Tyranny Preview

E3 2016: Ein Guter unter den Bösen

Benjamin Braun / 22. Juni 2016 - 0:00 — vor 47 Wochen aktualisiert
Steckbrief
LinuxMacOSXPC
Rollenspiel
Gruppen-RPG
ab 16 freigegeben
16
Obsidian Entertainment
Paradox Interactive
10.11.2016
Link
Amazon (€): 33,04 (PC)
Preview
Kaum hatten die Macher von Pillars of Eternity ihr Baldur's-Gate-esques Rollenspiel veröffentlicht, kündigten sie gleich einen weiteren Titel an, der in dieselbe Kerbe schlägt. Wir haben das Abenteuer auf der E3 angespielt und verraten euch, ob Obsidian Entertainment Freunde klassischer Party-Rollenspiel erneut verzücken kann.
Tyranny ab 33,04 € bei Amazon.de kaufen.
Klassische Rollenspiele sind wieder in Mode. Mit verantwortlich für den Boom, der zuletzt mit Pillars of Eternity (Test: Note 8.5) oder Wasteland 2 (Test: 8.5) zwei besonders gute Titel auf PC und Konsole spülte, war die 2012 veröffentlichte Enhanced Edition eines wahren RPG-Klassikers: Baldur's Gate. Obsidian Entertainment werkelt bereits seit längerem fleißig an einem weiteren Party-Rollenspiel mit Iso-Perspektive. Obwohl es erst im Rahmen der GDC im März enthüllt wurde, soll es noch dieses Jahr fertig werden. Wir haben Tyranny auf der E3 für euch angespielt und sind uns jetzt schon sicher, dass besonders Baldur's-Gate-Fans auf ihre Kosten kommen werden.

Kyros hat obsiegt

Gut und böse, schwarz und weiß; in Rollenspielen werden oft simple Trennlinien gezogen. In Tyranny soll das etwas anders sein. Anders ist in jedem Fall, dass das Böse in Obsidians Rollenspiel eigentlich bereits gewonnen hat. Herrscher Kyros kann tun und lassen, was er will und muss auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen. Aber er tut es dennoch, denn nur mit Gewalt glaubt der Herrscher, wird er seine Machtposition nicht auf Dauer verteidigen können. Die Entscheidungen, um das Gleichgewicht in der mythischen Welt zu wahren, überlässt Kyros den sogenannten Fatebindern, die Obsidian mit Judge Dredd vergleicht. Nein, die sehen nicht aus wie Sylvester Stallone. Ein Fatebinder ist bloß wie Dredd ein Vertreter der Judikative und der Exekutive zugleich. Unsere Hauptfigur ist ein solcher Fatebinder und muss bei allen Entscheidungen stets abwägen, welche Auswirkungen sein Handeln hat.

Du hast die Wahl

Ähnlich wie in Pillars of Eternity stehen uns in Quests und Dialogen stets diverse Optionen zur Verfügung. Damit lösen wir, die entsprechenden Skills, Charakterwerte oder das notwendige Hindergrundwissen vorausgesetzt, aber nicht nur Einzelsituationen anders und beenden einen Konflikt etwa kampflos statt mit Waffengewalt. Mit unseren Entscheidungen sollen wir auch den Verlauf und den Ausgang der Handlung maßgeblich beeinflussen.

Abhängig von unseren Entscheidungen sieht auch die Spielwelt mancherorts ganz anders aus als sonst.
Die Story soll nämlich diverse Abzweigungen aufweisen und stark nicht-linear verlaufen – inklusive größeren Änderungen in der Spielwelt. Da wechseln Städtenamen, bei der einen Entscheidung können wir ein Dorf frei betreten, bei einer anderen riegeln Wachen den Ort hermetisch von der Außenwelt ab. Stellen wir uns mit unseren Entscheidungen quasi direkt gegen Kyros, dürfte naheliegen, dass wir schon bald als Ausgestoßener von unseren eigenen Leuten gejagt werden – oder aber gleichdenkende Verbündete unter ihnen finden.

Die Entscheidungen beeinflussen dann auch unser Ansehen bei den verschiedenen Interessensgruppen in den Dörfern und Siedlungen wie dem vom Namen her nicht unbedingt verlockenden Bastard City. Zumindest der Beschreibung Obsidians nach, ist die Spielwelt und das Verhalten der NPCs also deutlich dynamischer, als das noch in Pillars of Eternity der Fall war.

Alles braucht eine Regel

Anders als Pillars of Eternity, das ein stark abgewandeltes Regelkonstrukt nach Vorbild von Dungeons & Dragons nutzt, löst sich Tyranny stärker davon. Grundsätzlich wirkt aber vieles am Spielsystem vertraut: Unsere Hauptfigur und seine bis zu drei Party-Mitstreiter verfügen über sechs Grundattribute. In den Skilltrees wählen wir unter diversen Skills aus, die Kampf-, Unterstützungs- und Magie-Fertigkeiten umfassen. Auf diese Weise bilden wir uns ein möglichst ausgeglichenes Team, das feste draufhauen, sich selbst aber im Notfall auch heilen kann, um nicht zu schnell aus den Latschen zu kippen.

Die Wirksamkeit der freigeschalteten Skills hängt zwar auch von den Charakter-Werten ab, verbessert sich aber gleichzeitig so ähnlich wie in der Elder Scrolls-Reihe nach dem Learning-by-doing-Prinzip. Feste Klassen gibt es dabei nicht, ihr könnt also praktisch jeden Mitstreiter zu einem Magier oder Kämpfer machen beziehungsweise typische Klassen-Skills frei nach Schnauze miteinander mixen.
Anzeige
Gekämpft wird viel in Tyranny. In den Dialogen haben wir aber oft die Möglichkeit, eine gewaltfreie Lösung für einen Konflikt zu finden.
Benjamin Braun Redakteur - 301947 - 21. Juni 2016 - 12:50 #

Viel Spaß beim Lesen!

Noodles 22 AAA-Gamer - P - 34164 - 22. Juni 2016 - 1:07 #

Das Spiel klingt interessant, auf das Kampfsystem hab ich aber überhaupt keine Lust und somit ist das Spiel leider nix für mich.

Drugh 15 Kenner - P - 3012 - 22. Juni 2016 - 5:27 #

Klingt spannend, die Welt erscheint recht düster und dräuend, jedoch habe ich noch Wasteland 2, Pillars und Shadowrun Hongkong vorher auf der Liste. Da wird sich die Tyrannei hinten anstellen müssen.

Iceblueeye 15 Kenner - P - 2782 - 22. Juni 2016 - 7:20 #

Ich hab mir kürzlich auf GOG jede Menge RPG's geholt und muss jetzt schauen die erstmal zu spielen und auch zu beenden:-) aber grundsätzlich ist Tyranny schon heute ein Pflichtkauf für mich.

Harry67 14 Komm-Experte - P - 2548 - 22. Juni 2016 - 7:27 #

Interessant, sieht eigentlich auch gut aus. Was mir fehlt: Ein Coop Modus wie in Divinity - Original Sin, das zu zweit extrem viel Laune gemacht hat.

densetsu268 12 Trollwächter - P - 1044 - 22. Juni 2016 - 22:35 #

Ich empfinde den "fehlenden" KoOp-Modus nicht als Mangel. Dafür kommt ja auch D:OS 2 raus :)

Vidar 18 Doppel-Voter - 12580 - 22. Juni 2016 - 8:27 #

Nur 20 Stunden lang? Sind da die Nebenquests schon mitgerechnet oder ist das nur für die Hauptquest veranschlagt?

Mein brauch nicht unbedingt 50-100 Stunden RPG aber 20 Stunden kommt mir dennoch etwas wenig vor. Auch weil man meistens unter der angegebenen Spielzeit liegt.

densetsu268 12 Trollwächter - P - 1044 - 22. Juni 2016 - 22:32 #

Das habe ich auch gedacht. Kann mir nicht so recht vorstellen, dass da die Nebenquests mit drin sind...

h3nn1ng 14 Komm-Experte - 2151 - 22. Juni 2016 - 8:37 #

Sieht sehr gut aus. Danke für die Preview.

Hyperlord 15 Kenner - P - 3178 - 22. Juni 2016 - 8:57 #

Total interessant für mich, freue mich schon auf den GG Test :-)

Kirkegard 19 Megatalent - 15723 - 22. Juni 2016 - 9:07 #

Die Kämpfe haben mich persönlich in PoE so genervt das ich es (obwohl gebacken) nicht durch gespielt habe.
Das Setting klingt spannend, wenn es konsequent mit Entscheidung/Auswirkungen umgesetzt wird. Also nicht wie bei Telltale ;-)
Aber das Kampfsystem, nee danke.

Olipool 16 Übertalent - 4050 - 22. Juni 2016 - 9:35 #

Ich würde mir ja mal wünschen, dass ein Party-RPG eine Party auch für die Story benutzt und nicht nur damit strategischere Kämpfe möglich sind. Wenn sich die Beziehungen der Charaktere mal so wie in einer TV-Serie über die Zeit entwickeln würde inkl. gemeinsamer Vergangenheit, Freundschaft, Verrat, Trennung, Versöhnung etc.
Die Kontrolle über alle Charaktere mag ganz wünschenswert sein für einige, aber mir ist das zu fummelig, ich würde gerne NUR mich spielen, von mir aus auch die Party führen (vielleicht nachdem ich über mehrere Quests meine Fähigkeiten unter Beweis gestellt habe und endlich zum Führer gewählt werde?). Aber die anderen sollen schon ihr Eigenleben behalten. Muss natürlich im Kampf gut funktionieren. Aber ich glaube, wenn das Spiel das von Beginn an kommuniziert, dass die anderen Chars eben Eigenheiten haben und man sie nicht steuern kann, dann akzeptiert man auch eine schwache Leistung im Kampf. Zumal ja ein solch schlecht kämpfender Charakter nach dem Kampf sagen könnte:"Ich weiß, ich kann mit euch nicht mithalten. Ich gebe immer mein bestes aber ich merke, ich falle euch zur Last. Am besten verlasse ich die Gruppe und erlebe meine eigenen Abenteuer." Wer würde dann im folgenden nicht auswählen "Nein nein, bleib ruhig da!" Insbesondere, wenn der schwache Charakter der Vater der besten Bogenschützin ist etc.
Ich glaube mich zu erinnern, dass im Stay Forever-Podcast mal von so etwas bzgl. Baldurs Gate die Rede war, kann das jemand bestätigen oder kennt ein Spiel, dass so etwas macht?

Maryn 13 Koop-Gamer - 1285 - 22. Juni 2016 - 14:58 #

Baldurs Gate benutzt die Party ja nun sehr wohl für die Story. Die modernen, geistigen Nachfolger kenne ich in dieser Hinsicht noch nicht.

Ein Gruppenrollenspiel mit nur einem selbst gesteuerten Charakter stellt die Entwickler aber vor Probleme. Zum einen müsste die KI der Gruppenmitglieder sehr gut sein, damit man die Kämpfe schaffen kann. Bzw. man müsste es so balancen, dass man nur durch sein eigenes Verhalten den Kampf schafft oder nicht. Da kann man ja gleich ein Einzelheld-Rollenspiel machen.
Andernfalls müssten die Kämpfe mit guter und schlechter KI machbar sein, und dann wären die Kämpfe sicher tendenziell zu einfach.

Das einzige, was mir zu deinem Wunsch einfällt, ist, sich selbst in Gruppenrollenspielen KI-Skripte zu schreiben. Dann muss man sich weitgehend nur noch um sich selbst kümmern.

Olipool 16 Übertalent - 4050 - 23. Juni 2016 - 12:36 #

Ok, dann muss ichs nochmal angehen, BG ist heute nicht mehr sooo zugänglich, deswegen hatte ich es nicht lange gespielt.

Die Probleme der Entwickler sind zweifelsohne vorhanden und eine ziemliche Herausforderung. ABER: Doom 1 war auch "unmöglich" zu machen, Carmack hats gemacht und hatte einen Hit. Vielleicht bremsen solche Bedenken ja die Evolution von Spielen aus. Ich hab das ja nur aus Spieler-/Designer-Perspektive geäußert. Da will ich keine Rücksicht auf Entwickler nehmen. Aber ja, ich versteh deinen Einwand.

Man könnte es auch so lösen, dass die Partymitglieder schon der Story wegen einfach keine herausragenden Kämpfer sind, vielleicht einfach einfache Bauern, die jetzt zu Rebellen werden, weil sie unterdrückt werden und sich um den Helden scharen. Wie auch immer, ein solches Spiel hätte ja auch ganz klar seinen Fokus NICHT auf Kämpfen. Wie es genau aussähe muss man noch überlegen, mit traditionellen Spielen kann man es dann nicht vergleichen.

Maryn 13 Koop-Gamer - 1285 - 23. Juni 2016 - 16:10 #

Vielleicht haben wir auch unterschiedliche Vorstellungen, was den Einbezug von Gruppenmitgliedern in die Handlung angeht.
In BG ist es eben so, dass a) Gruppenmitglieder Reaktionen auf die Entscheidungen des Spielers innerhalb der Handlung abgeben, b) es Questreihen gibt, welche sich nur um die Hintergrundgeschichte einzelner Gruppenmitglieder drehen und c) gerade im Falle von BG2 sich die Handlung nicht nur um den Hauptcharakter allein, sondern um zwei Gruppenmitglieder dreht, auch wenn man diese Person nicht unbedingt in der Gruppe behalten muss.
Ich finde jedenfalls, dadurch sind die Gruppenmitglieder weit mehr als nur handlangernde Mitläufer.

Dieses nicht-kampfbetonte, gruppenbasierte Spiel klingt für mich dann eher nach einer Art Gruppen-Adventure. Hätte vielleicht tatsächlich auch mal was.

Olipool 16 Übertalent - 4050 - 24. Juni 2016 - 8:01 #

Danke für die Details, ich legs mir mal auf die GOG-Wishlist :)
Es ist doch aber so, dass ich die Gruppenmitglieder alle steuern kann, oder? Ich finde das bricht doch die Immersion so etwas, wenn ich eine alte Frau überfalle mit der Gruppe und nachher sagt mir ein Mitglied: das war aber nicht richtig. Das ist dann so ein Zwitter-Ding.

Maryn 13 Koop-Gamer - 1285 - 24. Juni 2016 - 14:39 #

Man kann alle Gruppenmitglieder steuern, richtig. Man kann sich auch für alle KI-Skripte schreiben, welche aber auch nicht immer perfekt sind bzw. welche man immer wieder verbessern kann/muss - ich persönlich nutze das aber ohnehin nie, da mir das Pausieren und Mikromanagement zusagt.

Genau so wie du es beschreibst, könnte eine Situation zunächst ablaufen. Das Gruppenmitglied wird sich das aber nicht ewig anschauen, wenn du nicht im Sinne des jeweiligen Charakters handelst. In manchen Situationen kannst du den NPC vielleicht gerade noch überzeugen, in der Gruppe zu bleiben. Es kann aber auch plötzlich passieren, dass jemand deine Gruppe verlässt. Dies kann unangenehm werden, wenn man beispielsweise in einem gefährlichen Gebiet ist, ohne die Möglichkeit, den vakanten Platz in der Gruppe neu zu besetzen.
Zusätzlich kann es unter den Mitglieder in der Gruppe zu Spannungen kommen. Gerade bei Personen unterschiedlicher Gesinnung ist dies praktisch vorprogrammiert.
Man kann also theoretische alle Gruppenmitglieder steuern, solange man es schafft, die Gruppe zusammenzuhalten. Und das wiederum gelingt, wenn man die Handlung im Sinne der Gruppe verfolgt und gleichzeitig ein guter "Teammanager" ist.

Es ist also wichtig, die eigene Gruppe mit Bedacht zusammenzustellen.

Olipool 16 Übertalent - 4050 - 27. Juni 2016 - 23:41 #

Sorry für die späte Antwort. Klingt alles super, schade, dass sich sowas nicht durchgesetzt hat. Ich wollt mir fast schon die enhanced edition im Steamsale holen, aber die soll doch stark casualisiert worden sein.

Welat 15 Kenner - P - 2883 - 22. Juni 2016 - 9:50 #

Danke fùr die Preview. Freue mich sehr auf das Spiel. PoE hat mir sehr gut gefallen. Hoffe dass die 20 Stunden Spielzeit gerne bei Lösung aller Quest auf gerne 40 + x Stunden anwachsen kann.

Maulwurfn Community-Moderator - P - 15109 - 22. Juni 2016 - 12:29 #

Klingt interessant, PoE ist ganz gut geworden, denke das wird auch was.

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 36602 - 22. Juni 2016 - 16:54 #

Das hört sich vielversprechend an, freue ich mich drauf.

Kühlschrankmagnet 06 Bewerter - 60 - 22. Juni 2016 - 18:25 #

Es klingt, als litte "Tyranny" am selben Problem wie "Pillars of Eternity": Dauerpausenhämmern im Kampfsystem, wodurch das Echtzeitelement kaum noch zur Geltung kommt. Statt einen Gutteil der Kämpfe dank ordentlicher Anfangsplanung dann auch mal laufen lassen zu können, wirft mich "Pillars" in Gefechte, die ich ständig pausieren und kleinteilig nachjustieren darf.

Ein Rundenkampfsystem böte im direkten Vergleich sogar den günstigeren Spielfluss. "Baldur's Gate" war hier geschickter, weil es die Gefechte in Bezug auf Gegnerart und einhergehende Klickintensitätsanforderungen an sein Kampfsystem anpasste.

densetsu268 12 Trollwächter - P - 1044 - 22. Juni 2016 - 22:28 #

PoE finde ich wirklich klasse (habe es noch nicht durch, es gibt einfach noch zu viele andere spannende Spiele), bin schon auf die beiden DLCs gespannt, wie auch auf dieses Spiel hier, ich befürchte nur das ich es ähnlich weit nach Release spielen werde wie schon PoE :-/

Arno Nühm 15 Kenner - - 2806 - 22. Juni 2016 - 23:10 #

Freue mich außerordentlich auf Tyranny. Euer Preview-Video ist in dieser Hinsicht sehr aufschlussreich. Bin wirklich Gespannt, wie Obsidian dieses Projekt umsetzen wird.

Kommentar hinzufügen

Neuen Kommentar abgeben
(Antworten auf andere Comments bitte per "Antwort"-Knopf.)