Kurztest: Autumn Dynasty Warlords

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Jörg Langer 329354 EXP - Chefredakteur,R10,S10,C10,A10,J9
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17. Juli 2014 - 23:23 — vor 2 Jahren zuletzt aktualisiert
Globalstrategie ist eigentlich ideal für Tablets ausgelegt, doch außer einigen Weltraum-4X-Spielen und Civilization Revolution gibt es nicht wirklich viel in diesem Genre. Der deutlich erweiterte Nachfolger eines beachtlichen RTS-Debüts will die Lücke füllen.
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Vor rund zwei Jahren erschien mit Autumn Dynasty ein iOS- und Android-Spiel, das Echtzeit-Strategie auf dem Tablet (oder gar Smartphone) gut spielbar umsetzte und vor allem mit seinem "antiken Wasserfarben-Stil" auffiel. Doch die serielle Kampagne verlor nach einigen Schlachten an Spannung, zu einfach war der Computergegner zu schlagen, wusste man erst mal, wo auf der natürlich in Kriegsnebel gehüllten Karte er welche Einheiten hatte.
 
Nun ist kürzlich der Nachfolger Autumn Dynasty Warlords herausgekommen, zunächst nur für iOS – und er erweitert das RTS zum ausgewachsenen Globalstrategie-Spiel, nach grobem Vorbild der alten Total-War-Spiele aus der Prä-Rome-Ära. Das heißt provinzbasierte Bewegung und Produktion auf der einen Seite und meist nur etwa fünf Minuten andauernden Echtzeit-Schlachten auf der anderen. Obendrauf gibt's ein pfiffiges Metaspiel beim Provinzerobern, das wir in dieser Form noch nicht gesehen haben. Was wir in dieser Form schon sehr oft gesehen haben, ist die Ausgangslage, weshalb wir nicht näher auf die (per Text dargebotenen) Gründe für jeden Heerführer eingehen, das Reich einen zu wollen.

China als Vorbild
Jin ist einer der neun Anführer, die euch globale Boni (und teils Mali) geben.
Sowohl der Grafikstil, das Aussehen der Helden und Kampfeinheiten als auch die ungefähren Umrisse der Spielwelt erinnern zumindest den wenig eingeweihten Westler an China. Aber nicht an die moderne Ein-Parteien-Diktatur, sondern an das China aus KOEIs Romance of the Three Kingdoms, als zahlreiche Kriegsherren um die Vorherrschaft im ganzen Land fochten.

Von den insgesamt neun Anführern, jeder mit einer Auswahl rekrutierbarer Einheiten sowie speziellen Stärken und Schwächen, steht anfangs nur einer zur Verfügung, den Rest schaltet ihr nach und nach frei. Uns fehlen nach etwa zwölf Stunden Spielzeit noch zwei der Anführer. Typische Stärken können etwa höheres Bevölkerungswachstum oder ein Angriffsbonus sein, Schwächen etwa Einschränkungen beim Gebäudebau. Außerdem fangen die Anführer mit bestimmten Vorlieben und Abneigungen für andere Herrscher an.
 
Drei Szenarien stehen zur Wahl, von denen zwei feste Startpositionen für die Herrscher kennen, die teils schon mit mehreren Provinzen beginnen, während im Letzten jeder der Kriegsfürsten eine zufällige Startregion zugeschanzt bekommt. Und diese Region ist erstmal öde und leer...
 
Reichsausbau leicht gemacht
Die Bedienung erfolgt direkt auf der Weltkarte, die stufenlos von "das ganze Land" bis "eine einzelne Provinz" zoombar ist, mit den typischen Fingergesten. Jede Provinz enthält ein Heerlager, eine Stadt sowie optional einige Helden. Wollt ihr in der Stadt etwas bauen, tappt ihr mit eurem herrschaftlichen Wurstfinger darauf und erhaltet eine Nahansicht. Je nach Stadtgröße stehen mehr oder weniger Bauplätze zur Verfügung, in die ihr dann beispielsweise eine Farm, ein Archiv, einen Wachturm oder die Rekrutierungsgebäude für Speerträger, Bogenschützen, Reiter und so weiter platziert. Alle Gebäude sind upgradebar, sodass ihr beispielsweise gleich Kavallerie der Stufe 3 rekrutiert, weniger Geld für Bogenschützen zahlt oder euer Marktplatz mehr Geld pro Runde abwirft.
 
Grabscht ihr das Heerlager-Symbol, könnt ihr entweder neue Truppen nachrüsten (so ihr Geld und die notwendigen Gebäude habt), sie in eine eurer Nachbarprovinzen bewegen oder aber einen Angriff starten – ihr bewegt Truppen also nicht durch direktes Anfassen in der Provinz, obwohl sie dort zumindest mit einer Figur pro enthaltenen Truppentyp gezeigt werden. Ans Heerlager rangezoomt, werden euch sogar alle vorhandenen Soldaten dargestellt, und ihr könnt sie antippen, um weitere Infos zu ihnen zu erfahren. Überhaupt ist Autumn Dynasty Warlords vorbildlich in Sachen Informationen: Zu fast allen Icons wird ein Tooltip eingeblendet, wenn ihr einige Sekunden darauf drückt.
 
Sind ein oder mehrere Helden in der Provinz (die wie die Truppen mit der Zeit aufleveln), stellen sie euch weitere Funktionen zur Verfügung, wobei jeder Held nur einmal pro Runde zum Einsatz kommen kann. So könnt ihr sie zur Verbesserung der Provinz einsetzen, mit ihnen Zufallsereignissen wie "Banditen" entgegenwirken, spezielle Missionen erfüllen oder sie einfach "erkunden" gehen lassen – das bringt oft eine Bonuskampfeinheit, etwas geschenktes Gold oder auch mal den Bonus, dass alle bereits eingesetzten Truppen der Provinz in derselben Runde nochmals angreifen können. Nicht zuletzt unterstützen euch die Helden im Kampf, wenn sie in der Provinz stehen, von der aus ihr angreift oder in der ihr verteidigt. Was uns zum faszinierendsten Feature von Warlords bringt.
 
Innovative Provinzeroberung
Während ihr in der alten Total-War-Serie eine Provinz entweder kontrolliertet oder eben nicht, müsst ihr sie in Warlords Autumn Dynasty schrittweise erobern. Ihr pickt euch also nach dem Angriffsbefehl eine von zumeist zwei, manchmal drei Missionen heraus, die auch an logischen Stellen der Provinzkarte eingezeichnet sind, beispielsweise "Infiltration" oder "Erkundung" oder "Basislager einrichten". Hinter diesen Begriffen verstecken sich dann bestimmte generische Missionen, so muss man bei Infiltration oft (aber nicht immer) schlicht eine einzige Einheit ans andere Schlachtfeldende bewegen. Spätere Missionen können dann etwa lauten, "Garnison zerstören", "Nachschub stören" oder "Dorf plündern", bevor es dann darum geht, die "Äußeren Tore anzugreifen", "den Endangriff vorzubereiten" und schlussendlich die "Stadt zu erobern". In der Regel müsst ihr etwa sechs bis acht Schlachten schlagen, bevor euch die Stadt und damit die Provinz gehört.
 
Der Witz dabei: Ihr wählt aus euren Truppen innerhalb der maximal zulässigen Zahl (zumeist drei bis acht), wie viele und welche Einheiten ihr in den Kampf führt. Dann dürft ihr noch eine Art Kampftaktik wählen (die jeweils Boni auf bestimmte Truppentypen oder Aktionen gibt), allerdings jede Taktik nur einmal pro Gesamtrunde, und einen Helden als General, sofern einer anwesend ist. Dann schlagt ihr die fast immer sehr kurze Schlacht – doch damit sind die beteiligten Truppen, sofern sie überleben, erschöpft. Habt ihr weitere Soldaten, könnt ihr noch in der gleichen Runde eine weitere Mission in dieser Provinz schlagen, und noch eine, und noch eine. Das gibt dem ganzen eine Metaspiel-Komponente, denn auch der Verteidiger kann nur einsetzen, was er eben vorrätig hat, und auch nur jeden Trupp pro Runde einmal. So kann es eine Idee sein, den Angreifer zunächst ins Leere laufen zu lassen, bevor man sich dann den hoffentlich weniger zahlreichen Truppen beim zweiten Angriff in den Weg stellt. Habt ihr gar keine Verteidiger mehr, und merkt das der Gegner (was auch der KI oft gelingt), kann dieser mit nur einer Kampfeinheit pro Mission innerhalb einer einzigen Runde die ganze Provinz erobern. Als sinnvolle Ausnahme dürfen beim letzten, entscheidenden Kampf auch diejenigen Verteidiger mitmachen, die bereits gekämpft haben in dieser Runde.
 
Meistens dauert die Eroberung einer Provinz jedoch mehrere Runden, der Verlauf des Kriegs in dieser Provinz wird auf der Weltkarte durch kleine Fähnchen verdeutlicht, die von der angreifenden immer tiefer in die angegriffene Region hineinführen – wobei es auch mehrere Angreifer gleichzeitig geben kann. Die Rückeroberung läuft genauso: Wenn ihr einen Gegenangriff starten wollt in einer eurer bereits teilweise vom Gegner eroberten Provinz, klickt ihr Missionen wie "Angreifer zurückschlagen" oder "Mauern zurückerobern" an, und führt dann eine entsprechende, generische Schlacht.
 
Zur Seite 2 unseres Tests von Autumn Dynasty Warlords
Die schmucke Weltkarte lässt sich bis auf die Provinzen heranzoomen. Die winzigen Fähnchen in manchen Provinzen stehen für erfolgreiche Angriffe.
Jörg Langer Chefredakteur - P - 329354 - 17. Juli 2014 - 23:24 #

Viel Spaß bim Lesen!

Admiral Anger 24 Trolljäger - P - 48767 - 18. Juli 2014 - 16:27 #

Fehler: *beim ;)

Vampiro 21 Motivator - P - 30707 - 17. Juli 2014 - 23:49 #

Danke für den tollen Test, ist für mich ein Blick über den Tellerrand. Und leider (?) muss ich es nicht bereuen, den Teller iPad nicht zu haben. Es iseht wirklich gut aus, aber die Kritik an der Kampf-KI und Diplo killt auf Dauer ja das Spielerlebnis :-( Bei dem Preis und mangels Alternativen wäre das Spiel aber wohl auch auf meinem iPad mal zu Gast.

lolaldanee 13 Koop-Gamer - 1242 - 17. Juli 2014 - 23:52 #

als alter total war fan finde ich das spiel richtig interessant - da tut es mir doch glatt das erste mal im leben leid dass ich kein geignetes gerät habe um so ein tablet spiel zu spielen...
gibts eigentlich android für x86 architekturen? :D

nebenbei erwähnt: "tappt ihr mit eurem herrschaftlichen Wurstfinger darauf" ist als formulierung einfach großartig :)

genau wegen solchen tests ist gamersglobal meine lieblingsspieleseite!

Spiritogre 18 Doppel-Voter - 11076 - 18. Juli 2014 - 11:22 #

Es gibt durchaus Android Tablets, die nicht auf ARM-Basis sondern mit X86 SOCs laufen. Und es gibt schon diverse Android "Emulatoren" für Windows. Da merkt man übrigens ausgezeichnet, dass die Maus sich nicht sonderlich gut als Ersatz für Touchscreens eignet.

Gnu im Schuh (unregistriert) 18. Juli 2014 - 11:43 #

Für letztere Erfahrung kann man auch Windows 8 hernehmen.

Nachtfischer 16 Übertalent - 5492 - 18. Juli 2014 - 0:53 #

Schöner Test. In der Tat machen die ersten Stunden schon Spaß, denn da hat man noch nicht "alles mal angetappt und ausprobiert". Danach wird jedoch schnell deutlich, dass das Design eher dem Prinzip "viel Zeug, weniger dahinter" folgt. Es gibt kaume wirkliche Dynamik im Gameplay und viele Möglichkeiten, die zunächst wirken als könne sich strategische Tiefe dahinter verbergen, stellen sich schnell als überflüssig heraus. Hier wurde in erster Linie viel Potenzial verschenkt!

Der Marian 19 Megatalent - P - 17464 - 18. Juli 2014 - 4:49 #

Danke für den Test. Hab zwar kein iPad, aber Tests zu Strategiespielen lese ich immer gerne. Schade, dass es noch so viele Macken hat.

EddieDean 14 Komm-Experte - P - 2333 - 18. Juli 2014 - 5:59 #

Auf dem Smartphone ist das wohl nicht ordentlich spielbar?

Jörg Langer Chefredakteur - P - 329354 - 18. Juli 2014 - 7:20 #

Ich habe den Vorgänger kurz angespielt auf dem Smartphone: Geht schon irgendwie, und die Kämpfe lassen sich pausieren. Wirklich empfehlen würde ich es nicht.

vicbrother (unregistriert) 18. Juli 2014 - 8:01 #

Ich finde den grafischen Stil nicht schlecht, Wasserfarben fielen mir schon in Fallen Enchantress als sehr atmosphärisch auf.

Wäre die KI besser, würde dann die Wertung erheblich steigen? Das Argument mit dem Verwaltungsaufwand habe ich auch bei Civ, das ist allen 4X-Spielen gemeinsam und kann man dem Spiel daher wohl nicht anlasten.

Jörg Langer Chefredakteur - P - 329354 - 18. Juli 2014 - 8:57 #

Man kann dem Spiel durchaus das Repetitive anlasten, und es gibt quasi keine Automatisierungen. In Civ 5 hast du "Gouverneure", kannst Einheiten über Runden zum Ziel laufen lassen. Hier musst du rundenlang auf Heerlager klicken, Einheiten auswählen und jeweils eine Provinz weiterschicken. Nur um den Nachschub einer Provinz an die Front zu bringen.

Aber klar, eine durchschnittliche oder gute KI würde dem Spiel sehr gut tun.

Claus 28 Endgamer - - 110778 - 18. Juli 2014 - 16:48 #

Danke für den Test!!!

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Touch Dimensions
Touch Dimensions
26.02.2014
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