einnimmt. Volltreffer in den Maschinenraum der Problematik! Der Artikel behandelt also ein Thema, welches ich schon dutzende Male in allen Facetten privat diskutiert habe. Deswegen nochmal in aller Deutlichkeit: Der Artikel ist sehr, sehr gut, da er alle relevanten Punkte aus Gamer-Sicht beleuchtet.

In den Kommentaren wurde ja schon einiges vertieft. Man muss einfach hervorheben, dass der stationäre Buchhandel in seinem Kerngeschäft knallhart von zwei Seiten angegriffen wird. Onlinehandel und E-Book sind bzw. werden (über-)mächtige Konkurrenz. Douglas mit "Thalia" und die DBH mit "Hugendubel", "Weltbild", "Jokers", "Habel", "Weiland" und "Wohlthat'sche" sind daher, wenn überhaupt, die Buchhandlungen, die den Verkauf von Games überhaupt in Erwägung ziehen können, da sie über die entsprechende Verhandlungsmacht gegenüber dem Zwischenhandel verfügen. Lasst euch mal von dem Händler aus dem kleinen Buchladen um die Ecke berichten, wie "viel" Cent er verdient, wenn auf Wunsch eines Kunden ein Buch bestellt wird. Die Finger eurer zwei Hände reichen zum Zählen. Und das alles mit Buchpreisbindung...

Zudem es ist auch einfach die Wahrheit, dass selbst die großen Buchhandlungen ein völlig anderes Selbstverständnis besitzen, als die Geiz-ist-geil-Tempel. Der Anspruch auf kompetente Beratung wird hochgehalten. Auch hier gibt es durchaus Auflösungserscheinungen, die aber von den ausgebildeten Buchhändlern in den Ketten vehement bekämpft werden. Hier schließt sich der Kreis mit meinen privaten Erfahrungen. Es gibt kaum Buchhändler, die über Video-/Computerspiel-Kompetenz verfügen. Sie interessieren sich schlicht und ergreifend nicht für dieses Medium. Durchaus geprägt von einer elitären Grundhaltung. Ob das gut oder schlecht, richtig oder falsch ist, spielt ja keine Rolle. Es ist so.

Ich habe mit meiner Frau heute übrigens Sports Champions (PlayStation Move) "gespielt". Nach zehn Minuten war ihr langweilig. Sie wollte den neuen Franzen weiter lesen. Ein hoffnungsloser Fall. Der mich aber ständig glücklich sein lässt. :)

Wuslon 18 Doppel-Voter - - 9920 - 10. Oktober 2010 - 12:27 #

Sehr guter und interessanter Artikel. So etwas findet man ansonsten nur selten auf ähnlichen Seiten. Ich kann nur hoffen, dass das Konzept dieser tollen Seite aufgeht!

Ganon 22 AAA-Gamer - P - 37488 - 10. Oktober 2010 - 15:55 #

Interessantes Thema, da muss man erst mal drauf kommen. :-)
Im Saturn auf der Zeil stellte ich übrigens erstaunt fest, dass es umgekehrt offenabr funktioniert: Der hat direkt am Eingang eine stetig wachsende Bücherabteilung! Nein, nicht nur Lösungsbücher oder so, sondern alle möglichen Romane! Direkt dahinter beginnt die Spieleabteilung. Das habe ich in so einem Markt noch nicht gesehen.

Kirika 15 Kenner - 3296 - 11. Oktober 2010 - 9:03 #

Guter Artikel.

Ich als Vielleserin muss aber sagen, dass ich da auch eher skeptisch bin. Spiele in einer Buchhandlung zu verkaufen. Es ist richtig, dass jemand der gerne Krimis liest vllt auch Spaß an einem Adventure haben kann. Dennoch sind Spiel und Buch für mich zwei verschiedene Welten. Im Gegensatz zu einem visuell komplett fertigem Spiel regt ein Buch dazu an seine Fantasy zu benutzen und Dinge selbst zu "erschaffen".
Rätsel lösen in einem Adventure macht Spaß, aber es ist dennoch eine ganz andere Art und Weise etwas zu erleben, als es beim Lesen passiert.

Nehmen wir als Beispiel mal die Harry Potter-Reihe. Der Leser malt sich seine Welt aus. Der Film und das Spiel zu dem jeweiligen Buch verfolgen zwar grob die Geschichte des Buches, dennoch ist man als Leser meist enttäuscht von solchen Spielen oder dem Film, weil man weiß "da fehlt dies, da fehlt das, wo ist die und die Szene?". Klar kann man nicht alles 1 : 1 darstellen. Dennoch ist diese Enttäuschung zum Teil vorhanden.

Ich schweife aber ein wenig ab xD was ich damit sagen möchte ist einfach, dass man mit der Auswahl der Spiele, die in einer Buchhandlung verkauft werden nicht unbedingt die Leserschaft überzeugen kann jetzt Computerspiele zu spielen.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 11. Oktober 2010 - 10:28 #

Ich würde dir zustimmen, wenn Buchläden nur Bücher verkaufen würden. Aber das tun sie ja nicht. Sie verkaufen Croissants und ähnliche Speisen in ihren Cafés, sie verkaufen Schulranzen und Mäppchen und große Poster zum neuesten hochintellektuellen "Biss"-Wortspiel (Wieso nicht mal Bissverweigerung oder Bisstum, btw...). Und dann verkaufen sie Kinderspiele -- haben die was mit der Erlebniswelt eines Buchs zu tun? Und sie verkaufen Audio-CDs und insbesondere DVDs. Sorry, ob nun Audio-CD oder Film-DVD, da gibt es auch einen Medienbruch, und man nimmt sie anders war (wobei Audio-CD und Bücherlesen noch am ähnlichsten sind, natürlich) -- aus dieser Sicht heraus wäre es schon sinnvoll, auch Spiele zu verkaufen, wo sie denn passen.

faldnd 12 Trollwächter - 1071 - 11. Oktober 2010 - 10:50 #

Und warum tun sie das mit dem Merchandise? Weil es eine Zielgruppe dafür gibt, die auch wirklich etwas davon kauft. Es ist zu vermuten das die Schnittmenge bei DVDs/CDs/Literatur relevantem Mechandise wesentlich größer ist als mit Videospielen. Jörg Langer würde wohl ein DS Spiel im Buchhandel kaufen aber die meisten anderen Menschen halt nicht. Ich betone es immer wieder ungern. Aber Videospiele sind noch lange nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Aus Gamersicht macht der Artikel durchaus Sinn und es war ein Freude ihn zu lesen.

Kirika 15 Kenner - 3296 - 11. Oktober 2010 - 11:00 #

Gut, stimme ich zu.
Wobei ich eher in den kleinen Buchläden kaufe, die sich wirklich nur auf Bücher konzentrieren :)

faldnd 12 Trollwächter - 1071 - 11. Oktober 2010 - 16:22 #

Kann ich verstehen. Always support your local dealer.

Anonymous (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 11:56 #

Reine Kommerzprodukte wie Videospiele haben in einem seriösen Buchladen nix verloren.
Kinder und Jugendliche lesen schon jetzt viel zu wenig, soll man den Mist jetzt auch noch in die Buchläden stellen?
Was spricht dagegen sich die Spiele im Saturn/Gamestop/MM zu kaufen? Wozu die Notwendigkeit dies auch in einem Buchladen tun zu können?
Ziemlich absurder Vorschlag.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 11. Oktober 2010 - 12:23 #

Ich würde nun Games wirklich nicht generell als Mist bezeichnen.

Der "absurde Vorschlag" ist keine Idee von uns, sondern wurde von diversen großen Buchhandelsketten -- allerdings dilettantisch in der Umsetzung, wie es im Artikel nachzulesen wäre, würdest du ihn lesen -- bereits ausprobiert.

Aber noch etwas: Seit wann sind Bücher keine Kommerzprodukte? Kommt hier vielleicht der bildungsdünkelnde Ungeist zum Vorschein, zwischen wertigen und vermutet minderwertigen Kulturgütern zu unterscheiden? Das fände ich amüsant, zumal der kleine, seriöse Buchladen um die Ecke seine Hauptumsätze sicher nicht mit Satre oder Schiller macht, sondern mit Tom Clancy, diversen Spiegel-Bestsellerlisten-gepushten Selbstvermarktungsbüchern lebender Promis und vielleicht noch (gut so!) mit ein wenig Jonathan Franzen.

Wenn es den Buchläden um die Qualität und nicht um den reinen Kommerz ginge, stünden nicht überall prominent die Ergüsse eines gewissen Vereinfachungskaspers mit Vornamen Thilo herum.

Anonymous (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 13:30 #

"Ich würde nun Games wirklich nicht generell als Mist bezeichnen."
.
War nicht meine Absicht, aber Kinder kaufen beziehungsweise wird in erster Linie eher Lizenzmüll und 08/15 Ware und nicht unbedingt Shadow of the Colossus gekauft.
Und natürlich würden die Buchläden das in die Läden stellen, was sich verkauft.
Zum Buch von Sarrazin kann man sicher geteilter Meinung sein, aber die öffentliche Debatte zeigt, dass es ein wichtiges Thema anspricht.
Durch das Verkaufen dieses Sachbuches, verliert keine Buchhandlung an Niveau.
Ein Gamestop verkauft ja auch hochklassige und katastrophale Spiele. Und natürlich deckt auch ein Buchladen die ganze Bandbreite ab.
.
Ändert alles nichts daran, dass Bücher bildender sind als Spiele. Das hat nichts mit Wertigkeit von Kulturgütern zu tun, sondern ist simple Wissenschaft, dass Lesen den Geist mehr bildet als der mediale Overkill unserer Zeit.

faldnd 12 Trollwächter - 1071 - 11. Oktober 2010 - 16:25 #

Ah. Wie schön. Das enttäuschte Bildungsbürgertum hat gesprochen. Selten sooo gelacht.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 344815 - 12. Oktober 2010 - 11:01 #

Wenn du glaubst, dass durch den Verkauf von "Thilos Thesen" das Niveau der Buchhandlungen nicht sinkt, wieso glaubst du dann, dass der Verkauf von Games es senken würde?

Dass "Lesen den Geist mehr bildet als der mediale Overkill unserer Zeit", würde ich in genau dieser Formulierung sofort unterschreiben. Guckt man sich deinen Satz aber mal genauer an, so stellt sich die Frage: Ist er nicht vielleicht ein wenig voreingenommen formuliert und im Fall des Lesens positiv, im Fall des "medialen Overkills" hingegen negativ verallgemeinernd?

Du wirst mir zustimmen, dass das Lesen eines Groschenromans nicht sonderlich zur Geistesbildung beiträgt. Andererseits lassen sich moderne Medien durch mündige Auswahl sehr wohl zur Geistesbildung und ohne "Overkill" nutzen. Solche Diskussionen bringen deswegen nicht viel, sie gleiten zu leicht ins Polemische ab.

Selbstverständlich gibt es viel mehr Bücher als Spiele, und viel mehr hochwertige Bücher als hochwertige Spiele, und viel mehr ernsthafte Bücher als ernsthafte Spiele, etc. Du wirst aber auch viel mehr schlechte, dumme, hetzerische Bücher finden als schlechte, dumme, hetzerische Spiele. Vor allem kannst du daraus doch nicht folgern, dass Bücher grundsätzlich als "gut" und Spiele grundsätzlich als "verdächtig" (oder was auch immer) zu betrachten sind. Es kommt immer auf das einzelne Werk an.

Green Yoshi 20 Gold-Gamer - 24837 - 13. Oktober 2010 - 22:07 #

Der Inhalt ist natürlich das Entscheidende, wenn es um darum geht ob etwas "gut" oder "verdächtig" ist.
Ein Buch ist nicht per se gut, aber ein Buch regt den Geist viel mehr als ein audiovisuelles Medium, bei dem alles vorgegeben ist und der Vorstellungskraft kein Raum gegeben wird.
Harry Potter zu lesen ist für Kinder besser als die Blu-Ray zu schauen oder das Spiel zu spielen.
Ein Buch ist nicht nur bildender weil es früher da war als andere Medien.

Basti51 14 Komm-Experte - 1984 - 13. Oktober 2010 - 10:45 #

Also so ein Blödsinn! Es kommt einfach auf den Inhalt an und nicht auf das Medium. Meinungen wie diese zementieren leider den jetzigen Status Quo des Computerspiels. Schau dir mal bitte die Schund-Debatte über Comics in den 60ern an. Haargenau die gleiche Situation. Spätestens seit Spiegelmas "Maus" (80er) wurde dieser verquerten, engstirnigen Ideologie der Saft abgedreht. Dem Medium CS fehlt bis dato leider so ein Werk. Aber das hat nichts mit dem Potenzial des Mediums zu tun. Das Medium ist noch immer so jung und hat noch viel Zeit sich zu entwickeln. Ich bin mir sicher, dass irgendwann ein solches Werk erscheinen wird.

patchnotes 14 Komm-Experte - 1845 - 11. Oktober 2010 - 13:04 #

Ach, ich kaufe mir Bücher ohnehin nur online, also wegen mir brauchen sie keine Spiele zu verkaufen. ;)

Anonymous (unregistriert) 11. Oktober 2010 - 20:58 #

Mitte der 90er gab es bei uns eine Mayersche, die gute Preise
hatte und auch einen attraktiven Wühltisch für PC-Spiele.
Da habe ich öfter Spiele mitgenommen als bei den direkten
Konkurrenten in der Nähe (3 Spezialgeschäfte und ein Atelco.
Die Kaufhäuser und andere PC-Läden waren eh zu teuer).

Das ging eine ganze Zeit so, aber irgendwann hat das Angebot
nachgelassen oder ich bin umgezogen und mir war der Aufwand zu hoch.

Inzwischen gibt es keines der Geschäfte mehr (in der Innenstadt).

Ich werde ganz wehmütig ...
All die (herbstlichen) Nachmittage, die ich in den
Kaufhäusern verbracht habe, wo mich die blinkende Revolution aus
Handhelds, Schachcomputern, 8-Bit Konsolen und Heimcomputern
jahrelang in ihren Bann zog.
Stundenlang Spaß für lau und dann eine Currywurst-Pommes für
3 DM auf dem Heimweg. Schön war's. Die Kaufhäuser heute sind
irgendwie langweilig. Die Computer auch, Evolution statt Revolution.

Aber ich komme ja ganz vom Thema ab ...

Worth2die4 13 Koop-Gamer - 1440 - 12. Oktober 2010 - 8:33 #

warum sollte ich in eine Buchhandlung gehen, wenn ich ein Videospiel kaufen will ?

Man kauft doch auch kein Brot beim Autohändler ..

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 12. Oktober 2010 - 16:03 #

Warum solltest Du in eine Buchhandlung gehen, um einen Regenschirm zu kaufen? Weil es ihn da gibt und er Dir vielleicht gefällt. Es soll sogar Leute geben, die sich Chips an einer Tankstelle oder Kaugummis in einem Zeitungsladen kaufen. Verrückte Welt.

JohnnyJustice 13 Koop-Gamer - 1343 - 12. Oktober 2010 - 16:17 #

Zu dem Thema kann ich sehr sehr viel sagen.

Ich bin gelernter Buchhändler, habe sowohl in kleinen Buchhandlungen als bei großen Ketten (Weltbild, Thalia) gearbeitet.

Ich bin immer wieder wahnsinnig darüber geworden mit was für einer Ignoranz und Überheblichkeit der Buchhandel andere Medien betrachtet, was war das für ein Aufschrei als die ersten DVD's in die Regale gestellt wurden.

Weltbild startet den Versuch mit PS2 und DS Spielen, wenn die Mitarbeite dann aber nicht den Unterschied zwischen DS, PS2 und Xbox 360 erklären können ist das auch unnötig. Buchhandlungen haben nicht den Anspruch (und soweit ich das beurteilen kann auch nicht die Fähigkeit) Spiele zu verkaufen.

Ich habe den Buchhandel vor ca. 6 Monaten verlassen und bin jetzt bei einer großen Kette beschäftigt, die nur Spiele verkauft.

Eine Frau war mit ihrem Mann im Geschäft, sie hatte ein Buch von James Patterson in der Hand. Der kurze Hinweis auf die entsprechende DS-Reihe freute sie sehr, und prompt wurden Konsole und Spiel gekauft.

Den umgekehrten Weg, aus der Buchhandlung in den Spieleladen, halte ich für extrem unwahrscheinlich.
Der Buchhandel stagniert nicht umsonst, ich gönne es ihm von Herzen.

Falconer 13 Koop-Gamer - 1500 - 12. Oktober 2010 - 17:16 #

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen. Wobei insbesondere Weltbild ja mehr auf Schnickschnack setzt, als auf Bücher. Da braucht man eigentlich keine gelernten Buchhändler im Laden. So ein schöner Zimmerbrunnen ist natürlich kulturell viel wertvoller, als ein Videospiel...

JohnnyJustice 13 Koop-Gamer - 1343 - 14. Oktober 2010 - 12:01 #

Hab mich auch des öfteren gefragt wofür ich Bibliographie-Regeln gelernt habe, wenn ich doch nur Zimmerbrunnen und Dampfreiniger verkaufen soll. Wobei man natürlich zugeben muss das einige Produkte wirklich brauchbar sind, was die im Buchhandel zu suchen haben muss man aber auch fragen dürfen.

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