Strategie-Podcast 3MA: Crisis Management // Victoria 2

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19. Juli 2014 - 10:08 — vor 3 Jahren zuletzt aktualisiert
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Folge 269 des Strategie-Podcasts Three Moves Ahead nimmt die Juli-Krise 1914, die ein Zwischenschritt zum Ausbruch des 1. Weltkriegs vor 100 Jahren war, zum Anlass, um sich mit Gründen für den Ausbruch von Kriegen, insbesondere zwischen Großmächten, zu beschäftigen, und wie diese Entwicklungen in 4X-Spielen umgesetzt werden. Hierzu hat sich Rob Zacny mit Troy Goodfellow und dem Game-Designer Chris King, der unter anderem an Victoria 2 (GG-Test 7.0) und dem Addon House Divided mitarbeitete, zwei Experten eingeladen.

In der Diskussion gehen sie immer wieder intensiv auf den 1. Weltkrieg, etwa den berühmt berüchtigten Panthersprung nach Agadir, die deutsche Flottenpolitik vor dem 1. Weltkrieg und die von Deutschland befürchtete Überlegenheit Russlands ab 1916 ein, aber auch das Münchner Abkommen von 1938. Zudem fließen die Erkenntnisse von Troy Goodfellow ein, die er hinsichtlich von Ultimaten im Rahmen seiner Promotion gewonnen hat.

Im Bereich der Spiele decken sie unter anderem die Paradox-Spiele wie Victoria 1 und Victoria 2, Europa Universalis 4 (GG-Kurztest 7.5) und Crusader Kings 2 (GG-Test 7.0) ab, bei denen das Prestige und die diplomatischen Beziehungen eine entscheidende Rolle spielen. Anders als in der Realität sinkt die Furcht vor einem Aggressor dort jedoch mit der Zeit, wohl als Designentscheidung um festgefahrene Situationen zu vermeiden.

In Spielen wie Civilization 5 (GG-Test 8.0) und der Imperialismus-Reihe sind hingegen Ressourcen häufig der Anlass für einen Krieg. Seien es strategische Ressourcen wie Öl oder Kohle oder auch Luxusressourcen. Stehen diese nicht mehr zur Verfügung, kann dies zum Absturz einer Großmacht führen, der nur durch einen Technologievorsprung und rechtzeitige Kriegsführung verhindert werden kann. Dabei konstatieren sie auch Unterschiede zu den Paradox-Spielen, die darin begründet sind, dass diese in einen historischen Rahmen eingebettet sind.

Schließlich widmen sie sich auch immer wieder Imperia, dem neuen Spiel von Chris King, das hinsichtlich der Heranbahnung von militärischen Auseinandersetzungen ganz neue Wege beschreiten möchte. Welche das sind, könnt ihr in dem gut 70-minütigen Podcast erfahren.

jqy01 15 Kenner - 3288 - 19. Juli 2014 - 10:46 #

Was Victoria 2 angeht, so sind diese Krisen und dieses Hineinschlittern in einen großen Krieg wirklich exzellent umgesetzt. Ich hab mich selbst dabei erlebt, dass ich Krisen bewusst angeheizt habe um mir lästige Konkurrenten vom Hals zu halten oder zu schwächen. Auf der anderen Seite kommt einen eine internationale Krise oftmals auch komplett ungelegen, so dass man hofft und auch auf diplomatischen Wege einiges tut, damit ein Krieg verhindert werden kann. Und wenn man Pech hat befindet man sich dann doch einen Monat später trotz innenpolitischer Probleme in einem Weltkrieg.

Weiterhin ist es auch gut ins Spiel die Tatsache integriert worden, dass man sich es als Großmacht nicht oder nur schwer leisten kann in einer Krise neutral zu bleiben, da dies von Krise zu Krise immer mehr Prestige kostet.

Vampiro 22 AAA-Gamer - P - 34795 - 19. Juli 2014 - 10:47 #

Vielen Dank für den Tip! Ich habe Victoria 2 damals nur in einer relativen Vanilla-Version gespielt, und die fand ich ernüchternd schwach (kaum Militärtaktik im Vergleich zu HoI2, wo ich gerade herkam, Wirtschaftssystem/Fabrikenbau usw. ziemlich total buggy, die zu krass spawnenden Rebels).

Sind da die Kinderkrankheiten in späteren Patches (oder mit Addons?) rausgeflogen, so dass es jetzt ein empfehlenswertes Spielerlebnis ist? Das Setting reizt mich nämlich ungemein.

An dieser Stelle möchte ich auch nochmal die brillianten Imperialismus-Spiele jedem ans Herz legen (gibt dazu auch eine Folge bei 3MA, siehe Archiv). Mit die besten Spiele ever. Würden sich imho sehr gut für eine Mobile-Umsetzung eignen.

Ganesh 16 Übertalent - 5024 - 19. Juli 2014 - 15:25 #

Meiner Meinung nach hat Victoria II zwei Probleme, die auch mit der letzten Erweiterung nicht gelöst werden konnten und wahrscheinlich innerhalb des Designs nicht lösbar sind.

1. Es zu ambitioniert. Es versucht gleichzeitig Wirtschafts- und Politiksystem auf mehreren Ebenen zu modellieren. Das führt immer wieder zu Balancing-Problemen und auch immer wieder dazu, das man als Spieler häufig verloren ist. Verbunden mit der Tatsache, dass Entscheidungen in Vicky2 häufig sehr weitreichende, aber nicht vollständig absehbare Konsequenzen haben, wird das Spiel schnell unübersichtlich. Teilweise kommt man nach einer Erweiterung oder einem Patch zurück und kommt sich vor, dass sich die Funktionsweise des Spiels vollkommen geändert hat.

2. Wenn man Vicky2 mit CK2 oder EU4 vergleicht, fällt auf, dass es einfach weniger gut designt ist. In-Game-Hilfe ist unvollständig und all das, was Paradox mit den neueren Titeln gelernt hat, fehlt und wird wohl auch nicht mehr ergänzt werden.

Vampiro 22 AAA-Gamer - P - 34795 - 24. Juli 2014 - 12:28 #

Hi Ganesh :)

Danke für deine Hinweise!

Ok, das sind natürlich beides ziemliche bummer. Sehr schade :(

jqy01 15 Kenner - 3288 - 19. Juli 2014 - 11:18 #

Was den Wirtschaftspart angeht, so kann man jetzt sagen, dass er nicht unbedingt perfekt läuft, aber wenigstens nicht mehr wie zu Vanillazeiten die Weltwirtschaft ab den 1890ern komplett einbricht. Allerdings sind die Entscheidungen der Kapitalisten bei einer Laissez-Faire-Politik nach wie vor fragwürdig. Fragwürdig bleiben allerdings auch manche Ausfstände, besonders der Anarcho-Liberalen, wobei ich mittlerweile meine, dass sie nicht mehr so häufig vorkommen. Trotzdem so richtig verhindern konnte ich sie bisher nie. An der äußerst simplen Militärtaktik hat sich so gut wie nichts verändert. Lediglich das Kriegführen und der Unterhalt von Armeen ist jetzt wesentlich teurer und vor allem zu Beginn des Spiels herausfordernder, da man sich keine ewig langen Kriege leisten kann.

Aber trotz alledem: Mit dem letzten Addon (Heart of Darkness) wurde ja die Kolonisation spürbar verbessert, aber vor allem wurde eben dieses Krisensystem eingeführt. Und dafür lohnt sich die Anschaffung des Addons. Ich versuch mal kurz das Prinzip zu erklären:

Ab 1850 können Krisen entstehen. Ausgangspunkt der meisten Krisen sind Nationalitätenkonflikte. D.h. es entstehen auf der Welt Konfliktherde z.B. in den polnischen Regionen Preußens/Deutschlands oder Russlands. Diese Konfliktherde können bewußt angeheizt werden oder sie brechen von selbst aus. Das sieht dann so aus, dass z.B. die polnische Minderheit in Russland sich an die anderen Großmächte wenden um Unterstützung für ihre Unabhängigkeit zu bekommen. Wenn sich kein Unterstützer findet verläuft die Krise im Sand.

Findet sich ein Unterstüzter wie z.B. Preußen, dann kommt es zu einer diplomatischen Krise für die nächsten 180 Tage. In dieser Zeit kann die Krise diplomatisch gelöst werden oder es kommt automatisch zum Krieg. Die anderen Großmächte haben in dieser Zeit die Möglichkeit sich entweder neutral zu verhalten, was zu Prestigeverlust führt, oder sich auf eine Seite zu stellen.

Diese Krisen treten ab den 1880er Jahren immer häufiger auf und mit jeder Krise steigt auch der Prestigeverlust, wenn man sich als dritte Partei neutral verhält. Der Verlust wird so hoch, dass man irgendwann sein ganzes erworbenes Prestige verlieren würde, wenn man noch neutral bleibt. Man kann es sich irgendwann auch nicht mehr leisten. Das hält das Spiel im Vergleich zu Vanilla bis zum Ende hin spannend.

Weiterhin wird nun auch zwischen normalen und Großen Kriegen (Weltkriegen) unterschieden. Bei einem Weltkrieg (d.h. einem Krieg mit mindestens 3 Großmächten), gibt es jetzt die Möglichkeit den Gegner zur vollständigen Kapitulation zu bringen, was bedeutet: Reparationen, Abrüstung und Verlust aller strittigen Gebiete.

Mittlerweile gibts ja die Addons für relativ günstiges Geld. Ich denke alleine für das Krisensystem lohnt es sich, auch wenn Victoria 2 nach wie vor nicht komplett rund läuft.

Und was Imperialismus angeht. Den ersten Teil habe ich geliebt, der hatte zwar ein fiktives Szenario, aber hat die Industrialisierung und die Krieg im 19Jh. perfekt rübergebracht.

Vampiro 22 AAA-Gamer - P - 34795 - 24. Juli 2014 - 12:38 #

Hi :-)

Wow, vielen dank für die ausführlichen Infos!

Mhm, immer noch kein perfekter Wirtschaftspart klingt schonmal abschreckend. Naja, von Laissez-Faire bin ich eh kein Fan, der Staat weiß doch am besten, was gut für die Bevölkerung ist ;)
Kein interessanter Kampf ist imho nach wie vor abschreckend, sogar EUIV hat ja wenigstens ein bisschen Tiefe (imho aber zu wenig).

Kolonisation klingt natürlich gut. Von diesem Konfliktsystem höre ich erstmals. Das klingt in der Tat extrem spannend! Da war mir auch gar nicht so klar, was sie im Podcast mit den Konflikten bei Vicky 2 meinten :-D
Die Unterscheidung zwischen normalen und großen Kriegen gefällt mir auch. Ich denke, vllt. werde ich das doch mal anschaffen :) Im Winter :)

Ja, Imperialismus ist der Hammer. Teil 2 brachte ja das Kolonialspiel, fand ich auch gut.

Vampiro 22 AAA-Gamer - P - 34795 - 31. August 2014 - 22:15 #

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