eSport-Turnierserie vorgestellt:

ESL Extreme Masters Report

Wir befinden uns im Jahre 2009 n. Chr. Der komplette elektronische Sport ist von der weltweiten Rezension betroffen…der komplette elektronische Sport? Nein! Ein unbeugsames deutsches Unternehmen hört nicht auf, der Krise Widerstand zu leisten.
André Pitz 12. Oktober 2009 - 12:47 — vor 7 Jahren aktualisiert
In etwa wie im Vorspann könnte man die aktuelle Situation bei Turtle Entertainment beschreiben, die als Betreiberfirma der Electronic Sports League mit ihren Extreme Masters mittlerweile in die vierte Saison startet und damit das Vorzeigeturnier der Szene organisiert.
 
Beginnen wir mit einem Überblick auf die Turnierszene vor der großen Krise: Das Nonplusultra bildeten die großen Drei – die US-amerikanische Cyberathlete Professional League (CPL), der französischen Electronic Sports World Cup (ESWC) und die koreanischen World Cyber Games. Jedes dieser Turniere hatte seine ganze eigene Tradition und Philosophie. Doch mittlerweile existiert von den drei Großen nur noch die WCG.
 
CPL Das amerikanische Urgestein

Die CPL ist ganz klar einer der Pioniere im eSport. Angel Munoz gründete die Cyberathlete Professional League am 26. Juni 1997. Obwohl es der Name vermuten lässt, ist die CPL nie eine richtige Liga gewesen, sondern  veranstaltete nur einzelne Turniere. Anfangs auf die Spiele der Quake-Serie konzentriert, wurde bald auch auf Counter-Strike gesetzt.
"Play Hard. Go Pro.": Ehemaliger Slogan der CPL.
Spiele aus der Unreal-Tournament-Reihe, Call of Duty und Doom wurden ebenfalls aufgegriffen, brachten es aber nur zu wenigen Gastauftritten. Über zehn Jahre lange stand die CPL für gut organisierte Turniere mit der Crème de la Crème aller Teams. Pro Event wurden fünfstellige Beträge an Preisgeld ausgeschüttet. Den Gipfel erklommen die Amerikaner 2005 mit der CPL World Tour. Die Turnierserie tourte quer über den Erdball und machte in neun Ländern halt. Gespielt wurde Painkiller im Duell-Modus. Mit einem Preisgeld von insgesamt einer Million US-Dollar konnte man sogar MTV auf sich aufmerksam machen, die das große Finale live im Fernsehen übertrug. Nach der hochgelobten World Tour geriet die CPL in Schwierigkeiten. Mit dem Verlust des Hauptsponsors Intel konnte man im Folgejahr keine Welttournee mehr auf die Beine stellen. Ein neuer Versuch wurde zwar 2007 gestartet, doch aufgrund eines Sponsorendeals mit Publisher Vivendi Games musste unter anderem auf das kaum gespielte World in Conflict gesetzt werden. Das Interesse der Fans und Spieler blieb aus, und nachdem Gerüchte über nicht ausgezahlte Preisgelder in der Szene die Runde machten, stellte die CPL im Februar 2008 ihren Betrieb ohne Vorwarnung ein.
 
WCG – die Olympischen Spiele des eSport

Die World Cyber Games sind laut eigener Aussage der weltweit größte eSport-Event, und das bereits jährlich seit 2000. Für die Organisation zeigt sich seit der Gründung der koreanische Konzern Samsung verantwortlich, der dem Event einen olympischen Charakter aufdrückt. Jede teilnehmende Nation stellt eine Nationalmannschaft, die durch eine vorangestellte Qualifikation ermittelt wird. Nach dem olympischen Vorbild finden die World Cyber Games jedes Jahr in einer anderen Stadt statt, die sich ebenfalls im Vorfeld ausführlich bewerben muss. Letztes Jahr durfte die Stadt Köln das Turnier ausrichten. In diesem Jahre ist die Wahl auf das chinesische Chengdu gefallen. In Sachen Preisgeld sind die WCG seit Beginn auf einem hohen Niveau. Angefangen hat es mit insgesamt 200.000 US-Dollar, mittlerweile kämpfen die Nationen um eine Gesamtsumme von über 400.000 US-Dollar. Dauerbrenner des Nationenwettstreits sind Counter-Strike, Starcraft, Warcraft 3 und Fifa. Unreal Tournament, Age of Empires und Quake standen ebenfalls schon mehrmals auf der Liste.
 
ESWC – die spielerfreundliche WM

Der Electronic Sports Worldcup wurde oft "Weltmeisterschaft des eSports" genannt. Ab dem Jahre 2003 stand der ESWC für hochklassige Events mit stabilen Preisgeldern, die sich immer auf eine Gesamtsumme von etwa 200.000 US-Dollar beliefen. Sowohl die Spieler als auch die Zuschauer zeigten sich größtenteils mit der zuverlässigen französischen Organisation zufrieden, die Events und Turnierspiele waren immer auf die Wünsche der Community zugeschnitten. Auch in diesem Wettbewerb wurden über nationale Qualifikationsturniere die Vertreter der teilnehmenden Nationen ausgespielt. Die Disziplinen setzen sich aus den üblichen Verdächtigen zusammen: Counter-Strike, Warcraft 3, Quake und Unreal Tournament sind nahezu regelmäßige Turnierspiele. Dazu gesellen sich zum Beispiel Pro Evolution Soccer oder Trackmania Nations, von dem es sogar eine speziell für den ESWC entwickelte Version gibt. Da hinter dem Electronic Sports World Cup kein großer Konzern wie Samsung stand, waren die Organisatoren immer von Sponsorengeldern abhängig. Diese Abhängigkeit führte den ESWC letztendlich in die Pleite: Im April 2009 verebbte der Geldfluss, und die Betreiber mussten Insolvenz anmelden.

Volles Haus auf dem ESWC 2008. In 2009 ging der Electronic Sports Worldcup pleite. (Foto: Fragster.de)
Rondrer (unregistriert) 13. Oktober 2009 - 13:43 #

Interessanter Artikel, auch wenn mich das Thema nicht so wirklich anspricht. Aber gerade deswegen war es interessant mal so eine Art Zusammenfassung zu lesen.
Ganz durchgeblickt hab ich zwar nicht, insbesondere bei den Aufzählungen mehrerer Teams und wer dabei jetzt welche Disziplin spielt, aber das ist für mich eh nicht so wichtig.

Auf jedenfall Daumen hoch und gerne mehr davon ;D

fragpad 13 Koop-Gamer - P - 1459 - 13. Oktober 2009 - 20:59 #

Bin etwas zwiespältig - erste Seite ist richtig gut und schade ist das Du Dich danach nur noch auf die Extrem Masters konzentriest und etwas zu viel Plazierungen/Zahlen bringst. Ein kurzer Blick rüber nach Korea oder China hätte ich sehr gut gefunden oder auch nen Überblick über die kleineren Ligen und Tuniere.
Aber das kann ja noch kommen :)

André Pitz 15 Kenner - 2976 - 13. Oktober 2009 - 21:08 #

In der Hinsicht anderen Turniere/Ligen und der eSport in anderen Ländern habe ich schon etwas in Planung, keine Angst ;) Hätte ich so etwas auch noch mit in den Artikel gepackt, wäre er einfach viel zu lang geworden.Hier lag mein Fokus auf den Extreme Masters, da die im Moment einfach das Maß der Dinge bilden.

Stefan Schmitt 12 Trollwächter - 984 - 15. Oktober 2009 - 17:03 #

eSport-Turnierserie vorgestellt:
ESL Extreme Masters

Habe bei dem Titel nichts anders erwartet.

Sebastian Conrad 16 Übertalent - 4740 - 14. Oktober 2009 - 8:32 #

Toller Bericht. Bin selber eSport-Fan und weine immer noch unserer verpassten Chance nach bei den Europameisterschaften der Clanbase anzutreten. Haben damals n Spring-Cup gewonnen und kamen so in den Pool für die Wildcard. Das waren damals schöne Zeiten in Beben 3 :)

Christian Korndoerfer 14 Komm-Experte - 2103 - 15. Oktober 2009 - 11:17 #

schöner artikel, sehr informativ für leute die sonst weniger mit dem thema zu tun haben könnt ich mit vorstellen. gibt auf jedenfall nen stimmiges gesamtbild über die szene ab. für "insider" natürlich wenig neues, aber dafür isses ja auch nicht gedacht :)

Stefan Schmitt 12 Trollwächter - 984 - 15. Oktober 2009 - 17:03 #

Als jemand, der selbst in der eSport-Szene aktiv ist, kann ich sagen: Sehr guter Artikel.

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