Blutiger Albtraum

Dante's Inferno Report

Mit Dead Space betrat EA Redwood Shores die Bühne der Horror-Action. Dass man sich dort wohl fühlt, zeigt nicht nur der neue Name des Studios, Visceral Games ("Eingeweide"- oder "aus dem Bauch"-Spiele). Auch Dante's Inferno präsentiert sich als wahr gewordener Albtraum. Wir wagten auf der E3 den Abstieg in die Hölle.
Armin Luley 4. Juni 2009 - 2:25 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Wir sagen es gleich vorweg: Wir wissen nicht, ob das Spiel jemals in dieser Form in Deutschland erscheinen wird. Während in Dead Space vor allem auf Mutanten geschossen wurde, packen die Kalifornier in ihrem neuen Titel so ziemlich alles aus, was man bei uns nicht machen sollte. Erschreckend missgestaltete, menschliche Gegner, Unmengen an Pixelblut und unschöne Tötungsweisen -- das erwartet den Spieler in Dante's Inferno. Was wir auf der E3 bei einer Präsentation hinter verschlossenen Türen zu sehen bekamen, deckt so ziemlich den ganzen Bereich des Ekelspektrums ab. Unser Vorführer ist Visceral Games' Jonathan Knight, der mindestens so grimmig gucken kann wie der durchschnittliche gehörnte Dämon im Spiel...


Altehrwürdige Geschichte

Dante Alighieris Göttliche Komödie war bislang eher bekannt als Alptraum für Latinisten. Doch das Buch des Italieners prägte für Jahrhunderte die europäische Vorstellung der Hölle. Demnach ist die Unterwelt aufgebaut in mehrere Kreise, die sich grob nach den Todsünden gruppieren. In ihnen erhalten die verdammten Seelen bis zum jüngsten Tag ihre rechtmäßige Strafe für ihre Schandtaten. Dante durchwandert in seinem Werk jeden dieser Kreise und trifft allerorten auf bekannte Gesichter der Weltgeschichte.

Bevor ihr jetzt beim Gedanken an staubige, verschwurbelt geschriebene Werke der Weltliteratur in Panikattacken ausbrecht: Mit dem Inhalt des Buches beim Spiel verhält es sich ungefähr so wie beim Anteil von Seelachs in Fischstäbchen. Man sagt uns zwar immer, es sei drin, man kann es aber nicht so wirklich erkennen. So verirrt sich unser Held Dante auch nicht einfach so in die Hölle, sondern er ist auf der Suche nach seiner geliebten Beatrice, die ihm niemand geringeres als Luzifer selbst weggenommen hat. So begibt er sich wie einst Orpheus auf die Suche nach seiner Eurydike. Auf einen freundlichen Empfang braucht er gar nicht erst zu hoffen.

Die Gegend lädt nicht gerade zum Picknick ein. Doch nach Brunchen steht Dante sowieso nicht der Sinn, er sucht seine Geliebte Beatrice. Die wartet im Zentrum der Hölle auf ihre Rettung vor Satan.



Kein schöner Land

Wir starten mit Dante auf dem Weg zur ersten Höllenebene namens Limbo. Dafür müssen wir zuerst den Fluss Acheron überqueren, der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten markiert. Die Optik des Spiels erinnert hier ein wenig an Oblivion. Angefangen bei der Darstellung des Helden bis hin zur Spielwelt, die stark an die Totenländer erinnern, gibt es optische Ähnlichkeiten zu Bethesdas Rollenspiel. Etwas weniger klassisch sind Dantes Arbeitswerkzeuge. Neben dem Heiligen Kreuz besitzt er als eine Art Allzweckwaffe, eine Riesensense. Dank eingelassener Kette kann er sie nach Gegnern werfen und sie sich umgehend wieder zurückholen. Außerdem dient es gleich zu Beginn des Spiels zu noch ganz anderen Dingen. Dante entert einen etwa fünfmal so großen, zweibeinigen Dämon, den er zuerst in einem heftigen Kampf gefügig gemacht hat, und lenkt ihn mit Hilfe seines Mähwerkzeugs quasi als Reittier. Wir stapfen mit dem Dämon auf ein "Boot", das uns auf die andere Seite von Acheron bringen soll. Während der Fahrt bemerken wir, dass das "Boot" einen... Kopf hat. Dass es lebt! Schnell reißen wir den großen Kopf ab und werfen ihn ins Wasser.
König Minos, Richter der Toten, erster Zwischengegner.
Anschließend klettern wir mit „unserem“ Dämon zwei Brückenpfeiler hinauf, wobei unser Klettern ganze Stücke aus ihnen herausreißt. Der Dämon springt auf die bestimmt hundert Meter hohe Brücke, rennt sie entlang, während sich hinter und unter ihm alles immer schneller auflöst. Dank unserer Sense gelingt uns der rettende Sprung ans andere Ende. Alles geht während der Demonstration sehr schnell und ist noch sehr verwirrend. Doch wir sind eindeutig im äußersten Kreis der Hölle angelangt, Limobo. Aus den Wänden ragen zappelnde Leiber. Ein Erzähler hilft uns mit der Einführung, während wir uns an einer grünen Quelle für Lebenspunkte regenerieren.


Dicke Gegner

Normalerweise würde man sich an dieser Stelle länger durch Limbo tasten und kämpfen, bis man zum nächsten Großgegner kommt. Für die Präsentation macht Jonathan Knight jedoch gleich einmal einen großen Sprung, und wir landen bei der ersten richtig heftigen Herausforderung. Groß ist dabei wörtlich zu nehmen. König Minos, früher bekannt als "der mit dem Labyrinth auf Kreta", ist eine Art steinerner Gigant mit einem Schlangenschwanz. Er ist ungefähr zehnmal so groß wie wir und will uns ganz offensichtlich ans Leder.

Der frisch veröffentlichte E3-Trailer zu Dante's Inferno zeigt euch, wo ungefähr die Reise hin geht.

Das Kampfsystem bezeichnen die Entwickler gerne als „fast-paced, responsive fighting system“, oder zu Deutsch, etwas vereinfacht: Action pur! Ihr drückt die Knöpfe, und das Programm spielt die passende Kampganimation dazu ab. Im Auge behalten sollte man dabei immer seine beiden Leisten: grün für Leben, blau für unsere heilige Energie, sprich Mana. Bosskämpfe scheinen meist nach demselben Prinzip zu funktionieren: Der eigentliche Boss steht immer irgendwo am Rand und greift nur ab und zu an. Um sich herum hat er mehrere Helfer schwirren, die sich regelmäßig auf euch stürzen. Erst wenn ihr die ausgeschaltet habt, könnt ihr euch dem eigentlichen Bösewicht widmen. So geht das meist eine Weile hin und her, bevor dann die Endattacke des Bossgegners kommt.

Dante bearbeitet also mit der Sense den riesenhaften Minos im Gesicht, am Unterleib, einfach überall. Plötzlich erscheinen kleine "Kinder", mit Messerschneiden anstelle von Armen, und greifen uns an. Auch ein gehörnter Teufel traut sich heran, kann von uns jedoch besiegt werden. Minos schlägt immer wieder mit seinen mannsgroßen Pranken nach uns und lässt dabei alles erzittern. Ab und zu attackiert er auch mit seinem Schlangenschwanz, einmal lässt er einen Art Eiseshauch aus seinem Mund fahren, Dante rettet sich mit einem beherzten Sprung. Nach mehreren Angriffen liegt Minos endlich am Boden und zieht nur noch Stück für Stück seinen massigen Körper in unsere Richtung: Er will's nochmal wissen! Doch bald endet er auf extrem blutige Weise an einem Höllenrad mit großen Metallspitzen, Gesicht voran.

Spätestens hier verhärtet sich unser Eindruck, dass man sich bei den Kollegen von God of Wars hat kräftig inspirieren lassen. Der Stil des Spiels, das ganze Szenario, die Vermengung von mythologischen Themen und ausufernden Gewaltdarstellungen, überdimensionierte Bossgegner -- das alles erscheint doch sehr vertraut. Vielleicht lauert Kratos doch noch hinter irgendeiner Ecke?

Ein bißchen wie in Shadow of the Colossus, und stark wie in God of War: Riesige Gegner, auf den wir rumspringen und raufklettern können. Anders als im PS2-Klassiker Colossus weinen wir diesen Gegnern aber garantiert keine Träne hinterher.


M@rlon 12 Trollwächter - 984 - 4. Juni 2009 - 8:56 #

Ob das Spiel jetzt viel von anderen Titel kopiert wäre mir
egal, so lange die Qualität und vor allem der Spielspass stimmt.
Und wie ich finde kommt das in dieser Vorschau für mich persönlich
interessant rüber. Ich freu mich drauf.

Robert Stiehl 17 Shapeshifter - 6035 - 4. Juni 2009 - 9:44 #

Die Magazin-Artikel bei GG.de sind wirklich allererste Sahne!

Phin Fischer 16 Übertalent - 4076 - 4. Juni 2009 - 16:22 #

Ja :) Vorallem der Sarkasmus:
"Kleine verstümmelte Kinder als Gegner: das wird die USK freuen"

gnal 12 Trollwächter - 1079 - 4. Juni 2009 - 12:59 #

Zumindest die Idee+Ausführung vom E3-Guerilla-Marketing ist großartig!
(die Marketingabteilung ist bekanntlich die kompetenteste und beste bei Electronic Arts)
"cheat codes won't save your soul"
-> http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-43085.html

l étranger 09 Triple-Talent - 294 - 25. Januar 2010 - 20:43 #

Verkürzt wieder mal, nach Darksiders, die Wartezeit auf God of War 3.
Ich liebe Hack & Slay, wenn's gut gemacht ist: Devil May Cry und Darksiders waren super, außer Bayonetta das mochte ich überhaupt nicht. Freu mich auch schon auf das neue Castlevania^^

Naja Dante's Inferno sieht auf jeden Fall gut aus und macht einen guten Eindruck, der Report trägt seinen Teil dazu bei!

Hab's vorbestellt, wundere mich zwar das Amazon jetzt Uncut-Spiele verkaufen darf, wenn die USk sagt: "Deutschland nein bzw. wenn dann nur gekürzt".
egal das erspart mir den AT-Import!

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