Publisher Mastertronic muss 40% der Belegschaft entlassen

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31. Juli 2014 - 12:36

Der langlebige Publisher Mastertronic hat heute bekannt gegeben, dass er seine Büros in Cambridgeshire schließen und 40 Prozent seiner Belegschaft entlassen muss. Andy Payne, Managing Director und Gründer des Unternehmens, erklärte in einem Blog-Beitrag beim Magazin Develop, dass nach internen Geld-Problemen ein Gläubiger androhte, eine richterlich angeordnete Auflösung des Betriebs zu verfolgen. Dies heißt, falls Mastertronic bis zu einem bestimmten Zeitpunkt seine Schulden nicht bezahle, würde die Firma geschlossen werden. Payne dazu:

Das ist etwas sehr, sehr ernstes und wir mussten uns dagegen schützen.

Aus diesem Grund beschloss das Unternehmen, kostensparende Maßnahmen zu ergreifen. Darunter zählen neben den Entlassungen und das Schließen der Büros auch die Fokussierung auf "digitales Publishing", weshalb Mastertronic das Geschäftsfeld von physischen Goodies und Retail-Versionen verlässt. Dieses Geschäftsmodell sei nicht tragbar, so Payne:

Wir wussten dass unsere Geschäftsmodelle für uns und unsere Partner untragbar wurden. [...] Unserer Meinung nach ist der Bereich von Retail und verpackten Gütern schlicht nicht tragbar für eine Firma wie Mastertronic. Die hohen Kosten auf Konsolen zusammen mit den hohen Erwartungen von Retail-Partnern bedeutet ein ultra-hohes Risiko, wenn man nicht im richtigen AAA-Spielesektor ist.

Der Vertrieb von verpackten Konsolen-Titeln setze aufgrund der vorausgehenden Zahlungen an Plattform-Besitzern den Cash Flow des Unternehmens einen "schrecklichen Druck" aus. Zuletzt hat Mastertronic Indie-Spiele wie Ten Second Ninja oder Tango Fiesta vertrieben.

Dieses Problem bestehe allerdings nicht nur bei seiner Firma, Payne sieht in der gesamten Industrie schwere Zeiten. So lese er jeden Tag über Umstrukturierungen bei anderen Studios oder Publishern, die entweder ihre Beschäftigtenzahl reduzieren oder gar ganz aufhören. Allerdings sieht der Managing Director der Zukunft hoffnungsvoll entgegen, denn der Bereich des digitalen Vertriebs sei sehr gesund, weshalb die Probleme des Unternehmens seiner Sicht nach nur an den Schulden liegen. Payne verspricht schlussendlich, dass er alles versuche, um die Schulden so schnell wie möglich abzubauen. Hierfür ist ein Treffen mit den Gläubigern von Mastertronic für den 11. August angesetzt.

Loco 17 Shapeshifter - 8089 - 31. Juli 2014 - 12:46 #

Irgendwie häufen sich die Meldungen dieser Art. Geht ein bisschen Bergab :(

firstdeathmaker 17 Shapeshifter - P - 6556 - 31. Juli 2014 - 12:53 #

So ist das halt leider, nennt sich Marktwirtschaft. Leider bleiben bei der "Regelung" immer Menschen auf der Strecke. Die gesammte Games-Branche hat halt das Problem, dass es ein Überangebot an Leuten gibt, die gerne dort arbeiten wollen, es aber nur eine bestimmte Nachfrage gibt. Merkt man auch an den Gehältern, weshalb man schon sehr idealistisch sein muss um dort zu arbeiten.

Drosan 15 Kenner - 2835 - 31. Juli 2014 - 13:01 #

Das schlimmste finde ich die Ungewissheit nach der Veröffentlichung eines Spiels. Selbst wenn das Spiel toll sein sollte, hat man keine Gewissheit ob man danach noch einen Job hat oder nicht.

Claus 28 Endgamer - - 108684 - 4. August 2014 - 0:03 #

Ich kenne Mastertronic noch aus der C64-Zeit.
Da haben die 10 DM Billig-Spiele auf Kassette vertrieben (10 Gurken auf eine Perle wie Kane oder ähnliches).
Somit kehren die jetzt etwas wieder zu ihren Wurzeln zurück...

Alex Althoff 20 Gold-Gamer - 20736 - 31. Juli 2014 - 13:05 #

Wundert mich nicht. Die letzten Publisher werden EA, Ubi, Take2 und AV sein. Der Rest geht doch den direkten Weg zu den Kunden über Steam. Der Handel bei Retail stirbt bei PC Spielen aus. Früher war das anders. Da brauchtest jemanden der die Verpackungen herstellt, Handbücher, Werbung macht etc.

Heute gehst zu Valve, sagst willst dein Game über Steam bringen. 25% des Preises gehen an die und Rest bekommt der Entwickler direkt.

Bei nen 60 Dollar Vollpreisspiel gehen nach Abzug der Publisher, Händlerkosten usw. grad mal 5-6 Dollar pro Spiel an die Entwickler.
Bei Steam wären das 45 Dollar.

So am Rande erwähnt:

CoD PC Verkäufe Handel : 1 Million = 6 Millionen Gewinn
Digital : 2 Millionen = 90 Millionen Gewinn

Schwere Entscheidung, was für ein Model vor allem kleine Studios nehmen werden. Selbst wenn das Spiel für 10 Dollar noch auf Steam erscheint, gibt es mehr Gewinn ab, als eine Retailversion für 60 Dollar. So machen eben am PC selbst so kleine Verkaufszahlen mehr Gewinn als die Konsolenversionen die sich zwar 8 Millionen mal verkaufen aber viel weniger Gewinn abwerfen. Deswegen gehen ja so viele nun zu Steam und die haben bereits mehr Titel dieses Halbjahr veröffentlicht, als die letzten 2 Jahre Gesamt. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

Ubique (unregistriert) 31. Juli 2014 - 14:03 #

Deine Aussage mag ja grundsätzlich nicht völlig falsch sein. Aber bitte setzte doch Umsatz nicht mit Gewinn gleich. Ist ja gruselig.

Hundekuchen (unregistriert) 1. August 2014 - 1:51 #

Tut er doch gar nicht! Er setzt den Rohertrag mit Gewinn gleich. Für den Vergleich, den er anstellt, ist der Rohertrag schon die richtige Bezugsgröße, lediglich die Begrifflichkeit ist nicht ganz sauber.

Die Zahlen stimmen aber nicht. Denn auch ein Spiel, was auf Steam veröffentlich wird, muss beworben und PR-technisch betreut werden. Die Vertriebskosten auf die 25% von Steam zu reduzieren, ist somit nicht korrekt, denn die Präsenz auf Steam allein verkauft kein Spiel. Ich bezweifele zudem, dass die kumulierte Supply-Chain-Marge (idR 2-3% Distribution, 10-15% Einzelhandel) höher liegt als die 25% von Steam. Dritter Punkt ist der Publisher, der ja nicht nur den Vertrieb des fertigen Produkts übernimmt, sondern in vielen Fällen auch die Vorfinanzierung. Der will seinen Anteil auch dann, wenn das Spiel letztlich auf Steam erscheint.

Letztenendes schrumpft die Differenz zwischen Retail-Rohertrag und Steam-Rohertrag dann heftig zusammen. Es bleibt vermutlich ein Vorteil bei Steam, aber der dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen.

Taggerd 10 Kommunikator - 404 - 31. Juli 2014 - 13:22 #

Digitales Publishing? Das habe ich doch heute schon mal gelesen..*cough* CryTek *cough*

Sven Gellersen Community-Moderator - P - 20658 - 31. Juli 2014 - 13:32 #

Hab von denen noch nie was gehört.

Epic Fail X 15 Kenner - P - 3574 - 31. Juli 2014 - 13:49 #

Die hatten ihre großen Zeiten auch in den 80ern. Wusste gar nicht, dass es die noch gibt.

Bad Wolf 19 Megatalent - - 13462 - 31. Juli 2014 - 15:01 #

Dachte auch die wären schon weg vom Fenster. Scheinen aber seit 2005 unter dem Label M.A.D. (Mastertronic Added Dimension) zu verkaufen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mastertronic

v3to (unregistriert) 31. Juli 2014 - 15:19 #

ähm... öhm... ging mir ähnlich. mein letzter stand war, dass die ende der 80er mit virgin fusionierten und später von sega übernommen wurden...

wikipedia sagt, dass der heute aktive publisher mastertronic 2005 neu gegründet wurde und bis auf den namen mit dem früheren budget-label nichts mehr gemein hat.

Slaytanic 22 AAA-Gamer - P - 32767 - 31. Juli 2014 - 23:46 #

Jep, hatte auch gedacht das die schon weg vom Fenster sind.

Punisher 19 Megatalent - P - 13378 - 31. Juli 2014 - 14:19 #

Dachte ich mir auch grad. Stell dir vor, es pleitet ein Publisher, den du nicht kennst...

Zaunpfahl 19 Megatalent - P - 14325 - 31. Juli 2014 - 18:32 #

Oh oh, ich hoffe das Just Flight und Just Trains weiter machen können. Sonst entstehen in zwei Communities echte Lücken.

MaverickM 17 Shapeshifter - 7451 - 1. August 2014 - 2:19 #

Master...wer!?

Anonhans (unregistriert) 1. August 2014 - 9:12 #

Nie gehört. Aber das Logo sieht ja mal furchtbar schrecklich aus und ist sogar unangenehm anzuschauen. Wenn derjenige, der das designed hat, seinen Hut nehmen muss, trifft es zumindest in einem Fall den richtigen :/

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