Action-RPG mit Extrem-Tiefgang

Alpha Protocol Report

Im Herbst dieses Jahres möchte Obsidian Entertainment zusammen mit Publisher Sega ein neues Kapitel in der Geschichte der Agenten-Spiele aufschlagen. Alpha Protocol verbindet actionreiches Gameplay mit Rollenspiel-Elementen. Wir konnten auf der E3 einen Blick auf das Spiel werfen.
Armin Luley 5. Juni 2009 - 18:59 — vor 7 Jahren aktualisiert
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Metal Gear Solid, Splinter Cell, Velvet Assassin, The Saboteur... wieso braucht die Welt ein weiteres Agentenspiel wie Alpha Protocol? Weil Entwickler Obsidian Entertainment hauptsächlich bekannt ist für seine Rollenspiele wie Neverwinter Nights 2. Demnach legen die Kalifornier bei der Entwicklung ihres Spionage-RPGs auch andere Schwerpunkte. Segas Tim Ernst und Matthew Rorie von Obsidian Entertainment begleiteten uns in Los Angeles auf dem Weg durch die Welt von Alpha Protocol.
Matthew Rorie von Obsidian Entertainment.


Mein Name ist nicht Bond!

Alpha Protocol ist ein reines Singleplayer-Spiel und erzählt die Geschichte des Agenten Michael Thorton. Thorton ist noch recht neu im Gewerbe, aber bereits an vorderster Front im Einsatz. Alle Fans von Mission: Impossible erinnern sich mit Sicherheit an den schönen Satz "Sollten Sie oder einer ihrer Mitarbeiter bei der Ausführung gefangen oder getötet werden, wird der Minister jegliche Kenntnis von der Operation leugnen". Genau das bedeutet es, wenn ein Agent wie Thorton unter dem Alpha Protocol arbeitet. Keine Kavallerie also, die einen im Notfall heraushaut, Thorton muss mit allen Problemen alleine fertig werden. Im Zweifelsfall könnte ihm sowieso niemand helfen, denn er hat es mit einer terroristischen Verschwörung globalen Ausmaßes zu tun, die nur er allein stoppen kann.

Wie bei Spielen mit Agententhematik heute üblich, gibt es in der Welt von Alpha Protocol weder eindeutig gut noch böse. Sie ist durchgängig grau, in verschiedensten Schattierung, und selbst die vermeintlich Guten werfen lange Schatten. Maßgeblich verantwortlich für die Handlung ist Obsidians Creative Director Chris Avellone, auf dessen Designer-Konto nicht zuletzt Planescape: Torment geht. Ziel der Obsidians ist es, nicht einfach nur ein action-orientiertes RPG abzuliefern, sondern das ganze auch noch mit einer spannenden, nicht-linearen und abwechslungsreichen Handlung zu unterfüttern.

Nicht sehr subtil, aber effizient: Gegner mit Handgranaten ausschalten und dann weiterschleichen.

Mehr als eine Actionhatz

Rollenspiel bedeutet immer auch Charakterentwicklung. Durch den vorgegebenen Helden Michael Thorton ist die Auswahl aber bereits im Vorfeld etwas eingeschränkt. Zumindest könnt ihr das Äußere eures Agenten leicht modifizieren (Bärte, Brille). Bei der Ausgestaltung der Charakterwerte habt ihr dagegen freie Hand. Es gibt neun Talentbäume, auf die ihr bei Stufenaufstieg eure Punkte verteilen könnt: Pistolen, Maschinenpistolen, Schrotflinte, Sturmgewehre, Martial Arts, Sabotage, Technische Fähigkeiten, Zähigkeit und Schleichen. Der Fertigkeitenbildschirm erinnert an Mass Effect, mit kleinen Kästchen nebeneinander, die man langsam füllt. Bestimmt Kästchen bringen nicht nur eine Verbesserung des Skills, sondern geben euch Sonderfähigkeiten, wie etwa den "Room Sweep" für die Shotgun. Mit dieser Fertigkeit feuert die Flinte wie eine Sturmgewehr und Thorton kann in kürzester Zeit mehrere Gegner ausschalten.

Das Interface unterteilt sich in Inventar, Geheimdienstinformationen und den Service Record. Letzerer beinhaltet die Infos über Charakterfertigkeiten und Talente. Was auffällt, ist das mächtige Inventar, das bei Waffen nochmals unterteilt wurde in Waffenläufe, Zielhilfen und ähnliches. Waffen können in Alpha Protocol nämlich aufgerüstet werden. Alternativ kann man sie auch upgegradet von Schwarzhändlern erwerben. Unter den Geheimdienstinformationen findet ihr, ähnlich wie in einem Polizeicomputer, verschiedene Dossiers zu Leuten, die man im Laufe des Spiels kennen lernt. Dort wird aufgelistet, was diese Personen mögen oder nicht mögen. Das ist wichtig für den Umgang mit potentiellen Informanten und Verbündeten. Je nachdem wie vollständig das Dossier ist, können durchaus auch mal wichtige Informationen fehlen.

Ein Spiel für Alphatiere

Alpha Protocol verlangt euch sehr oft Entscheidungen ab. Das sieht man beispielsweise am (vollvertonten) Dialogsystem, das ebenfalls starke Ähnlichkeiten zu Mass Effect aufweist. Stets werden euch mehrere Reaktionsmöglichkeiten vorgegeben. Ob ihr schmeichlerisch sein wollt, aggressiv gewalttätig oder eher neutral zurückhaltend, es liegt in eurer Hand. Aber Vorsicht: Die Zeit für Reaktionen ist begrenzt und einmal getroffene Entscheidungen unumkehrbar. Wer es verpasst, eine Wahl zu treffen, muss mit der festgelegten Standardreaktion leben. Diese Entscheidungen können sich auf den späteren Verlauf auswirken. Behandelt ihr einen Informanten gut, rückt er im späteren Verlauf bereitwilliger mit den benötigten Hinweisen heraus. Tun wir das nicht, können wir ihm alternativ zwar immer noch mit der guten Kopf-auf-Tischkante-Methode die Antworten entlocken, haben uns gleichzeitig aber einen Feind fürs Leben geschaffen.

Unsere Beispielmission (auf der E3 gefilmt) zeigt unter anderem Nah- und Fernkämpfe, Inventar und Dossiers sowie einige Minispiele.

flow7 (unregistriert) 6. Juni 2009 - 14:24 #

danke guter artikel! freu mich sehr auf das game.

malcolmY 09 Triple-Talent - 292 - 6. Juni 2009 - 15:35 #

"Mass Effect" hab ich schon von den Screenshots her gedacht, ohne eine Zeile Text gelesen zu haben. Mir soll's recht sein, solche Spiele kann's nicht genug geben!

Obsidian hat doch auch Kotor2 gemacht, oder?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 324529 - 6. Juni 2009 - 22:22 #

Zu Mass Effect gibt es tatsächlich Parallelen, etwa das Gesprächssystem, wo man unter Zeitdruck eine Antwort auswählt (ansonsten wird die "neutrale" Antwort genommen).

Auch das Skill-System (einerseits prozentuale Verbesserungen pro Level, aber immer wieder auch Freischalten neuer Fähigkeiten) sowie das Verbessern der Waffen mittels "Gadgets" erinnert doch sehr an Mass Effect.

Das wiederum hat sich viel bei KotOR abgeschaut, da schließt sich der Kreis.

Aber Alpha Protocoll -- ich habe länger mit den beiden Präsentatoren gesprochen -- wird glaube ich wirklich nochmal einen drauflegen, was die Auswirkung der Spielerentscheidungen im späteren Verlauf anbelangt.

flow7 (unregistriert) 6. Juni 2009 - 16:02 #

Ja Kotor 2 und Neverwinter Nights 2 eben!

Beides gute Spiele wie ich finde.

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 6. Juni 2009 - 16:55 #

Ich fand KotOR2 inhaltlich sogar sehr gut. Eindeutig eine Avellone-Story. Leider eben spürbar unfertig. Etwas mehr Entwicklungszeit hätten dem Teil gut getan und dann hätte es auch nicht so viele Beschwerden gegeben. Mal sehen, was Team Gizka noch rausholen kann.

Alpha Protocol hab ich anfangs ein wenig skeptisch gesehen. Es hat mich nicht sofort angesprochen. Mit der Zeit hat sich meine Meinung inzwischen geändert und bin gespannt, was Obsidian aus dem Setting raus holt. Avellone hat ein gutes Händchen für Storys, auch wenn Planescape wohl auf ewig unübertroffen sein wird. Aber da hat er nicht allein daran gearbeitet und der Markt war auch noch ein anderer. Mit den vorgestellten Features bin ich zuversichtlicher geworden, daß das Spiel auch für den "klassischen" Rollenspieler genug Unterhaltungspotential bietet. Man spürt doch, daß die Obsidians gestandene Rollenspiel-Spezialisten sind und auch dem Stammpublikum immer etwas bieten können.

Tim Gross Freier Redakteur - 23836 - 8. Juni 2009 - 23:32 #

Da muss ich jetzt kurz meinen Senf dazugeben. KotOR 2 war von der Story her ganz nett, aber auf keinen Fall sehr gut. Ich glaube jeder, ich schließe dich jetzt mit ein, der den ersten Teil gespielt hat, wird ihn besser als das Sequel finden. Besonders wegen der Story. Das musste kurz gesagt werden.

Armin Luley 19 Megatalent - 13655 - 9. Juni 2009 - 21:31 #

Ich bekenne freimütig, daß mir die BIS/Obsidian-Herangehensweise an Rollenspiele wesentlich besser gefällt als die von BioWare. Das ist meine vollkommen subjektive Meinung. Icewind Dale und Planescape waren bessere Spiele als Baldur's Gate, Neverwinter Nights 2 besser als 1 und KotOR2 in den Ansätzen wesentlich interessanter als KotOR1. Die Technik lasse ich mal außen vor, die war bei KotOR und NWN leider ein Graus. trotzdem mochte ich sie inhaltlich wesentlich lieber. Ich gebe gerne zu, daß meine Meinung nicht mehrheitsfähig ist. ;)

BioWare macht auch gute Spiele, die finden auch eindeutig mehr Fans, aber ich finde diese Geschichten immer vergleichsweise unpersönlich, beziehungsweise der Hauptcharakter hat für meinen Geschmack zu wenig Profil. BioWare-HCs sind oft viel weniger festgelegt als die von Obsidian und der Spieler muss den Charakter alleine mit Inhalt füllen. Ich hab aber nichts dagegen, wenn es einen gewissen Rahmen gibt.

Vanguard 13 Koop-Gamer - 1264 - 8. Juni 2009 - 18:30 #

Ging mir ähnlich. Anfangs war ich auch nicht so begeistert aber inzwischen bin ich sehr gespannt auf das Spiel.
Und ich hoffe, das Obsidian dann mal etwas aus dem Schatten von BioWare heraustreten kann.

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